Adelheid von Theilenberg

Reisebericht Ägypten

Urlaub beginnt ja, bekanntlich, weit vor Anreiseantritt. Nur, wohin? Meer und Sonne, das ist, was wir wollen. Erdowahn ist dieses Jahr definitiv gestrichen – solange der an der Macht ist, betritt unser Fuß dieses schöne Land nicht mehr.
In diesem Jahr wird es Ägypten sein, Hurghada, um genau zu sein. Urlaubsfreunde aus der Türkei haben bereits gebucht. Udo checkt im Internet Hotel und Umgebung. Alles klingt sehr ansprechend. Wir beschließen, uns mit Claudia und Christian in Ägypten zu treffen und buchen, sobald feststeht, dass Udos Krankheit es erlaubt.
Es ist ja immer so: Wenn man auf etwas wartet, schleicht die Zeit… Aber dann ist es endlich so weit. Der Parkplatz in Stuttgart ist bestätigt, die Koffer gepackt. Ein letzter Check: Reiseunterlagen, Pässe, Geld, alles da. Fenster und Türen sind verschlossen. Ägypten, wir kommen!
Der Shuttle zum Flughafen ist problemlos und das Check-In schnell erledigt. Endlich sitzen wir im Flieger von Condor. Im Ölsardinen-Modus warten wir auf den Start. Dann die Ansage in schlechtem Deutsch und unverständlichen Englisch. Es fehlen zwei Passagiere, die nach 20 Minuten endlich die Maschine betreten.
Doch, wer denkt, jetzt können wir starten, irrt. Eine ganze Stunde müssen wir noch in den Ölsardinendosensitzen warten, bevor der Flieger abhebt.
Ruhig fliegt die Maschine über den Wolken. Ich habe einen Fensterplatz und so können wir den einen oder anderen Blick erhaschen, um auf das unter uns liegende Land zu schauen. Stimmungsvoll liegt die Wüste im Abendlicht, als wir uns dem Flughafen nähern. Manchmal meine ich, die Flügel der Condor würden jeden Moment den Wüstensand berühren. Doch ohne besondere Vorkommnisse erreichen wir das Ziel.
Udo hat sich vor dem Abflug ausführlich informiert und so wissen wir, wo wir das Visum, das wir zur Einreise benötigen, erhalten können. Denn die Reiseleiter wollen es nur zu gern für dich erledigen und dabei ein paar Euros in die eigene Tasche stecken. Nee, nicht mit uns. Als die Reiseveranstalter unseren Namen ausrufen, ignorieren wir das und stellen uns am Bankschalter an. Dort bekommen wir unser Visum in den Pass. Damit gehen wir zur Passkontrolle.
Ein Stempel kommt in den Pass und dann sind die Formalitäten erledigt. Ob unser, schon in Deutschland bestelltes, Privattaxi auf uns wartet? Suchend schauen wir uns um und dann entdecken wir einen jungen Mann mit einem Schild. Darauf steht unser Name. Wir geben uns zu erkennen und danach unserem Reiseleiter kurz Bescheid. Hat ja alles prima geklappt. Da mein Nikotinpegel nach Ausgleich ruft, bitte ich, noch einen Moment zu warten. Doch das ist nicht nötig. In Ägypten ticken die Uhren anders und ich darf mit Zigarette in das Privattaxi einsteigen.
Nur wenige Minuten, dann haben wir unser Hotel erreicht. Bella Vista liegt mitten in der Stadt, das soll man aber, laut Aussagen der Bewerter von Hollidaycheck nicht merken. Also dann: Willkommen Urlaub! Mit rollenden Koffern betreten wir das Hotel.
Ein strahlendes Lächeln leuchtet uns entgegen. „Guten Abend. Willkommen in Hurgadha im Hotel Bella Vista. Ich heiße Saiyd.“ Er reicht uns die Hand. Freundlich schieben wir unsere Unterlagen zu ihm. Zufällig liegt ein 5-€-Schein auf den Anmeldepapieren. Als wir dann nach einem schönen Zimmer mit Meerblick fragen, bekommen wir das Hochzeitszimmer. Der Portier begleitet uns zum Zimmer. Wow! Das ist ja eine Suite!
Und Meerblick haben wir auch.
Es dauert nicht lange, bis der Kofferträger uns die Gepäckstücke bringt. Jetzt ein wenig frisch machen und dann zum Speisesaal. Mal sehen, ob wir Claudia und Christian treffen…
Der Speisesaal ist ansprechend. Sie nennen es Sultana Restaurant. Die Auswahl ist überschaubar, aber für jeden was dabei: Vegetarisch, Geflügel, Fleisch, Fisch, verschiedene Beilagen und ein Salatbuffet. Das Bier, das wir zum Essen holen, schmeckt auch gut. Ich schaue kurz auf und entdecke Claudia, die auf mich zukommt.. „Oh, wie schön!“ Eine herzliche Umarmung und Claudia sagt zu ihrem Christian: „Klar habe ich sie gleich erkannt, habe doch auf Bildern gesehen, dass sie die Haare dunkel gefärbt hat.“ Ja….. so ist das!
Die beiden wünschen uns einen guten Appetit und erklären uns, wo wir sie anschließend finden können. Sie würden uns einen Platz freihalten. Während die Beiden warten, probiere ich mal vorsichtig einen der vielen Desserts und bin überrascht: Die sind ja gar nicht so süß wie in der Türkei… und schmecken tun sie auch.
