Walter Strasser

Ein Zuckerschlag

 

Die triste Einsamkeit schlich sich in den Alltag meiner Frau. Weder von mir, noch von sonst wem oder was, aufzuhalten.

Zu Anfang hatte ich mir erlaubt, es jenem, allmonatlich wiederkehrenden Zyklus zuzuordnen. „Schwachkopf!“

Daraufhin stand eine kurze, aber heftigst, geführte Debatte über etwaige Veränderungen hormoneller Tatsachen im Raum. Eine Annahme und laut ihren Worten "impertinente Unterstellung", welche mir zwei unangeneähme Nächte auf der Couch einbringen sollte. So hatte ich mir in diesen Nächten immer wieder durch den Kopf gehen lassen, warum sie mit meinem unumstößlichen „nein“ für ein weiteres Baby einfach nicht zurechtkommen wollte. Bei den geführten Diskussionen setzte ich dabei auf eine besondere Mischung von Autorität und Charme. Aber nicht nur dass, ich plädierte zu dem auch noch an ihre ausgeprägte Weitsicht. Nun das war gelinde gesagt auch bitter nötig. Den was ich wenige Tage später (schmerzlich) erfahren sollte, waren zwei ausschlaggebende Dinge: Autorität und Charme sind nicht immer des Siegers wahre Werte und leg dich nicht mit einer Frau wie Hanna an (nun, keine wirklich neue Erkenntnis).

DAS Golfturnier. Ach Gott-das alles entscheidende, so schmerzhafte Turnier.

Unruhig, das sah ich sofort, scheu und verspielt, wie ein kleines Mädchen, gab sie sich an jenem Morgen. Ohne ein Wort zu verlieren, reichte sie jedem Mitspieler die Hand. Ich dachte, schon sie würde vielleicht auch noch einen Knicks darbieten. Aber da merkte ich, es war nur Tarnung. Mit ihrem breitesten Lächeln hatte Sie zum ersten Schlag angesetzt.

Wir anderen schwatzten und kicherten leise neben ihr. Nach ein paar einsilbigen Bemerkungen mit der Aufforderung zur absoluten Ruhe, schwang sie ihr Neuner Eisen in einem perfekten Halbkreis, grade so als wären wir nur winzige Nebensächlichkeiten.

Ich würde äusserste Vorsicht walten lassen meiner Frau Absicht dahinter zu unterstellen. Auch nicht, oder gerade trotz der Offensichtlichkeit dieses Missgeschickes. Man weiß natürlich dass Frauen, in bestimmten Situationen, durchaus in der Lage sind ihren Willen, mit mehr oder weniger durchschlagskräftigen Mitteln, in Ausdruck zu bringen, aber dazu einen, ganz guten Schlag vom Einser Loch vorzuschieben, würde ich nur sehr wenigen Frauen zutrauen.

Wäre ich eine Lebensgroße, zarte Porzellan Figur, die größte, die je gebrannt worden ist, so würde ich jetzt zerschmettert, in tausend kleine Scherben auf dem Golfplatz herumliegen. Irgendjemand würde mich, leise vor sich hin brummelnd, zusammenkehren und völlig unbekümmert in den Abfall werfen.

In der wahrhaft ausgeklügelten Natur des Menschen liegt es aber, mit diversen Varianten des Zufalls ganz gut zurechtzukommen. Simpel gesagt, ein harter Schädel wie der meine, hält so was schon aus.

Nach Beendigung des, zugegebener maßen, perfekten Schlages, hatte sie schallend gelacht. „Ja, wenn du da so dümmlich in meiner Umlaufbahn stehst.“

Also bitte“, hatte ich verlegen geschimpft. “Wer könnte auch nur im Traum erahnen, dass Du jemals einen derartigen Schwung hinbekommst.“

Tja, unterschätze niemals eine Frau mit einem Eisen in der Hand. Im Übrigen, stell dir nur mal vor, ich hätte etwas tiefer geschlagen und dort auch noch voll ins schwarze getroffen.“

Ich möchte mir das lieber nicht vorstellen.“

Sie kiekste und sagte:„Einen eggshot sozusagen.“

Etwas gekränkt raunzte ich: „Dumme Kuh!“

Woraufhin sie mit klappernden Wimpern fragte: „Schatz, Wie behandelt man rohe Eier?“ „Äußerst vorsichtig vielleicht?“

