Paul Rudolf Uhl

GEWALT IN DER SCHULE

 Das Pausenbrot.

 

Ich war in der vierten Klasse und nach der Schule trödelte ich mit Klassenkameraden gemächlich heim. Der Epple hatte einen Fußball - weiß der Teufel, woher - und in der Nähe des Sägewerks Obermühle kickten wir ein bisschen.

Ich konnte noch nie Fußball spielen, weder schießen noch treffen. Als ich auf das Leder haute, flog es in den Mühlbach und verschwand in der Schleuse.

Entsetztes Schweigen, aber der Ball war unwieder-bringlich weg. Der Epple schimpfte und forderte, ich müsse seinen Ball ersetzen. Klar, ich hatte Schuld, aber wie sollte ich? Mein Taschengeld war niedrig. Sonntags gab mir der Papa meistens 2 Mark und eine Mark gab ich dann immer gleich für Eis aus. Der Epple war in der Schule als Raufer bekannt und mir sicherlich überlegen. Ich fürchtete ihn...

Am nächsten Tag sprach er mich wieder an, was nun mit Schadensersatz sei. Ich zuckte die Schultern, bot ihm mein Pausenbrot an, das er schweigend annahm. Am nächsten Tag gab es dieselbe Prozedur und die weiteren Monate ebenso. Mein schlechtes Gewissen wurde mit jedem Tag zwar geringer, er aber stand zur Pausenzeit immer mit offener Hand vor mir, seinen Obolus fordernd.

Ich begann zu rechnen: war so ein Pausenbrot etwa nur 30 Pfennige wert (Mutter packte mir aber meist Käse oder Wurst darauf ), so hatte er in den letzen sechs Monaten ungefähr 70 Mark von mir in Naturalien erpresst. Das war mehr, als ein neuer Fußball kostet und der verkickte war sicher ein alter gewesen... 

 

Es wurmte mich mit jedem Tag mehr, aber ich hatte bisher nicht gewagt, ihm den Obolus zu verweigern, weil er als frech und gewalttätig bekannt war.

 

Aber als er mich einmal wieder recht forsch ansprach: „Was ist nun mit meiner Pause, heraus damit!“ platzte mir der Kragen, das Fass war übergelaufen und ich trat ihm ans Schienbein, hieb ihm gleichzeitig mit der Faust ins Gesicht und schrie: „Jetzt isses aber genug, ab heute gibt‘s nix mehr, dass d´ es weißt!“

 

Er blutete aus der Nase. Der Lehrer kam dazu und ich bekam 5 Seiten Strafarbeit aufgebrummt. Ich schämte mich über meinen extremen Wutausbruch, wußte aber, dass ích in gleicher Situation wohl wieder so explodieren würde.

 

Nach der Schule passte er mich natürlich ab, wollte sich revanchieren. Ein Kamerad war aber bei mir und ich benutzte ihn geistesgegenwärtig als „Mit-Streiter“, obwohl das nicht abgesprochen war: „Komm nur her, wir sind zu zweit, aber wenn ich wütend bin, schaff ich dich auch alleine, wollen wir es gleich  probieren?“

 

Ich warf den Schulranzen ab stellte mich in Positur und schaute grimmig, obwohl ich schreckliche Angst hatte und die Tränen kaum zurückhalten konnte.

 

Da wandte er sich ab und warf mir das Götz- Zitat an den Kopf... 

 

Ich hatte nie wieder etwas von ihm zu fürchten, weil ich ein einziges Mal mutig war und er eigentlich immer nur schwächere Kameraden unterdrückte.

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Paul Rudolf Uhl).
Der Beitrag wurde von Paul Rudolf Uhl auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Paul Rudolf Uhl:

cover

Ein Schelm von Paul Rudolf Uhl



„Ein Schelm“ umfasst 95 Gedichte auf 105 Seiten, Größe: 19,2 x 14,6 cm, Klebebindung, größtenteils farbig illustriert. Das Büchlein erscheint im Selbstverlag.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Autobiografisches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Paul Rudolf Uhl

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

EMISSIONSHANDEL von Paul Rudolf Uhl (Absurd)
Frankreich sollte ein neuer Anfang sein...Teil .2. von Rüdiger Nazar (Autobiografisches)
Ein Kind schreibt an Obama von Rainer Tiemann (Zauberhafte Geschichten)