Satt, jetzt noch den Mund abgeputzt und raus aus dem Speisesaal. Durch die schön gestaltete Anlage geht es vor zur Lobby. Hier schauen wir uns zunächst ein wenig um. Es sieht alles sehr gepflegt aus. Viele Palmen, Büsche zieren den Weg. Dazwischen immer wieder Bänke und daneben ein Tisch mit Aschenbecher. Und die Aschenbecher sind auch noch sauber! Mindestens fünf Katzen begleiten uns, dabei sind es nur wenige Meter bis zur Lobby. Dort sitzen unsere Gelsenkirchner, Claudia und Christian, und winken uns zu. Ein Begrüßungsdrink wird genommen und die Beiden erklären uns ein wenig von den Begebenheiten. Mohammed kommt an unseren Tisch, schäkert mit Claudia und bietet uns Lose für die Tombola an. Hier heißt übrigens mindestens jeder Zweite Mohammed, das werden wir noch erfahren. Ok, wir kaufen jeder eines und bleiben noch bis zum Zapfenstreich sitzen.
Am nächsten Morgen inspizieren wir erst einmal die Anlage. Wir wollen schließlich sehen, wo wir sind. Während wir uns nach einer Liege am Strand umschauen, wird Udo vom Friseur angequatscht, der ihm ein paar Härchen von den Schläfen zupft. Die Härchen sind zwar jetzt weg, aber immer noch keine Liege frei. Ok, wir setzen uns an die Poolbar und trinken ein Wasser. Man muss uns ansehen, dass wir gerade erst angekommen sind, denn schon kommt ein Masseur mit seinem dicken Buch und quatscht mich an. Ich sei ja schon dort gewesen, meint er. Als ich verneine, will er meine Schwester hier gesehen haben. So ein Quatsch! 1. war sie nie in Ägypten und 2. sehen wir uns nicht ähnlich. Er scheint das nicht glauben zu wollen, ist aber so. In diesem Sinne unterhält er sich mit mir und massiert dabei gekonnt meine Hand. Das war schon klasse, aber dennoch bezahle ich keine 60 € für eine ganzstündige Massage, die er mir auf’s Auge drücken will. Der weiß ja nicht, dass ich bereits in der Türkei war und doch ein wenig das Feilschen gelernt habe…
Während der Typ eindringlich mit mir diskutiert, begibt Udo sich auf Liegensuche. Nach harten Verhandlungen bekomme ich dann die Massage, inkl. Fußzonenreflex, für 30 €, die er aber in ägyptischen Pfund haben möchte. Wann massiert wird? Na, sofort. Ich stiefele ihm hinterher in die Massageräume und lasse mich verwöhnen. Boh, tut das gut! Natürlich will er mir anschießend mehr verkaufen… der kennt mich ja nicht. Woher soll der wissen, dass, wenn ich nein sage auch nein meine? Hihi. Doch jetzt gehe ich erstmal Udo suchen, der zwischenzeitlich eine Liege im Ruhebereich, im Schatten, reserviert hat. Wie die Zeit verrinnt! Schon ist es Zeit, Mittag zu essen und ich will vorher noch meine Schulden bezahlen. Also rauf ins Zimmer, eine Fahrt mit dem wackeligen Aufzug ist immer ein Abenteuer, kurz etwas übergeworfen und Geld mitnehmen, das wir an der Rezeption wechseln. Für den Masseur habe ich noch eine Tafel Schokolade dabei, extra mitgenommen, weil wir wissen, wie beliebt die deutsche Schoki ist.
Nach dem Mittagessen haben wir dann Liegen im Schatten. Dort können wir unsere Sachen gut deponieren, die Gelsenkirchner sind ja auch da.
Jetzt wird es aber Zeit für die erste Begegnung mit dem roten Meer. Uii..nass. Und, nein, ich fasse es nicht! Da stehe ich mit den Beinen im Wasser und merke, wie mich die Fische anknabbern. Das ist ja ein Ding: Kannibalenfische in Ägypten!
Obwohl die Wassertemperatur 29 ° haben soll, kommt es mir ziemlich kühl vor. Na gut, erstmal wieder raus. Bevor ich den nächsten Versuch unternehme, mich mit Meer zu umhüllen, werde ich wohl vorher abduschen. Wir gehen noch ein wenig auf Entdeckungstour, natürlich mit Kamera. Im Pool ist die Bar anschwimmbar. Na das müssen wir doch ausprobieren! Kamera an den Strand, kurz abduschen und dann rein in den Pool, schwimmen, ran an die Bar, auf die Hocker setzen und Wasser schlürfen – natürlich mit Limette.
Am Strand lassen wir uns trocknen und sind froh, wenigstens ab und zu einen kleinen Spaziergang durch die Anlage machen zu können. Die langen Strandspaziergänge, die wir in der Türkei machten, fehlen mir hier schon sehr.
Vor dem Abendessen setzen wir uns in die Lobby, um zu schauen, ob das Handy funktioniert. Geht natürlich nicht. OK, dann halt 11 Tage Handypause. Udo hat eine ägyptische Simkarte, damit er Kontakt zum Tourenanbieter halten kann. So können wir auch die eine oder andere ‚Postkarte‘ verschicken. Dann schauen wir mal kurz vor die Tür, nebenan im Laden will ich sehen, ob sie einen Anubis haben, den ich Marcel mitbringen soll. Ja, hat er…aber so schnell kaufe ich nicht.
