Claudia Ramm

Eine andere Weihnachtsgeschichte

Eine andere Weihnachtsgeschichte

 

Als Jessica die Augen aufschlug, wusste sie nicht wo sie war.

Sie lag, nur mit einem weißen, dünnen Nachthemd bekleidet, mitten auf einer Lichtung.

Ringsum dichter Wald. Das alleine wäre schon wenig erfreulich gewesen, zu allem Überfluss aber lag sie auch noch in einem Berg aus frischem, eiskaltem Schnee!

Sie konnte spüren, wie ihr kristallenes „Bett“ langsam unter ihr dahin zu schmelzen begann und ihr dünnes Hemdchen sich mit frostigem Wasser voll saugte.

„Wuahh!“, mit einem Satz sprang sie auf die Füße. Die nun leider ihrerseits im Schnee versanken und die, schuhloser Weise, schutzlos dem frostigen Nass ausgeliefert waren.

Was zur Folge hatte, dass sich Jessica ein heftiger Kälteschauer nach dem anderen bemächtigte.

„Was ist hier los? Wo bin ich und was soll das hier?“

Kräftig, mit den kalten Füßen stampfend, die Arme um den Leib geschlungen, drehte sie sich im Kreis und versuchte ihre Gedanken zu ordnen.

„Ok! Erst mal die Situation ausloten und dann mal sehen.....Uhhh! Was soll der Mist! Es ist so verdammt kalt! Wo sind meine Klamotten? Was hab ich da an? Und wo bekomm ich jetzt schnell ne warme Decke und ne Wärmflasche her?“

„Halloooooo....ist hier jemand? Hilfeeee!! Ich erfriere hier! Das ist gar nicht lustig!“

Sie hielt sich ihre eiskalten Hände vors Gesicht und hauchte verzweifelt warme Atemluft dagegen.

Ihr Blick glitt immer wieder über den Waldrand. Dabei musste sie die Augen zusammen kneifen, da die Sonne schon ziemlich tief stand. Aber außer den stillen, verschneiten Bäumen war nichts zu sehen. Kein Mensch weit und breit! Geschweige denn ein Haus oder Ähnliches, das Zuflucht und Wärme versprach.

„Das gibt’s doch nicht!“ Entbehrend jeglicher Alternative machte sie die ersten Schritte Richtung Wald. Was blieb ihr auch Anderes übrig, wollte sie nicht an Ort und Stelle erfrieren.

Wie sie da so durch den tiefen, weiten Schnee stapfte fragte eine ferne, innere Stimme, wie es überhaupt sein konnte, dass sie bis jetzt noch nicht erfroren war, so wie sie da gelegen hatte und mit ihrer dürftigen Bekleidung.

Zitternd und bibbernd war sie im Moment jedoch nicht in der Lage wissentlich an mehr zu denken als an einen schützenden Unterschlupf.

„Weiter, immer weiter gehen! Irgendwann muss die Rettung doch kommen!“

 

 

2.

 

 

Die Rettung kam dann in Form einer alten Holzhütte. Die Gott sei Dank, recht nah am Waldrand, hinter hohen Tannen verborgen und unglaublicher Weise in genau der Richtung lag, in die Jessica sich einem unbewussten Impuls nachgebend, gewandt hatte.

„Lass das Teil offen sein! Bitteee! Mir fallen gleich die Füße ab!!“

Mit zittrigen Fingern griff sie nach der Klinke und drückte diese so fest sie konnte herunter.

Quietschend und knarrend schwang die Tür nach Innen.

Die Dunkelheit dahinter war im ersten Moment so vollkommen, dass sie keine Gegenstände erkennen konnte. Schnell trat sie ein und schloss die Tür gegen die winterliche Kälte.

Langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Halbdunkel. Direkt vor ihr stand ein stabil wirkender Holztisch mit zwei Stühlen. Das Tageslicht fiel spärlich durch ein kleines Fenster, das zudem noch mit einer zerschlissenen Gardine abgedunkelt war. Sie trat hinzu und zog die Gardine beiseite. „Ah, schon besser!“ Blasses Sonnenlicht strömte herein und erhellte den Rest des armseligen Mobiliars. Außer dem Tisch und den beiden Stühlen, gab es noch eine Art Schrankbett, so wie sie es schon einmal in einem Heimatmuseum gesehen hatte, eine Truhe und ein Regal mit einigen Koch und Essutensilien. Ein alter, stark zertretener Läufer rundete das Bild ab. Aber das Allerbeste an der Hütte war.....ein Kamin! Und, oh Wunder, ein ordentlicher Stoß Holz direkt anbei.

„Oh ja, oh ja!! Feuer, Wärme!! Her damit!“

Mit fliegenden Händen begann Jessica die Scheite im Kamin aufeinander zu stapeln. So wie sie es schon öfter beim Terrassenofen ihrer Eltern gemacht hatte.

Das kleine Anlassholz zuunterst und die dicken Scheite Pyramidenförmig oben auf.

„So, fertig!“ zufrieden klatschte sie in die Hände. „Wo ist das Feuerzeug?“

Suchend ließ sie ihren Blick durch den kleinen Raum streifen und blieb an dem Regal mit den Küchenutensilien hängen.

Da, da lag doch eine kleine Schachtel! Das sah doch ganz nach Streichhölzern aus!

Hastig griff sie danach. „Strike!“

Vor dem Kamin ließ sie sich auf die Knie sinken, riss mit kältestarren Fingern ein Streichholz an und hielt es an das Anzündholz.

Das Glück blieb ihr auch weiterhin treu und das trockene Holz fing sofort Feuer und gab ein befriedigendes Knistern und Knacken von sich.

Sie zog sich den alten Teppich vor den Kamin und holte sich die gar nicht mal so miefig riechende Wolldecke vom Kastenbett. Mit untergeschlagenen Füßen ließ sie sich auf den Teppich sinken und wickelte die Decke fest um sich .

Die Flammen wurden rasch größer und eine heimelige Wärme breitete sich in der kleinen Hütte aus. Am liebsten wäre Jessica in den Kamin hineingekrochen, so sehr genoss sie die Wärme, die ihren durchfrorenen Körper durchströmte.

Nach einer Weile fielen ihr die Augen zu und sie sank, eingewickelt in die alte Wolldecke, langsam zur Seite auf den zerschlissenen Teppich und schlief ein.

 

 

3.

 

 

Irgendwann, nach unbestimmter Zeit, durchdrang ein fernes Geräusch die wirren Gedankengänge ihres Traumes.

Sie hatte grade geträumt, sie läge in einem flauschigen, warmen Bett aus lauter fluffigen,

weißen Flocken und flöge damit über eine sonnige Blumenwiese. Unter ihr graste eine Herde

lila Kühe friedlich vor sich hin, als plötzlich ein Stampfen und Trampeln die Herde in Unruhe

versetzte und die Kühe vor Schreck mit einmal allesamt losstürmten und damit einen Wirbelwind verursachten, der Jessi aus ihrer luftigen Bettstatt heraus wirbelte und mit einem Plumps auf die Wiese verfrachtete.

Sie schreckte aus ihrem Traum hoch und musste feststellen, dass sie immer noch in die alte Wolldecke gewickelt, seitlich auf dem Teppich lag und das Feuer nunmehr ein Feuerchen geworden war.

„Immerhin frier ich nicht mehr,“ dachte sie und richtete sich stöhnend auf.

Und da hörte sie es wieder! Das Geräusch aus ihrem Traum. Bumm, bumm knirsch....

Da kam doch jemand! Und zwar jemand ziemlich Großes und Schweres, nach der Geräuschkulisse vermutend.

Jessica hatte grade noch Zeit sich aufzurichten und die Wolldecke vorne mit einer Hand zuzuhalten, als auch schon die Tür der Hütte mit einem Stoß auf ging und ein Wirbel aus weißen Flocken und eisiger Winterluft, samt einem riesenhaften, bärtigem und so wie er aussah und roch, ziemlich ungepflegtem Kerl unbestimmbaren Alters, hereinfegte.

„Oh, mein, Gott! Was ist denn das für einer?“ Jessicas Herz schlug ihr bis zum Hals.

Da erhob dieser Berg von Mann seine Stimme und knurrte in einem tiefen, rauen Barriton:

„Was ist hier los? Wer bist du und was suchst du in meiner Hütte?“

„Ich, ähhhh, ich.......“ stotterte Jessica herum.

„Ja du! Wer sonst? Ist denn sonst noch jemand hier? Ich seh nur dich! Also raus mit der Sprache! Wer bist du und warum machst du es dir hier in meiner Hütte gemütlich? Ich kann mich nicht erinnern, dich eingeladen zu haben. Und Leute die uneingeladen bei mir hereinschneien, kann ich gar nicht leiden!“ Knurrte er sie an und zog sich dabei seinen zotteligen, mottenzerfressenen Pelz über sein fettiges Haar und schmiss ihn gezielt auf den ihm am nächsten stehenden Stuhl. Dabei entblößte er zwei mächtige Oberarme an denen unter

der wabbligen Fettschicht, die kräftigen Muskeln zu erahnen waren.

„Oh jeh! Mit dem ist nicht gut Kirschen essen! Jetzt muss ich aber echt aufpassen was ich sage. Bloß nicht aufregen den Kerl, sonst isst der mich morgen zum Frühstück!“

Jessica atmete tief durch und dann erzählte sie ihm ihre Geschichte, soweit sie sich selbst erinnern konnte, und das war kärglich wenig!

 

 

4.

 

„Aha, ok, hmmm, hmmm, seltsam, echt seltsam! So was hab ich ja noch nie gehört.

Ok, ich glaube dir! Du kannst erst mal hier bleiben und dann sehen wir weiter!“

„Puhhh!“ Jessica atmete auf, „soweit lief das ja schon mal ganz gut, mal abwarten was jetzt noch so kommt.“

Sie nahm all ihren Mut zusammen, trat einen entschlossenen Schritt vor und streckte dem Kerl ihre Hand entgegen.

„So, da sie nun wissen wie ich heiße und was mich hierher verschlagen hat, wäre es nun auch an der Zeit, dass sie mir ihren Namen verraten, und mir sagen, wo ich hier überhaupt bin.“

„Ganz schön kesse Lippe, was Mädel? Aber na gut, ich hab heute meinen sozialen Tag und will mal nicht so sein. Also. Ich heiße Ruprecht. Wo du hier bist, kann ich dir nicht verraten.

Damit musst du dich leider abfinden, dass musste ich auch. Und damit erst mal genug!“

„Was? Was soll das denn heißen? Du kannst mir nicht sagen wo ich hier bin?“ erschrocken hielt sich Jessi die Hand vor den Mund, „sorry, hab aus Versehen du gesagt, ich meinte natürlich sie!“

Ruprecht winkte lässig mit der Hand ab. „Is schon ok! Ich werde von niemandem gesiezt.

War und bin einfach immer nur Ruprecht. Und ich kann dir wirklich nicht sagen wo du hier bist. Tut mir leid! Ich erklär dir den Grund ein andermal. Jetzt hab ich Hunger, war den ganzen Tag draußen. Und so wie du aussiehst, kannst du sicher auch nen kleinen Happen vertragen, oder?“

Jetzt merkte Jessica erst, wie hungrig und durstig sie war. Ihr Magen gab ein deutlich vernehmbares Knurren von sich. Sie musste grinsen.

„Na gut, sie ähhhh....du hast recht, erst mal was essen, reden können wir später immer noch. Was gibt´s denn gutes?“

Neugierig sah sie sich in der Hütte um, aber sie konnte beim besten Willen nichts essbares ausmachen.

„Hab zwei ordentliche Rammler erlegt. Die liegen draußen vor der Hütte. Kannst schon mal das Messer da vom Bord nehmen. Ich hol sie rein und dann kannst du sie ausnehmen und abziehen. Ich hol dann schon mal die Kartoffeln und Wurzeln aus meinem Lager. Die sind noch ganz ok.“

„Wie, was? Rammler? Aussnehmen? Du meinst damit doch hoffentlich nicht, dass ich zwei Hasen schlachten soll? Oder? Das is ja eklig!! Das kann ich nicht!“ Brrrr.....Jessica schüttelte sich vor Abscheu.

