Angie Pfeiffer

Leben lernen

„Da kommen meine Eltern mit dem neuen Kind.“ Peter, der auf dem Hof spielte, war ganz aufgeregt. „Meine Mama war nämlich im Krankenhaus, weil meine Schwester eine Problemgeburt ist. Jetzt haben sie sie rausgelassen, meine Mutter und meine Schwester auch“, erklärte er seinen Spielkameraden. Vorsichtig näherten sich die Jungen Peters Eltern, die aus dem Auto gestiegen waren. Tatsächlich hielt Ilse Jollenbeck ein Baby im Arm, das fest in eine Decke gewickelt war.
„Frau Jollenbeck, zeigen Sie mir mal das Problem ... ähm ... Problemdings?“, fragte ein vorwitziger Knabe.
Ilse musterte ihn irritiert. „Was möchtest du?“
Peter hatte sich vorgedrängelt und stieß seinem Freund den Ellenbogen in die Seite. „Er will wissen, wie sie aussieht“, erklärte er. „Wie heißt die noch mal?“ Er konnte sich den Namen seiner neuen Schwester einfach nicht merken. Kalle, Peters Vater, hatte amüsiert zugehört, jetzt mischte er sich ein. „Dein Schwesterchen heißt Elisa. Wenn du es sehen möchtest, dann musst du mit in die Wohnung kommen.“ Er legte seiner Frau fürsorglich den Arm um die Schulter. „Komm, Liebes. Deine Mutter wartet sicher schon auf uns.“ Er scheuchte die Rasselbande auseinander, die immer noch um ihn und Ilse herumstanden, um einen Blick auf die Problemgeburt zu erhaschen, denn keiner konnte sich etwas unter diesem Begriff vorstellen. „Jetzt ist es aber gut, macht gefälligst Platz. Und du, Peter, kannst mit nach oben kommen.“
„Och nö, ich spiele lieber weiter.“ Peter fand die Schwester, die auch noch angefangen hatte wie am Spieß zu brüllen hässlich und langweilig.
In der geräumigen Wohnküche angekommen wurde das Ehepaar bereits vom Ilses Mutter Anna erwartet. Behutsam nahm sie ihrer Tochter das Kind aus dem Arm. „Ich kümmere mich schon um die Kleine“, erklärte sie. „Du bist nach den Strapazen bestimmt noch schlapp und kaputt, Kind. Zudem musst du auf dein schwaches Herz Rücksicht nehmen. Leg dich ruhig ein wenig aufs Ohr. Ich bleibe hier so lange es nötig ist. Dein Vater kann ausnahmsweise noch eine Stunde ohne mich auskommen.“
„Ach, Mutter, was sollten wir bloß ohne dich anfangen“, lächelte Ilse.
„Blödsinn“, brummelte Anna. „Ich passe doch gern auf meine Enkel auf. Schließlich bist du meine einzige Tochter. Und jetzt haben wir auch noch ein Mädchen bekommen.“ Sie wandte sich wieder dem Baby zu, das in ihrem Arm eingeschlafen war und betrachtete es andächtig.

