Peter Kröger

Sein Leben

Sein Leben bestand aus dreierlei: dem Denken, der Sehnsucht, der Hoffnung.
Hinter dem Haus grub er den Garten um, er sägte das Holz, er mähte die Wiese und aß sein Butterbrot im Schweiße seines Angesichts. Nachts las er, meist dicke Folianten über den Landbau und Bücher über sogenannte Fragen der Zeit, oder er schrieb kräftige Reime auf lose Blätter, die er ins Feuer warf.
War er im Garten, sinnierte er über das Leben; trug er das Brennholz ins Haus, sehnte er die Nacht herbei; mähte er die Wiese, hoffte er auf ein Zeichen, ein Wetterleuchten vielleicht, ein Donnern und Beben; aß er sein Brot, dachte er an den Tod.
Einmal fuhr er in die große Stadt, um die schönen Mädchen zu sehen und die großen Schiffe im Hafen. Doch kaum angekommen spürte er ein Unbehagen, kehrte zurück und schrieb die ganze Nacht, Vers auf Vers, Blatt für Blatt, über Gott und die Welt, bis die Sonne aufging über den Feldern.
Die Jahre vergingen. Als man ihn suchte, irgendwann, weil niemand Holz sägte, die Wiese mähte und nachts kein Licht brannte, fand man ihn, schon halb verwest, vor dem Ofen kauernd, wie im Gebet. In der einen Hand hielt er ein schimmeliges Butterbrot, in der anderen ein schmales, kleines Bändchen mit leerem, vergilbtem Papier. Nur unten auf der letzten Seite waren Worte in krakeliger Jungenschrift zu lesen, die allseits Betroffenheit oder zum mindesten Verwunderung auslösten und in unserem abgelegenen Landstrich sogar nach und nach eine gewisse Berühmtheit erlangten, so unbedarft-harmlos sie klingen mochten. Tatsächlich lauteten sie: DAS WAR SEIN LEBEN.

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