Georges Ettlin

Liebe Im Schneckengarten


Eine meiner grössten Leidenschaften waren Schnecken in allen Farben und Formen.
Die Schnecken wurden stille Freunde und Freundinnen mit diversen, durchaus auch erotischen
Eigenschaften. Sinnlich und mit metaphorischen Feucht-Symbolen behaftet, begleiteten sie mich
in meinen tagnächtlichen Träumereien und Fantasien.
Die kühle Gelassenheit ihres Charakters, die langsamen Bewegungen auch bei Stress und
im Rausch der Leidenschaften beeindruckten mich und das verfolgte meine Gedanken im täglichen Ablauf
bei meiner Arbeit im Garten.
Ich bepflanzte meinen riesigen Garten ausschliesslich mit Salatpflanzen, die sich vorzüglich für die Ernährung
der Salatschnecken eigneten. Durch gute Pflege meinerseits wurden die Schnecken grösser
und entwickelten ein gewisse Übergrösse, was mit gefiel. Das gegenseitige Betrachten und Berühren,
die nonverbale, liebevolle Zwiesprache bei Vollmond und in warmen Sommerabenden zeigten durchaus auch eine
seelische Komponente, die mir im erotischen Umgang mit menschlichen Freunden und Freundinnen oft fehlte.
Trotzdem lebte ich in einer Beziehung mit Anna, einer netten, menschlichen Freundin, die Schnecken liebte
und in ihrem Wesen gemütlich und schneckenhaft war.

Im Bett war sie unschlagbar schnecklig, was mich natürlich begeisterte...

Eines Tages gebar sie mir einen lieben, gesunden, langsamen Sohn, der sich auffällig gerne in meinem
Salatgarten aufhielt. Doch plötzlich war er verschwunden: Als ich mit meinem sanften, stillen Sohn ins Kino gehen wollte,
war er nicht aufzufinden. Vielleicht war er durch ein unfreundliches Wort meinerseits beleidigt
und hat sich irgendwo in sein Schneckenhaus zurückgezogen ?
Als ich nach Wochen meinen Sohn unter dem Bett und hinter den Möbeln suchte, erschreckten mich zwei lange
Fühleraugen an der Zimmerdecke ! Durchsichtig und mit je einem kleinen, schwarzen Augenpünktchen versehen, wurde ich
in meinem eigenen Schlafzimmer seit Wochen von meinem eigenen Sohn beobachtet, während er an der Decke klebte.
Wer kann wissen, was dort mein Sohn da alles gesehen hat ?
Ich fühlte mich in meiner Privatsphäre gestört und kratzte ihn vorsichtig hinter der Deckenlampe von
der Zimmerdecke ab. Meinen Schneckengarten gab ich auf und baute mir neu einen Vogelgarten auf:
Dann genoss ich jahrelang das Zwitschern und Singen von Spatzen, Lerchen, das Gackern von Hühnern,
und vergass die liebe Anna: Wo sie jetzt geblieben ist ?...keine Ahnung !

***
c/G.E.

Die Geschichte ist frei erfunden
und nicht Autobiographisch.
Georges Ettlin, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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