Ruhrpottklüngel
1958

„Was, du willst nicht hören? Na warte, dir werde ich‘s zeigen. Wegen dir habe ich schon wieder Herzschmerzen.“ Kurzerhand packte Ilse ihre kleine Tochter, stieß sie in die Besenkammer und schloss energisch die Tür. Das tat sie immer, wenn die Kleine nicht gehorchte. Elisa schnappte nach Luft. Sie fürchtete sich vor der Dunkelheit und der Enge. Die Wände schienen immer näher zu kommen, sie zu erdrücken. Erschrocken kniff das Kind die Augen zu, bedeckte sie mit den Händen. Es versuchte tief einzuatmen, doch die Lungen wollten sich einfach nicht mit Luft füllen. Elisa nahm die Hände von den Augen. Obwohl es stockdunkel war wusste sie, dass die Wände der Kammer immer näher rückten, sie bestimmt gleich zusammenquetschen würden. Während ihr die Tränen über das Gesicht liefen, begann sie zu schreien.
Es klopfte. Die ältliche Nachbarin steckte den Kopf durch die Wohnungstür. „Frau Jollenbeck, ist etwas passiert? Wir hören Elisa deutlich schreien. Mein Mann hat gesagt, ich soll mal nach dem Rechten schauen.“
„Gar nichts ist passiert“, erwiderte Ilse erbost. „Überhaupt schreit das Balg gar nicht mehr.“ Sie öffnete demonstrativ die Besenkammer. Elisa saß zusammengekauert in einer Ecke und schluchzte leise vor sich hin. „Ich schlage meine Tochter nicht, ich sperre sie einfach in die dunkle Kammer und schon pariert sie.“
„Aber Frau Jollenbeck, die Kleine ist doch erst drei Jahre alt. Soll ich sie eine Weile mit zu mir nehmen? Dann können Sie in Ruhe Ihre Hausarbeit machen und das Kind läuft Ihnen nicht zwischen den Füßen herum.“ Ilse zuckte mit den Schultern. „Wenn Sie sich das antun wollen. Elisa ist heute wieder besonders bockig.“ Die Nachbarin reichte dem kleinen Mädchen sanft die Hand. „Magst du mitkommen? Ich will einen Kuchen backen, du kannst mir bestimmt gut helfen.“ Zögernd ergriff Elisa die dargebotene Hand, stieg dann schnell aus der Besenkammer, bevor sich die dunklen Wände noch einmal um sie schließen konnten. Sie holte tief Luft, zog dabei die Nase hoch und nickte heftig. Die Nachbarin griff in ihre Schürzentasche und zog ein Taschentuch hervor. „Jetzt putzen wir dir erst einmal die Nase. Dann backen wir zusammen einen tollen Kuchen.“

