Heinz-Walter Hoetter

Das Rabenpärchen

Weit vor unserer Zeit, es ist schon sehr lange her, in einem fernen Land, der junge Adelsmann Walther in des Schmieds wunderschöne Tochter Yrmengiede, seine erste große Liebe fand.

 

Sie war so jung, sie war so schön, gar lieblich anzuseh’n. Er wollte nicht mehr von ihr geh’n.

 

Doch das Königreich war voller Trauer und auch Sorgen, denn der König war gestorben.

 

Zur gleichen Zeit im Königssaal, auf hohem Throne, die Königin dort thronte mit ihrem jüngsten Sohne.

 

Sein Name war Vasolte, der seinen älteren Bruder Walther als Thronfolger nicht wollte. Sein Hass saß tief, er einen dunklen Magier deshalb rief.

 

Vaters Platz ich heiß begehr, mein Bruder soll nicht König werden. Ich möchte ihn am Hof nicht mehr, den Thron will ich beerben. Verzaubere ihn durch einen Trank. Dafür bekommst du der Prinzessin Hand und noch dazu gar reichlich Land.“

 

Der Magier willigt listig ein und gab dem ahnungslosen Walther heimlich einen verzauberten Wein.

 

Der erste Schluck, so steht es in den Geschichten und Sagen, machte ihn sogleich zu einem Raben. Erbärmlich krähend vor Kummer und Gram flog dieser hoch in den Himmel hinein, suchte den Weg zu seiner Geliebten, er wollte bei seiner Yrmengiede sein.

 

Yrmengiede, die Schöne, saß bei ihrem Vater verträumt in der Schmiede, als plötzlich ein schwarzer Rabe zu ihr kam und sprach, dass er für immer bei ihr bliebe.“

 

Sie sagte: „Gemach, gemach!“

 

Den Raben als Walther erkannte sie nicht. Zu groß war die Schmach.

Des Schmerzes ahnender Verlust ihr zartes Herz fast zerbricht.

 

Der Vogel aber krähte bitterlich: „Ich bin’s, Walther, dein Geliebter! Erkennst du mich denn nicht?“ Yrmengiede erschrak daraufhin fürchterlich.

 

Wer hat Dir das angetan, mein Prinz, sprich!“

 

Mein Bruder Vasolte war der Bösewicht. Er wollte den Königsthron, er hasste mich. Ein böser Magier gab mir einen Zauberwein, ich trank ihn willig unter dunklem Zwang. Er ließ mich bald ein Rabe sein. Welch’ eine Schand’!“

 

Yrmingiede aber wollte nicht, dass ihre Liebe zu Walther, nur weil er jetzt ein Rabe ist, für immer zerbricht.

 

Flieg’ mein Geliebter geschwind, bring’ mir den Wein! Ich will ihn trinken und genauso wie du ein Rabe sein.

 

Und Walther, der Rabe, flog in den Himmel hinein, kam schnell zurück mit dem Zauberwein.

 

Schon bald flog am Himmel hoch droben ein Rabenpärchen. Der Wind trug sie durchs weite Land. Das Königreich Vasoltes jedoch bald in Raum und Zeit verschwand.

 

Es berichten die Geschichten und Sagen, beide leben noch immer verliebt bis in unseren Tagen. Des Magiers böser Zaubertrank war verderblich, aber ihre Liebe zueinander machten Walther und Yrmingiede unsterblich. Sie sind ein ewiges Liebespärchen.

 

Hier endet das Märchen.

 

©Heinz-Walter Hoetter

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