Heinz-Walter Hoetter

Die Ballade vom alten Jäger

Ein alter Jäger pirscht allein im verschneiten Winterwald umher und draußen ist es bitter kalt. Vereist ist der Weg und siehe da, er tritt unverhofft in einen tief gefrorenen Spalt. Oh weh! Der Jägersmann stürzt mit der Stirn voraus, er laut krachend auf den harten Boden knallt.

Davon fliegt seine schöne Jägermütze. Es quillt nach seinem grässlich Sturz aus einem großen Loch im Kopfe viel Blut und graue Hirnesgrütze. Des Jägers jämmerlicher Hilferuf voll Todesangst im verschneiten Wald erschallt. Aber sein Leben welkt, der Körper ist schon fast ganz kalt.

Der Alte fleht mit letzter Kraft im Glauben halt: „So hilf doch mir, oh Herr, ich sterbe bald!“ Aber niemand ist da, der ihm helfen kann. Einsam im tiefen Schnee haucht er sein Dasein aus, der arme Jägersmann. Am nächsten Tag erst man den toten Körper nach langer Suche fand. Keiner hatte um ihn gebangt. Welch eine Schand.

Doch glaubt, und das ist jetzt keine Finte! Der alte Jäger hielt noch in völlig starr verkrampfter Hand seine schussbereite Doppelrohrflinte.

Er hielt sie wohl auf seiner Pirsch auf einen kapitalen Hirsch. Doch der entkam mit großer Not. Zu hastig wollt der Waidmann ihn erlegen. Er stürzte dabei brutal zu Boden und war auch schon bald Tod.

 

Jawohl, so war es in der Tat gewesen. Der stattliche Hirsch, er lebt, der alte Jägersmann jedoch, der muss in tiefer Erde jetzt verwesen.


 

ENDE


 


 

©Heinz-Walter Hoetter

 

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