Und jetzt erstmal Futter fassen. Danach sitzen wir mit Claudia und Christian an der Lobby und bereiten uns mit Wodka-Lemon für die Tombola vor. Es ist ja nicht nur Tombola, sondern auch eine Bauchtanzshow. Die interessiert mich besonders, da ich ja selbst tanze.
So gegen 21 Uhr müssen wir kurz vor die Tür, denn Ralf von DTG-Tours hat sich angesagt. Wir haben ein paar Fragen zu den Ausflügen. Die Städtetour interessiert auch die beiden Gelsenkirchner. Die würden wir gern zusammen machen. Damit wir auch keinen Gewinn verpassen, geben wir Christian die Lose und verschwinden vor die Tür, denn ein fremder Gide darf nicht ins Hotel.
Ganz schön warm noch in der Stadt! Ralf steht schon da… so ein lockerer Ibiza-Typ, ganz sympathisch. Wir buchen die Städtetour zu viert. Nun aber schnell wieder rein, drinnen ist es von der Temperatur angenehmer. Und vielleicht haben wir ja schon die Shisha gewonnen, die es als Hauptpreis gibt.
Wir kommen durch die Drehtür und wundern uns, wie wenig vom Außenlärm in der Anlage zu hören ist…
Christian hat für Udo ein Papyrus gewonnen. Na, wenigstens was. Jetzt geht’s erstmal eine Runde schlafen.
Geweckt werden wir mit einem lauten Klirren. In Ägypten ist immer Wind – und der war so stark, dass es den Balkontisch samt Aschenbecher umgehauen hat. Der war aus Glas… na…nu nicht mehr. In tausend Scherben liegt er vor uns. Ein Grund mehr, dem Putzmann (in Ägypten arbeiten fast ausschließlich Männer), der sich als äußerst gründlich bewiesen hat, zur Dollarnote noch eine Tafel Schokolade aufs Kopfkissen zu legen. Auf Englisch erzähle ich ihm, was passiert ist, als ich ihn auf dem Flur treffe. Mit dem wackeligen, wenig Vertrauen einflößenden, Aufzug, fahren wir zum Frühstück.
Die Müdigkeit spüre ich den ganzen Tag und auch Udo ist leicht abgeschlagen. Also werden wir heute nur ausspannen. Ein bisschen Meer, das mir heute so kalt vorkommt, ein bisschen laufen. Zwischendurch immer wieder versuchen, ein kleines Nickerchen auf der Liege zu machen. Leider kann ich das hier so wenig wie Zuhause, tagsüber schlafen funktioniert einfach nicht.
Abends gehen wir dann in die Mall –unter fast lebensbedrohlichen Umständen. Wer es nicht erlebt hat, macht sich kein Bild von der unglaublichen Fahrweise der Ägypter. Ampeln gibt es keine und wir müssen blitzschnell auf die andere Straßenseite kommen. Wie wir erfahren haben, fahren sie hier ohne Licht, weil sie Batterie sparen wollen. Naja, wir sind halt in Afrika…
Die Mini-Mall ist in einem Haus mit vier Etagen. Hier gibt es nur Festpreise. Und ich finde sogar eine Hose, die ich für unser bevorstehendes Abenteuer brauche. Zwar nicht das, was ich wollte, aber ok.
Eine ganze Abteilung ist voller Lederartikel. Da fällt mir eine Tasche ins Auge… und schon ist der Verkäufer hinter mir. Aber heute nicht. Es reicht. Wir wollen noch einen Absacker zu uns nehmen und den Tag vor der Lobby beenden. Und so machen wir das dann auch…
Bis jetzt hat mich der Fluch der Pharaonen noch nicht erreicht, was mich sehr freut. So gönne ich mir ein reichhaltiges Frühstück mit frisch zubereitetem Rührei. Im Großen und Ganzen finden wir es hier recht schmackhaft, auch, wenn die Auswahl nicht so riesig ist. Am Nachmittag wird ein kleines Schläfchen auf der Strandliege versucht. Und, tatsächlich, ich döse für ein paar Minuten weg. Geweckt werde ich von lautem Katzengefauche und schimpfendem Personal. Ich glaube nicht, was ich sehe. Ein süßes, rotgeflecktes Kätzchen scheucht eine Taube, ja, kriegt sie sogar zu fassen. Obwohl Katzen in Ägypten verehrt werden, wird sie von den Angestellten des Hotels bestraft. Na, das geht aber doch auch nicht, sich ein Täubchen holen…
Tja, die paar Minuten Augenpflege haben mich nicht wirklich munterer gemacht. Aber egal. Von der Animation wird zum Bingo geladen und danach besuchen wir, endlich, die Caribbeanbar, die gleich an das Hotel angrenzt. Doch zwischen Show und Bar liegt ein Spielplatz, den ich unbedingt testen muss. Bin enttäuscht, die Rutschen rutschen nicht, aber dafür geht die Schaukel ab wie Schmitz Katze
Die Caribbeanbar liegt auf dem Wasser und es ist echt super gemütlich. Dämmriges Licht gibt dem Ganzen noch einen besonderen Hauch. Die Tische und Bänke sind aus Holz. Alles macht einen sehr einladenden Eindruck.
Wir wählen einen Platz ganz hinten (damit der Kellner nur ja weit zu laufen hat...hihi), weil wir dort aufs weite Meer hinausschauen können. Der Wind, der uns um die Nase weht, ist angenehm.
Verschiedene Cocktails werden angeboten, aller Couleur. Und dann schauen wir auf die Preise: je Drink 1,90 €! Claudia, Udo und ich entscheiden uns für einen der Mixgetränke, während Christian ein Bier bestellt.
