Klaus Fleischer

Kann ja mal passieren

Jeden motorisierten Mitteleuropäer mit vier Gummiringen unter seiner Fahrzeugkarosse kann es täglich treffen. Der Möchtegernformeleinsfahrer fährt ganz gemütlich mit 65 Stundenkilometer durch die 30-ziger Zone des kleinen Dorfes. Der Wackeldackel vor der Rückscheibe hat schon dank der vielen Schlaglöcher sein Köpfchen verloren und die Sonnenbrille ist gerade irgendwohin in Richtung Fahrzeugboden abgestürzt.

Die liebe leicht angeschlagene bei fahrende Lebensabschnittsgefährtin (oder auch alle anderen Verbindlichkeiten) hat sich vor unsäglicher Angst und Panik mit ihren vor drei Stunden noch frisch lackierten zehn Fingerchen in den fast neuen Ledersitz verkrallt – da passiert es.

Eine winzige Mücke mit einer zu ihrer Sicherheit angelegten eisernen Ganzkörperrüstung hat sich total verflogen und erwischt mit all ihrer unsagbaren Energie die Windschutzscheibe.

Es könnte natürlich auch eines von den manchmal in solchen Gegenden tief fliegende Hausschweine gewesen sein. Jedenfalls kracht es nicht unüberhörbar.

Das Bremspedal wird vom aus dem Dämmerschlaf gerissenen Fahrzeuglenker bis zum Kühlergrill durchgetreten und nun hat er das Malheur. Er hat eine Sprung in seiner Schüssel, womit ich natürlich nicht sein Oberstübchen meine, sondern sein gerade mal 20 Jahre junges „Heilig Blechle“, wie man im Schwabenland so zu sagen pflegt oder um es genauer zu lokalisieren in der wichtigen Frontscheibe.

Ein Aufschrei aus einem sehr erotischem gut geschminkten Beifahrermündchen lässt sofort die gesamte Einwohnerschaft der aus fünf Häusern bestehenden Ansiedlung aus ihren Fenstern springen und ein Fernsehteam von RTL ist binnen weniger Minuten mit einem gut funktionierenden Bundeswehrhubschrauber vor Ort.

In dieser, schon am nächsten Tag in allen ansässigen Zeitungsblättern auf der Titelseite erscheinenden Lebensbedrohlichen Situation ist nun aber eines von größter Wichtigkeit:

 

Man hat einen schon vor geraumer Zeit und in weiser Voraussicht angemeldeten Termin bei so einem nicht zu unterschätzenden Frontscheibenklebeunternehmen wie sie oft in der alltäglichen und tausendfach wiederholten Werbung im TV erscheinen. Kargläser oder so ähnlich.

 

Ich habe gestern Abend gegen Mitternacht nach der letzten, bestimmt schon dreihundert mal vor meinen trüben Äuglein auf meinem Flachbildschirm erschienen Warnung (Werbung) des gerade erwähnten Windschutzscheibenhelfers einen Termin für meinen demnächst möglichen Sprungschüsselschadens telefonisch eingeholt.

Mein Termin ist am 23.08. 2031. Ich denke somit habe ich gut vorgebaut.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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