Heinz-Walter Hoetter

Der Psychiater und sein Patient

Bei einem Psychiater lag ein Mann auf der Therapeuten-Couch und schilderte dem Arzt, dass gewisse Ängste sein ganzes Leben beherrschen würden. Wegen dieser Ängste kann er keine richtige Freude mehr am Leben haben.

Der Arzt dachte eine Weile über die Worte seines Patienten nach. Schließlich sagte er: "Wissen Sie, es gibt viele Menschen, die im Verlauf ihres Lebens eine Phobie entwickeln. Manche Phobiker erlernen sogar regelrecht die Angst vor Situationen, die sie vorher als neutral erlebt haben. Ich möchte Ihnen daher eine kleine Geschichte erzählen, die sich vor einiger Zeit hier in diesem Raum tatsächlich zugetragen hat."

Damit sich sein Patient entspannen konnte, machte der Psychiater eine kurze Pause, bevor er mit seiner Geschichte loslegte.

"Eines Tages kam ich in meine Praxis und entdeckte eine große, hässliche Spinne in einer Ecke meines Bücherregals. Schon als Kind bekam ich immer Angst, wenn mir Spinnen über den Weg liefen. Nun, ich konnte sogar zusehen, wie sie Tag für Tag fleißig an ihrem Spinnennest webte. Obwohl mir sehr mulmig bei der ganzen Sache war, überlegte ich, was ich machen sollte. Wenn ich sie jagen würde, verkroch sie sich vielleicht noch weiter nach hinten ins Regal, wo sie für mich unerreichbar bleiben würde. In dem Falle ginge die Jagd nach ihr bestimmt weiter, was ich allerdings nicht wollte. Stattdessen nahm ich ganz vorsichtig meine Bücher aus dem Regal, um sie beim Bau ihres Spinnennetzes nicht zu stören. Als sie endlich damit fertig war, zog sie sich zurück und wartete geduldig auf ihre Opfer. Leider wartete sie wochenlang umsonst, weil es in meiner Praxis überhaupt keine fressbaren Insekten gab, noch nicht einmal Fliegen. Ich kümmerte mich schließlich nicht mehr um das hässliche Krabbeltierchen und hätte es beinahe schon vergessen, wenn von meiner Sprechstundenhilfe eines guten Tages nicht der Hinweis gekommen wäre, dass in der Ecke meines Regals eine tote Spinne in ihrem Netz hängt. Sie war offenbar verhungert, wie ich feststellen konnte. Jetzt war mir die Möglichkeit gegeben, sie ganz einfach und entspannt zu entsorgen, was ich auch tat. Ich gebe Ihnen daher folgenden Rat: Reduzieren Sie ihre Ängste auf ein paar wenige Dinge. Wenn Sie das tun, bleibt Ihnen Mut für das, was wirklich in Ihrem Leben wichtig ist. Ich habe es genauso gemacht. Ich habe mich auf meine Arbeit konzentriert und damit die Angst vor der Spinne in meinem Regal schlichtweg vergessen. Am Ende hat sich das Problem noch dazu von selbst gelöst. Die Spinne verhungerte, weil sie keine Nahrung fand. So ähnlich ist es auch mit unseren Ängsten. Nur dann, wenn wir uns auf sie konzentrieren oder uns von ihnen beeinflussen lassen, wachsen sie zu Monstern heran."


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

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Wenn erst ein laues Lüftchen weht,
das sich naturgemäß dann dreht
und schnelle ganz geschwind,
aus diesem Lüftchen wird ein Wind,
der schließlich dann zum Sturme wird,
und gefahren in sich birgt-
Dann steht der Mensch als Kreatur,
vor den Gewalten der Natur.
Der Mensch wird vielleicht etwas klüger,
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