Ne, man haut sie in die Pfanne.“

Wenn das Blut sich im Ohr verfestigt entsteht eine Schwellung. Diese Schwellung scheint sich in meinem Fall irgendwie bis zum Gehirn hochgearbeitet zu haben. Anders kann ich es mir nicht erklären. Denn just an jenem Morgen, als der Golfschläger, in einem, bei dem sehr mäßigen Spieltalent meiner Frau, tatsächlich nur als magisch zu bezeichnenden Schwung, auf mein Ohr traf, löste sich meine Ablehnung ihres Wunsches auf ein Baby, ganz plötzlich in Luft auf. Dabei war dieses „plötzlich“ gerade so seltsam, wie dieser „perfekte“ Schwung meiner Frau es war. Trotz des elenden Schmerzes, den ich in meinem Kopf verspürte, folgte mein Blick weiter der Flugbahn des soeben geschlagenen Balles. Das Fairway, bedeckt von glitzernden Morgentau. Und dort oben, in der Luft, schien der rosarote Golfball, einer mystischen Blume gleich zu erblühen. Er glitzerte und glänzte im frühen Sonnenlicht und zog wie eine winzig kleine Sternschnuppe seine Bahn, um letztendlich sagenhafte ( „sagenhaft“ so der exakte Wortlaut Hannas), einhundertdreißig Meter weiter vorne mit einem leisen „blob“ am Grün zu landen.

Meine „Phänomenale - Hanna“ war angesichts dieses „Zuckerschlages„ wie sie behauptet, sofort in Jubel ausgebrochen und verstand es, damit nun auch noch mein zweites Ohr zum Klingeln zu bringen.

An jenem Morgen also hatte Hannah erreicht, was sie sich so sehr gewünscht hatte - einen, für sie kaum wiederholbaren „Zuckerschlag“, und damit ein, wohl nie wieder erreichbares, Paar fünf am hundert und fünfunddreißig Meter langen Einser Loch, meine schwer erarbeitete Zustimmung für das Baby und - nun ja - ein ziemlich unschönes und schmerzhaft angeschwollenes Blumenkohlohr. Vielleicht hatte sie sich Letzteres nicht unbedingt gewünscht, an Ihrem verwegenen Ausdruck gefühlter Schadenfreude änderte dies aber nichts.

 

Und nun aber: Die Vorfreude auf den Tag hing wie ein prallgefüllter Luftballon über unserem Haus.

Im Schlafzimmer wurde kräftig erneuert und umgeräumt, am Fußteil unseres gemeinsamen Bettes wurde ein kleines, blass blaues Babybettchen - folglich für einen Jungen - so platziert das wir unser, nun bald nach Hause kommendes, Baby immer im Auge behalten könnten.

Dem mütterlichen, ursprünglichem Wunsch nach einem Mädchen, geschuldet ist das gesamte Zimmer immer noch mit rosa Spitzen und Schleifchen dekoriert. Um das Bettchen herum, bereits jetzt eine Unmenge an Sachen. Kleine Quietschdinger, die mir wohl sehr schnell den Nerv ziehen würden, bunte Überzieher -“waterproof“- also geeignet für jedes Mistwetter. Söckchen, Häubchen, Täschchen.

Feuchttücher, Trockentücher, Säckchen für allerlei Missgeschicke und zu guter Letzt - eine Tasche zum Transport des Babys am Bauch der neuen Mutter.

Ah Johanna?“

Was?“

Entschuldige mal-aber hast du da all meine Sachen aus dem Schrank geräumt?“

Ja und? Ein Baby braucht schließlich Platz. Und das wohl Dringender als du.“

Erstaunlich. Und denkst du nicht, dass auch ich, zumindest noch ein kleines Fitzelchen an Platz für mich selbst benötigen könnte.“

Komm, hab dich nicht so. Deine Sachen sind ja noch alle da. Hab sie nicht verschenkt und auch nicht weggeworfen. Nicht mal aus Rache würde ich dir so was antun.“

Zu gütig. Und wo sind sie, bitte?“

Na unten im Keller, wo wohl sonst.“

Also entschuldige mal. Es geht doch nicht an ...“

Ach so, eifersüchtig? - Na das ging aber schnell.“

 

Bei zwei Kindern blickt man des Öfteren, voller Schwermut auf die vergangenen Jahre zurück. Solche Momente gibt es zu meist an Weihnachten, Geburtstagen oder anderen feierlichen Anlässen, an denen sich unsere geschätzten und geliebten Kinder mal so annähernd verpflichtet fühlen, sich wieder bei uns zu melden.

