Karl-Heinz Fricke

Heiße Sommer

Ich erinnere mich gern an die Sommer meiner Kindheit in Deutschland. Besonders an die Ferien im Juli und August. Es waren für mich Höhepunkte des Jahres. Es gab sehr viele schöne Tage mit Wanderungen, Sport und Spiele. Das Freibad war fast täglich unser Aufenthaltsort und in der kleinen Verkaufsbude erstanden wir Brause, Nappos und Eis für unsere Pfennige. Das ist nun schon lange her und inzwischen erlebte ich viele Sommer und  62 davon in Kanada. Als Einwanderer, anfangs der Sprache nicht mächtig, musste ich arbeiten und  konnte nicht wählerisch sein was für eine Arbeit es war.  Arbeitsplätze jedoch waren rar. Schließlich landete ich bei einer Firma, die neben Lagerhäusern auch Güterwaggons mit Waren für die großen Geschäfte Winnipegs entladen musste. In den Sommermonaten mit  Temperaturen um 30 Grad hieß es beim Entladen immer hinein in den Waggon und mit einem Paket im Arm wieder hinaus. Es dauerte 4 bis 5 Stunden bis alle Container, Teppiche, Möbel, Röhren, Fässer usw. Entladen und sortiert waren.. Herrschten  draußen 30 Grad , dann waren es im Waggon mindestens 40 Grad. Der Stundenverdienst betrug 79 Cents. Meine Frau verdingte sich als Haushilfe für $5 per Tag. Die Lebensmittel waren sehr billig und so kamen wir  in den ersten Jahren über die Runden.. Nach 6 Jahren lockte der Norden der Provinz mit besseren Verdiensten. Wir arbeiteten in einer Bergmannstadt nahe der Hudson Bay. Dort, nördlich des 55. Breitengrades, waren die Sommer sehr kurz und nicht sehr heiß. Erst im Juni schmolz das Eis in den Seen und wir erlebten schöne Wochen an verschiedenen Stränden. Mitte August wurde es meistens schon herbstlich und Anfang September fiel oft der erste Schnee. Für viele Monate mussten wir auf den nächsten kurzen Sommer warten.  Nach 17 Jahren verließen wir Thompson und zogen in die westlichste und wärmste Provinz British Columbia. Ein kleiner Ort, in einem Tal der Rocky Mountains, wurde das erwünschte  Domizil. In unserem gemütlichen Häuschen leben wir nun schon 40 Jahre. Die Wintermonate sind zum größten mild, das Frühjahr sehr unbeständig mit Wind und Regen und der Sommer immer heiß und trocken und von Jahr zu Jahr steigerten sich die Temperaturen. Im August wurden Waldbrände  zur Regelmäßigkeit, meistens durch Blitzschlag und wochenlangen fast undurchdringlichen Rauchschwaden, die das Atmen erschweren. Sonne und Mond stehen wie blutrote Rubine am Himmel. In diesem Jahre sind es bisher mehr als 500 Feuer. Menschen, die in und nahe Wäldern wohnen, müssen bei nahender Gefahr evakuiert werden. Häuser verbrennen und auch Menschen kommen zu Tode, die sich weigern ihre Häuser zu verlassen. Ferner ist zu sagen, dass weder bitterkalte Winter noch höllenheiße Sommer beliebt sind und dass besonders solche Sommer nicht nur wegen Brände Gefahr bedeuten. Große Trockenperioden belasten das Wachstum der lebenswichtigen Pflanzen in Gärten und auf Feldern. In den letzten drei Jahren konnte ich in meinem Garten einen Rückgang beobachten, der sich von Jahr zu Jahr steigerte. Wenn dieser Entwicklung mit drastischen Maßnahmen kein Einhalt geboten wird, dann sieht es für die Ernährung der Weltbevölkerung nicht gut aus. Das heutige Leben ist ganz auf das Auto und den Flugverkehr eingestellt und es müssen, wenn auch mit Opfern, Wege für gesunde Verhältnisse gefunden werden. Wenn die jetzige Entwicklung anhält wird es Hungerzeiten geben. Einem Bericht zu Folge soll diese Entwicklung schon vorgeschritten sein. Man spricht von 10 bis zu 20 Jahre. Eine Flut von Menschen aus tropischen Ländern werden weiterhin die westlichen Gebiete überfluten. Das menschliche Gehirn steht niemals still und es scheint, dass man auf den Schienen des Untergangs fährt. Man muss aber auch an die Kinder denken und auch an die, die noch in diese Welt hineingeboren werden.
26.8. 2018

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