Christiane Mielck-Retzdorff

Mama

 

 

Bevor Lenas biologische Uhr ablief, hatte sich das Ehepaar entschlossen, ihre Gemeinschaft durch ein Kind zu bereichern. Nun war also Paul auf der Welt. Zum Glück konnte seine Mutter ihre Berufstätigkeit als Werbetexterin zuhause am Computer weiter ausüben, während der Vater als Staatsanwalt bei Gericht arbeitete. Schnell erkannte Lena, wie sehr ihr der Kontakt zu ihren Kolleginnen und Kollegen, die Treffen mit Freunden und Bekannten nach Feierabend fehlten. Das glich sie durch reges Treiben in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Twitter aus. So konnte sie mit ihrem Smartphone an dem Leben der anderen teilhaben und von ihren eigenen Aktivitäten berichten.

 

Pflichtgemäß schob sie Paul jeden Tag erst im Kinderwagen, dann in der Karre durch den nahen Park. Diese Zeit nutzte sie, um ihre sozialen Kontakte mit dem Handy zu pflegen. Sie kommentierte Fotos, Erlebnisse und postete, was sie gerade tat. Das Gerät war ihr ständiger Begleiter, ließ sie lachen, staunen, sich wundern und fesselte ihre ganze Aufmerksamkeit während der Spaziergänge.

 

Der nun Einjährige konnte zwar schon etwas laufen, doch ihn aus seinem Transportmittel zu entlassen, hätte Lena nur abgelenkt. Am liebsten war es ihr, wenn Paul schlief. Wenn er wach war, forderte sie ihn gelegentlich auf „Mama“ zu sagen, doch der Kleine blieb stumm.

 

Als das Ehepaar eines Abends gemeinsam im Wohnzimmer saß, krabbelte ihr Sohn fröhlich auf dem Teppich. Plötzlich richtete er sich eigenständig auf, ging auf wackeligen Beinen zu einem Beistelltisch, auf dem das Smartphone der Mutter lag. Strahlend griff er zu, drückte es an seine Brust und verkündete lautstark „Mama“.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Buch von Christiane Mielck-Retzdorff:

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Trug und Wahrhaftigkeit: Eine Liebesgeschichte von Christiane Mielck-Retzdorff



Zum wiederholten Mal muss sich die Gymnasiastin Lisa-Marie in einer neuen Schule zurechtfinden. Dabei fällt sie allein durch ihre bescheidene Kleidung und Zurückhaltung auf. Schon bei der ersten Begegnung fühlt sie sich zu ihrem jungen, attraktiven Lehrer, Hendrik von Auental, der einem alten Adelsgeschlecht entstammt, hingezogen. Aber das geht nicht ihr allein so.
Die junge Frau muss gegen Ablehnung und Misstrauen kämpfen. Doch auch der Lehrer sieht sich plötzlich einer bösartigen Anschuldigung ausgesetzt. Trotzdem kommt es zwischen beiden zu einer zarten Annäherung. Dann treibt ein Schicksalsschlag den Mann zurück auf das elterliche Gut, wo ihn nicht nur neue Aufgaben erwarten sondern auch Familientraditionen, die ihn in Ketten legen.

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