Wolfgang Küssner

Warum Libellen nie bellen

Es bestätigt sich mal wieder, wer eine Antwort sucht, sollte – frei nach Martin Luther - dem Volk aufs Maul schauen. Wie heißt es doch so schön: Hunde, die bellen, beißen nicht. Und sollten sie es doch einmal praktizieren, so litten sie unter Flatulenz, waren in einer extrem psychisch angespannten Situation, kannten die obige Volksweisheit nicht oder wollten mit ihrem bissigen Verhalten die Ausnahme von der Regel dokumentieren. Sicherlich ist auch die Umkehrung dieser These richtig, dass Hunde, die nicht bellen, ganz einfach zubeißen und zwar ohne jeglichen Stress, ohne etwaige Macken oder gar Verdauungsproblemen. Bellen und Beißen gleichzeitig, das wird äußerst schwierig.

An Autobahnen kann man mit etwas Fantasie und bei genauem Hinsehen Schilder mit dem Text lesen: In Baustellen bei Stau bellen. Macht ja auch Sinn, anderen Verkehrsteilnehmern die möglichen Gefahren akustisch zu übermitteln. Gut, es hätte auch ein Hinweis auf das Betätigen der Hupe, vom Fahren mit deutlich reduziertem Tempo, sein können. Ist es vermutlich auch in den meisten Fällen. Denn bekanntlich ist nicht jeder Autofahrer ist auf den Hund gekommen. Und so lesen wir sachlich vom Anpassen der Geschwindigkeit im eventuellen Staubereich.

Denken wir ans Bellen, so denken wir wohl automatisch sofort an den Hund. Dabei drücken sich auch andere Tiere mit diesen Lauten aus. Jetzt geht es nicht um Flatulenz, sondern ums Bellen. Füchse wären da zu nennen, Kojoten, Schakale, manchmal sogar Wölfe, Hyänen, Seehunde (war bei dem Namen nicht anders zu erwarten), Seelöwen, Muntjaks. Im Urwald von Peru lebt der Südamerikanische Buschmeister, die größte und längste Giftschlange Amerikas. Diese Viper kann – sonst wäre sie hier nicht aufgelistet - bellen. Das schaffen übrigens auch Papageien, die mit Hunden großgeworden sind. Fledermäuse, oder gar die wesentlich größeren Fliegenden Hunde bellen – trotz des Namens – leider oder zum Glück nicht. Und wie steht es nun um die Libellen? Bellen sie, beißen sie? Klar weiß der Autor, es gibt weitaus wichtigere Fragen, die einer Antwort bedürften. Doch andererseits fordern wir unsere Kinder auf – wenn wir denn gerade mal Zeit finden, mit ihnen zu reden – Fragen zu stellen, um die Welt kennenzulernen. Ja, und dann könnte durchaus die Frage kommen: Warum Libellen nie bellen? Die Überschrift zu dieser Geschichte ist also gar nicht so abwegig.

Bellen entsteht, so hat der Schreiber dieser Zeilen gerade bei Wikipedia gelernt, im Kehlkopf. Es bedürfe aber einer gewissen Größe des Kehlkopfes, sonst würde das nicht funktionieren. Unsere Urhunde konnten daher vermutlich nur jaulen. Und dann haben kluge Köpfe herausgefunden, warum Hunde überhaupt diese bellenden Laute von sich geben. Da ginge es um Nervosität und um Aufregung (siehe oben), um Aufmerksamkeitsbellen, um Angstbellen, Frustrationsbellen, Verteidigungsbellen und Bellen auf Befehl. Aus falscher Rücksichtnahme wurde die Flatulenz als Ursache wohl unterschlagen.

Immer wieder kommt diese Geschichte auf den Hund, dabei sollte sie doch von der Libelle handeln. Die folgenden Zeilen dürfen dem Leser aber nicht vorenthalten bleiben. Die muss man gelesen haben. Bei Wikipedia heißt es - Zitat: „Rechtlich gesehen stellt Hundegebell eine Lärmimmission dar. Das Bellen des Nachbarhundes kann daher nach deutscher Rechtssprechung eine Art Belästigung sein (§ 906 BGB), aus der sich unter Umständen ein Unterlassungsanspruch (§ 1004 GBG) feststellen lässt. Die Veraussetzung ist, dass das Hundegebell das Maß, das als ortsüblich geduldet werden muss, übersteigt. Der Hundehalter hat dafür Sorge zu tragen, dass während der Ruhezeiten ein Bellen des Hundes unterbleibt.“ Typisch, oder? In der Heimat des treuen, deutschen Schäferhundes muss es natürlich auch eine Bell-Verordnung, ein geregeltes Wau-Wau-Prozedere geben. Und die Libelle? Was ist nun bitte mit den Libellen?

Der Leser hat vollkommen recht. Er wurde mit dem Thema Libelle gelockt, er opfert seine kostbare Freizeit und hat somit auch einen berechtigten Anspruch auf eine Antwort. Hier ist sie - endlich:

Im Jahr 2008 wurden weltweit etwa 5680 verschiedene Arten der Libelle, davon allein 85 in Mitteleuropa, gezählt. Nebenbei: 2001 wurde in Deutschland die Plattbauchlibelle zum Insekt des Jahres gewählt. Vielleicht war der eine oder andere Leser an dieser Wahl beteiligt. Doch zum Körperbau: Er besteht aus Flügeln, die bis zu 19 cm Spannweite anwachsen können; weiter einem Kopf mit Facettaugen, die aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen und einem Mundwerkzeug, aber keinem Kehlkopf. Damit ist die erste Antwort auf unsere Eingangsfrage erfolgt. Der Vollständigkeit halber seien noch Brust und Hinterleib erwähnt. Der Hinterleib ist langgestreckt und beim Männchen mit zwei kleinen Greifzangen versehen, um das Weibchen beim Liebesakt besser packen zu können. Man liebt es und sich offensichtlich von windig bis stürmisch.

Bei der Entwicklung des Hubschraubers sollen die Libellen angeblich Pate gestanden haben. Man kann es bis auf den heutigen Tag noch daran erkennen, dass sowohl Helikopter, als auch Libellen nach Räubern jagen bzw. räuberisch jagen. Libellen jagen und fangen ihre Beute im Flug mit speziellen Greifern an den Beinen; Hubschrauber nutzen meistens Kameras und Funkkontakte und uniformierte Greifer am Boden. So ganz nebenbei sei vermerkt, Kanabalismus ist ihnen nicht fremd. Das gilt jetzt aber nur für das hier beschriebene Insekt.

In zurückliegenden Jahren wurden Libellen immer wieder als „Pferdetod“, „Teufelsnadel“ oder „Augenbohrer“ bezeichnet, doch sie sind für Menschen absolut harmlos, ungefährlich. Es gibt natürlich eine Ausnahme - und hier wird es interessant - sie können, einmal von Menschen eingefangen, sich wehren und – alle Achtung!  - beißen. So ein Biss ist zugegebenermaßen kaum spürbar. Aber – das gilt es nun als relevant festzuhalten – Libellen können beißen. Damit kennt der Leser nun die nächste, die finale Antwort auf die eingangs gestellte Frage, warum Libellen nie bellen. Sie – nein, nicht Sie, lieber Leser, die Libellen sind jetzt gemeint – sie halten´s mit den Hunden. Wir haben eingangs erfahren, gelernt, Hunde, die bellen, beißen nicht und Hunde, die nicht bellen, beißen. Das erklärt: Warum Libellen nie bellen? Noch Fragen?

Januar 2018

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