Heinz-Walter Hoetter

Der Geisterautobus

In einer halbverfallenen Scheune sah man einen alten Geisterautobus stehen, der jedes Mal um Mitternacht zum Leben erwachte. Dann hatte er Geister und Gespenster an Bord, die miteinander fröhlich lachten und zu allerlei dummen Späßen aufgelegt waren.

Ja, der große Geisterautobus war herrlich anzusehen, denn er hatte sich verwandelt und stand da wie neu. Ein Phantom-Busfahrer saß am Lenkrad, der betagte Dieselmotor brummte zuverlässig vor sich hin und aus dem Auspuff trat dicker weißer Rauch heraus.

Wir fahren los!“ rief der Busfahrer seinen gut aufgelegten geisterhaften Fahrgästen zu und setzte sein durchsichtiges Fahrzeug langsam wild hupend in Bewegung. Hinaus ging es zum geschlossenen Scheunentor, das er ohne Schwierigkeiten einfach durchfuhr, als wäre es nicht da. Na klar, es war ja schließlich auch ein Geisterautobus.

Auf den vorderen und mittleren Sitzplätzen kreischten die Geister und Hexen, ganz hinten, vor der großen Heckscheibe, kauerten Monster, Vampire und Kobolde.

Draußen war es stockdunkel. Nebel war aufgezogen und die Scheinwerfer des Geisterautobusses fingerten wie dürre Skeletthände durch die trübe Nacht.

Der Wagen war gruselig anzusehen – an den großen Fenstern saßen gespenstige Gesichter, die Räder drehten sich lautlos herum und blieben niemals stehen. So raste der Gespensterbus durch die nebelige Nacht und verschwand in einem finsteren Wald. Ein Käuzchen rief und flog erschreckt davon.

Würde jemand von euch, wenn der Geisterbus anhielte, sich hinzugesellen zu dem unheimlichen Spuk?

Gewiss nicht!

Bestimmt versteckte sich jeder im letzten Eck seines Hauses und würde solange warten, bis der alte Geisterautobus wieder verschwindet.

Ja, es stimmt. Wir haben nämlich alle Angst vor Geister und Gespenster.

Aber das macht auch nichts, denn am nächsten Morgen, noch bevor der neue Tag herauf dämmerte, stand der alte Autobus wieder in der halb verfallenen Scheune und rostete traurig vor sich hin.

Aber es würde bald wieder Mitternacht werden. Dann ging der ganze Spaß wieder von vorne los.

ENDE

(c)Heinz-Walter Hoetter

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