„Wieso, hast du so was denn noch nie gemacht? Was esst ihr denn bei euch so? Etwa nur Wurzeln und Kartoffeln? Da wird die Suppe aber ziemlich mager! Also ich will Fleisch!

Wenn du die Hasen nicht ausnimmst, denn kriegst du eben nichts zu essen. Dann bleibt mehr für mich! Du hast die Wahl!“

Jessis Magen knurrte wieder vernehmlich und jetzt kam auch noch ein leichtes Schwindelgefühl dazu. „Oh Mann. Ich brauch echt was zu essen. Verdammt! Das ist so eklig! Aber muss wohl mitspielen, sonst lässt er mich noch glatt verhungern. Blöder Sack!“ dachte sie.

„Na gut, ich machs! Aber du musst mir dabei helfen, dass ist mein erstes Mal!“ mürrisch blickte sie zu ihm auf.

„Na denn mal ran an den Speck, ähh Hasen“ sagte er grinsend und zeigte zur Tür.

Schweren Herzens ging Jessica hinaus. Und dort lagen sie, zwei große, braune Hasen.

Mit zusammengebissenen Zähnen hob sie diese auf und ging schnell wieder in die warme Hütte.

„Na gut, dann will ich mal!“ tief einatmend machte sie sich ans Werk.

 

 

5.

 

 

Jessica legte die beiden Hasen auf den Tisch, setzte sich auf einen der Stühle und griff sich das Messer.

„Wo soll ich denn anfangen zu schneiden?“ fragte sie und ließ das Messer unentschlossen über einem der Hasen kreisen. „Hier?“ sie tippte mit dem Messer auf eine Stelle am Hals.

„Du hast das wirklich noch nie gemacht, stimmt´s?“ fragte Ruprecht mit zusammen gezogenen Augenbrauen.

„Hab ich doch schon gesagt! Ich hab noch nie irgendein Tier selbst auseinandergenommen. Bei uns gibt’s die schon in kleinen Portionen, frisch verpackt im Laden zu kaufen. Da macht kein Mensch mehr so ne Sauerei selber. Dafür gibt’s die großen Schlachtereien.“

„Na gut! Bevor du hier alles falsch machst, mach ich´s eben selber. Sonst kommen wir in den nächsten Stunden zu nichts. Geschweige denn zu unserem Essen. Ich hol jetzt die Kartoffeln und die Wurzeln rein, dann kannst du die schälen während ich die Hasen abziehe. Gemüse schälen kannst du doch? Oder gibt’s das bei euch auch schon fix und fertig verpackt?“

„Gibt’s zwar auch , aber das kann ich doch noch selber. Also her mit dem Grünzeug!“ erleichtert atmete Jessica auf. „Puhh, grade noch mal drum herum gekommen!“

Während Ruprecht draußen das Gemüse holte, legte Jessica Feuerholz nach und holte einen großen Topf vom Regal.

Die Tür ging auf und Ruprecht kam mit einem Korb voller Kartoffeln und Wurzeln herein.

„So, nu leg mal los“ sagte er und stellte den Korb vor Jessica auf den Tisch.

Er gab ihr ein anderes Messer und fing dann an die Hasen au zerlegen.

Jessica konzentrierte sich voll auf´s Gemüseschneiden und vermied jeden Blick in Richtung Ruprechts Werk.

Sie füllte den großen Topf zur Hälfte mit Gemüse. Und kaum das sie fertig war, hatte auch Ruprecht seine Arbeit vollbracht und legte die zerkleinerten Hasenteile oben auf.

Neben ihm lag nun ein kleiner Berg aus Fell und ein Häufchen Gekräusel, das sich Jessica lieber nicht genauer betrachten wollte.

„Ich bring den Abfall nach draußen, hol du mal die kleine Schüssel vom Regal und komm mit. Ich zeig dir wo der Brunnen ist. Da kannst du sie mit Wasser füllen.“ sagte Ruprecht.

„Würd ich ja gerne machen, wenn der Brunnen nicht so weit weg ist. Aber ich hab grade warme Füße und draußen liegt doch Schnee.....“ Jessica blickte demonstrativ an sich hinab.

Ruprechts Blick folgte ihrem. „Ach jeh, das hatte ich ja ganz vergessen! Du hast ja gar keine Schuhe. Na gut, dann bleib hier drin, ich mach das schon.“

Er griff sich die Schüssel, schob noch die Gemüseschalen und die Überreste der Hasen hinein und ging zur Tür.

„Bin gleich wieder da.“ sagte er und stapfte hinaus in den Schnee.

6.

 

 

Es dauerte dann auch gar nicht lange und Ruprecht kam mit der nun mit frischem Brunnenwasser gefüllten Schüssel und einer Flasche unterm Arm zurück.

Er ging noch mal zum Regal, nahm einen eisernen Dreifuß herunter und stellte ihn über das Feuer. Den großen Topf stellte er nun mitten darauf und goss das Wasser über Fleisch und Gemüse. Aus einem Glas entnahm er eine Hand voll Kräuter und gab sie mit in den Topf.

„So, jetzt brauchen wir nur noch zu warten.“ Sagte er und rieb sich die Hände. „ In der Zwischenzeit setzten wir uns vor den Kamin, trinken einen Schluck von meinem Apfelmost und ich erzähl dir, warum ich dir nicht sagen kann wo du hier bist. Einverstanden?“

Jessica nickte zustimmend. „Ja gut, soll ich schon mal die Gläser vom Regal nehmen?“

„Klaro! Aus irgendwas müssen wir ja trinken, ne! Nu mach schon Mädel, bevor ich´s mir anders überlege!“ schmunzelte Ruprecht zu ihr hinüber.

Also setzten sich die Beiden an den Tisch! Die Gläser mit dem Apfelmost vor sich, begann Ruprecht mit seiner Geschichte.

„Ich muss ein bisschen ausholen, ist schon ne ganze Weile her die Sache.“ Er räusperte sich und sprach weiter. „Also, ich war damals noch n kleiner Kerl, so fünf, sechs Jahre alt. So genau weiß ich´s nicht mehr. Ich wohnte bei meiner Großmutter auf dem Land. Ich weiß noch, dass das Haus schon sehr alt war und es durch alle Ritzen kalt zog. Ich hatte das Gefühl, ständig zu frieren, besonders, wenn ich in meinem Bett oben im Dachgeschoss lag. Mein Nachttopf hatte morgens, wenn ich ihn ausleeren musste, eine richtige Eisschicht oben auf.

Der einzig warme Ort war die kleine Küche, in der meine Oma ihre leckeren Eintöpfe zubereitete und in der sie mir Abends, im Schein des Herdfeuers, Geschichten erzählte.

Geschichten aus ihrer Kindheit und von meinem Opa, der schon vor meiner Geburt gestorben war. Und von meinen Eltern, an die ich mich selber gar nicht mehr erinnern konnte. Sie sagte immer: „Mein Kleiner, sie haben dich sehr lieb gehabt, aber sie mussten fortgehen. Doch sie wussten ja, dass du bei mir bist und brauchten sich deswegen keine Sorgen zu machen. Ich passe immer auf dich auf!“ Dann hat sie mir mit ihrer kühlen, kleinen Hand über die Wange gestreichelt und mich angelächelt. Und ich hab gewusst, dass alles gut ist und meine Oma immer bei mir sein würde.

Ach, wie hab ich diese Abende geliebt!

Ansonsten war das Leben nicht leicht. Wir mussten uns selbst versorgen, da keine anderen Menschen in unserer Nähe wohnten. Unser Häuschen stand auf einem kleinen Hügel. Ein kleines Stückchen Land gehörte dazu. Darauf hatte meine Großmutter ihren Gemüsegarten und einen kleinen Hühnerstall mit fünf Hühnern und einem Hahn. So hatten wir im Sommer genug Gemüse, Eier und Fleisch zu essen. Das Gemüse lagerte meine Oma für den Winter in einem kleinen Anbau ein. So wie ich es hier auch mache.

Wenn der Winter aber sehr streng war und der Frühling einfach nicht kommen wollte, dann wurde unser Gemüsevorrat rar und auch die Hühner legten nicht mehr genug Eier.

Auch unser Feuerholz, das Großmutter hinter dem Haus gestapelt hatte und das sie mit ihren kleinen aber kräftigen Händen selber geschlagen hatte, wurde in solchen Wintern knapp.

So war es auch in dem Winter als es passierte.

Es war bitter kalt und wir hatten kaum noch Holz genug um ein einziges, vernünftiges Feuer am Leben zu erhalten. Meine Oma hatte schon seid Tagen einen schlimmen Husten, der gar nicht weggehen wollte. Ich hatte im nahen Wald Reisig und kleine Äste gesammelt, damit unser Feuer nicht aus ging und meine Großmutter nicht frieren musste.

Doch dies reichte nicht lange aus und sie beschloss, obwohl sie noch immer krank war, selber in den Wald zu gehen und Holz zu schlagen.

 

 

 

7.

 

 

Also zogen wir los. Meine Oma hatte die große Axt übergelegt und trug unseren Feuerholzkorb auf dem Rücken. Ich hatte einen Sack dabei, in den ich noch mehr kleine Äste und Reisig sammeln sollte.

Wir erreichten eine Stelle im Wald, wo ein Baum stand, der die richtige Größe zum Fällen hatte. Meine Oma schickte mich los im Umfeld brennbares zu sammeln, was bei dem vielen Schnee, der den Boden dicht bedeckte, gar nicht so einfach war.

Also lief ich hierhin und dahin und sammelte so viel Geäst wie in meinen Sack passte.

Ich war so vertieft in mein Tun, dass ich gar nicht merkte, dass ich mich immer weiter von meiner Großmutter entfernt hatte. Als mein Sack voll war, schaute ich auf und da stand ein großer, dicker Mann vor mir und hielt sich den Finger vor den Mund.

Er machte „Pst! Soll ich dir was tolles zeigen kleiner Mann?“ und dabei lächelte er über sein feistes, rotwangiges Gesicht und zwinkerte mir zu.

Ich war so verblüfft und ahnungslos, da ich keinen Umgang mit anderen Menschen gewohnt war, dass ich einfach nur staunend da stand und stumm dem Fremden zunickte.

Er nahm meine Hand, seine Finger waren angenehm warm und weich, und führte mich durch den Schnee zu einem seltsamen Gefährt. Es war ein großer, wunderschöner Schlitten. Weiß und golden lackiert und mit kleinen Glöckchen behangen.

Und davor waren acht große Tiere gespannt. Sie hatten mächtige Geweihe und ihre Geschirre glänzten und glitzerten.

Ich bekam vor Staunen den Mund nicht mehr zu!

Der Mann fragte mich, ob ich mich nicht einmal oben auf den Sitz setzten wolle. Ich sagte staunend: „Ja, darf ich ?“ Und schon erklomm ich diesen wundervollen Schlitten und ließ mich auf die mit feinsten Fellen bedeckte Bank sinken. Oh wie weich und warm sie doch war und wie bezaubernd die Glöckchen klangen, an die ich beim Hinaufklettern gestoßen war.

Der Mann kletterte zu mir auf die Bank und legte mir eines der Felle um die schmalen Schultern. Er drückte mich und sah mich dabei fragend an. „Na, wie gefällt dir mein Schlitten? Sollen wir mal eine kleine Fahrt damit machen? Du wirst begeistert sein, wie schnell er ist und wie bequem. Meine Rentiere sind die schnellsten auf der Welt. Versprochen!“ Und kaum hatte ich die kleinste Andeutung eines Nickens gezeigt, da zog er schon an den Zügeln und der Schlitten schoss so schnell nach Vorne, dass ich richtig tief in die Felle gedrückt wurde.