Wir werden freundlich bedient, die Cocktails sind superlecker und kaum haben wir es so richtig genossen, da kommt der Kellner auch schon zum Abkassieren. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht, denn die Bar schließt um 1:00 h und dann gibt es einfach nichts mehr. Das heißt, jetzt müssen wir uns in unser Schicksal fügen. Das Trinkgeld von 40 Cent nimmt der Kellner gern, denn die Löhne in Ägypten sind sehr, sehr niedrig. Wie niedrig, werden wir noch erfahren. Am Spielplatz vorbei (nein, ich mag nicht noch einmal mit dem Po in der Rutsche hängen bleiben) gehen wir auf unsere Zimmer.
Neuer Tag, neuer Sonnenschein. Heute entdecke ich beim Frühstück frisch gebackene Croissants. Uii, die schmecken aber lecker. Wenn das kein guter Start für den neuen Tag ist…
Um 10 h 20 sollte eigentlich die Reiseleitung im Haus sein. Wir gehen zur Lobby, um zu schauen. Wir warten, wir warten, wir warten…und wenn wir nicht nachgefragt hätten stünden wir wahrscheinlich noch jahrelang an gleicher Stelle… Aber, nee! Sayid lächelt uns entgegen, so, wie immer, wenn er uns sieht und hilft uns gern weiter. Er telefoniert mit dem Reiseleiter und lässt uns wissen, dass dieser u, 13:30 h antanzen wird. Zu diesem Termin kam er dann auch, natürlich mit ägyptischer Pünktlichkeit, sprich: 15 Minuten später. Aber nun wissen wir wenigstens, mit wem wir es zu tun haben.
Der Tag wird zum Strandtag erklärt, durch die Termine mit der Reiseleitung sind wir eh immer ein wenig hin- und hergerissen. Es riecht nach Kamel. Und als wir um die Ecke schauen, sehen wir auch eins dort stehen…Aber nein, ich mag mich nicht darauf setzen… Ein Kamel auf Kamel, das kommt sicher nicht so gut ;) Doch, unser Tageshighlight sollte der Abend werden…
Doch erstens kommt es anders, zweitens…Die Animation steht vor dem Speisesaal und sagt die Kobra-Show ab. Die Kobra sei unpässlich und daher zu gefährlich, damit auf die Bühne zu gehen. – Schade! –So verbringen wir den Abend an der Lobbybar. Es muss der Ouzo gewesen sein, der Christian zu der Aussage bewegt: „Ich habe sowas von einen im Arsch!“ Kurioserweise geht von dem Schwulenpärchen (die sonst immer zusammen auftreten) nur einer Richtung Aufzug. Fragend schauen wir zu Christian… und das Thema des Abends war gefunden.
Am nächsten Morgen erwischt Udos der Fluch der Pharaonen. Zwar haben wir noch Durchfalltabletten dabei, aber heute ist Stadtrundfahrt geplant. Schnell noch zur Apotheke. Leider ist um die Mittagszeit nur eine geöffnet. – Und die nimmt Phantasiepreise. Aber, egal, schließlich will Udo die Rundfahrt nicht verpassen. Um 15 h 45 h stehen wir, wie verabredet, vor dem Hotel. Von unserem Bus nichts zu sehen. Wohl bemerkt, wir buchten die Tour über ein Deutsches Unternehmen. Also nimmt Udo über WhatsApp Kontakt auf, schließlich hat er eine ägyptische Vodafone-Karte in seinem Handy. Ralf entschuldigt sich, der Fahrer ist in eine Kontrolle gekommen. (Das muss hier öfter vorkommen). Mit halbstündiger Verspätung steigen wir dann endlich in den kleinen Bus.
Ein junger, dunkelhäutiger Mann stellt sich in fließendem Deutsch vor. Er heißt Bamboo und wird uns durch Hurghada führen. Die Reise geht zunächst an eine Badebucht, in der viele Einheimische relaxen. Sie liegt etwas außerhalb und vom oberen Geländer schauen wir über das weite Meer. Ringsherum sind noch viele, angefangene Gebäude, die irgendwann einmal fertig werden wollen.
Bamboo bietet sich sogleich an, ein Foto von uns allen zu machen. Das nehmen wir gern an, denn wir haben schon wieder keinen Selfie-Stick gekauft. Nach ca. 10 Minuten soll die Fahrt weiter gehen, hin zu der schönen, modernen Marina .
Hier liegen einige, superteure Yachten, der ganze Hafen wirkt sehr modern und stylisch. Auch die Exklusivität ist zu spüren, alles eben ein bisschen teurer. Vor einem Restaurant sehen wir einen Aufsteller, worauf zu lesen ist, dass hier Kamelsteaks angeboten werden. Hm, die würde ich auch mal probieren. Leider fehlt uns dazu jetzt die Zeit, doch, wir denken, dass wir nochmal wiederkommen werden – und vielleicht machen wir das dann.
Die gesamte Atmosphäre hier erinnert mich an die teuren Häfen in Deutschland. Es wirkt alles sehr weltmännisch.
Von hier aus gelangen wir, mit einem kurzen Spaziergang, zur großen Moschee. Zwischendurch werden wir von Bettlerinnen angesprochen. Ich gebe nichts, aber anschließend ärgere ich mich über mich selbst… andererseits habe ich keine ägyptischen Pfund dabei. Beim nächsten Mal werde ich das anders machen. Mit, umgerechnet, 50 Cent kann ich hier einem Menschen eine Freude machen.
