Robert Zabek

Die Speerspitze der Evolution

"Ich halte das nicht mehr aus.", sagt sie zu mir. Wir telefonieren gerade. "Seit Jahren geht das nun schon so und nichts wird wirklich besser. Aber ich mach da nicht mehr mit. Und wenn alles den Bach runter geht, dann, tja...dann ist das halt so. Ich wollte das ja verhindern, so etwas gilt es ja zu vermeiden, dass irgendwas den Bach runter geht, aber, alle Mühe scheint umsonst. Alles geht den Bach runter."
Sie schweigt. Ich sage: "Vielleicht ist es aber auch einfach nur so, dass alles den Bach runter geht, weil du dauernd versuchst, zu verhindern, dass irgendetwas oder, alles, den Bach runter geht...vielleicht ginge bzw. geht ja gar nichts den Bach runter. Vielleicht existiert das Problem ja zum Grossteil nur, weil ihr euch da alle so sehr drauf versteift, dass da ein Problem ist, dass erst dadurch alles den Bach runter geht. Vielleicht ist da in Wahrheit gar kein Problem. Vielleicht stimmt einfach nur etwas mit der Bewertung der Situation nicht....vielleicht...einfach mal....loslassen?"
"Ja.", sagt sie. "Klingt irgendwie plausibel. Ist ein Argument. Möglich....werde ich jetzt eh machen, weil, das kann so ja nicht weiter gehen. Da geh ich dann ja sonst selbst auch noch den Bach runter. Das will ich nicht."
"Na dann...schönen Tag noch. Wird schon werden!", sage ich. 
"Danke...dir auch einen schönen Tag."
So ein Gespräch....mit ziemlich genau demselben Inhalt, führten wir zum ersten Mal bereits vor etwa 7 Jahren. Und heute, vielleicht zum tausendsten Mal. Eigentlich ein schöner Beleg dafür, dass dieses "den Bach runter gehen" sich, zumindest hier, zum Glück, sehr viel Zeit lässt. Oder auch nicht.
Ich beisse in meine Leberkäsesemmel und verlasse den Supermarkt. Eine der Verkäuferinnen steht vorm Eingang, fuchtelt mit den Händen herum und sagt, zu der älteren Frau neben ihr:
"Du nix verstehen. Diese Platz Privatgrund. Du nicht dürfen stehen hier. Nein..nein...du jetzt gehen, sonst ich rufen Polizei. Nächste Mal ich rufen Polizei. Nix hier, Spar privat..diese Platz Privatgrund...nix dort, Aldi..nix hier auch...alles privat...du jetzt verschwinden".
Die ältere Dame schnappt sich ihren Stapel Obdachlosenzeitungen und verlässt gesenkten Hauptes den Platz.
"Jeden Tag dasselbe.", sagt die Verkäuferin zu mir. "Da will ich meine Arbeit machen, dann beschweren sich die Kunden bei mir, weil schon wieder so eine Pennerbraut vorm Haupteingang ihr Schundblatt verkauft und dann muss ich raus in die Kälte und dafür sorgen, dass das Problem gelöst wird. Also wirklich, schön langsam geht hier ja wirklich alles, aber auch alles, den Bach runter!"
"Die Semmel ist gut.", sage ich und verschwinde.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.09.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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