Wolfgang Küssner

Uups!

Uups steht an dieser Stelle natürlich nicht für die gestotterte Kurzform eines amerikanischen Paketzustellers namens United Parcel Service. Das wäre für einige Leser außerdem recht unverständlich, unpassend, kontraproduktiv. Vermutlich nicht nur unpassend, sogar bedenklich, in keinster Weise dieser Geschichte Rechnung tragend, überzeugend. Uups steht für Oh! Für Huch! Für Hoppla! Für eine Überraschung; ungeplant, unvorbereitet, für plötzlich; mit so einem leichten Ansatz von Lichtblick, neuer Erkenntnis. Alles klar? Uups. Obwohl Wut, Zukunfts-Angst, Neid, Engstirnigkeit, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus eine lange Tradition haben.

Kennst du das Land wo die Zitronen blühen? Ausland! Ananas, Bananen, Apfelsinen, Pfirsiche, Feigen, Mandarinen? Klar, alles Ausländer. Auberginen, Peperoni, Avocado, Zucchini? Logisch, ebenso Ausländer. Also: Raus damit! Nicht nur aus dem anbietenden Laden-Geschäft, sondern raus aus dem Land. Obwohl Genuss und Geschmack und.... Was können die Produkte dafür, dass sie aus dem Ausland kommen?

Was bliebe da am Ende übrig? Kartoffeln, Zwetschgen, Kohlköpfe, Rosenkohl. Dieser ist nach jüngsten Erkenntnissen erstmals im 13. Jahrh. in der Region Brüssel angebaut worden. Blieben also Kohlköpfe. Dafür wären die stolzen Germanen in der Lage, blonde Zöpfe zu flechten, deutsche Schäferhunde abzurichten, später zu hetzen, im Gleichschritt zu marschieren, Schädel zu rasieren, Fahnen zu hissen, auf Menschenrechte zu pissen, Zäune zu errichten und Sütterlin zu schreiben und zu dichten. Wäre doch auch was, oder? Zugegeben nicht viel. Aber die logische und offensichtlich gewollte Alternative. Uups. Wirklich? Das Vorstehende sind unter Umständen nur die ersten Schritte, die Anfänge.

Da ist dann künftig nichts mehr mit vertrauten, christlichen Weihnachtsliedern. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.... Wie Bitte? Ihr Kinderlein kommet, so kommet doch all....Aber nicht zu uns. Es kommt ein Schiff geladen, bis an sein höchste Bord.... Von wegen. Das könnte so passen. Dazwischen liegt erst einmal das Mittelmeer. Oh du fröhliche, oh du selige.... ein sizilianisches Fischerlied. Uups. Schluß damit. Wenn wir schreiten Seit an Seit.... wird es künftig heißen. Und unsere geliebte, verehrte Helene Fischer? 1984 in Krasnojarsk geboren. Also Russland. Eine uns mit leichter, gefälliger Unterhaltung unterwandernde Ausländerin? Schluß. Aus. Vorbei. Abgedreht. Ruhe.

Urlaubsziele heißen demnächst Brocken, Wendland, Eifel, Ückermark, Westerwald. Der Leser erinnert sich doch: Oh, du schöner....“ was denn sonst. Schwarzwald ginge auch noch. Eventuell der Bodensee. Doch Bodensee? Könnte mehr als Spurenelemente von Schweizern und Österreichern enthalten. Sauerland. Hunsrück. Das klingt deutsch, bodenständig. Auf jeden Fall Schluß mit Malle und Ballermann, mit Sandburgen auf Fuerte belegt ab 20. April...., Schluß mit Teneriffa. Jetzt ist nichts mehr mit in der Früh per Handtuch reservierter Sonnenliegen. Die Teutonen können ausschlafen. Uups. Nichts gegen die schönen genannten deutschen Landschaften und ihre Bewohner. Das Entstehen germanischen Urlaubslager sollte dort nur verhindert werden.