Dabei erinnert man sich jedes mal gerne an die Zeit, als sie noch possierliche, kleine Mäuschen gewesen sind. Immer war man gerührt und entzückt und erging sich in Superlativen der Niedlichkeit. Doch es gibt eine Garantie-so wie es immer im Leben eine Garantie auf alles gibt. So unergründlich einem seine eigenen Töchter oder Söhne auch erscheinen mögen. Aus der Form des lieblichen, so anbetungswürdigen Schmetterlings, gelingt es ihnen ziemlich schnell, diese schillernde Hülle abzuwerfen um sich, direkt vor unseren ungläubigen Augen, in einen von uns allen so gefürchteten Satansbraten zu verwandeln.

Ganz unaufgeregt und verharmlosend „Pubertät“ genannt.

 

Als Hanna die ersten Bilder, der zur Auswahl stehenden Babys sah, hatte sie geweint. Lauter niedliche kleine Würmer mit geschlossenen Augen und blassrosa Mündchen auf der Suche nach dem Milch liefernden Knubbel der Mütter.

Oh wie süß“, ist Hanna dabei, ganz wie von selbst über die Lippen gekommen. „Den, den da - diesen kleinen, süßen Wonneproppen - denn will ich haben. “

Na wisch erst mal weiter. Was ist mit dem da?“

Welchen?“

Na den da, geh noch mal zurück“

Ach komm, nö - zu Rosa - oink oink“

Was ist mit dem da? Du machst viel zu schnell, Hanna.“

Welchen? Hatten wir ausgemacht ein Baby zu Nehmen. Von einem Schimpansen war nie die Rede. Er hat jetzt schon mehr Haare als du in deinen besten Zeiten.“

Ach komm, das ist gemein“, kam es verdrießlich von mir.

Wenn es um mein Baby geht, kann ich nicht gemein genug sein. Ich will ein richtig schnuckliges, liebevolles Baby. Die Stelle eines ewig nervig - nölenden Familienmitglieds ist bereits mit dir besetzt.“

Ja, danke auch.“

Ich bleib bei meiner ersten Eingebung,“ meinte Hanna dann endgültig. „Die erste Entscheidung ist immer die richtige Entscheidung.“Ihre Finger huschten über den Bildschirm ihres Smartphones.

Na siehst du - den da, der ist es.“

Bist du dir sicher?“

Und ob. Stellt sich jetzt die Frage, welchen Namen wir ihm geben?“ Hatte Hanna vor Freude und in schierer Auflösung gefragt.

Nun – ich vermute, die Namen wurden ihnen bereits zu geordnet - da stehen sie - hier am unteren Bildrand.“

Das kümmert keinen großen Geist,“meinte Hanna und zuckte mit den Achseln,

Nun gut, Hanna. Und welcher Name schwirrt dir so im Kopf herum?“

Auf keinen Fall möchte ich das mein Baby mit einem dieser dummen Modenamen wie Leif oder Laurin durchs Leben gehen muss. Oder Jarvis-mit J natürlich - der Enkel unserer Nachbarn. Noch schlimmer - diese Fantasie Namen. „Joda„ und „Obi van Knobi „ aus diesen blöden Sternen Filmen.“

Hä, nichts über diese Filme."

Nun wir werden sehen.“

 

 

In so einer Situation muss man sich über eines klar sein. Nicht nur als Mutter, auch als Vater hat man vorbereitet zu sein und man muss wissen, auf was man sich da einlässt. Man muss sich einfach ehest möglich darauf einstellen das mit eintreffen des Babys, ab sofort der Begriff „Ehemann“ nicht mehr existiert – mit dem ersten leisen Seufzer des Babys wirst du degradiert zum „Bringer“ zum „Beschaffer“ und Phrasen wie „ Fass das nicht an“ und „geh mal lieber weg da“ werden dir so geläufig, wie der Geruch nach Babynahrung und körperlichen Ausscheidungen in jedem Zimmer. Der Begriff „nutzloses drittes Rad „ trifft es da ganz gut.