Nun wenige Meter und dann haben wir die Moschee erreicht. Mächtig steht sie vor uns. Bamboo fragt, ob wir hinein gehen wollen und schauen. Da wir eine kleine Gruppe sind, beschließen wir, uns den anderen anzupassen. Es scheint, als will außer uns keiner. Also gehen wir weiter. Ein paar Schritte laufen wir noch, bis wir das nächste Ziel erreicht haben. Doch schon weit vorher dringt ein penetranter Geruch in meine Nase. „Hier ist der Fischmarkt“, lässt uns Bamboo wissen und ich krempel meinen Rock etwas höher, denn gemeinsam gehen wir durch die stinkenden Gänge. Unter meinen Füßen ist es nass, Wasser steht auf dem Boden, auf dem auch die toten Fische liegen. Jede Menge Fliegen kreisen um das tote Meeresfleisch. Andere Fische sind in Kisten, natürlich alles ungekühlt.
Mich wundert überhaupt nicht, wenn hier von Pharaos Fluch gesprochen wird. Die Lebensmittel lagern alle in unhygienischen Zuständen. Unsere, zum Teil überhygienisierten, Körper sind das nicht gewohnt. Und so reagiert er mit Durchfall. Macht Sinn, oder? Schließlich leben die Ägypter noch…
Trotzdem bin ich froh, als wir die stinkenden Hallen verlassen.
„Wir fahren jetzt zum Frauenberg“, erklärt uns Bamboo. Claudia will wissen, warum der Berg so heißt. „Das erkläre ich, wenn wir dort sind,“ gibt unser Gide zur Antwort. Und genau so macht er es auch. Wir steigen aus und schauen vom Berg hinunter über Hurghada. Von hier aus kann man Bauten erkennen. Früher standen hier einfache Hütten, in denen Fischer wohnten. Tagsüber gingen die Männer ihrer Arbeit nach und die Frauen trafen sich hier, auf dem Berg, um sich auszutauschen.
Auch jetzt sitzen zwei junge Mädchen hier. Bamboo unterhält sich mit ihnen und lässt uns wissen, dass die eine Französisch und die Andere Deutsch studiert.
Nachdem wir den schönen Sonnenuntergang gesehen haben, geht die Reise weiter.
Wieder fahren wir hinunter in den Ort. Bevor wir über den Gemüsemarkt gehen, lädt unser Gide uns ein. Ein kleines „Café“ mit Bestuhlung. Es gibt ein Getränk aus Zuckerrohr. Die meisten haben es dankend angenommen – wir auch.
Inmitten von Menschen und Autolärm sitzen wir, teilweise auf dem Bürgersteig, und schlürfen unser Getränk, dessen Geschmack zu beschreiben mir sehr schwer fällt. Aber geschmeckt hat es.
Die kleine Pause war ganz angenehm. Claudia hat aber Not, ihre Zigaretten gehen zur Neige. Doch Bamboo weiß Abhilfe zu schaffen. An einem kleinen Kiosk kann sie eine Stange für 12 € erstehen. Na, da greifen doch auch noch andere zu…
Bevor wir dann am Gemüsemarkt ankommen, besuchen wir noch die koptische Kirche und werden Zeugen einer Trauung. Ca. 10 Prozent der Bevölkerung gehören hier dieser christlichen Religion an.
Ein paar Fotos werden geschossen und dann sind wir auf dem Markt. Es ähnelt etwas dem Fischmarkt, nur stinkt es hier nicht so. Zustände, die bei uns unhaltbar wären. Nachdem Bamboo uns noch alte Gassen, in denen sich kein Tourist verirrt, geführt hat, sind wir fast am Ziel. Passt mir gut, denn mit Öffentlichen Toiletten ist die Stadt nicht gut ausgestattet…
Im Hotel angekommen, reicht es noch, das Abendessen einzunehmen. Jetzt müssen wir nur noch abklären, wann wir zur Quadtour, die Morgen stattfinden soll, abgeholt werden. Über WhatsApp nimmt Udo Kontakt auf und wir erfahren, dass wir um 3 Uhr abgeholt werden soll. „Die meinen doch sicher 15 h, frag doch bitte nochmal nach“, bitte ich meinen Mann. Aber nein, sie meinen tatsächlich 3 Uhr. Claudia und Christian streiken. „Nee, das ist mir zu früh“, protestiert Claudia. Aber uns kann nichts erschrecken. Zum Glück können wir die Plätze für die Zwei problemlos stornieren. Wir sind nämlich von einer Sonnenuntergangstour ausgegangen. Für uns heißt das nun, etwas früher ins Bett. Vorher probiere ich noch aus, ob ich mit meiner Haremshose, die ich gekauft habe, auch gut auf einem Quad werde sitzen können. Geht! Beruhigt legen wir uns ins Bett, um eine Mütze voll Schlaf zu bekommen. Die Vorfreude auf den nächsten Morgen nehmen wir mit in unsere Träume…
Um 2:15 h klingelt der Wecker…horrido. Das Abenteuer kann beginnen. Pünktlich um 3:00 h holt uns der Kleinbus vom Hotel ab. Noch ein paar Leute einsammeln und zum Schluss steigt Bamboo dazu. Gefühlte Ewigkeiten dauert es, bis wir den Hof erreichen, in dem die Quads stehen. Unser Gide hat ein kleines Frühstück mitgebracht. Dann noch ein paar Formalitäten und wir sitzen auf. Ziel ist der Sonnenaufgang an den Klippen…
Die Dinger sind so eingestellt, dass keiner schalten muss. Trotzdem habe ich meine Schwierigkeiten, die erste Runde zu drehen. Wie froh bin ich, dass sich Bamboo mit auf mein Quad setzt, hinten drauf, um mir beim Lenken zu helfen. Das Gefühl für das Motorrad bekomme ich eigentlich recht schnell. Aber eines habe ich nicht bedacht: Ich bin nachtblind. D.h., ich kann die Unebenheiten der Wüste nicht erkennen. Und es ist noch stockfinster. Innerlich bete ich, dass der Gide bei mir sitzen bleibt, denn sonst kann ich nicht garantieren, heil am Ziel anzukommen. Mein Gebet scheint erhört zu werden…
Bamboo gibt Anweisungen: „Gas, langsam, jetzt wieder Gas.“ Und nach einiger Zeit kann ich auch Speed geben. Doch die Unsicherheit bleibt, weil ich nichts richtig sehe.