Die Bäume rasten auf uns zu, zumindest sah es für mich so aus. Ich kniff beide Augen fest zusammen und als ich sie wieder öffnete, da sah ich nur das Weiß des schneeverhangenen Horizonts. Der Wind pfiff durch meine Haare, aber ich spürte keine Kälte, sondern nur die wohlige Wärme der weichen Felle um mich herum. Erstaunt sah ich mich um. Wir fuhren nicht mehr durch den Wald, sondern flogen über ihn hinweg. Die großen Zugtiere, später erfuhr ich das sie Rentiere genannt werden, stießen ihr Hufe in die Luft, als ob sie noch Boden darunter hätten und zogen den Schlitten mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit dem Horizont entgegen.

 

 

8.

 

Ich klammerte mich an den Arm des bärtigen Mannes neben mir und wusste gar nicht wie mir geschah. Er sah mich beruhigend an und sagte:“ Hab keine Angst. Es kann dir nichts passieren!“ Und ich glaubte ihm!

Wir flogen immer weiter und ich beugte mich über den Schlittenrand und bewunderte die Landschaft, die unter uns vorbeieilte, dass man kaum einzelne Bäume erfassen konnte.

Ich verspürte keinerlei Angst. Ich fühlte mich sogar richtig wohl. Das Feuerholzsammeln und meine arme Großmutter hatte ich zu dem Zeitpunkt komplett vergessen!

So flogen wir unbestimmte Zeit dahin, bis mir immer wieder die Augen zufielen und ich irgendwann einschlief.

Als ich erwachte, stand der Schlitten still. Um ihn herum wuselten komisch aussehende, kleine Menschen mit spitzen Ohren. Sie schirrten die Rentiere ab und führten sie in einen großen Stall. Dabei zwitscherten und trällerten sie in einer mir unbekannten Sprache mit einander. Der große Mann war schon ausgestiegen und unterhielt sich mit einem von ihnen. Dabei gab er dieselben Laute wie sie von sich. Der kleine Kerl sah zu mir hoch und nickte.

Dann kam er auf mich zu und bedeutete mir mit Handzeichen auszusteigen und ihm zu folgen.

Ich tat wie gefordert und kletterte zu ihm hinab. Als die warmen Felle von meiner Schulter glitten, merkte ich erst, wie kalt es war. Ich sprang hinab in den glitzernden Schnee.

Der kleine Mann drehte sich um und wedelte mir ungeduldig mit der Hand ihm zu folgen.

Also stapfte ich brav hinter ihm her und ließ meine Blicke über die fremde Umgebung schweifen.

Viel konnte ich nicht erkennen. Überall lagen Schneemassen und deckten die Landschaft mit ihrer weißen Last zu. So das sie aussah wie eine Buckelpiste ohne erkennbare Form.

Bäume oder Häuser konnte ich nicht ausmachen, da die Sicht durch dichten Schneefall sehr beschränkt war. Nur den Stall der Rentiere sah ich deutlich vor mir. Ich wunderte mich noch, wo wir eigentlich hinwollten, als sich plötzlich an einem der weißen Hügel eine Tür auftat und uns warmer Lichtschein einladend entgegen leuchtete.

Wir traten durch die Tür und standen in einem kleinen, einfachen Raum mit einen paar Holzmöbeln und einem großen Herdfeuer.

Die Wände sahen aus, als wären sie aus purem Schnee gemacht. Ich wunderte mich nur darüber, dass sie durch die Hitze das Feuers nicht schon längst zusammengeschmolzen waren.

An der gegenüberliegenden Wand des Raumes lag ebenfalls eine Tür. Diese öffnete sich nun und ein anderer kleiner Kerl kam herein. Er trug ein Tablett mit zwei dampfenden Tassen vor sich her. Die Tassen sahen überdimensional groß aus, da ihr Träger bestimmt nicht höher reichte als die Tischkante.

Mit einiger Mühe bugsierte er die vollen Tassen auf den Tisch und schob eine davon zu mir hinüber. Dabei bedachte er mich mit einem undefinierbaren Blick und ging dann, gefolgt von meinem Begleiter, durch dieselbe Tür wieder aus dem Raum.

So saß ich einen Augenblick alleine vor dem dampfenden Getränk, bis der große, bärtige Mann stampfend den Raum betrat.

Er setzte sich mir gegenüber, erhob seinen Becher und trank einen tiefen Schluck.

„Ahhh! Das tut gut! Trink auch etwas Junge, das wird dich wärmen!“ Mit seinem Ärmel wischte er sich über den Mund.

Ich nahm meinen Becher und tat wie mir geheißen. Warm und süß floss das Getränk in meine Kehle und ging mir durch und durch. So etwas hatte ich noch nie getrunken! Im Nu war mein Becher geleert und ich lehnte mich zufrieden seufzend zurück.

Ich fühlte mich seltsam. Irgend wie so, nicht wirklich. Es fällt mir schwer, dass zu erklären.

Mein Kopf war ganz leicht und ich konnte mich kaum erinnern, wer ich war und woher ich kam. Aber das war mir auch ganz egal, es fühlte sich einfach gut an!

 

 

 

 

9.

Dann fing der Mann vor mir an zu sprechen. Er sagte, er hieße Nikolaus und ich wäre sein neuer Rentierpfleger. Die kleinen Leute wären seine Elfen und hätten seine Befehle zu befolgen. Das Gleiche gelte auch für mich! Wer nicht gehorchen würde, hätte eine schlimme Bestrafung zu befürchten. Er würde nur einmal ermahnen, beim zweiten Mal würde der zu Bestrafende in die Einsamkeit der kalten Schneelandschaft geführt und dort allein gelassen. Dort würde niemand lange überleben. Man würde innerhalb kürzester Zeit erfroren sein.

Aber wenn man gut Arbeite, dann hätte man immer genug zu Essen und zu Trinken und ein warmes Plätzchen für die Nacht!

Dann stand er auf und befahl mir ihm zu folgen. Ich war wie in Trance. Mein Kopf fühlte sich an als wäre er voller Watte und doch hatte ich dabei die ganze Zeit das Gefühl, dass das Alles schon seine Richtigkeit hatte und gut so war.

Also folgte ich ihm wieder hinaus. Mittlerweile war es dunkel geworden. Wir gingen direkt zum Rentierstall. Dort standen die acht Rentiere, die ich schon von der Schlittenfahrt her kannte. Jedes hatte eine eigene Box. Es roch würzig nach frischem Heu und Stroh. Der ganze Stall machte einen sauberen und heimeligen Eindruck. Und obwohl es draußen eiskalt war, herrschte hier eine angenehme Temperatur.

Nikolaus zeigte mir eine leere Box die, anders als die übrigen, eine Art Bett mit einer strohgefüllten Matratze und eine kleine Truhe beherbergte. Dies sei nun mein zu Hause. Ich solle erst mal schlafen und morgen würden mir die Elfen meine Aufgaben erklären.

Damit drehte er sich um und ließ mich alleine.

Also setzte ich mich auf das Bett und sah mich um. Seltsamerweise war der Stall nicht dunkel, obwohl ich keine Laternen entdecken konnte. Das Licht schien aus den Wänden und der Decke zu kommen. In den Boxen neben mir hörte ich die Rentiere leise vor sich hin schnufen. Ich legte mich auf den Rücken und schloss die Augen. Ich fühlte mich wohlig warm und sehr schläfrig. Doch noch während ich einschlief schoss mir ein Gedanke durch den Kopf. „Was war mit meiner Großmutter? Ging es ihr gut? Würde ich sie jeh wiedersehen?“

Doch kaum hatte mich dieser Gedanke gestreift, fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Und damit begann mein neues Leben als Nikolaus Knecht.

 

 

10.

 

 

Ich kann jetzt nicht sagen, dass die folgenden Jahre schlimm für mich gewesen wären.

Morgens kam einer der Elfen in meine Box, weckte mich, gab mir einen Becher heiße Schokolade, das wie man mir sagte der Name des mir unbekannten Getränkes sei, und

stellte einen Teller mit Brot und Butter vor mich hin.

Das war ein weit üppigeres Frühstück, als ich es jemals zuvor gegessen hatte.

Allerdings konnte ich mich kaum an mein Leben vorher erinnern. Diese Erinnerung kam erst im Laufe der langen Jahre nach und nach zurück, als ich anfing mich mehr und mehr vor der heißen, süßen Schokolade zu ekeln.

Ansonsten war mein Leben zwar voller mühsamer Arbeit, die ich aber gerne erledigte, denn ich gewann die Rentiere schnell lieb. Außerdem war ich körperliche Arbeit ja gewohnt und mein Körper zeigte keine Anzeichen von Überlastung. Zudem war die Versorgung durch die Elfen recht gut. Ich musste nie hungern und konnte Abends satt und müde bei meinen Rentieren einschlafen.

Nikolaus sah ich meist nur kurz vor dem heiligen Abend, wenn er zu mir in den Stall kam und sich den Zustand der Rentiere und des Schlittens, dessen Reparatur und Wartung im Laufe der Jahre auch auf mich übertragen wurde, ansah. Da ich stets fleißig war und alles gut in Stand hielt, hatte er keinen Grund zur Klage und zollte meine Arbeit stets mit einem zufriednen Nicken. Ansonsten hatte er keinen Blick für mich übrig. Wozu auch, ich war nur ein Knecht, wie all die Elfen auch.

Die Elfen wohnten in einem schneebedeckten Hügel, dessen innere Ausmaße ich nie zu Gesicht bekam, da es mir streng verboten war dort hinein zu gehen und da der wachhabende Elf, ein besonders missmutiger Kerl, stets sorgsam über den Eingang wachte.

In meiner Vorstellung, war unter dem Schneehügel eine riesige Höhlenanlage. Denn vor Weihnachten schleppten die Elfen riesige Berge an Spielzeug, das in den schönsten, bunten und glitzernden Päckchen verpackt war die man sich vorstellen kann, auf den Platz vor dem Stall, an dem ich damals angekommen war.

Und über´s ganze Jahr hörte ich geschäftige Geräusche aus dem Hügel klingen. Zudem musste dort auch die Küche versteckt sein, denn mein Essen und das Heu für meine Rentiere kamen auch daher.

Ich versuchte mich mit den Elfen anzufreunden, aber die hatten einfach kein Interesse an mir. Erstens sprachen sie eine mir völlig unverständliche Sprache, auch wenn ich im Laufe der Zeit einige Wörter meiner mir bekannten zuordnen konnte, sowie Essen und Stall.ect.

Zweitens waren sie immer im Stress. Nie sah ich mal einen still stehen und einfach den Himmel betrachten. So wie ich, hatten alle ihre Aufgaben und erledigten diese zügig und ohne Klage. Allerdings hatten ihre Gesichter tiefe Furchen von Müdigkeit und einem arbeitsamen Dasein. Die angedrohte Bestrafung für Nichtgehorsam habe ich nie erfahren und auch niemals bei einem der Elfen. Doch zweifelten wir niemals an den Worten von Nikolaus.

Von der Umgebung sah ich auch nie wirklich viel. Auch wenn es mal nicht schneite, so lagen Schnee und Eis doch jederzeit auf den Hügeln und den fernen Bergen. Kam die Sonne heraus, dann glitzerte alles in unvorstellbarer Klarheit und Schönheit. Leider hatte ich niemals Zeit und Muße genug, um diesem Anblick würdig huldigen zu können.

Die Rentiere waren und sind tolle Tiere, lieb und folgsam. Sie wurden meine Familie. Die Einzige, die ich je hatte, außer meiner Großmutter.

 

 

11.

 

 

Als ich so 16 Jahre alt war, kam Nikolaus eines, Tages kurz nach Weihnachten, unverhofft zu mir in den Stall. Ich war grade dabei die Rentiere zu bürsten. Er sagte zu mir:“ Ruprecht, die Rentiere und du müssen umziehen! Ich brauche den Stall als weiteres Lager für die vielen Geschenke, die sich die Kinder heutzutage wünschen. Es wird wirklich immer schlimmer mit den Gören! Ich weiß gar nicht, wo das noch Enden soll! Naja, pack deine Sachen und spann die Rentiere vor den Schlitten, ich bringe euch jetzt zu eurem neuen zu Hause.“

Ich tat wie mir geheißen und kaum eine halbe Stunde später flogen wir los und landeten, nach einer guten Flugstunde, genau auf der Lichtung, auf der du, wie du mir sagtest, aufgewacht bist.