Red keinen Stuss - dass Baby hat nun mal Vorrang- Vorrang vor allem und auch dem anderen Zeugs über, was Du dir, mittlerweile ja nur noch, einmal in der Woche so einbildest.“

Diese Bemerkung ist grade mal eine hochgezogene Augenbraue wert.

Was wird bloß aus dieser lieblichen Ehefrau werden, denke ich - eine besitzergreifende Glucke, deren ganzes Glück nun nur noch darin besteht, den gesamten Tag über, diese seltsame Babysprache zu verwenden „Guchi guchi -ja wo iss es denn - mein Baby- ja da iss es ja .“

 

Ich kann es kaum noch erwarten, dass wir ihn mit nach Hause nehmen dürfen, MEIN Baby. Und schau mal, hat es nicht die schönsten Kulleraugen der Welt und hat es nicht den süßesten Haarschopf, den du je an einem Baby gesehen hast?“

Ach ja, mag sein.“

Na nun schau doch.“

Ja!“

Aber du schaust nicht.“

Doch ich schaue ja, ich mach den lieben langen Tag nichts anderes als schauen. Im Arm halten darf ich ihn ja nicht“ „

Oh, der Herr ist wieder eifersüchtig. Hast du seine Füßchen gesehen. Wenn er erst Erwachsen ist, wird das mal ein richtiger Herzensbrecher.“

Ja, die Mädels aus der Nachbarschaft werden sich um ihn reißen. Ich denke das werden wir dann aber unterbinden.“

Nö!“

Wie, nö?“

Ich werde da gar nichts unterbinden. Soll er sich doch die Hörner abstoßen.“

Und Vater werden?“

Na ist doch nicht schlecht – werde ich auch noch Oma.“

Also bitte, nun aber mal halb lang.“

Ach schau mal, er macht pipi. Süß, er hockt sich einfach hin und macht pipi.“

Ja macht er, beeindruckend. So lange er es in den Griff bekommt, bis er zu uns nach Hause kommt.. „

Du bist ein Rabenvater, ein richtiger Rabenvater bist du.“

Na, na, nun mal halb lang.“

Wie lange es wohl dauern wird, bis er sein Füßchen dabei anhebt?“

Keine Ahnung. Schnell vermutlich. Jungs sind da im allgemeinen flink dran.“

Dran an was?“

Am protzen. Was anderes als Protzgehabe ist das nicht, mit dem Bein heben.“

An welcher Seite des Bettes soll er schlafen?“

Mir egal.“

Ach und wenn er jetzt bei mir schläft, ergehst du wieder in deiner Sauermiene.“

Johanna, mir ist egal, an welcher Seite er schläft, so lange er in der Nacht nur Ruhe gibt.“

Also hör mal - von einem Baby kann man nicht so einfach verlangen, das es auf Befehl Ruhe gibt.“

Doch.“

Nein, kann man nicht.“

Doch.“

Wie ich schon sagte - Rabenvater. Du würdest ihn nicht einmal zu dir ins Bett lassen.“„Würd ich auch nicht.“

Du lügst - du willst nur verhindern, dass er zu mir ins Bett kommt.“

Ach,bei dir darf er ins Bett. Ich dachte, das wäre schlecht für seine Entwicklung?“

Sieh mal wie er mich umklammert, er liebt sie schon, seine neue Mami. Nicht war, du liebst mich schon ja ?“

Na, na.“

Schau ihn dir nur mal an, schau mal wie er mich liebt, du schaust einfach nicht, du Rabenvater.“

Aber ja, ich Ich schau doch. Siehst du nicht, wie ich schaue.“

Ja ich sehe es, unliebsam,du schaust intrigant und griesgrämig. Kein Wunder, das das Baby sich erschrickt.“

Und dich liebt es auch nur, weil es Hunger hat .“

Oh ho. Der Herr wieder einmal zynisch, so zynisch.“

So jetzt reicht es aber, du verdirbst einem die ganze Freude und den gesamten Tag.“

Nicht wahr William-bald darfst du zu uns kommen“

William? Ist das jetzt sein Name? Hast du dich jetzt entscheiden?“

Was dagegen ? Und nennen werde ich ihn Willy.“

Nun der Name William wäre mir nicht als die erste oder beste Wahl in den Sinn gekommen, aber um ehrlich zu sein, auch nicht als meine letzte. Und so bald man das Baby im Arm hält, spielen solche zuvor, endlos geführten Debatten keine Rolle mehr. Taten sie im Übrigen schon zuvor nicht. Wenn Hanna der Meinung ist, Willi wäre der perfekte Name, dann ist das einfach so.

