Frank Routner

Auf den Kopf gefallen

Auf den Kopf gefallen                                                                                                                

Das Ding nervt ! Es fliegt immer näher über mir und an meinem Schlauchboot vorbei.

Dabei wollte ich mich 'mal richtig auf dem Baggersee von einer stressigen Arbeitswoche in der Industrie entspannen. Ich sehe mich nach dem Funkpiloten um, sehe aber niemand. Wütend schlage ich mit meinem Paddel nach dem verfluchten Ding. Es dreht ab, geht in die Höhe und fliegt von oben auf mich zu. Mit schnurrenden Motoren landet es auf meinem Boot, welches zischend antwortet. Verdammt – jetzt reicht's aber !

Schwimmend und fluchend schiebe ich das sterbende Boot mit den jetzt lautlosen Drohnenresten ans Ufer. Ich lege die beiden Freizeit-Kadaver auf den Strand und warte auf den Piloten.

"Tja, dumm gelaufen" grinst mich eine Gruppe badender Jugendlicher an. Ich ziehe es vor nicht zu antworten.

Nach einem längeren Abkühlungsbad für meine Gefühle lade ich den gesamten Freizeitschrott in meinen Kofferraum und fahre etwas entspannter nach Hause. Dort fällt mir auf, dass die Drohnenkamera einen Chip verwendet, wie ich ihn von meiner Kamera her kenne. Überraschenderweise funktioniert dieser nach Föhntrocknung sogar noch. Ich finde Fotos und Videos einer Familie samt Ausflügen mit anderen Erwachsenen.

"Nicht schlecht – die beiden Kerlchen, vor allem der links" meinen meine beiden neugierigen Töchter, wobei meine Frau flehend zum Himmel aufsieht.

Und auf einmal erschrecke ich – die Frau mit den Kerlchen kommt mir bekannt vor ! Wer ist sie ? Woher kenne ich sie und in welchem Zusammenhang ? Nach wiederholtem Videotest mit verstärktem Audio höre ich den Namen: Manu.

Es braucht mehrere Tage und Nächte, um eine Antwort zu finden – es ist Ela bzw. Manuela aus der Abiturnachbarklasse, mit der mich eine kurze Jugendliebe verband !

Weitere Videobetrachtung bringt einen Nachnamen: "Majorkja" – nicht gerade gängig.

Also, los ins Internet und suchen – wozu taugt Facebook sonst ?!  Die müssen mir gefälligst mein Boot ersetzen !

Keine Treffer. Aber auf die Telecom ist Verlass: Majorkia, Hornisgrinde-Straße 3 in Achern.

"Hallo, tut mir leid Sie zu stören – aber nach dem Mordversuch mit Ihrer Drohne wollte ich Ihnen mein Überleben bestätigen". Schweigen.

"Also, am vergangenen Sonntag fiel Ihre Drohne auf mein Schlauchboot und beide haben es nicht überlebt. Ich konnte nur Ihren Video-Chip retten – sind Sie an diesem interessiert, und ein neues Schlauchboot wäre auch nett ?!". Schweigen.

"Ich weiß nicht genau wovon Sie reden – aber ja, am Sonntag sind unsere beiden Söhne mit unserer Drohne verschwunden und haben diese verloren" antwortet schließlich eine Männerstimme. "Den Chip würde ich natürlich gern wieder haben – er enthält viele Familienerinnerungen, wie Sie ja offenbar gesehen haben und über Ihr Boot können wir auch gern reden" lacht er schließlich. Da ich am folgenden Wochenende in den Schwarzwald muss, biete ich an vorbeizufahren.

Sie öffnet die Türe und wird nachdenklich, als sie mich sieht.

"Tut uns echt leid – die Jungs haben inzwischen gestanden" sagt sie schließlich. Ein bunter Nachmittags-Kaffeetisch erwartet mich. Die beiden Söhne Harry und Bernd erscheinen vorsichtig und verschämt, aber es gelingt mir, sie vergebend aufzumuntern. Tja Ela - ich erkenn' sie jetzt genau wieder, vor allem die helle Stimme ist eindeutig. Nach einem "vitaminreichen" Stück echter Schwarzwaldkirschtorte, bei dem sie mich offenbar studiert, gebe ich mich zu erkennen.

"Ja, Hajo, jetzt erkenn' ich Dich – Deine schlechten Noten waren ja allseits bekannt" lacht sie herzlich.

"Habe aber dennoch das Abi bestanden, im Gegensatz zu einigen Angebern" maule ich abwehrend.

Wir plaudern entspannt aus unserer gemeinsamen Vergangenheit, und ihr Mann lernt wohl einige Details über sie dabei.

"Also, was für ein Schlauchboot sollen wir Ihnen ersetzen" fragt er nach einer Weile.

"Ach, war schon etwas älter und ist mit der tollen Torte abgegolten" winke ich ab, während mein Magen grummelnd arbeitet.

Wir trennen uns mit ausgetauschten Adressen und mit Ela's Vorschlag eines Wiedersehens.

Eine Woche danach "schwimmt" ein recht großes Schlauchboot in mein Haus.

"Mensch Ela – wir hatten uns doch anders geeinigt" schimpfe ich am Telefon.

"Ne, ne – muss schon sein" zwitschert sie mit ihrer Singstimme.

"Ok, dann feiern wir das Wiedersehn am bekannten Baggersee mit Deinen beiden Piloten, meinen beiden Töchtern Eva und Heike und meiner Frau, bestimme ich recht autoritär.

"Ok, und vielleicht schafft es unser Nachwuchs weiter wie wir – kann ja bis zu einer Doppelhochzeit gehen" singt es am Telefon.

Ela – habe ich meiner eifersüchtigen Frau Marianne irgendwann von ihr erzählt ?

Das Internet findet mir recht schnell den Drohnenhersteller, und die Lieferung binnen fünf Tagen.

Merkwürdig – wie leicht man seine Haltung ändern kann ...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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