Nikolaus zeigte mir diese Hütte, zu der noch ein Vorratshaus, ein Abort und natürlich der Stall der Rentiere, der etwas abseits im Wald liegt, gehören.

Ich war einerseits traurig, andererseits aufgeregt, meine gewohnte Umgebung zu verlassen.

Seid einiger Zeit konnte ich mich wieder an die Zeit erinnern bevor Nikolaus mich zu sich geholt hatte. Denn ich trank die heiße Schokolade nicht mehr, die die Elfen mir jeden Morgen zum Frühstück brachten, sondern schüttete sie heimlich zu dem Mist der Rentiere, den ich täglich hinter dem Stall zusammenkehrte und dessen Haufen, auf mir unbekannte Weise niemals höher wurde.

Ich erinnerte mich an meine Großmutter, die Geschichten, die sie mir immer vorlas, und das ich mich in ihrer Nähe immer geliebt und geborgen gefühlt hatte.

Und ich erinnerte mich an meinen letzten Tag mit ihr im Wald und das sie so krank gewesen war.

Wie gerne hätte ich sie noch einmal wieder gesehen. Gewusst, wie es ihr geht und ob sie mich vermisste. Aber es waren nun schon so viele Jahre verstrichen und meine Großmutter war damals schon alt gewesen, vielleicht lebte sie ja gar nicht mehr.

Ich dachte, wenn ich hier mit den Rentieren alleine bleiben soll und niemand zu meiner Überwachung da bliebe, dann könnte ich mit dem Schlitten losfliegen und meine Großmutter suchen.

Ich konnte es gar nicht abwarten, dass Nikolaus endlich ginge und ich mein neues Heim und dessen Umgebung erkunden konnte.

Nikolaus zeigte mir das Werkzeug und die Fallen, die ich zum Jagen von Wild und zum Fertigen von Kleidung aus Fellen und Häuten benötigte. Er erklärte mir, wie ich dies zu tun hätte, und alles was Nikolaus einem erklärt, bleibt für immer im Gedächtnis. Außerdem sagte er, dass das Heu für die Rentiere und das Obst und Gemüse, das hier nicht wachsen könnte, auf den üblichen Wegen zu mir gelangen würde. Das Holz, welches ich für die Reparaturarbeiten am Schlitten benötigte, sollte ich mir aus dem Wald holen, für alles Andere wäre schon gesorgt.

Dann nickte er mir noch einmal auf seine altbekannte Art zu, ging um einen Baum herum und war verschwunden

So stand ich denn also, das aller erste Mal in meinem Leben völlig allein, vor meinem neuen Zuhause. Allerdings hatte ich keine Zeit mir darüber lange Gedanken zu machen, denn meine Rentiere scharrten schon mit den Hufen und wollten versorgt werden.

Also tat ich die Arbeit, die ich nun schon fast mein ganzes Leben getan hatte, und kümmerte mich erst einmal um sie.

Danach ging ich müde und erschöpft in die Hütte und sah, dass dort ein Kessel über dem Feuer hing, in dem es brodelte und kochte und dessen Inhalt einen herrlichen Duft verbreitete.

Außerdem stand ein Becher heißer Schokolade auf dem Tisch.

Heute noch hatte Nikolaus dafür gesorgt, dass ich verpflegt war. Ab Morgen würde ein neues, unbekanntes Leben mich erwarten. Und damit ich dieses bei vollem Bewusstsein erleben konnte, kippte ich die Schokolade ins Herdfeuer, wo sie zischend und dampfend in Rauch aufging.

 

 

 

 

12.

 

Am darauf folgenden Morgen wachte ich wie gewohnt früh auf. Allerdings war alles anders als sonst. Normalerweise hörte ich ja schon während des Aufwachens die Rentiere in den Boxen um mich herum schnufen und mit den Hufen scharren. Auch der Geruch war völlig anders. Nicht süß und würzig nach warmem Heu und Stroh, sondern es roch nach den Resten des Eintopfes vom Vorabend, die ich einfach auf dem Tisch hatte stehen lassen, da ich zu müde gewesen war um noch aufzuräumen.

Außerdem war es unangenehm kühl in der Hütte, da das muntere Feuerchen vom Abend mittlerweile nur noch aus leicht glühenden Holzteilchen bestand, die kaum noch Wärme abgaben.

Ich machte mich also als Erstes daran das Feuer wieder zum Leben zu erwecken und nahm mir ganz fest vor, Abends vor dem Zubettgehen, den Abwasch zu erledigen und genug Scheite für die Nacht nachzulegen.

Danach ging ich zu den Rentieren, die in ihrem neue Stall anscheinend gut geschlafen hatten und mich munter begrüßten.

Nachdem alle versorgt und satt waren, knurrte auch mir der Magen und ich ging in die Hütte um die Fallen zu holen, die ich heute aufstellen wollte, damit ich spätestens Morgen wieder Fleisch auf dem Teller hatte.

Heute musste ich mich mit dem Gemüse aus dem Vorratshaus begnügen.

Zum Frühstück und damit ich nicht mit leerem Magen loszog, aß ich einen Apfel und steckte mir einen Zweiten als Wegzehrung in meine Manteltasche.

So ausgerüstet und versorgt stapfte ich los und machte mich mit der neuen Umgebung und meinen neuen Aufgaben vertraut.

Ich kam erst im Dunkelwerden zurück. Alle Fallen waren aufgestellt, jetzt hieß es zu warten was ich bald in diesen vorfinden würde..

Bevor ich wieder zu den Rentieren ging, bereitete ich mir einen Gemüseeintopf zu, der während meiner Arbeit bei den Rentieren fertig kochen konnte.

Es war schon spät, als ich es endlich schaffte, mein Abendessen zu mir zu nehmen. Ich wusch noch mein Geschirr ab und fiel dann erschöpft in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Mein letzter Gedanke galt meiner Großmutter. „Morgen, morgen werde ich dich suchen, versprochen!“ und schon war ich eingeschlafen.

Doch wie sich herausstellen sollte, dauerte es dann doch noch einige Jahre, bis sich mir die Gelegenheit bieten sollte, meine Suche zu beginnen.

Es war einfach immer zu viel zu tun! Da ich mich nun ganz alleine versorgen musste was mein Essen und meine Kleidung betraf und auch meine Rentiere an nichts Mangel haben sollten, waren meine Tage von Frühmorgens bis Spätabends ausgefüllt. Zudem musste ich die Hütte und den Schlitten in Schuss halten.

Nikolaus sah ich immer nur kurz vor den Weihnachtstagen. Er trat gewöhnlich einfach plötzlich hinter einem Baum hervor. Ich fragte nie danach, wie er das zu tun vermochte. Er war halt Nikolaus!

Die Elfen tauchten ebenfalls in unregelmäßigen Abständen einfach so auf, als wären sie direkt aus dem Nichts gekommen. Sie füllten meine Vorratskammer auf und brachten mir ab und an Pulver für die Herstellung der heißen Schokolade, die ich aber niemals selber anrührte um nicht wieder in den alten Trancezustand zu verfallen. Es schien ihnen aber auch egal zu sein, ob ich die Schokolade weiterhin trank oder nicht. Solange ich meine Arbeit erfüllte, war alles in Ordnung.

Den alten Stall und den Hügel der Elfen sah ich ebenfalls erst zwei Tage vor dem Heiligabend wieder, wenn ich den Schlitten dorthin flog, um die bunten Päckchen aufladen zu helfen, die sich bergeweise vor und im Stall stapelten.

Diese Zeit war eine unendlich erscheinende Plackerei und Nikolaus, die Elfen und ich schufteten verbissen um alle Pakete pünktlich ausliefern zu können.

Ich war jedes Mal wieder froh, wenn alles geschafft war und ich wieder zurück in meinen Wald fliegen konnte.

Die ungewohnte, harte Arbeit an der frischen Luft forderte mich anfänglich so sehr, dass ich, nach meinem Tagwerk, zu erschöpft war um noch irgend etwas anderes zu vollbringen, als todmüde in mein Bett zu fallen.

Doch im Laufe der Jahre wurde alles zur Routine, so das ich eines Tages, als ich genug Fleisch auf Vorrat getrocknet hatte und alle andere Arbeit des Tages erledigt war, den Rentieren ihre Heuportion früher als gewöhnlich vorlegte und sie im Anschluss vor den Schlitten spannte. Voller Hoffnung und aufgeregt wie ein kleines Kind schnalzte ich mit der Zunge und schon flogen wir dahin, über tief verschneite Baumwipfel, soweit das Auge reichte.

Mein Herz klopfte gespannt, würde ich meine Großmutter nun bald wieder sehen?

 

 

 

13.

 

 

„Und? Hast du sie denn gefunden?“ fragte Jessica neugierig.
“Nu warte doch ab, kommt schon alles noch, du neugierige Nase!“ grinste Ruprecht sie an.
“Also, weiter im Text!“ Er nahm einen kräftigen Schluck von seinem Apfelmost „Ahhh, das tut gut! Mein Hals ist schon ganz ausgetrocknet vom vielen Reden.“ Er räusperte sich einmal kräftig und erzählte weiter.
“Wir flogen also über die verschneite Landschaft. Nach über einer Stunde Flug sah diese leider noch immer genauso aus! Kein Haus oder sonstiges Anzeichen von Zivilisation in Sicht. Ich war in die entgegengesetzte Richtung geflogen, in der ich sonst immer zum Hügel der Elfen flog da ich fest damit gerechnet hatte, dort auf Behausungen zu stoßen. Aber auch nach einer weiteren Stunde Flug war davon nichts zu erkennen. Mittlerweile wurde es langsam dämmrig und ich entschied mich dafür umzukehren und an einem anderen Tag einen neuen Versuch zu starten.
Es verging denn wieder einige Zeit, bis ich Gelegenheit dazu bekam.
Diesmal flog ich in eine andere Himmelsrichtung, ebenso zwei Stunden lang ohne Erfolg.

Doch noch hatte ich die Hoffnung nicht aufgegeben! Es blieben mir ja noch zwei Richtungen und sollten diese auch ergebnislos bleiben, wollte ich versuchen in konzentrischen Kreisen um meine Hütte zu fliegen, stets den Radius vergrößernd, damit ich auch wirklich nicht die kleinste Behausung übersah.
Und eines Tages, nachdem erstere Versuche alle fehlgeschlagen waren und ich fast jedes Fünkchen Hoffnung verloren hatte, geschah es.
Ich war schon früh am morgen aufgebrochen, mit dem Vorsatz, dass dies nun aber wirklich der allerletzte Versuch sein würde meine Großmutter zu finden, da ich nervlich einfach nicht mehr in der Lage war weiter zu suchen und auch fällige Arbeiten sträflich vernachlässigt hatte. So flog ich nun schon seit Stunden in immer größer werdenden, exakt berechneten Kreisen. Es fing schon an dunkel zu werden und ich musste mir eingestehen, dass es zum Umkehren für die Nacht diesmal nicht mehr ausreichen würde und ich für meine armen Rentiere und mich einen relativ trockenen Unterschlupf finden musste. Diesmal müssten wir wohl ohne Abendbrot unter Tannen nächtigen. Doch viel schlimmer noch als die Aussicht auf Hunger und Kälte in der Nacht, war die Enttäuschung ob meines letzten vergeblichen Versuchs. Schon steuerte ich den Schlitten langsam Richtung einer kleinen Lichtung, als mir plötzlich auffiel, dass diese mir irgendwie vertraut erschien.
Ja, da stand doch eine windschiefe Hütte auf der kleinen Erhebung in Mitten des Hügels.

Mein Herz fing aufgeregt an gegen meine Rippen zu pochen.
Konnte es denn wirklich sein? Hatte ich tatsächlich meine alte Heimatstatt wieder gefunden?

