Heinz-Walter Hoetter

Der Schatzsucher und der mächtige Kaiser

 

Es war einmal ein Schatzsucher, der fand in einer Diamantenmine einen großen Rohdiamanten. Er hatte zwar schon viele kleinere davon gefunden, aber dieses wunderschöne Stück war bisher sein größter Fund gewesen.

 

Da er durch die Schatzsucherei schon reich genug geworden war, fiel ihm dazu die Idee plötzlich ein, den wertvollen Edelstein kurzum dem Herrscher des Landes zu schenken, der ein mächtiger Kaiser war. Er versprach sich davon einen höheren Vorteil als von dem Verkaufswert des Diamanten. Die Gunst des Kaisers war ihm außerordentlich wichtig, denn der Schatzsucher wollte nicht nur reich sein, sondern strebte jetzt auch nach Ansehen, Macht und Würden, wofür die Zeit gekommen schien, wie er dachte.

 

So kam es dann auch, dass er eines Tages wegen des bereits geschliffenen und jetzt wunderschönen Diamanten zum Kaiser vorgelassen wurde. Der ganze Hofstaat war versammelt, als der Schatzsucher mit pathetischen Worten dem Herrscher des Landes das funkelnde Stück als persönliches Geschenk auf einem seidenen Kissen in demütiger Pose überreichen wollte. Er wartete geduldig ab, was geschehen würde.

 

Der mächtige Kaiser nahm den Diamanten schließlich vorsichtig vom Seidenkissen und betrachte ihn ausgiebig von allen Seiten. Dann legte er ihn eine Weile später wortlos auf das weiche Kissen zurück und blickte den erwartungsvoll schauenden Schatzsucher eine Zeit lang argwöhnisch und misstrauisch an.

 

Der wurde langsam unruhig, weil ihn der durchdringende Blick des Herrschers irgendwie nicht behagte.

 

Nachdenklich sagte der Kaiser auf einmal zu dem Mann: „Ein wirklich seltener und außergewöhnlich schöner Stein. Aber ich möchte ihn trotzdem nicht.“

 

Der Schatzsucher war höchst erstaunt, ja tief betroffen über die ablehnende Reaktion des Kaisers und antwortete dem Herrscher im unterwürfigem Ton: „Der Diamant ist äußerst wertvoll und würde den Reichtum des Kaisers um ein Vielfaches mehren. Er möge das bitte doch bedenken!“

 

Aber der mächtige Kaiser hatte sich offenbar entschieden und lehnte abermals ab. Dann sprach er: „Guter Mann, ich bin so reich, dass ich die Höhe meines Reichtums selbst nicht kenne. Nun, heute weiß ich, dass der Reichtum eines Geschenkes aber nicht in seinem materiellen Wert liegt, sondern darin, ob er von einem ehrlichen, reinen Herzen kommt oder nicht. Alles andere hat keinen echten Wert für mich. Dein Geschenk kann ich deshalb nicht annehmen. Tut mir leid. Der eigentliche Grund deines Kommens ist mir allerdings nicht verborgen geblieben. Deine wahren Absichten sind nämlich völlig andere. Deshalb muss ich dir sagen, dass wir beide verlieren würden, hätte ich aus Habsucht deinem hintergründigen Begehren nachgegeben, das von großer Ichsucht bestimmt wird. Nun, so verlasse meinen Palast wieder und nimm deinen Diamanten mit. Ich möchte ihn nicht in meinem Besitz wissen, denn er wäre für mich völlig wertlos. Ich will es dabei bewenden lassen.“

 

Der Schatzsucher verließ tief beschämt den Palast des Kaisers. Von der Weisheit seines Herrschers im Herzen belehrt, verkaufte er den wertvollen Diamanten später an einen reichen Juwelier in der Stadt und spendete den größten Teil des Erlöses der armen und kranken Bevölkerung des Landes.

 

Der daraus entstandene Reichtum in seinem Herzen aber erfüllte ihn bis ans Ende seines Lebens.

 

ENDE



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