Heinz-Walter Hoetter

Die seltsame Geschichte vom alten Nick Zuckermann

Der alte Nick Zuckermann lebt völlig alleine und zurück gezogen in einem kleinen Häuschen am äußersten Rande einer Großstadt.

 


Eines Tages findet er einen anonymen Brief auf der Treppe vor seiner Haustür. Er öffnet den Brief und erfährt darin, dass er schon seit einigen Tagen tot sei und unter der oben angegebenen Adresse warten soll, wo man ihn zur Reise ins Jenseits abholen will.

Nick Zuckermann weiß allerdings ganz genau, dass er noch lebt. Ich lese außerdem ja gerade in einem Brief. Ein Toter kann das nicht, wie er sich denkt.

"Da erlaubt sich wohl jemand mit mir nur einen bösen Scherz. Wie kann man tot sein, wenn man noch lebt?", murmelt er halblaut vor sich hin. Er ärgert sich über den anonymen Briefschreiber und wirft das Papier achtlos in den kleinen Abfalleimer, der gleich neben der Küchentür steht.

In der Nacht kann Nick Zuckermann schlecht schlafen. Er hat einen Albtraum und beobachtet einen schrecklichen Unfall auf einer einsamen Landstraße, die er schon oft befahren hat.

Er sieht, wie ein Autofahrer auf dieser einsamen Landstraße, ganz in der Nähe einer kleinen Kapelle, die Gewalt über sein Fahrzeug verliert, dann aus seinem Auto geschleudert wird und mitten auf der Fahrbahn schwer verletzt und bewusstlos liegen bleibt. Ein Sattelschlepper schießt plötzlich wie aus dem Nichts auf das Unfallopfer zu und überrollt den leblos da liegenden Körper.

Nach diesem Albtraum wacht Nick Zuckermann schweißgebadet auf. Er verlässt das Bett und macht sich im Badezimmer etwas frisch. Eine Weile später geht er zurück ins Bett und legt sich hin.

Schon bald ist er wieder eingeschlafen.

Doch der Albtraum kehrt zurück. Abermals sieht Nick Zuckermann wie ein Autofahrer auf der gleichen einsamen Landstraße, ganz in der Nähe einer kleinen Kapelle, die Gewalt über sein Fahrzeug verliert, dann aus seinem Auto geschleudert wird und mitten auf der Fahrbahn schwer verletzt und bewusstlos liegen bleibt. Ein Sattelschlepper schießt plötzlich wie aus dem Nichts auf das Unfallopfer zu und überrollt den leblos da liegenden Körper.

Nick Zuckermann wacht diesmal aber nicht schweißgebadet auf, sondern geht in seinem Traum auf den Unfallort zu, weil er sich um das verletzte Opfer kümmern möchte.

Als er endlich vor dem schrecklich zugerichteten Mann steht, stirbt dieser gerade. Er beugt sich zu ihm runter und schaut in sein Gesicht. Im nächsten Augenblick schreit er: "Das kann doch nicht wahr sein! Das bin ja ich, Nick Zuckermann!"

Mit Schrecken hat er feststellen müssen, dass er derjenige ist, der jetzt tot zu seinen Füßen liegt. Der alte Zuckermann wird von einer schrecklichen Furcht erfasst und rennt in Panik davon nach Hause.

An dieser Stelle endet der Traum plötzlich.

***


 

Am nächsten Morgen steht Nick Zuckermann früh auf. Er kleidet sich an, nimmt sein Frühstück zu sich und geht etwas später zu seinem Auto, das in der Garage steht.

Er macht das Garagentor auf, öffnet die Tür seines Fahrzeuges und setzt sich hinter das Lenkrad. Dann startet er den Motor und rangiert den Wagen vorsichtig rückwärts runter auf die Straße. Keine fünf Minuten später fährt der alte Zuckermann mit seinem betagten Mercedes auf der besagten Landstraße dahin, die er gut kennt.

Draußen ist es trübe und neblig. Die Sicht ist mehr als schlecht.

Trotzdem gibt Nick Zuckermann Gas. Offenbar hat er es eilig.

An einer unübersichtlichen Kurve passiert es dann. Ein Reh springt von rechts auf die Fahrbahn. Zuckermann will ausweichen und kommt ins Schleudern. Das Auto rutscht mit quietschenden Reifen von der nassen Straße. Dann überschlägt es sich mehrmals. Nick Zuckermann wird dabei aus seinem Fahrzeug geschleudert. Er kommt schwer verletzt mitten auf der Fahrbahn zu liegen und wird bewusstlos. Plötzlich schießt wie aus dem Nichts ein Sattelschlepper auf ihn zu und überrollt ihn.

Nick Zuckermann liegt im Sterben. Aber er bekommt davon nichts mit.