Bis auf kleine Unstimmigkeiten war die Nachbarschaft gut. Man traf sich regelmäßig auf dem Vorderhof zum Schlachten, was letztendlich immer in einem Trinkgelage endete. So manches Huhn flatterte kopflos bis zur Dachrinne, weil es in letzter Minute losgelassen wurde. Das Leben lief, dreizehn Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, endlich in geregelten Bahnen. Kalle hatte eine Anstellung als Anlagenfahrer in der Kokerei. Die Werkswohnung war akzeptabel, bestand aus einer Wohnküche und einem Schlafzimmer. Zwar war der Toilettenraum nur über den Flur zu erreichen und man musste ihn mit den Nachbarn teilen, doch hatte das Klosett eine Wasserspülung. Natürlich gab es kein Badezimmer. Gebadet wurde einmal in der Woche in einer großen Zinkbadewanne, die unten ganz nippelig war, sodass man nicht darin herumrutschen konnte, ohne sich den Podex aufzuschubbern. Zuerst ging der Hausherr in die Wanne, dann seine Frau und zuletzt die Kinder. Das Wasser wurde im großen Einkochkessel auf den Kohleherd erhitzt und dann vorsichtig umgeschüttet.
Ilse und die Kinder besuchten täglich die Großeltern, um dort zu Mittag zu essen, wobei Ilse meist einen Topf Suppe für ihren Mann mit nach Hause nahm, was die lästige Kocherei überflüssig machte. Die Hausarbeit in der Zweizimmerwohnung hielt sich in Grenzen, sodass Ilse genug Zeit für sich hatte und ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte. Sie verschlang Liebesromane aller Couleur. Wenn Elisa auch ab und zu störrisch war, was zur Folge hatte, dass sie weiterhin in den dunklen Schrank gesperrt wurde, entwickelte sie sich doch in Ilses Sinn. Das Kind hatte gelernt, dass es seine Mutter möglichst wenig störten durfte.
An den Wochenenden ging das Ehepaar Jollenbeck aus und überließ es dem fünf Jahre älteren Bruder, sich um die Schwester zu kümmern. Wenn Karl und Ilse dann mitten in der Nacht nach Hause kamen, hatte Peter die Kleine in sein Bett geholt, und die Kinder schliefen eng aneinander gekuschelt. „Die hat so geheult, Mama“, erklärte Peter. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte, da habe ich sie zu mir geholt.“
Wenn kein Tanzabend angesagt war, traf man sich samstags bei Ilses Bruder Gustav und seiner Frau Betty zum Kaffeetrinken. Gustav war, wie so viele Bergleute, an Silikose erkrankt und Rentner. Er geriet oft in Atemnot, hustete, spuckte Schleim. Neben der Sofaecke, in der er meist saß, stand ständig ein Eimer mit undefinierbarem Inhalt. Trotzdem war er immer gut gelaunt und freundlich, half, wenn er konnte. Elisa liebte diesen Onkel heiß und innig. Er zeigte ihr mit unendlicher Geduld alle möglichen Kartentricks und brachte sie zum Kichern. Oft ließ er sie ihre selbst erfundenen Geschichten erzählen. Dabei tat er so, als würde er jedes Wort für bare Münze nehmen. „Du hast den Osterhasen gesehen? Da hast du aber Glück gehabt. Wie hat der denn genau ausgesehen?“
Nach dem Kaffeetrinken kamen die Spielkarten auf den Tisch, man spielte ‚Klammern‘, wobei Kalle und Ilse ein Team bildeten und gegen Gustav und Betty antraten. Bevor es losging, schickte man Bertram, den Sohn des Hauses, zum Kiosk an der Ecke. Er besorgte ein paar Flaschen Bier, einen Schoppen Klaren und ein paar Zigaretten Marke Eckstein. Im Laufe des Abends ging Kalle dann noch einige Male zum Kiosk, denn mit einem Schoppen und ein paar Flaschen Bier kam man nie aus. Wenn sie genug getrunken hatte, konnte Betty meist nicht mehr an sich halten: „Jollenbeck mach mich´n Kind, der Gustav hat ja bloß eines hingekriegt.“
„Elisabeth, halt die Schnauze, ich hab mein Bestes getan“, ließ sich Gustav vernehmen. „Und überhaupt, achte lieber auf deine Terze.“ Schließlich spielte man immer noch Karten. „Jollenbeck, biiitte“, Betty war nicht zu bremsen, während Kalle grinste: „Aber Bettykind, sei froh, dass du bloß ein Kind hast. Aber wenn du drauf bestehst …“ Ilse schaute inzwischen ziemlich gräsig, Gustav war genervt: „Pass auf, ich versuch nachher noch mal dich den Gefallen zu tun, aber jetzt halt endlich die Schnauze und lass uns weiterspielen.“

Sonntagnachmittags besuchte man Ilses Eltern. Kalle machte sich häufig einen Spaß daraus, seine Schwiegermutter zu ärgern, indem er gegen den Bundeskanzler wetterte. So auch heute. „Der Adenauer, der kann höchstens ein beleuchtetes Stopfei erfinden und das hat er noch abgekupfert. Schau dir bloß an, wie viel braunes Gesocks jetzt wieder etwas zu sagen hat.“ Mehr brauchte es nicht, um Anna auf die Palme zu bringen: „Wähl du ruhig deine SPD, den roten Herbert und den sauberen Herrn Ollenhauer, der ist 1933 auch ins Ausland abgehauen. Da lobe ich mir den Kanzler, der ist hier geblieben und die Rente erhöht er auch immer anständig.“ Kalle setzte zu einer Erwiderung an, aber dazu kam er nicht mehr, denn Ilse griff ein: „Mutter, du hast ja zwei Kuchen gebacken? Ist das nicht ein bisschen viel?“
Anna ließ sich schnell besänftigen: „Nachdem Elisa am letzten Sonntag so geweint hat, weil ich Peters Lieblingskuchen gebacken habe und ihren nicht, da dachte ich: sicher ist sicher. Ihr könnt den restlichen Kuchen mitnehmen.“
„Danke liebe Oma“, Elisa strahlte ihre Großmutter an, was diese schmunzeln ließ. „Gern geschehen, mein liebes Mädchen.“
„Was für ein Theater wegen der Heulsuse“, brummte Opa Adolf und fixierte seine Enkeltochter streng. Elisa machte sich ganz klein. Sie fürchtete sich immer ein bisschen vor dem grummeligen Großvater, seiner lauten Stimme und seinen buschigen, ständig gerunzelten Augenbrauen. Überhaupt war das Kind seltsam versponnen, dachte sich Geschichten aus, an die es selbst zu glauben schien. Es stellte seine Puppen nebeneinander auf, unterhielt sich anschließend stundenlang mit ihnen, statt mit den anderen Kindern im Hof zu spielen. Es aß nicht richtig, war spindeldürr und oft krank. Anna versuchte ihre Enkeltochter mit Lebertran und Milchsuppe aufzupäppeln, aber Elisa verweigerte solche Mästungsversuche mit dem ihr eigenen Starrsinn.