Und was wäre wenn ja, aber meine Großmutter wäre längst tot und begraben?

Was würde ich tun, wäre die Hütte leer und verwaist?

Mit Einmal zögerte ich. Wollte ich das wirklich wissen?“

 

 

 

 

14.

 

 

„Na klar wolltest du das!“ rief Jessica aufgeregt. „Wie ging es weiter? Los erzähl schon!“
“Moment! Lass mich zuerst einmal nach unserem Haseneintopf schauen, der müsste bald fertig sein.“ Ruprecht stand stöhnend auf und hielt sich das Kreuz. „Oh Mann, ich wird echt bald zu alt für die harte Arbeit hier! Mein Rücken tut höllisch weh! Uhhhh! “Damit wandte er sich dem duftenden Eintopf über dem Feuer zu. Er nahm die große Schöpfkelle und probierte in vorsichtigen, kleinen Schlucken. „Hmmm-hmmm...schmeckt echt lecker! Ich mag es ja nicht ganz so arg doll gewürzt, aber falls du ein bisschen Würze darüber haben möchtest, dann hab ich noch meine spezielle Mischung. Er nahm ein Glas mit Kräutern vom Regal und stellte es vor Jessica auf den Tisch. Dann schöpfte er eine großzügige Portion Eintopf in zwei Suppenteller und kam damit vorsichtig balancierend zurück zum Tisch.
“Hier kommt unser Beider Arbeitslohn. Lass es dir schmecken!“

Ruprecht langte ordentlich zu. Jessica hatte kaum ihren ersten Löffel intus, als Ruprecht schon die letzen Tropfen Flüssigkeit zusammenschob und auch schon wieder unterwegs zum Suppentopf war.
“Mann oh Mann! Du kannst aber reinhauen! Nicht schlecht!“
“Und was ist mit dir? Schmeckt´s dir nicht? Oder isst du immer wie ein kleines Vögelchen?“ fragte Ruprecht zurück.
“Doch, doch!“ beeilte sich Jessica zu erwidern. „Ist nur ziemlich heiß, und ich kann nicht gut Heißes essen. Ich glaub ich probier mal was von deiner Kräutermischung die sieht interessant aus, was ist denn da so alles drin?“ Jessica schüttete eine kleine Menge der Würze auf ihren Eintopf. Sogleich strömte ihr ein würziger und noch nie gerochener Duft entgegen.

„Wow, das riecht ja gut!“ Sie rührte die Kräuter unter und probierte pustend. „Hmm! Lecker-lecker! Da nehm ich noch n bisschen was von!“ Sie streute nochmals ordentlich nach.

„Nu sag schon, was ist da alles drin?“ nuschelte sie mit vollem Mund.
Ruprecht, der mittlerweile schon mit seinem zweiten Teller Suppe fertig war, lehnte sich, zufrieden seinen mächtigen Bauch reibend, in seinem Stuhl zurück und sagte: „Na, so allerhand was hier in der Gegend wächst. Ich zeig dir Morgen die getrockneten Kräuter und Pilze, die darin enthalten sind. Die liegen in meinem Vorratsschuppen. Aber jetzt will ich dir erst mal erzählen wie es mit meiner Geschichte weitergeht. Ich fang nämlich langsam an müde zu werden und möchte wirklich nicht noch die ganze Nacht hier sitzen. Also, genieß deinen Eintopf und lausche meinen Worten!“ damit räusperte er sich und fuhr fort:

 

 

 

15.

 

 

„Also, ich ließ meine Rentiere direkt auf der Lichtung vor der kleinen Hütte landen.
Mir klopfte das Herz bis zum Hals vor lauter Aufregung! Ich strich mir mit meinen Fingern durch die Haare und klopfte mir die Schneeflocken vom Pelz. Immerhin wollte ich einigermaßen vernünftig aussehen, falls meine Großmutter tatsächlich noch lebte und mir gleich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen sollte.

Ich zählte noch bis drei und machte dann den ersten Schritt Richtung Tür, als diese schon aufgerissen wurde und eine alte Frau mit strubbliger Haarmähne und irrem Blick auf der Schwelle erschien. Sie hielt eine Flinte im Anschlag und zielte damit genau auf mein Gesicht.

„Wer sind sie und was wollen sie hier?“ keifte sie los und fuchtelte dabei wie wild mit der Flinte herum. Ich bekam langsam Angst, dass sich bei der ganzen Gefuchtelei ein Schuss lösen könnte und ich meiner Großmutter, denn ich hatte sie trotz ihres wild aussehenden Äußeren erkannt, nicht mehr sagen konnte, wer ich war.

„Halt, halt! Nicht schießen! Bitte! Ich bin´s! Ruprecht! Dein Enkelsohn! Erkennst du mich denn überhaupt nicht mehr Großmutter?“
“Wie? Was? Wer? Ruprecht? Das kann doch nicht sein! Oder doch? Komm ein bisschen näher, damit ich dich besser erkennen kann. Aber gaaanz langsam! Ich hab meine Flinte auf dich gerichtet! Und glaub mir, ich weiß damit umzugehen!“

Ich trat also langsam auf sie zu und da erkannte ich ein Widererkennen in ihren Augen.

Langsam ließ sie die Flinte sinken.

„Oh mein Gott! Kann es denn wirklich wahr sein? Ruprecht! Mein Ruprecht! Du bist es wirklich! Bist du groß geworden! Ein richtiger, erwachsener, starker Mann! Komm her! Komm zu deiner Großmutter! Ich muss dich in die Arme nehmen, sonst glaub ich nicht, dass das alles Wahr ist!“

Sie warf die Flinte in den Schnee und öffnete ihre Arme ganz weit.

Mein Herz machte einen Sprung und dann flog ich ihr entgegen und warf mich dieser kleinen, alten Frau an die Brust.

Sie umfing mich mit ihren Armen und ich hörte sie schluchzen.

„Oh Ruprecht! Was ist nur geschehen? Was? Wo warst du all diese Jahre? Ich habe dich so sehr vermisst!“

„Großmutter! Endlich hab ich dich gefunden! Du lebst und bist gesund! Ich bin ja so froh! So froh!“ rief ich und hob sie ein Stück in die Luft vor lauter Freude.

„Ruprecht, mein Junge! Lass mich runter! Was bist du doch groß und stark geworden!“ lachte sie.

Ich setzte sie vorsichtig wieder auf ihre eigenen Füße und blickte in dies lang vermisste und heiß ersehnte Gesicht hinab.

„Ich hab dir soviel zu erzählen Großmutter. Es ist so viel geschehen. Wo soll ich nur beginnen?“

„Komm erst mal mit rein mein Junge. Ich mach uns was gutes zu trinken und dann erzählst du mir alles.

Damit drehte sie sich um und trat in die Hütte.

Ich folgte ihr auf dem Fuße und trat mitten hinein in meine Kindheit. Es hatte sich nichts verändert. Alles sah noch genauso aus, als ob ich grade erst sechs Jahre alt und nur mal eben zum Holz sammeln raus gegangen wäre.

Ich musste schlucken, sonst wäre ich in Tränen ausgebrochen.

 

 

 

 

16.

 

 

Wir saßen bis spät in der Nacht vor dem Feuer, tranken heißen Kräutertee und erzählten uns unsere Geschichten.
Meine Großmutter hatte an dem schicksalhaften Tag, der unser Beider Leben verändert hatte, Stundenlang nach mir gesucht, aber ich war wie vom Erdboden verschluckt.

In den folgenden Wochen und Monaten wagte sie kaum die Hütte zu verlassen, in der Hoffnung, ich würde heimkehren. Sie wurde ernsthaft krank, der Husten so schlimm, dass sie glaubte sterben zu müssen. Nur die Hoffnung, dass ich eines Tages wieder auftauchen würde hielt sie am Leben.

Schließlich war ich ja noch ein kleiner Junge und ganz allein auf der Welt. Ich brauchte doch einen liebenden Menschen, der sich um mich kümmert, und wer könnte das besser als sie?

Also harrte sie aus und irgendwann ging es mit ihrer Gesundheit wieder bergauf. Sie fing an alles für meine Rückkehr vorzubereiten. Sammelte genug Holz, ging auf die Jagd und bestückte unsere Vorratshütte mit so viel Trockenfleisch wie sie nur konnte, schließlich sollte es mir an Nichts mangeln, wenn ich wieder Heim käme. Sie trocknete Kräuter, lagerte Pilze und alles was die Natur an Essbarem hergab ein.

Dann kam die Zeit, in der sie es nicht mehr aushielt zu Warten. Sie packte Proviant zusammen und machte sich auf die beschwerliche Suche nach mir, ihrem einzigen Enkelsohn.

Sie durchwanderte bekannte und unbekannte Regionen des Waldes. Aber ich war Nirgendwo und es gab auch keine Anzeichen, dass ich mich irgendwann einmal an einem bestimmten Ort aufgehalten hätte.

Im Laufe der Jahre wurden ihre Streifzüge immer weniger und eines Tages hörte sie ganz damit auf und beschränkte sich wieder auf das Warten zu Hause. Nach und nach schlich sich wieder die Routine ein und manchmal erwischte sie sich bei dem Gedanken, dass ihr Leben so eigentlich gar keinen Sinn mehr ergab. Aber irgendwo war da halt doch noch immer das kleine Fünkchen Hoffnung, das nicht erlischen wollte und ihr die Kraft gab weiter zu machen, durchzuhalten. Und nun war ich wieder da! So heiß ersehnt und doch unverhofft! Das Leben hatte wieder einen Sinn! Es war gut und richtig gewesen auszuharren!

Als ich ihr schließlich auch meinen Part der Geschichte erzählt hatte, lagen wir uns in den Armen und umklammerten einander fest. Nichts und Niemand sollte uns nun noch einmal von einander trennen können.

Sie war so erbost über das was mir angetan worden war, dass sie am Liebsten direkt losgezogen wäre und sich diesen Nikolaus einmal vorgenommen hätte.
Sie konnte sich gar nicht beruhigen. Erst als Mitternacht schon längst vorüber gegangen war, hatte ich sie soweit gebracht, dass sie sich hinlegte und in einen unruhigen Schlaf fiel.

Ich ging erst noch zu meinen armen Rentieren hinaus, die geduldig im Schnee auf mich gewartet hatten. Ich holte Karotten aus dem Vorratshaus und verfütterte sie an die braven Tiere. In Ermangelung eines Stalles schirrte ich sie los und führte sie unter die Tannen im nahen Wald. Dort standen sie trocken für die Nacht und konnten sich erholen. Sorgen das sie vielleicht weglaufen würden musste ich mir nicht machen, dafür kannte ich sie zu gut. Die Rentiere waren brave und treue Tiere.

Danach ging ich wieder in die Hütte und legte mich in mein altes Bett oben im Dachgeschoss.

Meine Beine hingen fast ganz über den Matratzenrand hinaus.

Mir wurde erst da so recht bewusst, wo ich war: Zu Hause! Am Ziel meiner langen Suche!

Glücklich und befreit schlief ich ein.

 

 

 

17.

 

 

 

Am nächsten Morgen wachte ich durch ungewohnte Geräusche auf.

Ein Klappern und Rascheln klangen zu mir in die Dachkammer hinauf.
Dazu ein herrlicher Geruch von Gebratenem und Kräutertee. Ich dehnte und streckte mich nach der ungewohnten Liegeposition in meinem alten, viel zu kleinen Kinderbett.

Voller Freude stand ich auf und lief die steile Bodentreppe hinab zu meiner Großmutter, die schon wie ein kleiner Wirbelwind am Herdfeuer die leckersten Dinge für uns zubereitete.

Ich nahm sie von hinten in meine Arme und drückte ihr einen Kuss auf ihren grauen, zerzausten Haarschopf.

Sie drehte sich lachend nach mir um und klopfte mir leicht mit dem Kochlöffel auf die Finger.

