Georges Ettlin

Die versunkene Lokomotive



Im Fernsehen habe ich einen Bericht über eine versunkene Lok gesehen, damals, 1852,
da war die Lokomitive auf einem Schiffstransport auf dem Rhein im Rhein versunken.Später kam
eine Sendung über die Käferplage bei Weizen oder Korn, Mais usw.. Jemand hat ein
extrem sensibles Mikrofon zwecks Forschung in ein Weizensilo gesteckt, um auf
akkustischem Wege den normalen Käferfrass im Silo zu veranschaulichen: Da hörte man ein Knistern und Knacken,
ein Kribbeln und Krabbeln durch den Lautsprecher, sodass man sich wunderte,
dass vom Getreide nach Stunden noch etwas übrig blieb.
Nachher habe ich mich zufällig daran erinnert, dass im Jahre 1852 von Hamburg aus eine
konstruktionsgleiche Lok per Schiff nach Schweden transportiert wurde,
die Lokomotive kam aber dort nie an. Auf mir unbekannten Breitengraden zwischen Skagerrak und Schweden
versank eine Lokomotive vom Fabrikanten Emil Kessler in seinem Beisein auf dem Schiff
ins nördliche Meer und war seither verschwunden: Das wurde dann zu einem Versicherungsfall
und wurde bald vergessen.
Im Jahre 1968 fand man die Versicherungsdokumente (des Unglücks auf See) und forschte nach der längst
versunkenen Lokomotive.
Es war nun so, dass nicht nur die Lokomotive verschwand, sondern auch der Lokführer, der für die Lok als
Instruktor an Bord war. Aus irgendwelchen Gründen hatte er sich bei hohem Wellengang auf der Lokomotive
befunden, vielleicht hat er dort noch schnell das Messing poliert oder die Radlager geöhlt, die Stahlkabel-Verzurrung
nachgezogen?, ...jedenfalls war er weg.
Nach vielen vergeblichen Tauchgängen fanden die "Schatzsucher" auf der Suche nach
der versunkenen Lokomotive  parallele Linien in der Tiefe von nur 30 Metern, eingegraben
im uralten Schlick und Sand.
Das könnten relativ neue Schleifspuren von verbotenen Grundschleppnetzen der damaligen DDR-Fischerei gewesen sein und
man forschte aber trotzdem nach:
Die Schmalspur-Spurweite der Rillen entsprach der ersten Lokomotivenzeit von 1852 , sie stiegen aber
von 40 Metern Seetiefe auf 20 Meter Seetiefe hinauf, was als unbeheizte Fahr- Leistung für eine versunkene, kalte Lok
den Tauchern als unmöglich erschien, sodass sie den Tauchgang schon beenden wollten.
Dann fanden sie aber am Ende der Spur tatsächlich die alte, verlorene Lokomoitive, fast wie fabrikneu
und im dunklen englisch-Grün gestrichen.
Voller Begeisterung wollte nun jeder Taucher das Lokomotiv-Wunder auf dem Meeresgrund bestaunen,
bis dann gegen Mitternacht, auch bei Scheinwerferbeleuchtung, niemand mehr hinunter wollte:
Der alte Dampfkessel der verschollenen Lokomotive war warm, eine alte kaum verweste Wasserleiche
(Salzgehalt des Meerwassers dort 30 PSV) triftete um
die Lok herum und schien die Taucher berühren zu wollen: Zugegeben, das war
eine unmögliche Sache, die nur Esoteriker entschlüsseln konnten.
Diese erklärten den Tauchern, dass plötzlich verstorbene Menschen den eigenen Tod nicht
erkennen und am Sterbeort eine Ewigkeit verweilen um auf Rettung zu warten.
Da sie sich als unbewusst-Tote bereits in der zeitlosen Ewigkeit befinden, bemerken sie den Zeitaublauf nicht und warten und warten,
ohne sich zu langweilen: Sie leben als Seelensubstrat oder als Geister im ewigen, immerwährenden Jetzt.

****
c/G.E.


 

Lokomotive: ...von neulat.loco motivus,
sich von der Stelle bewegend.
Georges Ettlin, Anmerkung zur Geschichte

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