Außer Udo und mir sind noch 3 Leute dabei und noch ein zusätzlicher Fahrer, der voran fährt. Wir Alterchen, also Udo und ich, bilden das Schlusslicht, während die anderen durch die Wüste rasen. Meine Begleitung ist aber auch absolut sicher in der Wüste.
Ab und zu schaue ich mich um, ob mein Schatz auch noch hinter uns ist. Und dann, auf einmal, von ihm nichts mehr zu sehen. Das erschreckt mich. Doch Bamboo wäre ein schlechter Gide, wenn er das nicht sofort bemerken würde und umgekehrt wäre. Schatz hat sich festgefahren. Erleichtert geht das Abenteuer weiter…
Nach einigen „Gas-geben“ und „Langsam“- Anordnungen haben wir die erste Etappe dann geschafft. Noch ist es dämmrig, doch bald schon werden wir einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben. Bamboo geht mit uns nah zu den Klippen, von dort aus haben wir einen grandiosen Ausblick auf die Stille der Natur. Das tiefe Gewässer (hier ist es dunkelblau) liegt ruhig vor uns, auf der gegenüberliegenden Seite ein Küstenmassiv. Bei genauerem Hinsehen könnte man meinen, dass ein Gesicht darin eingehauen wäre Hier verweilen wir eine Weile. Ein paar Mutige gehen noch auf einen weiteren Felsvorsprung… Ich gehöre nicht dazu.
Nach diesen imposanten Eindrücken geht die Fahrt weiter. Es wird hell – und schon fällt mir das Quad fahren leichter. Das bemerkt selbst mein Co-Fahrer, dessen Anordnungen jetzt ziemlich verstummen. Mit zunehmender Helligkeit werde ich sicherer und gebe auch mal Speed.
Nach gefühlten hundert Kilometern stoppen wir. Eine steile Abfahrt soll es sein. Ich schaue runter. Nee, da fahre ich sicherlich nicht runter. Einer aus der Gruppe hat sich schon auf die „Umleitungsstrecke“ begeben. Bamboo bietet sich an, dass er fährt und ich mich hinten drauf setze. Aber ich lehne dankend ab. Alle Überredungskünste helfen nichts. Da bin ich stur wie ein Maulesel. Doch auch Udo traut sich nicht. Und so geben wir Gas und nehmen auch die Umleitung. Noch ein paar Kilometer, dann erreichen wir einen schönen, menschenleeren Strand. Hier machen wir kurz Halt.
Dann dürfen wir die Quads zurück in den Stall bringen. Ein superschöner Morgen war das!
Zum Frühstück sind wir zurück im Hotel. Doch das frühe Aufstehen macht sich bemerkbar, wir sind müde und der Tag zieht sich irgendwie. Als wir zum Steg hinausspazieren, spricht mich der Security-Mann an. Ob ich ihm Zigaretten besorgen kann. Der arme Kerl, der immer freundlich ist, kommt von seinem Aufsichtsposten ja nicht weg. Also gehe ich ins Zimmer, nehme eine Schachtel und bringe sie ihm. Bezahlen lasse ich sie mir nicht – und Mr. Security freut sich.
Der Nachmittagskaffee ist obligatorisch. Da probiere ich doch gleich mal etwas Neues. Zwar schmeckt er aus der Maschine recht gut, aber… ich mag Milch in meinem Kaffee, aber das nicht zu viel. Ich mache mir einen Espresso und einen Cappuccino, das mische ich zusammen und finde die Kombination ideal. Dabei werde ich wohl bleiben.
Da der Tag ein bisschen schleppend ist, unternehmen wir nicht mehr viel. Der Geschenkeladen, gegenüber vom Hotel, hat noch meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Da wollen wir mal schauen, ob ich den gewünschten Anubis für meinen Sohn finde. Und, tatsächlich, einen sehr schönen habe ich entdeckt. Die Verhandlungen beginnen. 45 € wollte er haben, ich aber nur 30 € geben. Feilschen ist angesagt. Der Verkäufer sagt „35“, ich: „25“. Als er merkt, dass ich von meiner Vorstellung nicht abweiche, bekomme ich ihn für den Preis. Alles wird gut verpackt und dann drückt er mir die Tüte in die Hand. „Moment bitte, wir müssen noch Geld holen“, sagt Udo und wir drehen uns um, den Laden zu verlassen. Der Verkäufer drückt uns erneut das Gewünschte in die Hand und meinte: „Ihr seid Deutsche, ich vertraue Euch, kommt später und bringt das Geld.“ Erstaunt gehen wir ins Hotel und erledigen, was wir erledigen müssen. Natürlich gehen wir ins Geschäft zurück und bezahlen den Anubis (ägyptischer Totengott).