Plötzlich steht neben dem Unfallopfer ein alter Mann, der sich offenbar um den schrecklich zugerichteten Schwerverletzten kümmern möchte. Er beugt sich zu ihm runter und schaut in sein Gesicht. Im nächsten Augenblick erschrickt der herbei geeilte Helfer furchtbar und schreit mit halb erstickter Stimme: "Das kann doch nicht wahr sein! Das bin ja ich, Nick Zuckermann!"

Der helfende alte Mann, der sich soeben als das im Sterben liegende Unfallopfer erkannt hat, rennt in Panik davon. Keuchend vor Anstrengung erreicht er sein abgelegenes Häuschen, das sich nicht unweit der einsamen Landstraße in einer abgelegenen Gegend befindet. Schon bald steht er vor der Haustür und findet zu seiner großen Überraschung einen zusammen gefalteten Brief auf der Eingangstreppe. Verwundert hebt er ihn auf.

Er öffnet den Brief und erfährt darin, dass er schon seit einigen Tagen tot sei und unter der oben angegebenen Adresse warten soll, wo man ihn zur Reise ins Jenseits abholen will.

Nick Zuckermann weiß allerdings ganz genau, dass er noch lebt. Ich lese außerdem ja gerade in einem Brief. Ein Toter kann das nicht, denkt er sich.

"Da erlaubt sich wohl jemand mit mir nur einen bösen Scherz. Wie kann man tot sein, wenn man noch lebt?" murmelt er halblaut vor sich hin.

Er ärgert sich über den anonymen Briefschreiber und wirft das Papier achtlos in den kleinen Abfalleimer, der gleich neben der Küchentür steht.

Im nächsten Moment hält er jedoch inne. Ihm ist etwas eingefallen. Hastig kramt er das Schreiben wieder aus dem Abfalleimer hervor und schaut sich die angegebene Adresse genauer an. Es ist seine eigene. Der alte Mann fängt vor lauter Entsetzen an zu zittern. Eine dunkle Ahnung überkommt ihn.

Schließlich liest er den Brief ganz durch, was er vorher nicht getan hat.

"Lieber Herr Zuckermann! Sie wissen noch nicht, dass Sie schon seit einigen Tagen tot sind. Sie haben sich mit Ihrem Fahrzeug auf der einsamen Landstraße, ganz in der Nähe der kleinen Kapelle, mehrmals überschlagen und wurden dabei aus dem Auto geschleudert. Sie lagen mitten auf der Fahrbahn, aber Sie lebten noch. Kurz danach wurden Sie von einem Sattelschlepper überrollt, der plötzlich wie aus dem Nichts auf Sie zuraste. Kurz danach starben Sie an Ihren schweren Verletzungen. Wie Sie selbst wissen, werden Sie seit dem fürchterlichen Ereignis von schrecklichen Albträumen gequält. Ihr Astralleib kehrt immer wieder zu dem Unfallort zurück, weil Sie nicht wahrhaben wollen, dass Sie schon tot sind. Ihre Seele leidet Höllenqualen und kann nicht ins Jenseits übergehen, solange sie sich einbildet, noch in ihrem ehemaligen Körper zu wohnen. Ich muss diesen grausamen Zustand beenden. Es bleibt mir nichts anderes übrig. Es gibt kein Zurück mehr. Ich komme also jetzt gleich zu Ihnen und hole Sie ab, bevor Sie mir wieder entwischen.

Gevatter Tod

***

Nachdem der alte Nick Zuckermann den Brief durchgelesen hat, will er ihn wieder in den kleinen Abfalleimer zurück werfen. In diesem Moment klingelt es auch schon draußen an der Haustür. Der Alte erstarrt vor Schreck und rührt sich nicht mehr von der Stelle. Wie von Geisterhand bewegt geht plötzlich die Haustür auf, bis sie schließlich sperrangelweit offen steht. Eine dunkle Gestalt in einem langen schwarzen Umhang und weiter Kapuze steht regungslos zwischen Tür und Angel.

Der alte Zuckermann will weglaufen, aber er kann nicht. Irgendwas hält ihn fest. Die schwarz gekleidete Gestalt mit der großen Kapuze steht nur stumm da.

Es ist der Tod.

Dann ertönt eine grollende Stimme.

"Ich nehme dich jetzt mit, Zuckermann. Es wird langsam Zeit, dich zu erlösen. Warum müsst ihr Menschen euch immer gegen den Tod wehren, ganz besonders du? Bist du denn nicht schon alt genug geworden, mein Freund?"

Nick Zuckermann will noch etwas sagen, aber im nächsten Augenblick steht schon Gevatter Tod neben ihm und greift mit unsichtbarer Kraft nach seiner verlorenen Seele. Dann verlassen beide zusammen das Haus und verschwinden draußen in einer dichten Nebelwand, die sich jedoch kurz darauf ganz plötzlich wieder auflöst.

 


ENDE


(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.08.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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