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Annas Tod
1967

Anna war nicht glücklich über die erneute Schwangerschaft ihrer Tochter Ilse. Immer wieder las man neuerdings in der Zeitung, welche Risiken es für Mutter und Kind geben konnte. Gerade wenn die werdende Mutter nicht mehr ganz jung war.
Ihr selbst ging es gar nicht gut. Sie hatte bereits einen Schlaganfall hinter sich, von dem sie sich einigermaßen erholt hatte, allerdings ging ihr vieles nicht mehr so leicht von der Hand. Adolf, ihr Mann, hatte die Zeit während ihres Krankenhausaufenthaltes im Vollrausch verbracht. Er war froh, dass wieder jemand da war, der morgens den Kohleherd in Betrieb setzte, ihm das Frühstück servierte und die Mahlzeiten zubereitete.

Anna hatte gedacht alles gut überstanden zu haben, doch heute fühlte sie sich gar nicht wohl. Ständig wurde es ihr schwindelig. Mit dem Sehen schien auch etwas nicht in Ordnung zu sein, dazu kamen bohrende Kopfschmerzen. Sie machte sich große Sorgen um ihre Ilse, schließlich war das Kind fast vierzig Jahre alt. Hinzu kam, dass die Tochter in letzter Zeit häufiger Schmerzen im Unterleib hatte. „Falscher Alarm“, wiegelte sie dann ab, aber in Wahrheit fehlte es an Geld, um einen Arzt zu konsultieren. Eigentlich müsste sie, Anna, zur Stelle sein, aber wer sollte in der Zwischenzeit ihren Mann versorgen. Er war ohne sie hilflos, betrank sich nur und aß nicht einmal vernünftig. Seufzend machte sie sich am Herd zu schaffen. Adolf wollte pünktlich seine Milchsuppe zum Abendbrot haben. Wenn bloß nicht diese Kopfschmerzen wären …

Zur gleichen Zeit saß Ilse im Wohnzimmer und versuchte sich auf die laufende Fernsehsendung zu konzentrieren. Kalle hantierte in der Küche, er schmierte den Kindern Butterbrote. „Liebes, hast du auch Hunger?“, rief er aus der Küche. „Eher nicht“, war ihre Antwort. „Ich glaube das Kind kommt.“ Als zweieinhalbfacher Vater blieb Kalle cool. „Moment, ich koche den Kindern eben schnell noch ihren Tee, dann geht es ab ins Krankenhaus.“ Er versorgte die Kinder, die ganz begeistert waren, weil sie bis zu seiner Heimkehr fernsehen durften. Anschließend fuhr er den einzigen fahrbaren Untersatz, einen Lastwagen, vor die Haustür und half seiner Frau in das Führerhaus. Während der Fahrt krümmte sich Ilse immer wieder zusammen, denn die Wehen hatten heftig eingesetzt. „Du meine Güte“, keuchte sie während einer kurzen Atempause. „Ich hatte ganz vergessen, wie weh das Kinderkriegen tut!“
Im Krankenhaus angekommen schien sich die Wehen etwas zu legen. Nach einer gründlichen Untersuchung tätschelte die Hebamme Ilse vorsichtig den Bauch. „Mit einem Wehensturm ist nicht zu spaßen. Wir legen dir jetzt einen Tropf, wenn das nicht hilft, so werden wir das Kind mit einem Kaiserschnitt holen müssen. Aber es wäre besser, wenn wir es noch eine Weile an Ort und Stelle lassen könnten, schließlich hast du gut drei Wochen Zeit bis zum Geburtstermin. Allerdings wirst du erst einmal hier bleiben müssen.“ Zur Erleichterung aller wirkte der Tropf bald, der Wehensturm war überstanden. Kalle machte sich auf den Weg nach Hause, wo er die vor dem Fernseher eingeschlafenen Geschwister sacht weckte und ihnen erklärte, dass das neue Baby noch auf sich warten ließ.
„Prima, dann können wir ja bald wieder so lange fernsehen“, stellte Peter fest.