„Lass das, du siehst doch das ich grade koche, du Schlingel! Setzt dich an den Tisch, das Essen ist gleich fertig. Nimm dir schon mal von dem Tee und schenk mir auch einen Becher voll ein.“

„Morgen Großmutter. Ich muss erst noch nach den Rentieren sehen, dann können wir zusammen Frühstücken.“

„Ach ja, die hatte ich ganz vergessen! Herrjeh, hoffentlich haben sie die Nacht gut überstanden!“

„Ich war gestern Nacht noch bei ihnen und hab mich um sie gekümmert. Es ist doch in Ordnung, dass ich ihnen von deinen Karotten zu fressen gegeben habe, oder?“

„Aber natürlich! Geh nur und tu deine Pflicht. Die Tiere sollen keine Not leiden bei uns.“

Also ging ich hinaus und sah nach den Rentieren. Sie hatten die Nacht im Wald gut überstanden und kamen mir schon zur Fütterung entgegen.

Nachdem alle satt und zufrieden waren ging ich wieder in die Hütte.

Meine Großmutter hatte den Tisch schon mit allerhand Leckereien gedeckt, wie ich sie schon seid Jahren nicht mehr bekommen hatte. Mit herzhaftem Appetit langte ich zu. Meine Großmutter beobachtete mich mit vor Freude glänzenden Augen und nippte dabei an ihrem Tee.

Sie sah viel gesünder und jünger aus als gestern, ihre Wangen waren rosa und sie strahlte voller Energie.

Nach einer Weile ließ ich satt und zufrieden meine Hände auf den Tisch sinken, lehnte mich zurück und sagte: „Ohhh, das war echt gut! Ich bin ja so froh wieder bei dir zu sein! Fast kommt es mir so vor, als ob ich nie weg gewesen wäre!“

„Das ist schön mein Junge! Ich bin auch glücklich, dich wieder bei mir zu haben. Aber die schlimme Zeit ohne dich kann und will ich nicht vergessen! Wir müssen uns überlegen, wie es nun weiter gehen soll. Bleibst du jetzt für immer bei mir? Oder musst du wieder zurück?

Vielleicht kann ich ja mit dir zusammen dorthin?“

„Ich weiß nicht. Ich glaube nicht, dass Nikolaus das gutheißen würde. Alleine, dass ich einfach so losgezogen bin und nach dir gesucht habe, dürfte ihm nicht gefallen. Wir müssen das geheim halten. Ich kann dich ja jetzt immer besuchen kommen wann ich will. Solange ich meine mir aufgetragenen Pflichten nicht vernachlässige, wird er nichts davon merken. Ich kann allerdings nur ein, maximal zwei Tage am Stück bei dir bleiben, ansonsten schaffe ich meine Arbeiten nicht. Und bei Nikolaus gibt es keinen Ungehorsam, das hat er mir gleich am ersten Tag gesagt, denn sonst schickt er mich in die Kälte und lässt mich dort erfrieren. Ich bin allein nur durch die Rentiere in der Lage zu dir zu kommen. Tut mir leid.“ Ich streichelte über ihre Hände.

Sie griff nach den Meinen und hielt sie fest umklammert.
“Ruprecht, das dürfen wir uns nicht gefallen lassen! Wir sind freie Menschen! Was dieser Nikolaus getan hat ist unrecht! Wir müssen ihn dafür bestrafen und du musst deine Freiheit wieder bekommen! Ich lass mich nicht mehr von dir fern halten. Wir gehören doch zusammen! Wir sind eine Familie!“
“Ja, aber, wie soll das gehen Großmutter? Nikolaus hat Kräfte die über das menschliche hinaus gehen. Er befehligt eine Armee aus Elfen und er würde mich niemals gehen lassen. Er braucht mich für die Pflege der Rentiere und des Schlittens. Außerdem muss ich ihm vor Weihnachten noch beim Verladen der Geschenke helfen. Es ist aussichtslos!“ Traurig ließ ich den Kopf hängen.

„Dann müssen wir uns halt etwas einfallen lassen, wie wir ihn dazu bekommen dich gehen zu lassen! Jetzt habe ich so lange auf dich gewartet, da bin ich auch noch dazu bereit die Zeit abzuwarten, die wir dafür brauchen deine Freiheit zu erstreiten! Wir brauchen einen guten Plan, dann schaffen wir das schon! Gemeinsam kann uns nichts und niemand aufhalten!“ Kämpferisch hieb sie mit der Faust auf den Tisch.

 

 

 

18.

 

 

 

„Na, da is ja wohl nich all zu viel draus geworden aus eurem Plan, was? Sonst säßt du ja wohl kaum noch hier in dieser ollen Hütte rum!“ feixte Jessica und stand auf um sich noch einen Nachschlag von dem leckeren Eintopf zu nehmen.

„Du musst mir unbedingt das Rezept von diesem Eintopf und der Gewürzmischung verraten, Ruprecht. Das ist so genial lecker!“ sie pustete auf ihren vollen Löffel und nahm ihn vorsichtig in den Mund. „Wenn das Zeug nur nicht so heiß wäre! Hatte ich schon erwähnt, dass ich Heißes nicht gut essen kann? Naja, dafür hab ich halt um so länger was davon, ne!“

„Dann iss jetzt mal schön weiter und unterbrich mich nicht andauernd, du bringst mich sonst noch ganz aus dem Konzept!“ erwiderte Ruprecht und trank noch einen Schluck seines Apfelmostes.

„Also, wo war ich stehen geblieben?“

„Na, du weißt schon.....ihr hattet einen Plan, oder so.“

„Ach so, ja, stimmt! Der Plan....na ja, das war gar nicht so einfach.....

Zuerst einmal wollte meine Großmutter das ich ihr alles erzählte, was ich von Nikolaus, den Elfen und dem Standort der „Weihnachtszentrale“, so nannten wir nun den Ort an dem die Geschenke hergestellt wurden und wo die Elfen wohnten, wusste.

Dann sollte ich ihr zeigen, wo ich wohnte und wie das mit den Rentieren und dem Schlitten funktionierte.

Also flog ich mit ihr zu meiner Hütte und zeigte ihr mein Heim der letzten Jahre.

Ich hatte furchtbare Angst, dass einer der Elfen vielleicht auf einen der seltenen Besuche zum Nahrungsmittelvorrat auffüllen vorbeikäme, oder gar Nikolaus, und meine Großmutter entdecken könnte.

Aber sie war so enthusiastisch, so euphorisch darüber ihren Enkelsohn wieder für sich zu haben, dass sie alle Bedenken sofort vom Tisch wischte und sich mit Feuereifer daran machte einen Plan nach dem Nächsten zu entwerfen.

Die Rentiere hatte sie direkt in ihr Herz geschlossen und half mir fortan mit deren Pflege.

Wenn ich im Wald auf der Jagd war oder Holz für die Reparaturen an der Hütte oder dem Schlitten schlug, kochte sie für uns das Abendessen, so das wir später noch Zeit zum Besprechen unserer Pläne hatten.

Ich schlief nun wieder bei meinen Rentieren im Stall und meine Großmutter in meinem Bett in der Hütte.

Wir tüftelten einen Plan aus, in dem wir das Auftauchen der Elfen verzeichneten. Denn wie meine Großmutter feststellte, kamen diese gar nicht so unregelmäßig wie ich immer geglaubt hatte. So konnten wir die Tage berechnen, in denen sich meine Großmutter im Wald versteckt halten musste, damit die Elfen sie nicht entdeckten.

Ebenso verhielt es sich mit den Tagen, an denen Nikolaus bei mir auftauchte. Was noch seltener vorkam als die Visite der Elfen..

Ich hatte jedes Mal furchtbare Angst, dass man uns auf die Schliche kommen würde, aber nichts passierte. Alles lief so ab wie Eh und Jeh.

Als die Zeit der Weihnachtvorbereitungen begann und ich den Schlitten wieder zur Zentrale fliegen musste, hatten wir immer noch keine Idee, wie wir uns an Nikolaus rächen könnten.

So ließ ich meine Großmutter mit hängenden Schultern und schlechtem Gewissen allein in meiner Hütte zurück, denn ich konnte sie ja schlecht mit zur Weihnachtszentrale nehmen.

Dort angekommen musste ich feststellen, dass der Berg der Geschenke noch einmal mehr gewachsen, die Elfen noch grimmiger und Nikolaus noch gestresster war als im Jahr zuvor.

Alle wirbelten hektisch herum und versuchten so viel Arbeit wie möglich zu schaffen.

Eines Abends hörte ich zwei Elfen miteinander flüstern. Mittlerweile beherrschte ich ihr Sprache schon gut genug um alles leidlich zu verstehen.

„Es wird jedes Jahr schlimmer! Kaum noch auszuhalten hier. Wenn der Boss nicht so viel Macht hätte uns alle zu vernichten wäre ich schon über alle Berge! Was war das doch früher ein schöner Job. Der Boss hat gut für uns gesorgt und wir hatten so viel Spaß am Herstellen der Geschenke für die Kinder. Wie gern hab ich Kreisel gedrechselt oder Nussknacker geschnitzt.“

„Ach ja, die Zeit der Holzspielzeuge! War das schön! Und wie Nikolaus Augen geleuchtet haben, wenn er von der Bescherung wieder zurück kam. Wie haben sich die Kinder damals noch gefreut. Heute können diese Blagen den Hals nicht mehr voll genug bekommen und es muss immer mehr unnötiger Schnickschnak aus Plastik und Elektronik sein. Wir schwitzen uns hier einen ab in der Schmelzerei, damit Die nach ein paar Tagen den ganzen Kram in die Ecke feuern und wieder nach der neuesten Erfindung schreien. Es ist zum Heulen!“

„Ja, da hast du Recht! Und Nikolaus ist von einem liebevollen, fürsorglichen Boss zu einem gestressten und agressieven Herrscher mutiert. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass er in Rente geht! Jemand Anderes muss seinen Mantel tragen, jemand der sich nicht von der kleinen Bagage scheuchen lässt, jemand der endlich mal auf den Tisch haut! So geht das einfach nicht mehr weiter!“

„Pst! Leise! Lass das bloß niemanden hören! Sonst sitzen wir Zwei ganz schnell auf nem Schneehügel und frieren uns die Zehen ab! Komm, lass uns weiter machen, wir bekommen Ärger wenn uns einer hier rumstehen sieht!“

Die Beiden gingen wieder an ihre Arbeit und auch ich musste sehen, dass ich weiter machte.

 

 

 

 

19.

 

 

 

Als ich nach den Feiertagen wieder zurück in meiner Hütte war, erzählte ich meiner Großmutter von allem was ich erlebt und gehört hatte.

Als ich ihr von dem Gespräch der beiden Elfen erzählte, lauschte sie auf und sagte zu mir.

„Moment! Was haben die da über diesen Mantel von Nikolaus gesagt?“

„Na, dass es Zeit wäre, dass ihn endlich jemand Anderes trägt, oder so.“ erwiderte ich.

„Und was haben die wohl damit gemeint?“ fragte sie mich herausfordernd.

Ich kratzte mir den Kopf und sah sie schulterzuckend an. „Ich weiß auch nicht. Meinst du, das hat irgendetwas zu bedeuten?“

„Also, für mich hört sich das so an, als ob der Jenige, der den Mantel anzieht, der nächste Nikolaus ist.“ Sie sah mich mit schräg gelegtem Kopf und zusammengekniffenen Augen grübelnd an.

„Vielleicht berührt Nikolaus Macht auf diesem Mantel. Und wenn man es irgendwie schafft, ihm diesen weg zu nehmen, ihn selber anzuziehen, dann ist man selbst derjenige der die Macht hat. Dann kann man die Elfen beherrschen, den Menschen Dinge zuflüstern, die diese dann auch glauben und immer bei sich behalten, man kann dort auftauchen wo man will und wann man will. Man kann sich nehmen was man will und keiner kann einen dafür zur Rechenschaft ziehen. Man hat die absolute Freiheit so zu leben wie man will!“

Ich sah sie verblüfft an. Auf so einen Gedanken wär ich selber gar nicht gekommen.

