Andreas Rüdig

Domina

In der Ehe
mit ihrem Auf und Wehe
sagt der Mann:
Was steht so an?
er geht hinaus in die Welt
kommt zurück mit dem Geld
die Frau bleibt im Heim
kümmer sich um Kind und Leim
 
 
 
Weichei!
 
Frauenversteher!
 
Memme!
 
 
Mein Vater beschimpfte mich immer wieder mit diesem üblen Vokabular. Zu weich, zu sanfmütig, ganz einfach zu weibisch war ich ihm. Was nicht etwa daran lag, daß ich in Mädchenkleidung herumlaufen oder mit Puppen spielen wollte. Ich war damals schon ein ganzer Kerl, meiner Meinung nach zumindest. Ich trieb Sport. Kraftsport in der Regel, Bodybuildung, Gewichtheben u. ä. Als Jugendlicher hatte ich Oberarme und Oberschenkel, die muskulös und wie aufgepumpt aussahen. Ich wollte ursprünglich eine Ausbildung als Handwerker antreten, so wie viele andere Jungen auch.
 
 
Die Domina ich besuch
das ist ein großer Fluch
Sie hat bei mir das Sagen
Widerspruch darf ich nicht wagen
ich muß Essen für sie kochen
statt Golfbälle einlochen
Wäsche für sie waschen
statt einen Kater erhaschen
putzen, bügeln, einkaufen
nichts will bei mir so richtig laufen.
 
 
Der Wandel kam in der Pubertät. Meine (männlichen) Schulkameraden prahlten irgendwann mit ihren Eroberungen. Die erste Liebe. Der erste Sex. Das waren ihre Themen. Nur ich, ich konnte vor lauter anderen Themen nicht mithalten und mitreden.
 
In dieser Situation trat Tante Augustina in mein Leben. Unter dem Namen "Alexandra" arbeitete sie schon seit vielen Jahren erfolgreich im liegenden Gewerbe; dementsprechend war es auch in unserer Familie verpönt, ihren Namen überhaupt in den Mund zu nehmen, geschweige denn von ihr zu reden.
 
"Ich sehe, du leidest, Xaver," sagte sie zu mir. "Komm mit mir. Ich werde dich in die Freuden der Sexualität und des Liebeslebens einführen." Den ersten nackten weiblichen Körper sah ich bei ihrer Tochter Wilhelmina; deren Freundin Gerhardine tritt mich dann zu. Oral? Missionarsstellung? 66 ? Frau auf Mann? Ihrer Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.
 
Doch irgendwann befriedigte mich das alles nicht. Ich hatte gesehen, wie Tante Augustina die Männer herumkommandierte, die ihr gehorchten und sogar Freude daran hatten.
 
"Hilf mir und führe mich in die Freuden deiner Liebeskunst ein," forderte ich von ihr. "Du willst die Weiberherrschaft kennenlernen?" - "Ja!" - "Die freiwillige Unterwerfung unter die Herrschaft der Frau?"- "Ja, auf jeden Fall!" - "Du weißt, daß ich eine Domina bin? Daß ich nur stundenweise Zeit für dich habe? Daß du alles tun mußt, was ich von dir verlange?" Alle diese Fragen beantwortete ich freudig erregt mit einem lauten "Ja!"
 
Wer auf Frauen hört,
dem Mannesein abschwört,
er verliert sein Gesicht
gilt als verweiblicht
trägt die Schürze
kümmert sich um Gewürze
auch beim Geschlechtsverkehr
tut er sich schwer
sie führt das Regiment
das hat er verpennt
 
 
Zuerst zieht su dich in meiner Gegenwart, vor meinen Augen aus. Meine Güte, hast du ein hübsches Gemächt. So herrlich steif erigiert ist es. Jetzt ziehst du die Vorhaut zurück und zeigst mir, wie du onanierst und masturbierst.
 
Es hat herrlich gut getan, von Tante Augustina in das dominadominierte Liebesleben eingeführt zu werden. Ich mußte mich um nichts kümmern, bekam gesagt, was ich tun und lassen sollte. Ich durfte sogar die Füße hochlegen und faulenzen.
 
Irgendwann bekamen meine Mitschüler und später dann Kollegen mit, daß ich unter der Fuchtel von Frauen stand. Ich hatte zwar immer noch viele harte Muskeln und war auch in der Lage, tagsüber Chef zu sein. Nur die Freizeitaktivitäten machte ich nicht mit. Saufgelage? Orgien? Bordellbesuche? Waren alles nichts für mich - durfte ich nicht. Besuche im Fußballstadion? Nur in Absprache mit meiner Herrin
 
Doch dann kam mein großer Tag. Tante Augustina sagt zu mir: "Xaver, du mußst jetzt tapfer sein. Fräulein Josefine hat jetzt ausgedient. Auch wenn sie deine Ehefrau ist: Verlasse sie und emanzipiere dich."
 
Da Tante Augustina die ranghöhere Herrin ist, gehorchte ich ihr und trennte mich von meiner Ehefrau-Herrin. Anfangs war es doch eine anstrengende, weil ungewohnte Erfahrung. Ich mußte privat selbst und ständig, also selbständig Entscheidungen treffen. Zum Glück kenne ich das ja von meiner Arbeit; also gelang es mir irgendwann.
 
Heute bin ich glücklich mit Albertina verheiratet. Wir ergänzen und ideal. Und, vor allem: Meine Männlichkeit ist wieder hergestellt. Meine Kollegen respektieren mich.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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