Schon mal über die Frage nachgedacht, wie man als guter Michel zur nächsten Sonnenwendfeier anreisen könnte? Mit dem Auto. Wäre die normale Antwort. Das kann demnächst aber nicht ernst gemeint sein. Denn die Zeiten werden für stramme Germanen nicht mehr normal sein. Bei VW ist die Qatar-Holding aktiv, die Familie Piёch kommt aus Österreich. Kuwait, Renault/Nissan und Aktionäre aus Asien und den USA sind bei Mercedes engagiert. Bei BMW arbeitet Kapital aus den USA, aus Norwegen, von der Credit-Suisse. Opel gehört zur französischen Group PSA. Uups. Da blieben Fahrrad, Pferd oder die Bahn, eine Erfindung aus deutschen Landen. Ansonsten: Einschränkung, Verzicht. So würden die Alternativen lauten. Was bei Obst und Gemüse ginge, müßte auch bei germanischem Brauchtum möglich sein. Demnächst wäre eine Neuauflage von Kraft durch Freude zu überdenken. War auch schon historisch betrachtet ein gutes Training in Sachen Massentransporte.

Nutella käme natürlich nicht mehr auf den Tisch. Eindeutig ein italienisches Produkt. Mögen die Kinder noch so jammern und quengeln. Ein deutscher Junge wird ohne Nutella stark wie Kruppstahl und zäh wie Leder. Rama würde nicht mehr aufs Brot gestrichen werden. Eine Marke aus dem Hause Unilever. Niederlande. Ausland. Wehe, es wagt künftig jemand, mit Maggi zu würzen. Schweizer Unternehmen. Bei Schöller gab es das königlich-preußische Fürst-Pickler-Eis. Klang nach deutscher Tradition. Doch Schöller gehört zu Nestle. Ist somit eine schweizer Marke. Langnese ist Bestandteil des Unilever-Konzerns. Nun, in der sich unter Umständen anbahnenden neuen Eiszeit kann mit Sicherheit gut und gern auf Speiseeis verzichtet werden. Erste Kälte ist jetzt schon zu spüren. Uups.

Die beliebtesten Vornamen in Deutschland lauteten in 2017 angeblich Maximilian, Alexander, Marie und Sophie. Nach arischem Reinheitsgebot wären diese Spitzenreiter sehr verdächtig. Überall französische, englische, holländische Urspünge drin. Sophie ist sogar sehr stark französisch belastet. Uups. Dabei gäbe es doch nationale Alternativen. Wie wäre es mit Minnegard und Oda, mit Thore und Adolf?

Die Rose ist ursprünglich ein Gewächs aus China, die Tulpe aus der Türkei. Die Aster war einst in Amerika, Afrika und Eurasien beheimatet. Die Nelken kamen vom Balkan und aus Zentralasien in unsere Wohnzimmer. Uups. Sich an diesen Blumen erfreuen? Das dürfte künftig schwierig werden. Was würden deutsche Besucher denken. Auch hier könnte es eines Tages heißen: Ausländer-Blumen raus. Wäre nur konsequent.

Die Mathematik hat ihre Wurzeln in Mesopotamien. Das ist jene Kulturlandschaft, in denen die Flüsse Euphrat und Tigris bis heute fließen. Dort, wo jene Flüchtlinge herkommen, die ein national gesinnter Deutscher schon gerne mal als Kameltreiber tituliert. Indien und China haben einen weiteren, großen Anteil an der Mathematik. Ist aber beides Ausland. Noch wird mit arabischen Ziffern gerechnet. Ist das wahr? Das heißt ja, wir rechnen bereits seit Jahrhunderten mit dem Islam? Wenn die momentane Entwicklung nicht gestoppt wird ist zu befürchten, dass bald eh nicht mehr gerechnet, sondern nur noch abgerechnet, abgeschoben wird. Hoffentlich hat sich da niemand verrechnet. Helfen wir nach, dass die Rechnung nicht auf geht.

Unser geliebter Kaffee. Kommt ursprünglich aus Äthiopien. Ob die Raus-Schreier überhaupt wissen, wo dieses Land liegt? Tee, ein Getränk aus China. Tabak kam einst aus Amerika und das älteste, bekannte Bierrezept ist 5000 Jahre alt und wurde in China entdeckt. Da gab es die Deutschen noch gar nicht. Uups. Was könnte ein strammer Teutone also künftig trinken, seinen Gästen servieren? In der germanisch/nordischen Mythologie wurde den Göttern Honigwein kredenzt. Die Herstellung war allerdings schon 3.500 Jahre v.u.Z. in Ägypten und Vorderasien bekannt. Nicht gerade deutsche Regionen. Außerdem haben wir es nicht nur mit Göttern zu tun. Da bliebe wohl nur das reine Wasser.