Am Vormittag des nächsten Tages kam eine besorgte Krankenschwester in Ilses Zimmer. „Bitte regen sie sich nicht auf, Frau Jollenbeck. Ihre Mutter ist heute Nacht eingeliefert worden, ein zweiter Schlaganfall. Es sieht nicht gut aus. Sie sollten zu ihr.“ Wie betäubt folgte Ilse der Schwester ein Stockwerk tiefer. Anna lag, zwar mit offenen Augen, aber bewegungslos in ihrem Krankenbett. Sie reagierte auch nicht, als ihre Tochter sie ansprach. Der anwesende Arzt wandte sich der fassungslosen Ilse zu. „Wir haben das Menschenmögliche getan, doch ich fürchte es geht zu Ende. Ich lasse sie jetzt mit ihrer Mutter allein.“ Ilse nickte, nahm behutsam Annas Hand: „Mutter, es ist alles in Ordnung mit mir und dem Baby, wirklich. Du machst dir ganz unnötige Sorgen.“ Anna öffnete den Mund, wollte etwas sagen, brachte aber kein Wort heraus. Sie drückte die Hand ihrer Tochter so fest sie konnte. Vorsichtig erwiderte Ilse den Händedruck, dann strich sie Anna über den Handrücken, so wie sie es schon als Kind getan hatte. „Bitte lass mich nicht allein“, schluchzte sie. „Was soll ich denn ohne dich machen?“ Wieder versuchte die Mutter zu sprechen, doch kam kein Ton über ihre Lippen, so sehr sie sich auch abmühte. Plötzlich wurde Ilse ganz ruhig. Die Situation erschien ihr unwirklich, sie nahm alles wie durch einen Schleier war. „Ist schon gut, nicht sprechen, ich halte einfach deine Hand“, wisperte sie. So saß sie lange Zeit schweigend am Bett, bis ihre Mutter schließlich friedlich einschlief.
Ilse konnte keinen klaren Gedanken fassen. Anna, die sich immer um sie gesorgt hatte, die immer für sie da gewesen war, war nun tot. Wie sollte das Leben ohne sie weitergehen? Was sollte aus Adolf werden? Und da war ja noch das Baby, wie sollte sie das alles ohne ihre Mutter bewältigen.

„Ich höre nichts“, die Hebamme runzelte die Stirn. „Sag mal, hast du das Kind heute gespürt, hat es sich bewegt?“ Ilse schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe schon länger keine Bewegung gespürt. Aber ich habe nicht darauf geachtet.“ Ilse hatte sich sofort nach Annas Tod auf eigene Verantwortung aus dem Krankenhaus entlassen. Sie wollte sich um die Beerdigung ihrer Mutter kümmern, davon ließ sich weder vom behandelnden Arzt noch von ihrem Mann abhalten. Sie erklärte sich lediglich bereit, sich jeden Tag von einer Hebamme untersuchen zu lassen. Heute war die Hebamme zu einem Hausbesuch erschienen. Bei der Untersuchung waren keine Herztöne des Kindes festzustellen. „Du musst sofort ins Krankenhaus“, stellte sie betont sachlich fest. „Vielleicht irre ich mich, aber sicher ist sicher.“
Auch im Krankenhaus konnte man keine Herztöne feststellen. Zwar wurde sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt, doch war das Kind, ein Junge, bereits tot.

Dies ist eine Leseprobe aus meinem Roman "Leben lernen".

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.08.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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