Olaf Lüken

Geld und Geld-Betrachtung

Der Künstler: Ein freischaffender Künstler verdient in Deutschland durchschnittlich 15.425 Euro im Jahr. Die Armutsgrenze liegt bei 11.520 Euro jährlich (SPIEGEL Wissen 2/2016)

Der Neurologe: Was du besitzt - besitzt auch dich !

Der Ökonom: 99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es erst recht nicht: sie erkärt es sogar als "nicht existierend !" Solange aber die Geldwirtschaft nicht als eigentliches Problem anerkannt wird, wird eine wirkliche ökologische Wende nicht möglich sein." (Professor Christoph Binswanger, Schweiz)

Der Politiker: "Wir leben auf Kosten der Zukunft", sagen die Politiker. Mit "wir" kann das Volk nicht gemeint sein. Nicht die Gesellschaft lebt über ihre Verhältnisse, sondern eine unregu- lierte kapitalistische Produktionsweise. Kann es sein, dass die Welt für den Kapitalismus, insbesondere für den Finanzkapitalismus, zu reich geworden ist und immer neue Geldblasen in die Lüfte steigen ? Wenn die Finanz-Eliten  weiter Leerverkäufe vornehmen und auch den Nahrungsmittel-Weltmarkt beeinflussen und die Börsen manipulieren - wie Präsident Donald Trump und seine Schergen es tun, die Politiker aber einer "Leistungsgesellschaft" das Wort reden und das Arbeit sich wieder lohnen soll, dann frage ich mich, wie verträgt sich das alles miteinander ? Deutschlands Schuldenstand sank in den letzten Jahren, ist aber noch  viel zu hoch. Wir haben eine viel zu große Einkommensungleichheit. Das Reallohnwachstum - be -zogen auf die letzten zwanzig Jahre - ist viel zu gering. Sparen lohnt sich nicht mehr, weil es keine Zinsen bringt, und Sparen war in Deutschland einmal eine Tugend. Deutschlands Un- ternehmer laufen Gefahr business mit Schuldnerländern und Schuldnerfirmen abzuwickeln. Schauen wir nach Polen, nach England, nach Griechenland und nach Portugal.. In Italien re- gieren Nationalisten und Anarchisten Seite an Seite. Neue Parteien entstehen, gewählt von Frust- und Wutbürgern. Kaum sind die Rechten an der Macht, versagen sie. Das Tohuwabo- hu macht auch im außereuropäischen  Ausland nicht halt. Ob Russland oder Amerika. Während die großen Staaten Selbstbespieglungspolitiken betreiben, handelt China mit seiner ganz eigenen Konsequenz. Wir sehen es und schauen nur allzu gerne wieder weg. Das wird sich eines Tages rächen. Deutsche  Politiker haben längst Zeit keine Visionen mehr. 

Die aktuelle Zinssituation: Der Zins wird von der EZB bestimmt. Offiziell liegt er bei "0"
Die Inflationsrate liegt bei ca. 2,2 Prozent (Juni 2018): Ende 2017 lag die Inflationsrate bei 1,8 Prozent. Steigt die Inflationsrate nicht wesentlich über 2 Prozent, spricht man von einer Preisstabilität. Die Bundesregierung wünscht sich eine höhere Inflation. Inflationen sind aber Wertevernichter.

Die Unternehmer: Sie bemängeln den Mindestlohn, die viel zu hohen Arbeitskosten und das unnötige Mehr an Bürokratie. Allein die Bürokratiekosten betrugen 2016 43,8 Milliarden Eu -ro, behauptet der Unternehmerverband. Mit einem neuen Gesetz plane die Regierung eine Entlastung von "nur" 360 Millionen Euro. (stern 21.8.2016, Nr. 21). Eine Frauenquote will der Verband der Deutschen Industrie ebenso wenig, wie die Rente mit 63 und die steigenden Beiträge zugunsten der Mütter-Rente. Auch der Rechtsanspruch von Beschäftigten auf Teilzeitarbeit, wenn sie nahe Familienangehörige pflegen, ärgert und befremdet die Arbeitgeber sehr.Auch eine geschlechterneutrale Einkommensgleichheit,die auch zwischen West und Ost keine Unterschiede kennt, befremdet diese Herrengesellschaft sehr. Ihre Interessenvertreter - Lobbyisten - warrnen die Politik vor einer weiteren Gewerbesteuererhöhung. Hunderte hoch produktive Unternehe würden mit solchen Maßnahmen aus dem Land getrieben. Die gehen dann nach Finnland und  zuletzt nach Rumänien, der Kostenstrukturen wegen. Ein Schalk, der Böses dabei denkt.

