Wolfgang Küssner

Moderner Fünfkampf

Sportinteressierten und aufmerksamen Beobachtern unseres Zeitgeschehens ist der Moderne Fünfkampf logischerweise ein Begriff. Unterschiedlichste Sportarten wie Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Querfeldeinlauf und Springreiten sind die Ingredienzen dieser Disziplin. Und wer aus allen fünf Wettbewerben mit der höchsten Punktzahl hervorgeht, ist Gewinner, eventuell sogar Olympiasieger. Wir kennen den Zehnkampf und das Boxen; Segeln, Ringe und Reck, Weit- und Hochsprung; Kugelstoßen, Speerwerfen; Turmspringen, Bodenturnen und Gewichtheben, Hockey und Fußball und viele, viele andere sommerliche Disziplinen. Die winterlichen Sportarten werden an dieser Stelle vernachlässigt. Verständnis wird gegeben sein; geht es doch um Aktivitäten in den Tropen.

Neben den allgemein bekannten Disziplinen wird es immer häufiger weltweit als sportliche Herausforderung betrachtet, im Kampf um Marktanteile zuzulegen; Briefkastenfirmen zu unterhalten; Steuern zu hinterziehen; Lücken und Freiräume zu nutzen; Rechtsbrüche zu betreiben, sich aber nicht erwischen zu lassen; das ganze sportlich zu betrachten.

Ein Modernen Fünfkampf der besonderen Art, also des Nicht-Erwischt-Werdens, bietet sich den Urlaubern und Gästen in Thailand, den dort lebenden Ausländern an. Zugegeben, es geht dabei weniger um Sport, sondern eher um Einhaltung, Berücksichtigung der bestehenden Gesetze, bzw. Missachtung dieser, ohne als Täter erkannt zu werden. Dem Sieger winken zwar keine Medaillen, doch aufgedeckte Verstöße könnten teuer werden. Betrachten wir die sich bietenden „Disziplinen“ – vielleicht sollte jetzt besser von Gesetzen gesprochen bzw. geschrieben werden – der Reihe nach.

Da gibt es ein Gesetz zum Thema Respektlosigkeit gegenüber Münzen und Geldscheinen. Auf jeder Münze, auf jedem Geldschein ist in Thailand das Portrait des Königs zu sehen. Schnell fällt mal so ein Schein, eine Münze zu Boden, droht davonzurollen oder vom Winde zu verwehen. Natürliche Reaktion der den Verlust fürchtenden Personen: Den dahinschwindenden, sich bewegenden und entfernenden Wert durch einen gezielten Fußtritt zu stoppen. Und schon hat die agierende Person den König getreten. Erwischt und angezeigt ist durchaus ein Urteil von bis zu 15 Jahren Gefängnis möglich.

Vor Jahren hatte ein Urlauber auf einem thailändischen Postamt Urlaubsgrüße verschicken wollen. Die gekauften, gummierten Briefmarken befeuchtete er mit der Zunge und klebte die Wertzeichen dann auf die Postkarten. Ein Thai beobachtete das Prozedere und machte darauf aufmerksam, dass es doch der König sei, der da gerade mit der Zunge....... – nass gemacht wurde. Das Glück war mit dem Gast. Es hatte keine weiteren Folgen. Nebenbei bemerkt, wer in Great Britain eine Marke mit dem Portrait der Queen kopfstehend auf einem Brief platziert, macht sich ebenfalls der Respektlosigkeit schuldig.

Ein anderes Thema ist der Alkoholverkauf. In der Zeit von 14 bis 17 Uhr und von Mitternacht bis 11 Uhr morgens ein absolutes No Go. Um erhebliche Strafen, bis hin zum Arrest, zu vermeiden, findet kein Verkauf zu diesen Zeiten statt. Sollte dieses doch der Fall sein, der Verkäufer, der Urlauber, der Gast erwischt werden, kann es arg teuer werden. Ich würde es hier nicht auf sportlichen Ehrgeiz ankommen lassen. Ein wenig eingeschränkte Konsumfreiheit kann hier nicht schaden. Und außerdem: Süchtige sind beim Arzt eindeutig besser aufgehoben.

