Olaf Lüken

Macht Mobbing

Der größte Lump im ganzen Land,
das ist und bleibt der Denunziant.


(August Heinr. Hoffmann von Fallersleben

Eine offene Gesellschaft ist auf eine ehrliche und identifizierbare Kommunikation angewiesen. Anonyme Kritik vernichtet. Früher nannte man einen anonym auftretenden Verräter einen Denunzianten. Heute werden die Täter Mobber und ihre Tat Mobbing genannt. Schon die Begriffe Mobber und Mobbing bagatellisieren Tat und Täter.

Auch Gerüchte wirken wie ein heimtückisches Gift und verbreiten sich unkontrolliert. Die Betroffenen haben kaum eine Chance, sich gegen das schleichende und oft tödlich wirkende Toxikum zur Wehr zu setzen, weil sie nicht wissen, wer alles die Falschinformation erhalten hat und wer deren Initiator ist. Das Schlimmste aber ist: Selbst wenn die hinterhältige Tat mit Fakten widerlegt werden kann, bleibt etwas davon hängen. Der Rufmörder begeht seine Tat mit kühler Absicht. Er will Macht über sein Opfer ausüben, ihm schaden oder sich auf Kosten der Opfer wichtig tun. Den Imageschaden nimmt er zumindest billigend in Kauf. Denunzianten sind häufig Narzissten, die glauben, vom Opfer irgendwann narzisstisch gekränkt worden zu sein. Ihr einziger Ausweg ? Rache. Das Risiko ? Ihre Entlarvung. Die Gefahr ? Das Opfer schlüpft eines Tages in die Rolle des Täters und schlägt auf seine Art rücksichtslos zurück. Ebenfalls anonym. Auch der Autor ist ein Opfer hässlicher Verleumdung.

Einst arbeitete ich für eine rheinische Genossenschaftsbank und machte Karriere als Leiter der Stabsstelle Marketing, später als Bereichsleiter Markt und zuletzt als Filialdirektor bei einer mecklenburgischen Kreditgenossenschaft. Im Jahr 2000 bekam ich plötzlich einen Herzinfarkt, wenig später kam ein Schlaganfall hinzu und 2009 noch ein zweiter Hirninfarkt. Gott sei Dank war es einer von der Sorte "leichterer Schlaganfall. Krankheitsbedingt gab ich meine Tätigkeit auf und kehrte ins Rheinland zurück. Dort hatte ich eine Eigentumswohnung. Ich schlug mich eine zeitlang mit Dozentenjobs durch den Alltag, konnte aber auf Dauer meine Eigentumswohnung nicht halten. Ich verkaufte sie, wohnte noch eine Zeit als Mieter in den Räumen und gab die Wohnung im April 2014 auf. Zwei ehemalige Bankkollegen, mit denen ich vor vielen Jahren befreundet war und wir uns regelmäßig zum Skatspiel trafen, bemerkten, berichteten und kommentierten den Verlust meines Arbeitsplatzes. Erzählt wurde nicht die Ursache - meine Krankheit, sondern meine Arbeitsaufgabe und mein sozialer Abstieg. Wohlgemerkt: Von 1978 bis 1985 war ich in jener Bank für das Marketing zuständig, als ich beide Herren kennen lernte. Heute, nach  siebzehn Jahren, weiß ich von deren in Umlauf gesetzten Halb- und Unwahrheiten. Vor wenigen Monaten geschah, was eigentlich nicht  geschehen soll und darf. Wieder schlug das Leben im Gewand des Schicksals  zu. Einer von den beiden Denunzianten erlitt ebenfalls einen Schlaganfall. Das tut mir sehr leid. Tatsache ist aber auch: Es gibt keine Gesundheitsgarantie, und es gibt keine Arbeitsplatzgarantie. Dennoch: Ein Mensch fühlt gleich sich wie verwandelt, sobald man menschlich ihn behandelt (Eugen Roth).

Was Mobbing in diesen Tagen so brandgefährlich macht, ist die zusätzliche Nutzung sozialer Medien. Damit erhöhen sich Macht und Zerstörungskraft lawinenartig. Der größte Förderer des Gerüchts ist die Anonymität. Wer Gerüchte über einen Menschen streut oder nährt, tut das aus der Deckung, aus Feigheit oder oder aus Kalkül. Einstehen für das, was gesagt wurde: Im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben ist die Grundlage für ein faires Miteinander. Anonyme Kritik will zerstören und vernichten.

(C) Olaf Lüken (2018)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.08.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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