Christian Allenbach

Die Beamtin und die rote Kuh

Die Beamtin und die rote Kuh.

 

Christian Allenbach

 

Der Bauernhof von Fritz Lanz ist in der Schweiz. Früher da mussten die Bauern einfach ein Formular ausfüllen, damit sie die Subvention bekamen. Doch nun müssen sie alles online in den Computer eintippen, im wahrsten Sinne des Wortes, jeden Mist. Wie viele Fuder Mist sie aufs Feld hinausgefahren haben und weiterer bürokratischer Blödsinn.

 

Wie viel Urin eine Kuh pro Tag gibt, steht noch nicht auf dem Fragebogen. Nun müssen die Beamten in der Hauptstadt Bern auch irgendwie beschäftigt werden. Fritz hatte ein mal einer Gärtnerei ein Fuder Mist geliefert. Das ist zwar bei diesen unzähligen neuen Vorschriften nicht verboten, aber er hatte vergessen, das zu melden. Bei einer Kontrolle hatte nun die Beamtin Verena Hofer festgestellt, dass Fritz zu wenig Mist gemeldet hatte, er hatte nur vier Fuder Mist angegeben, er hatte zehn Kühe, andere Bauern, die zehn Kühe hatten, meldeten immer fünf Fuder. Sie stattete nun dem Bauer einen Besuch ab.

 

Der Bauer sah sie schon von weitem und sagte zu seinem Knecht: „Da kommt nun dieses eingebildete aufgeblasene Weib mit mit ihrem Rossschwanz. Das letzte mal wollte die mir doch erklären, ich müsse im Stall Bücher auf den Boden legen, du wirst es nicht glauben, sie sagte, die Kühe müssen über die Bücher laufen, die spinnt doch. Dann habe ich ihr gezeigt, wo die Stalltüre ist, und sie vom Hof gejagt. Vorher ist immer der Kurt Marti gekommen, er war zwar auch ein Buchstabenreiter, aber er war wenigstens nicht Geistes gestört.“

 

Sie zeigte ihren Ausweis und fragte, ob sie den Stall besichtigen könne. Dann zählte sie die Kühe, und wollte zehn notieren. Der Knecht deutete auf den Stier und fragte sie dann, ob sie eine Ahnung habe, wie viel Milch diese „Kuh“ hier gebe. „Ach so, das ist ja der Stier,“ dann sagte sie: „Sie haben also zehn Kühe gemeldet, es sind aber nur neun, wo ist die Kuh Lisa?“ Der Bauer antwortete nicht sofort, “jetzt wollen Sie mir wohl sagen, sie sei bei ihrer Oma zu Besuch.“ Fritz sagte dann: „ ja, die ist dort.“ „Ich werde das überprüfen,“ dann ging sie wieder, für sie war es jetzt klar, der hatte Jahre lang für eine Kuh Subvention einkassiert, die er gar nicht hatte. Die Oma hatte überhaupt keinen Stall und keine Kuh zu Besuch.

 

Sie reichte nun eine Klage ein wegen Betrugs, und auch noch wegen Irreführung der Behörden. Nun musste er vor Gericht.

 

Wegen eines Brandes in Amtshaus wurden die Gerichtsverhandlungen im Gemeindesaal durchgeführt, dort waren keine Treppen. Fritz hatte dann seine Kuh mitgenommen und den Anhänger direkt neben den Eingang parkiert. Zuerst wurde der Knecht als Zeuge aufgerufen. Der Richter sagte ihm zuerst, er solle nur das sagen, was er selber gesehen habe. „Wie heißen Sie?“ „Jakob Schranz“ „Wann sind sie geboren?“ „Da bin ich mir nicht so sicher,“ der Richter konnte ein lächeln nicht mehr unterdrücken, dann sagte er: „ Zeigen Sie ihren Ausweis.“

 

Der Nachbar wartete nun mit der Lisa vor der Eingangstüre. Dann wurde der Bauer Fritz Lanz aufgerufen: „ Sie sind angeklagt wegen zu Unrecht bezogenen Subventionen, wie viele Kühe haben Sie?“ Zehn,“ „aber wo ist denn die Lisa?“ Der Bauer tat so, als ob er einen Asthmaanfall hätte und lief zum Ausgang, der Knecht bestätigte, er habe Asthma. Als er die Türe öffnete, kam der Nachbar mit der Lisa in den Saal.

 

Der Richter wusste jetzt nicht mehr, ob er lächeln oder schimpfen sollte, Fritz meldete sich dann zum Wort: „Sie haben mich gefragt, wo die Lisa ist, hier ist sie. “ Der Richter befahl dem Gerichtsschreiber die Ohrmarke der Kuh zu kontrollieren, alles war in Ordnung. „Also dann sind sie wegen Betrugs freigesprochen. Da ist aber noch eine Klage wegen Irreführung der Behörden, Sie haben der Frau Hofer gesagt, die Kuh Lisa sei bei der Oma.“ „ Her Richter, das stimmt nicht, sie fragte mich, ob die Kuh an der OLMA sei, worauf ich ich sagte, ja sie ist dort.“ „Frau Hofer, was haben sie gesagt?“ „ Ich fragte, ob die Kuh bei seiner Oma war.“ Der Bauer sagte dann er habe verstanden, ob sie an der OLMA ist, „die Kuh war dort, und hat den ersten Preis gewonnen.“ Er nahm eine Zeitung aus der Tasche und zeigte diese dem Richter, Lisa war auf der ersten Seite, der Richter schüttelt wieder den Kopf, „Also war das ein Missverständnis, also sie sind Sie unschuldig.“ (OLMA ist eine Ostschweizerische Landwirtschaft und Maschinen Ausstellung.) „Sie sind frei gesprochen, die Kosten trägt der Staat.“

 

Da erhob Lisa den Schwanz, und wollte auch noch den Beweis erbringen, dass sie wieder genügend Mist liefern könne, doch der Richter und der Hauswart waren von diesem Vorgang ganz und gar nicht begeistert, und die Anwesenden verließen schleunigst den Saal durch die Hintertüre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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