Wilhelm Westerkamp

Meine Neurosen bezüglich einer Kleinstadt

Ich war noch niemals in Paris und auch in New York war ich in meinem jetzigen Leben nicht gewesen. Viel zu oft aber, musste ich mein Dasein in kleinen Städten verbringen, meistens deshalb, weil ich keine Arbeit gefunden habe und somit auf Sozialhilfe angewiesen war und die Wohnungen in der Großstädt für mich deswegen viel zu kostspielig waren.So wohne ich bis heute noch in so einer biederen Kleinstadt (deren Name ich aber aus guten Gründen hier verschweigen werde). So lebt es sich in so einer Kleinstadt recht spießig, gepaart mit einer nicht enden wollenden Langeweile, die mir an manchen Tagen beinahe den Verstand zu rauben scheint. So jogge ich zum Ausgleich einmal die Woche wenn mir die Langeweile an diesem Ort regelrecht zu Kopf steigt, zirka zehn Kilometer am Stück und so laufe ich dann völlig außer Atem zu meiner bescheidenen Wohnung zurück als mich plötzlich ein absolutes “Glücksgefühl” erfasst. So werden ja beim Joggen nach einer bestimmten Zeit körpereigene Opiate freigesetzt – das ist wissenschaftlich erwiesen – die mir beim Laufen die “Schinderei” etwas erträglicher gestalten. Aber ansonsten verbringe ich den Rest meiner Zeit in diesem Provinznest, bisweilen stundenlang vor meinem HD-Fernseher, dabei meistens eine Tüte Chips auf meinem dicken Bauch liegend, griff ich gierig mit meiner rechten Hand stetig hinein, bis ich die Tüte mit Chips innerhalb einer viertel Stunde verputzt habe. Dies hat aber nicht nur Vorteile. So bläht sich mein Bauch innerhalb einer Minute auf, welches sich wahrlich nicht gut anfühlt. Um mich von diesen “Bauchschmerzen” etwas abzulenken, betrachte ich das Full-HD-Bild” in seiner ganzen Pracht und bin begeistert. So hat die alte “Pal-Norm” nach vierzig Jahren ausgedient und das neue HD-Bild, eine dreifach höhere Auflösung, als das Pal-System, was einem sichtbar schärferem Bild von zirka 30 Prozent entspricht. So gibt es (man kann es kaum glauben) auch in solch einer Kleinstadt wie meiner, so ein ein hochtechnisiertes Produkt wie einem HD-Fernseher, obwohl man vielleicht denken würde, das dies bei einer Einwohnerzahl von ein paar hundert, nicht vorgesehen wäre oder überhaupt eine Rolle spielen würde. Aus der Langeweile geboren, jogge ich nicht nur einmal die Woche, sondern absolviere zwischendurch hin und wieder auch einmal einen ausgiebigen Spaziergang, der manchmal bis zu zwei Stunden andauert, der mich auf andere Gedanken bringt, vor allem dann, wenn im Sommer die Sonne so doll scheint, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Zuhause angekommen dusche ich ausgiebig und fange vor guter Laune an zu pfeiffen, so sollte diese gute Laune jedoch nicht lange anhalten. Aus diesem Grunde verbringe ich wieder stundenlang in meiner Wohnung und vor dem Fernseher und schaue HD-Fernsehen bis zum Abwinken, bis mir aber diese Tristesse bezüglich meines Lebens in dieser Kleinstadt doch sehr bewusst wird, ich aber keine Möglichkeit sehe, dies abrupt ändern zu können.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.08.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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