Jürgen Skupniewski-Fernandez

Lautloser Abschied

Vorwort
Oftmals erscheint alles so harmlos. Alles geht seinen gewohnten Gang. Bis aus heiterem Himmel eine Nachricht zu uns dringt und zur gesellschaftspolitischen Frage wird: „Was haben wir übersehen“? „Was haben wir nicht erkannt“?

Tagsüber stieg das Thermometer wieder über 35° wie schon all‘ die Tage davor. Er verließ sein Büro, fuhr zum Supermarkt und danach auf direktem Weg nach Hause.
Sein bescheidenes, einfach eingerichtetes Appartement lag im zweiten Stock. Sein Körper war müde vom stundenlangen Sitzen am Schreibtisch, seine Augen durch
das ständige starren auf den Screen des PCs gereizt und leicht gerötet. Ohne Klimaanlage konnte man bei diesen hohen Temperaturen einfach nicht konzentriert arbeiten.
Aber auch diese setzte seinem Körper zu. Oftmals schmerzte die Muskulatur, dann verfluchte er diese Hundstage.
Er parkte, seinen bereits in die Jahre gekommenen Peugeot, wie gewohnt auf der linken Seite vor dem kleinen Wohnblock; erhob sich mit einem selbstbemitleidenden Seufzer aus dem viel zu tiefliegenden Fahrersitz und trottelte in der schwülen Luft ums Fahrzeug. Er öffnete den Kofferraum, nahm das Sixpack Mineralwasser in die linke Hand, stellte beide Einkaufstüten auf den Bürgersteig und verschloss diesen wieder mit einem kräftigen Druck.
Vor dem Eingang des Gebäudes legte er wieder alles ab. Kramte aus seiner rechten Hosentasche den Schlüssel hervor und öffnete die Tür zum Flur. Griff nach den
abgestellten Einkäufen und stieg leicht stöhnend die Treppen zum zweiten Stockwerk hinauf. Hier wiederholte sich das gleiche Spiel wie vor der Eingangstür: Einkäufe abstellen, in der Hosentasche nach dem Schlüssel kramen, Tür aufschließen, und den Krempel wieder in die Hand nehmen. Mit einem kleinen Fluch verpasste er der Wohnungstür einen Tritt und sie schnappte daraufhin mit einem Knall ins Schloss. Angekommen! In der Wohnung war es angenehm kühl. Seinen Einkauf deponierte er auf den Küchentisch,ging dann ins kleine Schlafzimmer, entkleidete sich bis auf die Unterhose und T-Shirt und legte alles auf dem zweiten Bett ab, dass sowieso nur noch die Funktion einer Ablage innehatte. Barfüßig ging er ins Badezimmer und machte sich Licht. Dann rückte er sein Gesicht ganz nah an den Spiegel und betrachtete sein müdes Antlitz. Er atmete tief durch, fuhr mit der rechten Hand über die Stirn und durchs lichte Haar. Sein Blick war stumm. Seine Lippen brachten nur ein enttäuschtes „Mhm“ hervor. Dann zog er sich sein T-Shirt aus, drehte seinen Oberkörper nach links, dann nach rechts. Eigentlich fand er sich dann doch nicht so ganz übel. Daraufhin zog er das T-Shirt wieder an, drehte sich um 90°, liftete seine Unterhose und pinkelte erleichtert in die Kloschüssel.
Vom Badezimmer ging er direkt auf den Küchentisch zu, riss die Plastikverpackung auf und nahm sich eine Flasche Wasser. Mit der Flasche in der Hand setzte er sich
auf das durchgelegene Kunststoffsofa. Schaute in die Luft, nickte und dachte: „Ich bin so müde“. Es herrschte eine absolute Stille im Raum bis der alte Kühlschrank diese mit seinem rhythmischen Geknarre durchbrach. Er griff nach dem gefüllten Wasserglas. Die Tabletten hatten sich schon aufgelöst. Er leerte das Glas mit
hastigen Schlucken und streckte sich daraufhin auf dem Sofa aus. Seine Augen wanderten durchs ganze Zimmer. Der Kühlschrank stellte sein tiefes Brummen ein und eine friedliche Stille machte sich im Raum wieder breit. Seine Gedanken entfernten sich im stillen Abschied: „Was Gott wohl sagen wird“?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.08.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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