Robert Zabek

Achtung vor dem Leben

Heute ging ich in die Knie. Und zwar so richtig. Das passiert mir bei Gott nicht oft, aber heute...heute war es soweit. Und es musste auch so sein! Ein herrlicher Tag... Einer der ersten Herbsttage dieses Jahres. Tiefblauer Himmel, vereinzelt ein paar Quellwolken, aber richtig schön warm und nicht ein Hauch von Tristesse am Horizont. Ich war gerade mit dem Fahrrad unterwegs. Entlang der Donau, wieder einmal, auf einem asfaltierten Weg, und weit und breit keine Menschenseele. Freitag, 14:15...und nur die Natur und ich. Keiner da der stört, herrlich...muss wohl am 12 Stunden-Tag liegen, mhm. Quiiiiieeeeeeeetsch! Ich bremse (also...das quietschen kam nach dem bremsen, aber egal), und komme zum stehen. 25 Jahre im Schnitt jeden Tag mehrere Stunden ein Instrument üben, machen sich nun bezahlt. Meine Reaktionszeit dank dadurch veränderter Gehirnphysiologie stark verkürzt...im Sinne von: ich brauchte nur eine halbe oder Viertelsekunde, statt einer Ganzen, zum reagieren. Sonst wäre sich das wahrscheinlich gar nicht ausgegangen. Gut so! Das Rad steht, meine Beine berühren den Boden. Vor mir....da liegt sie...da kriecht sie. Langsam. Nicht unbeholfen, sondern edel, sachte und einfach nur wunderschön... Eine Raupe...ungefähr so lang wie mein Zeigefinger. Ich sehe mich um, vergewissere mich, dass niemand kommt, dass keine Gefahr droht. Fast wäre ich über sie drüber gefahren. Zum Glück ist nichts passiert. Ich gehe in die Hocke, knie mich auf den warmen Asfalt und sehe ihr zu. Sie scheint ihren Weg zu kennen und steuert intuitiv auf den Rand des Gehwegs zu, wo Löwenzahn, Gänseblümchen und anderweitig saftiges Grün schon auf sie wartet. Ich will sicher gehen, dass ihr nichts passiert, bleibe und sorge dafür, dass ihr niemand zu nahe kommt. Geschafft...sie schlengelt sich unter ein paar Blätter, beendet ihren Moonwalk, so hatten die Bewegungen ihres Körpers nämlich ausgesehen und ...ja...liegt halt einfach nur so da. Scheint darüber hinaus nicht wirklich was zu tun. Macht sich keine Sorgen... über Einkommen, Auskommen, Weihnachten, oder Herpes...nein. sie liegt einfach nur da und irgendwann, vielleicht schon bald, wird sie ihre flügel ausbreiten und durch die lüfte schweben. Wow...ich erfreue mich am Anblick dieses schönen Lebewesens. Keine Ahnung wie und als was genau sie sich entpuppen wird, oder er, als Laie könnte ich gar nicht sagen, dass mir da anatomisch irgendetwas grossartig aufgefallen wäre. Egal. Solang dem Schmetterling später kein rüpelhaftes Kind den Flügelstaub dreister- und dummerweise streitig macht, wartet sicher ein schönes Leben auf den Falter...ihn, oder sie...oder es?  Vor unserer Begegnung, und vor dieser schönen Begebenheit, hatte ich daheim, im Fernsehen, im Teletext, jedenfalls gelesen, dass heute 12 Kinder bei einem Bombenabwurf in Afghanistan ums Leben gekommen sind. So ist wohl das Leben....heutzutage....oder wars schon immer so.....seit es Menschen gibt.....denke ich mir....setze mich aufs Fahrrad... und fahre weiter.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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