Am Abend kommen mir dann Zweifel und ich gehe ins Zimmer, um zu schauen, ob er den Kerl auch wirklich eingepackt hat… Habe halt viel erfahren über die Machenschaften der
Ägypter. Aber, nee, alles gut. Jetzt bin ich erleichtert. Als wir nach dem Abendessen mit Claudia und Christian zur Apotheke gehen, werden wir von einem Straßenverkäufer angesprochen. Er wollte uns eine Stange Zigaretten für 25 € verkaufen. Da wir ja wissen, dass wir am Kiosk nur 12 € bezahlt haben, bieten wir ihm 15 € - und bekommen sie dafür. Aber nicht, ohne dass Claudia vorher die Packung verglichen hat… Man weiß ja nie. Als Christian dann noch meinte, es könnten auch leere Packungen sein, machen wir gleich ein Päckchen auf und stellen beruhigt fest, dass alles seine Richtigkeit hat.
Den nächsten Tag nutzen wir zum Relaxen. Unser Abenteuer Quad haben wir gut überstanden und sind wieder gut ausgeschlafen. Dann können wir endlich mal die Luftmatratze nehmen, um ein wenig auf dem Meer zu schaukeln. Unseren Pausendrink (meist Wasser mit Limone) nehmen wir in der Strandbar ein, die wir jetzt erst entdeckt haben.
Es ist Claudias und Christians‘ letzter Tag. Wir gehen noch einmal gemeinsam zur Cleopatra-Mall, um ein paar Dinge zu kaufen. Zuerst sitzen wir gemütlich in der Lobbybar. Mohammed, einer der Kellner, bedient uns gern. (Ein kleines Trinkgeld und Schokolade bewirkt Wunder). Manchmal geht auch einer von uns an die Bar, um Getränke zu holen. Wenn Mohammed mich sieht, sagt er immer „Schatzi“. Ich muss lachen und beschließe, mit ‚Habibi‘ zu antworten. Jetzt heißt es, die letzten gemeinsamen Stunden mit den Gelsenkirchnern zu verbringen – und dazu gehen wir in die Caribbean – Bar.
Und am nächsten Tag sind sie dann weg, wogegen wir uns noch auf ein Highlight freuen. Das soll uns morgen erwarten. Doch: Hoffentlich klappt das auch, denn nun hat auch mich Pharaos Fluch erwischt…
Wie gut, dass wir Medikamente gekauft haben, denn die Bootsfahrt am nächsten Tag möchte ich mir keinesfalls entgehen lassen. Dank der Durchfalltabletten bekomme ich es in den Griff.
Nach dem Frühstück, um 9:25 h werden wir von einem Kleinbus abgeholt. Die Fahrt geht Richtung Makadi Bay. Dort halten wir an einem langen, weiten Strand. „Früher war das eines der ersten Hotels, jetzt ist es in staatlicher Hand“, erklärt uns Angie, die Chefin von DTG-Tours, die uns begleiten wird.
Ein zweiter Bus steht auch schon dort. Und so sind wir insgesamt 18 Leute, die die Yacht besteigen. Hier hätten locker doppelt soviel Menschen Platz, doch es ist Ralf und Angie ein Anliegen, Touren mit privatem Flair anzubieten. Und so ist für uns auch jetzt schon klar, dass wir im nächsten Jahr, sollten wir wieder hierher kommen, eine Fahrt nach Luxor machen werden, natürlich mit DTG-Tours.
Doch zurück zum Boot:
Über ein Brett steigen wir ein, ziehen unten die Schuhe aus und suchen uns dann einen schönen Platz am Oberdeck.
Auf diese Yacht würden locker 40 Personen passen, doch DTG-Tours macht es familiär und nimmt nur maximal 20 Leute mit aufs Schiff. Außerdem sind 5 Mann Besatzung mit dabei. Für relativ kleines Geld ein Hauch von Luxus…
Die Bänke sind aus weißem Leder und jedes Pärchen findet seine Ecke. Es ist genügend Platz da, um sich lang zu machen.
Die Chefin hält mit jedem Gast einen Plausch, erklärt ein bisschen über die Tour und hat auch Reisetabletten dabei, falls sie jemand benötigt. So fliegt die Zeit nur dahin – und schon gibt es Frühstück. Vor allem aber: Kaffee. Ausreichend Tomaten, Rührei, Gurken und: Falafel werden aufgetischt. Die muss ich gleich probieren, kenne ich nicht. Ich bin angenehm überrascht, schmeckt wirklich gut. Im Hotel sind sie mir irgendwie nie aufgefallen, doch die werde ich künftig verspeisen wollen…
„Die erste Anlaufstelle wird Orange Bay sein“, erklärt uns Angie. „Dort können wir bleiben, so lange wir wollen“.
Bevor wir in das Wassertaxi steigen, das uns zur Insel bringen wird, bekommen wir jeder eine Flasche Wasser mit, denn die Preise auf der Insel seien sehr hoch.
Begrüßung auf Orange Bay: „Die Toiletten sind hier links oder dort“, er zeigt mit dem Finger aufs Meer.
Wir gehen mit unserem Strandgepäck an den langen, weiten Strand und suchen uns unter Bambusschirmen einen Schattenplatz.