Selbst die Deutsche Bank trägt nur noch den heimischen, wohlklingenden, nationalen Namen. An der Spitze des Geldinstituts standen in den letzten Jahren Manager aus der Schweiz, aus Indien, aus Great Britain. Das sind zwar auch Ausländer, doch ein Protest war nicht zu vernehmen. Und erst das Kapital der Bank? Da hält die HNA-Group aus China beachtliche Anteile, da sind Beteiligungen aus den USA (Black Rock Inc.), Paramount von den British Virgin Islands und die Supreme Universal Holding von den Cayman Inseln zu vermerken. Von wegen: Deutsche Bank. Global-Player. Uups.

Allerdings: Wenn es ums Geld geht, hat der deutsche Michel in der jüngsten Vergangenheit wenig Probleme mit Ausland, mit Ausländern. Unvorstellbare Werte, enorme Summen, riesige Vermögen traut er den Ausländern an. Barschaften, von denen die Raus-Skandierer auf den Straßen nur träumen können. Die Ausländer sollen das Geld gut vor deutschen (!) Behörden verstecken, optimal mehren. Und dabei kann es gar nicht exotisch genug sein, je ausländischer, je besser. Panama, Cayman, Singapur, Libanon, Hongkong, Bahrain etc. ... Uups.

Hat der Leser schon mal einen Blick auf die beliebtesten Hunderassen der Deutschen geworfen?. Ein Herz für Tiere haben wir bekanntlich immer. Notleidende Tiere genießen unsere ganze Empathie – meistens mehr und intensiver, als dieses für andere Menschen zutrifft. Auf Platz eins dieser Skala der Beliebtheit liegt (welch eine Überraschung für bewußte Germanen, für rechte Deutsche) die Französische Bulldogge. Kommt – wie der Name bereits vermuten läßt – nicht aus deutschen Landen. Platz zwei belegt der Labrador aus dem United Kingtom. Platz drei hält der Chihuahua aus Mexiko. Auf Platz 4 kommt der Australian Shepherd, der, anders als sein Name denken läßt, von den USA aus die Welt erobert hat. Wird der Leser eventuell schon unruhig? Möchte er wissen, auf welchem Platz nun der Deutsche Schäferhund gelandet ist? Zunächst folgen noch viele andere Rassen, bevor endlich auf Platz – Michel, jetzt mußt du tapfer sein – auf Platz 19 (die Raus-Schreier werden wohl an Schande denken) der Deutsche Schäferhund aufgelistet wird. Uups.

Die Welt ist nicht nur Schwarz und Weiß. Mit geöffneten Augen werden die meisten von uns erkennen, dass es erstens zwischen Schwarz und Weiß sehr viele Grau-Töne gibt. Und dass zweitens die Welt bunt ist, bunt wie das Leben. Wenn sich Schwarz und Braun mischen, paaren, wird diese Welt nicht bunter, sie wird schmutziger. Diese Erkenntnis bedarf keiner Experimente.

Aus gemachten Erfahrungen erwachen häufig Wünsche nach Veränderung. Von blondzöpfigen Mädchen zubereitete Kohlköpfe mögen kurzfristig sättigend sein; Seit an Seit im Teutoburger Wald zu marschieren, mag mal ein Alternativ-Urlaub sein; nur noch Sütterlin zu schreiben und zu lesen macht allerdings schon verdammt einsam. Zukunftsängste aus dem Bauch heraus zu beantworten, kann nicht nur gedankenlos sondern auch unverständlich wirken.

Noch ist es eine Minderheit, die vorgibt und lautstark tönt, das Volk zu sein. Noch ist das Vorstehende nicht auf dem Weg, Realität zu werden. Noch ist es nicht zu spät, Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit Einhalt zu gebieten. Noch ist es nicht zu spät, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Zukunfts-Angst, Wut zu thematisieren und zu diskutieren. Überlassen wir auf keinem Fall das Feld den Feinden der Demokratie, den Feinden der Menschenrechte. Zeigen wir unsere Flagge, unser Stopp-Schild. Jetzt. Uups. Ja, im Sinne nach Lichtblick, neuer Erkenntnis – Uups.

September 2018

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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