Der Gewerkschaftler: Der Anteil der Lohneinkommen am Gesamteinkommen sank vor 2014 jahrelang. Wir erleben heute eine Umverteilung zugunsten des Kapitals. Das sin, ebenso gleiche Gehöd die eigentlichen Probleme der nationalen wie der internationalen Ökonomie. Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. In Deutschland haben 43 Millionen Menschen einen Job. 22 Prozent arbeiten im Niedriglohnsektor, sind also Geringverdiener. 7 Millionen sind Teilzeit- oder Minijobber. Seit 2014 steigen die Reallöhne. 960.000 Menschen arbeiten in Deutschland als Leiharbeiter (siehe aktuelle Statistiken 2017) Knapp 2 Millionen Bürger - zwischen 20 und 24 Jahre alt - haben  keine Berufsausbildung. Die Arbeitslosenquote beträgt 5,9 Prozent. 30 Prozent der Arbeiterinnen und Arbeiter  haben ein Einkommen knapp über oder unter  der Armutsgrenze (s.o.). Die Exportüberschüsse kommen deutschen Arbeitneh- mern kaum zugute, verärgern aber den Rest der ebenfalls exportstarken Nationen. Mittlerweile haben 14 Millionen Deutsche Erfahrungen mit Hartz IV bzw. mit Arbeitslosengeld II gehabt.

Die Bürgerinnen und Bürger: Wir wissen, was die Dinge kosten, aber wir wissen nicht, was sie wert sind. Was ist geschehen ? Die materialistische und eigennützige Lebensart, der wir heute begegnen, ist nicht zwingend im Menschen angelegt. Sie kam mit den achtziger Jahren. Die Jagd nach dem Geld, der Kult um Privatisierung und Kapitalismus erweist sich als sein größter Feind. Früher oder später werden die Bürger Opfer ihrer eigenen Exzesse und den Staat um Hilfe bitten. Wenn wir aber nach dieser Krise zum Alltag zurückkehren und so weitermachen wie bisher, sollten wir uns auf größere Katastrophen gefasst machen (John Lanchester: Die Sprache des Geldes) Andererseits: Wir haben die Welt, die wir geerbt haben, nicht selbst geschaffen, aber wir müssen sie auch nicht nicht so zurücklassen, wie wir sie vorgefunden haben. Das heißt: Wir müssen uns auch um das Geldsystem kümmern.

Die Finanzkrise (2008-20018) hat den deutschen Steuerzahlern mindestens 68 Milliarden Euro gekostet. Zinsverluste nicht einmal inbegriffen. Die Information kam auf eine Anfrage der GRÜNEN (Mitte September 2018) zustande.

Arme und Reiche: Jean-Jacques Rousseau schreibt in seinem Werk "Du contract social", dass in einer gerechten Gesellschaft niemand so reich sein dürfe, dass er andere Menschen kaufen kann und niemand so arm, dass er sich anderen unterwerfen müsse. Tatsache aber ist:Die Armen können die Reichen nicht enteignen, weil sie auf deren Steuergelder angewie -sen sind und auf das wofür sie verwendet werden. Haben Sie es gewusst ? 7,5 Millionen Deutsche sind funktionale Analphabeten.

Ehrenamtliche:  38 Millionen Menschen üben in Deutschland ein Ehrenamt aus. Sie bekommen für ihre Arbeit bestenfalls - wenn überhaupt - eine Kostenerstattung (z.B. für Busfahr- ten).Heldinnen und Helden im Land - den Politikern und auch den  Kirchenverbänden ein Beispiel gebend.  

Der Koran: "Wehe dem Stichler und Nörgler, der Geld und Gut zusammenbringt und es zählt und meint, sein Besitz würde ihn unsterblich machen. Nein! Er wird... geworfen werden in das Feuer Gottes." (Koran,Sure 104, 1-6)

Und Gott ? Gott zu Moses: "Alles ist mein Eigentum!" "Gott allein ist der Seiende, ohne Anfang und Ende und alles Gewordene ist ursprünglich von IHM erschaffen worden und darum von Rechts wegen uneingeschränkt SEIN EIGENTUM. Der Mensch besitzt bestenfalls."

Und was denken Sie, liebe Leserin, lieber Leser ?

(C) Olaf Lüken (Aus meinem Buch "Schöne neue Geldwelt" 2017)




 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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