Unter jedem Schirm liegen kleine Flickenmatten, ordentlich zusammengerollt. Eine gute Unterlage für das mitgebrachte Handtuch. Natürlich müssen wir ins Wasser. Bestimmt 500 – 600 Meter können wir laufen, bis uns das Wasser bis zu den Knien reicht. Eine Insel zum Runterkommen und Träumen. Aus Lautsprechern erklingt leise Musik. Doch laut genug, um sie im Meer zu hören. Ich schnappe mir meinen Schatz, um einen Tanz zu starten. Unser erster Wassertanz!
Und weil wir das Strandlaufen vermissen, nutzen wir das hier reichlich aus. Dabei entdecken wir eine Schaukel, mitten im Wasser. Ich bin hellauf begeistert… passt!
Leider kann ich hier nicht ausgiebig schaukeln, denn es stehen noch andere an – und der Fotograf ist auch schon da, er will professionelle Fotos schießen.
Er fragt, ob wir die Bilder haben möchten. 2 CDs, eine mit Fotos und die andere mit einem Unterwasserfilm, für 25 €. Wir halten den Preis für absolut akzeptabel und freuen uns jetzt schon auf das, was uns wohl erwartet.

Bald schon verlassen wir den einsamen Strand, die einsame Insel. Doch vorher muss noch ein Gruppenfoto her. Mit dem Wassertaxi geht es dann zurück auf die Yacht. Es ist Mittagessenszeit. Wir bekommen Softdrinks und ein kleines Buffet, angerichtet mit Hähnchen, Fisch und Riesengarnelen, Spaghetti, Reis und noch mehr. Da ich noch nie eine Garnele gegessen habe, muss ich die natürlich probieren und schäle das Meerestier. Schmackhaft ist es auf alle Fälle.
Wieder auf Deck, gibt es „Delfinalarm“. Sie werden nicht zusammengetrieben, sondern einfach nur entdeckt. Munter springen sie umher und einer des Personals springt in die Fluten, um mit ihnen zu schwimmen. Bei dieser Gelegenheit werden auch gleich Bilder gemacht, die auf jener CD zu finden sein werden. Die Gäste des Schiffes wollen natürlich alle Fotos machen. Und so sind die Tierchen unter ständiger Beobachtung. Gesehen haben wir 4 Delfine, aber möglicherweise waren noch mehr in der Nähe.
Währenddessen fragt Angie, wer eine Schnorchel-Ausrüstung braucht, denn das nächste Abenteuer steht bevor…
Angie bekommt mit, dass ich noch nie vorher geschnorchelt habe. Jetzt bekomme ich beim Flossen anziehen Hilfe und fühle mich wie eine Ente. Dann noch die Schnorchelmaske. Und, bitte, ich möchte eine Schwimmweste, bekomme ich doch leicht Panik, wenn ich keinen Boden unter meinen Füßen spüre…
Alle meine Wünsche werden erledigt und dann bekomme ich noch ein „Taxi“ zugewiesen. Einer vom ägyptischen Personal soll mich im tiefen Gewässer begleiten. Und dann ab ins Vergnügen. Während Udo sich an der schönen Unterwasserwelt erfreut, kämpfe ich mit Luft. Mein halbwegs geduldiges Taxi ermuntert mich, den Kopf ins Wasser zu legen. Es gelingt mir nur kurz, dann bekomme ich wieder Atemnot. Nach unzähligen Versuchen gelingt es mir dann, wenigstens kurzzeitig ins Wasser zu schauen und ich glaube zu erkennen, was ich versäume. Doch, es hilft alles nichts, ich muss wieder an Bord.
Raus aus den Entenfüßen, Maske ab und dann kurz unter die Süßwasserdusche. Puh… ein bisschen ärgert es mich schon, dass ich nicht länger aushalten konnte. Das muss ich üben. Ich möchte auch einmal in den Genuss kommen, die Unterwasserwelt zu sehen…
Nachdem alle wieder an Bord sind, wird die Fahrt wieder aufgenommen.
Es soll langsam heimwärts gehen, dem nahenden Sonnenuntergang entgegen. Doch vorher ankert die erfahrene Crew noch einmal zum Schnorcheln. Diesmal passe ich, genieße lieber die Ruhe auf Deck. Die meisten der Gäste schauen sich aber fasziniert die Meeresbewohner an. Eine Lady ist so sehr fasziniert, dass sie gesucht werden muss, als wir weiter schippern wollen. Ein Begleiter hat sie entdeckt und springt von oben hinein in die Fluten. Jetzt ist die Mannschaft wieder komplett und es kann weiter gehen. Als Zwischensnack wird Melone angeboten und wir bekommen ein kühles Getränk serviert.
Ich habe das Gefühl, je mehr sich die Sonne gen Westen neigt, umso stiller wird alles um mich herum. Das Spiegeln des Lichtes ist ein wenig magisch und wandelt sich zu einem märchenhaft anmutenden Bild, je tiefer sie steht.
Zunächst ist noch alles hell, bläulich, dann ändert es sich in orange-gold. Dann sehen wir einen –Flieger in das Abendlicht gleiten, ein magischer Moment.
Leider sind wir am Ende unseres Bootsausflugs angelangt. Wir verlassen die Yacht steigen wieder in den Bus. Ich träume und schwelge noch ein wenig. Wenn ich bedenke, dass der ganze Tag pro Person 29 € kostet… Ist doch echter Wahnsinn, oder? Bei uns wäre das undenkbar. Mit diesem Highligt schließe ich meinen Reisebericht, es kann danach nichts Spektakuläres mehr kommen.

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