 

Mein Gott, jetzt wo ich das hier schreibe und Willy bereits einige Wochen bei uns ist, kommt es einem schon seltsam vor, wie ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit, wie ein vom Schicksal geführter Zufallsschlag mit einem Golfeisen, plötzlich ein Leben durcheinanderwirbeln kann. Wie er längst vergessen geglaubte Gefühle, hochzuwirbeln im Stande ist. Und es einem Wesen so ganz einfach gelingt dein Herz zu erwärmen und Türen zu öffnen von denen man glaubte sie, bereits im letzten drittel seines Lebens, nie mehr öffnen zu dürfen. Man blickt zurück auf seine gesamten Jahre, betrachtet die Vergangenheit aus der Distanz des alters.

Und bewundert wieder seine eigenen Kinder. Wie man, als staunender Elternteil, in deren unbeholfene frische, vernarrt gewesen ist. Man sich ihren ständig nervenden, besserwisserisches Gehabe einfach so hingab. Und man sie um all die Erfahrung beneidete, die sie in ihrer vor ihnen liegenden Zeit noch machen dürfen. Ob sie aus diesen Erfahrungen nun was lernen oder nicht spielte keine Rolle. Sie hatten alles noch vor sich und es stand ihnen immer frei, selber zu entscheiden.

Im Gegensatz zu uns alten Hasen lief ihnen die Zeit noch nicht davon. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt, das aufregende hinterher trippeln zu genießen.

 

Hanna hat einfach viel schneller erkannt, welche Möglichkeiten sich durch ein Baby im Haus, für sie auftun würden. Für mich war immer Zweifel. Aber das ist bereits zeit meines Lebens so. Für mich bedeutet das Baby eine unverrückbare Gewissheit. Hanna denkt darüber nicht nach. Sie hat ihr Lachen wieder gefunden. Sie hat ihre Traurigkeit über das unausweichliche allein sein abgelegt und ihr neues Strahlen ist so voller natürlicher Zuversicht. Das Baby wirbelt unser aller Emotionen auf- und durcheinander und wenn wir Willy, jetzt wo er bei uns ist, beobachten, wie er vor uns herumhüpft, quietscht und uns mit seinen kleinen spitzen Zähnen an den Zehen kitzelt, dann ist es wie eine Reise zurück in eine Zeit als wir selber noch Kinder waren.

Weil Kinderspiele so etwas von Unbefangenheit und Ehrlichkeit in sich haben und weil genau betrachtet das Morgen immer nur der Traum von heute ist.

Meiner Meinung nach bedeutet das Baby aber auch eine unverrückbare Gewissheit. Die Gewissheit, früher oder später bei uns hinter dem Haus ein Loch ausgraben zu müssen. Das lebenslustige Baby von heute, dann alt und grau, mit nur noch wenigen Zähnen, die kaum noch stark genug wären um uns in die Zehen zu piksen. Mit abgewetzten Ballen vom vielen herumstreunen und kaum noch genug Lebenswillen, um auf unsere lockenden Rufe zu reagieren. So werde ich ihn eines Tages dort in diesem dunklen Loch begraben und mit ihm auch all unsere heutigen Streitgespräche unsere mit ihm verbundenen Träume und Erinnerungen.

Ich werde das Grab mit Blättern bestreuen, werde jeden morgen wehmütig an ihm vorbeigehen, kurz stehen bleiben und mich an die Zeit von heute zurückerinnern, an die Zeit als das neues Baby zu uns ins Haus gekommen ist. Der kleine Cotton Welpe „ Willy“, der weicher, freundlicher und lustiger nicht hätte sein können, unser Leben mit seinem Wesen noch einmal so richtig durcheinandergewirbelt hat und uns noch einmal vor Augen geführt hat, was bedingungslose Liebe ist.

 

 

 

 

 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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