Es gibt die in regelmäßigen Abständen stattfindende staatliche Lotterie. Punkt. Aus. Alle anderen Glücksspiele sind verboten. Auf den Ausgang eines Boxkampfes zu wetten; Geld auf den Gewinner des Fußballspiels zu setzen; mit Kronkorken oder Muscheln um Monetäres zu spielen; Skat oder Doppelkopf unter Urlaubs-Freunden am Strand zu praktizieren (gleich, ob in Baht, Euro oder Dollar); sind in anbetracht des Gesetzes alles andere als eine gute Idee. Selbst ein ermittelter Besitz von mehr als 120 Spielkarten (ohne deren Einsatz) kann rechtliche Konsequnzen haben. Also gilt: Ein klares NEIN, um nicht mit harten Strafen konfrontiert zu werden.

PS: Neben der staatlichen Lotterie gibt es ein, wohl eher stillschweigend geduldetes, Glücksspiel bei den teilweise mehrtätigen Feierlichkeiten anläßlich des Todes eines Mitbürgers. Um den Verstorbenen sorgenfrei auf die weitere Reise zu schicken, erstrecken sich die Aktivitäten im Süden Thailands über mehrere Tage. Buddhistische Zeremonien, Bewirtung der Gäste, Aufführung von Schattenspielen etc. gehören zum Programm. Das kostet natürlich viel Geld. Als eine Einnahmequelle werden im Rahmen dieser Feiern Glücksspiele praktiziert und geduldet. Das so erspielte Geld dient der Finanzierung der Gedenkfeier.

Frage: Ging es dem Urheber folgenden Gesetzes darum, die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer auf den Verkehr und nicht auf den Astralkörper eines Moped- oder Autofahrers zu lenken? Ging es darum, weniger attraktive Gewächse mit einem übereinander geschichteten, statt nebeneinander platziertem Sixpack vor den Blicken anderer Teilnehmer der öffentlichen Verkehrswege zu schützen? Die Intention ist unbekannt. Fakt ist allerdings, das Fahren mit nacktem Oberkörper – egal, ob auf dem Fahrrad, Motorrad, ob im Auto – ist nicht erlaubt. In den Orten mit Urlaubern aus allen Teilen der Welt wird die Polizei für dieses Verhalten vielleicht Verständnis zeigen. Doch was passiert, wenn ein neuer, gesetzestreuer auf Karriere ambitionierter Uniformträger diese Lücke als Einnahmequelle entdeckt; ihn der sportliche Ehrgeiz packt?

Ein anderes Gesetz bietet sich da schon eher für sportlich Interessierte an und die Chance, bei Verstoß unentdeckt davonzukommen. Fast möchte man vom Flitzen schreiben. Konkret: Es ist laut Gesetz verboten, keine Unterwäsche zu tragen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ohne Hemd und ohne Höschen bewegt sich der Mensch mit illegalem Outfit. Das Gesetz soll aus historischen Zeiten stammen, wo das Tragen von Unterwäsche aus hygienischen Gründen relevant war. Doch es wurde nie abgeschafft und man kann bei der Kreativität der thailändischen Polizei auf der Suche nach neuen Einnahmenquellen nie sicher sein, ob dieses Gesetz nicht doch irgendwann aktiviert wird. Und dann? Stehen vielleicht portable Umkleidekabinen im Kontrollbereich am Straßenrand? Greifen Verstöße erkundende Polizisten schnell mal in die Hose, unter den Rock des Gastes? Würde ein String als Unterwäsche durchgehen?

Der Urlauber, der Gast, der in Thailand lebende Ausländer muss nicht ins Risiko laufen, muss den sportlichen Ehrgeiz nicht an diesen Gesetzen herausfordern, praktizieren. Der Autor dieser Zeilen empfiehlt dem Reisenden die sportlichen Aktivitäten besser auf eine der bekannteren Disziplinen zu konzentrieren, vielleicht sogar auf den Modernen Fünfkampf.

Mai 2018

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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