„Großmutter, du bist genial!“ Ich wirbelte sie vor Freude durch die Luft.

Lachend rief sie „Oh, lass mich wieder runter du verrückter Kerl!“

Ich stellte sie vorsichtig auf die Beine. Sie strich sich ihre Kleidung glatt und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.

„Aber wie sollen wir es schaffen, Nikolaus diesen Mantel abzunehmen? Hast du schon einmal gesehen, dass er ihn ausgezogen hat?“

Ich schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, aber ich hab auch noch nicht gesehen, wo er schläft oder ob er überhaupt schläft. Er verschwindet halt irgendwann einfach im Elfenhügel und taucht irgendwann auch wieder auf. Ich war ja noch nie da drin. Die Elfen bewachen alles zu gut.“

„Hmm, was macht er denn sonst noch so in der Zeit, in der du ihn zu Gesicht bekommst?“

„Naja, er beaufsichtigt das Beladen des Schlittens und fasst auch selber mit an. Ansonsten, ich weiß nicht...“

„Na, macht er denn nie Pause? Er kann doch nicht von Morgens bis Abends durchackern, oder? Vielleicht macht der Mantel ja auch, dass er keine Pausen braucht und nicht Essen und Trinken muss.“

„Doch, doch! Er macht Pausen! Wenn wir uns zum Essen hinsetzten, dann isst er auch immer mit und auf seine heiße Schokolade am Feierabend würde er nie verzichten. Die Elfen sind aber auch wirklich tolle Köche.“

„Meinst du mit dieser heißen Schokolade das Zeug, von dem du mir erzählt hast, dass dich so gleichgültig und gefügig gemacht hat?“ fragte meine Großmutter aufgeregt.

„Ja, ehhh, ich meine Nein! Also, ich glaube nicht, dass es bei ihm genauso wirkt. Er ist doch Nikolaus, er braucht ja nichts dass ihn gefügig macht. Er ist ja Derjenige der alle beherrscht. Aber die Schokolade sah trotzdem so aus wie die die ich auch zu Trinken bekommen habe. Vielleicht war in meiner noch ein geheimes Extra drin.“

„Aha!“ aufgeregt und mit erhobenem Zeigefinger lief meine Großmutter vor mir auf uns ab.

„Ich weiß was wir machen müssen! Wir müssen in Erfahrung bringen, was für eine extra Zutat in deiner Schokolade war! Wenn wir das herausbekommen können, dann könntest du diese Substanz in Nikolaus Schokolade geben und wenn er sie getrunken hätte, dann könntest du ihn dazu bringen seinen Mantel auszuziehen. Dann könntest du ihn selber anlegen und dann hättest du all die Macht, die bis jetzt noch Nikolaus hat. Dann könnten wir uns an ihm rächen für das was er uns angetan hat!“ Sie schnippte mit dem Finger. „Das ist es! Das machen wir!“

Ich sah sie mit offenem Mund an. „Ja, aber....wie willst du denn an das Rezept kommen? Er wird es uns ja wohl nicht freiwillig geben!“

„Na, ich glaube nicht, dass wir Nikolaus danach fragen müssen!“ antwortete sie.

„Ach, nicht? Wen denn?“

„Na, die Elfen, du Torfnase!“ lachte sie auf „Die sind es doch, die ihm die Schokolade bringen und die das Essen kochen. Und du hast mir erzählt, dass sie dir auch die Schokolade gebracht haben. Es sogar immer noch tun. Auch wenn du sie gar nicht mehr trinkst. Da haben die Guten halt n bisschen geschlampt und nicht aufgepasst, dass du sie auch brav weiter trinkst. Wenn Nikolaus das spitz kriegt, dann gibt´s sicher ordentlich Ärger für die kleinen Wichte. Also müssen wir irgendwie an die Elfen ran. Du hast doch gesagt, dass sie so unzufrieden mit Nikolaus sind, vielleicht kann man da ja was zu unseren Gunsten deichseln.

Lass mich darüber nachdenken. Da fällt mir bestimmt was ein!“

Und tatsächlich, ihr ist etwas Geniales eingefallen!

 

 

 

 

20.

 

 

„Na, nu sag schon! Was war das denn so Geniales was deiner Oma eingefallen ist?“ Jessica beugte sich neugierig nach Vorne.

Dabei entfuhr ihr ein ordentlicher Rülpser. „Ups! Verzeihung!“ Sie hielt sich die Hand vor den Mund.

„Na, das war aber nicht gerade Lady like, was?“ grinste Ruprecht sie an.

„Naja, mir hat´s halt geschmeckt! Uhhhahhh! Ich glaub, ich bin n bisschen müde. Is aber auch so richtig muckelig gemütlich hier bei dir. Is die Geschichte mit deiner Oma noch sehr lang? Ich glaub nicht, dass ich noch lange wach bleiben kann.“ Jessica gähnte noch einmal herzhaft.

„Nun, ein kleines bisschen musst du noch durchhalten. Aber lass mich weiter erzählen, dann hast du´s erst mal hinter dir und kannst dich ne Runde auf´s Ohr hauen, ok?“

„Okidoki, dann erzähl mal von dem genialen Plan deiner Oma.“

„Ja, meine Oma, wie du sie nennst, ist schon eine kluge Frau!“ Ruprecht nickte bestätigend mit seinem Kopf.

„Wir überlegten uns, bei der nächst besten Gelegenheit, also wenn einer der Elfen mal wieder auf Stippvisite bei mir vorbei käme, uns eben diesen zu schnappen und ihm einen Vorschlag zu unterbreiten.
Also hieß es erst einmal abwarten und Tee trinken, oder so. Wir legten uns schon mal die passenden Worte zurecht und hofften darauf, dass wir die Situation der Elfen richtig einschätzten. Das sie es satt hatten sich für Nikolaus und diese dummen Blagen kaputt zu schuften. Und das bis in alle Ewigkeit! Denn wann sollte damit einmal Schluss sein?

Und es wurde ja auch von Jahr zu Jahr immer schlimmer!

Und was soll ich dir sagen, wir hatten auch noch richtig Dussel mit dem Elf, den wir dann erwischten!

Es war nämlich gerade einer von denen, die ich bei ihrem Gespräch heimlich belauscht hatte.

Der Elf kam mit seinem Vorrat an Gemüse, Kräutern und Schokoladengetränkpulver um die Ecke meines Schuppens und wollte mir den Sack wie immer wortlos überreichen.

Meine Großmutter hielt sich in der Zeit erst einmal noch im Wald versteckt.

Wir wollten den kleinen Wicht ja nicht direkt verschrecken oder in Alarmbereitschaft versetzen!

Ich nahm also zuerst ganz normal den Sack entgegen, doch als der Elf sich schon abwenden wollte, hielt ich ihn vorsichtig am Arm zurück und sprach ihn in seiner Sprache an.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie verdutzt sein Gesicht ausgesehen hat!

Damit hatte er nun überhaupt nicht gerechnet! Ich war bei den Elfen bis dato in keiner Weise als Person angesehen worden, halt nur als der Rentierpfleger und Packhelfer.

Sprich niemand der irgendwas zu sagen hat, und schon gar nicht in ihrer Sprache!

„Entschuldige, darf ich einen Moment mit dir sprechen?“

„Waaa.....ähhh.....ja. Ehm....was willst du denn von mir?“ fragte mich der verdutzte Elf.

„Komm doch mit in meine Hütte, da ist es warm und gemütlich. Ich mach uns einen Kräutertee und du kannst dich einen Moment von deiner harten Arbeit ausruhen.“ Sagte ich freundlich lächelnd und schon ihn sanft Richtung Haustüre.

Der kleine Kerl ließ sich widerstandlos von mir ins Innere der Hütte bugsieren und auf einen Stuhl am Tisch niederdrücken.

Ich stellte zwei Tassen duftenden Kräutertee, den ich mit Honig gesüßt hatte, auf den Tisch , setzte mich dem Elf gegenüber und schob ihm eine der Tassen vor die Nase.

Was sprichwörtlich gemeint ist, da er so klein war, dass er mit der Nase auf Tischplattenhöhe war.

„Oh, entschuldige bitte, ich hab da noch was für dich, Moment!“ Ich stand noch einmal auf und holte mein Kopfkissen aus meiner Schlafkoje und hielt es ihm hin.

„Da bitte, leg das auf deinen Stuhl, dann sitzt du höher und wir können uns von Angesicht zu Angesicht unterhalten, wie es sich für zwei Gleichgestellte gehört.“

In dem Moment, als ich das zu ihm sagte, sah ich wie ein Leuchten über sein Gesicht huschte.

Er nahm das Kissen, legte es auf den Stuhl und kletterte darauf. Seine Haltung wurde kerzengrade, er umfasste mit seinen beiden, kleinen Händen die Teetasse, schnüffelte vorsichtig daran, nahm einen kleinen Schluck und schloss kurz genüsslich seine Augen.

Als er sie wieder öffnete, hatte sein Gesicht einen zufriedenen, entspannten Ausdruck angenommen.

„Also, um was geht es? Was willst du von mir wissen?“ fragte er mich und dann tat er etwas, was ich noch nie zuvor bei einem Elfen gesehen hatte.

Er lächelte mich an!

 

 

 

21.

 

 

Ich lächelte überrascht zurück, trank ebenfalls einen Schluck von meinem Tee, räusperte mich kurz und unterbreitete ihm mein Angebot.

Ich sagte „Zuerst einmal, mein Freund, möchte ich dich fragen, wie dein Name ist. Meinen kennst du ja sicher schon, oder?“

„Natürlich, du bist Ruprecht, der Rentierpfleger! Ich heiße Jakob und bin ein Elf aus der Station für die Plastikgehäuse Herstellung im Spielwarenlager 36, viertes Untergeschoss rechts.“ Kam es wie aus der Pistole geschossen.

„Halt, halt, dein Name ist mir schon genug. Du brauchst mir doch nicht zu erklären in welcher Abteilung du arbeiten musst. Du bist hier als Person mein Gast und nicht als Arbeitself.“ Erwiderte ich.

„Als Person, dein Gast....oh, ich....“ stotterte er, völlig aus dem Konzept gebracht.

„Ich war noch nie bei jemandem als Gast!“

„Na, dann wurde es aber mal höchste Zeit dafür! Also entspann dich und hör mir zu, ok!“

„Ok!“ erwartungsvoll sah mir der Elf in die Augen.

„Also, mir ist aufgefallen, dass ihr in den letzten Jahren immer mehr Arbeit aufgehalst bekommen habt, und das Nikolaus euch behandelt, als ob ihr nur Maschinen wärt, die zu funktionieren haben. Ich habe ihn noch nie einen von euch beim Namen nennen hören, geschweige denn, dass er euren Fleiß und die gute Arbeit loben würde. Stimmt doch, oder?“ Fragte ich.

„Ja, das ist wohl wahr.“ Seufzte der Elf „Aber was soll man da machen, er ist halt der Boss. Und du weißt ja was passiert wenn man ihm nicht gehorcht, nicht? Ich sage nur, ab in die Kälte.“

„Ja, ja, ich weiß, ich weiß! Die ominöse Bestrafung, die ich ihn aber noch nie habe ausführen sehen, du etwa?“

„Ehm, nein, ich auch noch nicht. Aber ich glaube ihm, dass er dazu fähig ist uns zu bestrafen, er ist doch Nikolaus, und wir müssen ihm gehorchen. Wir sind an sein Wort gebunden.“

„Wie meinst du das? Gebunden? Was wäre denn, wenn jemand euch von Nikolaus entbinden würde? Wenn ihr die Freiheit bekämt zu machen was ihr wollt. Nicht nur für Nikolaus und diese verzogenen Blagen zu schuften, sonder euch etwas Eigenes zu schaffen. Nur für euch. Und Niemand könnte euch befehlen etwas gegen euren Willen zu tun?“

Ich beugte mich verschwörerisch über den Tisch zu ihm hinüber.

Verdutzt riss er die Augen auf und legte seine Stirn in Falten.

„Was Eigenes, nur für uns Elfen? Das hat es ja noch nie gegeben! Wir sind doch dafür geschaffen worden, Nikolaus zu dienen, wir müssen seinem Wort gehorchen. Wie sollte sich das jemals ändern lassen?“

„Na ja....ich muss gestehen, ich habe letztens, bei den Weihnachtsvorbereitungen, ein Gespräch zwischen dir und deinem Freund belauscht. Allerdings völlig unbeabsichtigt! Wirklich!“ Ich breitete die Hände abwehrend vor mir aus.

„Ist schon in Ordnung, erzähl weiter!“ winkte der Elf ab.

„Ok, also, ihr sagtet in eurem Gespräch, es wäre an der Zeit, dass jemand Anderes den Mantel von Nikolaus anziehen sollte, da Nikolaus die ganze Arbeit und den Stress nicht mehr verkraftet und er kaum noch zu ertragen wäre.

Meint ihr vielleicht damit, dass da einfach jemand kommen kann, Nikolaus den Mantel abnimmt und ihn selber anzieht und damit seine Macht übernehmen kann?“

Der Elf grinste mich an. „ Im Prinzip ist das richtig! In den letzten Jahrhunderten ist dies auch schon öfter geschehen. Allerdings nimmt niemand Nikolaus seinen Mantel einfach so ab. Er muss ihn schon freiwillig abgeben. Das geschieht normaler Weise dann, wenn der amtierende Nikolaus zu alt und müde geworden und seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen ist. Dann sucht er sich einen geeigneten Nachfolger aus, erklärt ihm alle seine zukünftigen Aufgaben und überreicht ihm am Schluss seinen Mantel. Damit überträgt der alte Nikolaus seine Macht auf den Neuen und wird wieder zu einem einfachen Menschen. Er kann dann seine letzten Lebensjahre als alter Mann in Ruhe und Frieden unerkannt unter den Menschen verbringen.

Außerdem verliert er alle Erinnerung an sein Dasein als Nikolaus.

Der Neue übernimmt dann alle Aufgaben und auch die Herrschaft über uns, seine Elfen, die vom aller ersten Nikolaus geschaffen worden sind um ihm stets treu zu dienen.

Unser jetziger Nikolaus lebt nun schon über drei Menschlebenspannen hinaus und so wie es aussieht, hat er noch keine Lust den Mantel weiter zu reichen, da er weiß, wenn er dies tut, ist seine Restlebenszeit begrenzt. Und er scheint außerdem noch darauf zu hoffen, dass die Menschen sich bald eines Besseren besinnen und wieder zu den alten Idealen und Werten zurückkehren. Sprich Familie, Rücksicht und Frieden wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Denn in dieser hektischen und raffgierigen Zeit, möchte er nicht seine letzten Jahre als Rentner verbringen müssen.

Schlimmsten Falls in einem dieser schrecklich Altenheime landen um da langsam vor sich hin zu vegetieren bis ihn endlich der Tod von seinem Elend erlöst.

Daher werden wir wohl noch lange, wenn nicht sogar ewig warten müssen, bis wir einen neuen Nikolaus bekommen, der mal ordentlich auf den Tisch haut und den verzogenen Blagen sagt wo´s lang geht!“

 

 

 

 

22.

 

„Kannst du mir genau erklären, welche Macht Nikolaus Mantel einem verleiht, Jakob?“

Bewusst nannte ich den Elf bei seinem Namen, denn ich sah genau, wie sehr ihn das freute.

Endlich wurde er einmal als eigene Persönlichkeit angesehen und war nicht einfach nur ein unbeachteter Elf unter Vielen. Er fühlte sich so sehr in seinem Ego geschmeichelt, dass er einfach weiter sprach.

„Natürlich kann ich das! Ich bin ja quasi ein Nikolausexperte! Immerhin kenne ich jeden Nikolaus den es je gab und den Mantel sowieso!“ Sagte er hochnäsig.

„Die Macht des Mantels beruht natürlich darauf, dass er seinen Träger in die Lage versetzt über all dort auftauchen zu können wo und wann er will. Er kann grade noch irgendwo in einer Hütte in Timbuktu sein und im nächsten Augenblick durch die Tür einer Villa in Florida treten. Genauso kann er seine Rentiere und den Schlitten überall dort mit hinnehmen wo es ihm beliebt. Damit er alle Geschenke überall auf der Welt rechtzeitig abliefern kann. Zeitlich wäre das allerdings immer noch ein Problem, da heutzutage viel mehr Länder Weihnachten feiern als früher. Aber Gott sei Dank liegen ja nicht alle in der gleichen Zeitzone und die Bescherung ist ja auch nicht bei allen am gleichen Tag. Aber es ist schon ziemlich viel geworden.

Außerdem sorgt der Mantel dafür, dass Nikolaus den Menschen Dinge ins Ohr flüstern kann, die diese nie wieder vergessen. Leider fehlt ihm bei der ganzen Hetzerei der Geschenkeverteilung die Muße dafür. So das er die Weihnachtsbotschaft von Liebe und Frieden kaum noch weiter geben kann. Dabei war ihm das früher das Liebste.

Manchmal hab ich den Eindruck, er hat die Botschaft schon selber vergessen.

Der Sinn der Weihnacht dreht sich ja nur noch um Geschenke und kriegen, kriegen, haben wollen. Jeder ist sich nur noch selbst der Nächste. Sogar die ganz Kleinen gieren immer nur nach mehr. Kaum auszuhalten das Ganze!“

Frustriert nippte der Elf an seinem Kräutertee.

„Oh je, das hört sich wirklich nicht gut an! Aber ich glaube, ich weiß wie man das Ändern könnte.“ Behauptete ich.

„Ach ja? Und wie? Lass hören!“

„Wenn ich den Mantel von Nikolaus übertragen bekäme, dann könnte ich alles ändern!“ behauptete ich einfach so.

„Du? Wie soll das geschehen? Nikolaus würde dir den Mantel niemals übergeben. Du bist doch nur der Rentierpfleger! Und wie gesagt, er will auch noch gar nicht!“

„Naja, ich bräuchte schon eure Hilfe dazu.“ Sagte ich.

„Aha, und wie sollte die wohl aussehen, und was hätten die Elfen dann davon? Was würdest du denn ändern können?“

„Nun, ihr bringt mir doch immer das Pulver für die heisse Schokolade. Ich weiß, dass da etwas drin enthalten sein muss, dass mich dazu gebracht hat meine Vergangenheit zu vergessen und Nikolaus immer treue Dienste zu leisten. Denn schließlich bin ich einmal in Freiheit geboren worden, hatte eine Großmutter die mich liebte und einen eigenen Willen. Ich bin nicht wie ihr zum Dienen erschaffen worden, sondern für ein selbstbestimmtes Leben.

Und hätte ich nicht irgendwann einen Ekel gegen das süße Zeug bekommen, würde ich immer noch ohne Murren meinen Frondienst für Nikolaus leisten. Aber ich habe mich davon befreit und ich habe meine Großmutter wieder gefunden! Ich habe wieder erfahren dürfen, wie es ist geliebt zu werden und das ist einfach unbeschreiblich! Ich glaube Nikolaus weiß gar nicht mehr wie das ist zu lieben, er ist zu einer Maschine mutiert, die nur noch das liefert, was von ihr erwartet wird. Er kann die Weihnachtsbotschaft gar nicht mehr in die Welt hinaus tragen. Er hat es ja sogar geschafft, das ihr, seine treuen Elfen, unglücklich und unzufrieden geworden seid. Das ist doch kein Zustand! Wenn ihr mir die geheime Zutat in der heißen Schokolade verratet, dann könnte Nikolaus nächster Gutenachttrunk damit versetzt werden und dann könnte ich ihm sagen, dass er mir seinen Mantel überträgt. Ich würde Nikolaus einen schönen Altersruhesitz zum Beispiel in Thailand zukommen lassen, wo es ihm an nichts Mangeln würde und er in Ruhe und Frieden bis zu seinem natürlichen Ende leben könnte.

Dann würde ich die ganze Sache mit der Geschenkeverteilerei ändern. Ich würde nur noch den Kleinsten, die noch unschuldig und unbeeinflusst vom Kommerz sind, Geschenke bringen.

Ihr könntet wieder einfallsreiche und pädagogisch wertvolle Holzspielsachen herstellen. So wie in alten Zeiten. Kreisel und Murmelbahnen, Eisenbahnen und Nussknacker, was das Kinderherz schon seid jeher begehrte und an dessen Herstellung ihr auch Freude habt.

Denn nur solch Spielzeug, das mit Freude und Liebe hergestellt wurde, kann auch wirkliche Freude und Liebe bescheren. Solch Spielzeug wird nicht schon zwei Tage später achtlos in der Ecke liegen gelassen, sondern ein ganzes Kinderleben lang geliebt.

Die Kinder, die nicht mehr an den Nikolaus glauben, die nur noch das neueste und hippste Spielzeug haben wollen, die sollen zusehen, woher sie dies bekommen, sollen sie doch ihr Eltern fragen. Wir sind dann nicht mehr dafür zuständig!

 

 

 

23.

 

 

Außerdem könnten wir dann mit unserer neu gewonnenen Freizeit, denn ihr werdet sehen, das Arbeitspensum wird um ein Vielfaches zurückgehen, eine neue Weihnachtszentrale bauen, in der für jeden Elf nach seiner individuellen Veranlagung ein Bereich geschaffen wird, an dem er sich wohl fühlen und eventuell auch arbeiten kann. Denn auch Elfen sind Wesen mit Bedürfnissen und Gefühlen! Und als euer neuer Nikolaus will ich diese auch berücksichtigen.

Denn das Wohlbefinden meiner Mitarbeiter liegt mir sehr am Herzen! So wie es eigentlich auch selbstverständlich sein sollte!“

Dem Elf stand vor Staunen der Mund offen.

„Wir sind Mitarbeiter? Ich, ich weiß gar nicht was ich sagen soll! Natürlich haben wir auch Bedürfnisse, aber niemals hätte ich zu hoffen gewagt, dass wir irgendwann einmal als Individuen angesehen werden und wir sogar eigenen Freiraum zugesprochen bekämen!

Willst du das wirklich für uns tun?“

„Aber natürlich! Ich verspreche es euch! Und damit du siehst, dass ich nicht gelogen habe, dass ich meine Großmutter wieder gefunden und ihre Liebe zu mir neu gespürt habe, hier ist sie....meine Großmutter, die liebevollste Frau die es je gegeben hat. Komm rein Großmutter!“

Die Tür öffnete sich und meine Großmutter trat wie vereinbart ein.

Ihr Gesicht war rosig vom kühlen Wind und sie hatte die Haare zu einem lockeren Dutt gesteckt an dessen Seiten sich kleine Löckchen herauskringelten. Sie hatte ein derbes aber fröhlich buntes Bauernkleid mit roter Schürze an und eine Stola um die Schultern gelegt.

Seid wir wieder vereint waren, hatte sie ordentlich zugenommen und strahlte eine Energie und Lebensfreude aus, die schon fast zu greifen war.

Sie trat auf den Elf zu, machte vor ihm einen kleinen, ergebenen Knicks, streckte eine ihrer Hände aus und sagte „Oh, Herr Elf, es ist mir eine Ehre euch kennen zu lernen. Ruprecht hat mir schon so viel von den Elfen erzählt. Und was ihr für Künstler im Spielzeugherstellen und Meister in der Zubereitung von Speisen seid. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich euch demnächst in der Küche unterstützen könnte, denn eine meiner Leidenschaften ist das Kochen. Und wie viel Freude würde es mir machen auch euch Elfen einmal bekochen zu können. Meint ihr, dies wäre eines Tages möglich?“ Damit lächelte sie ihr süßestes Lächeln und nahm seine Hand.

Der Elf wäre fast vom Stuhl gefallen, so überwältigt war er von meiner Großmutter.

Ich musste mir ein Lachen verkneifen, sonst hätte er noch gemerkt, dass wir Beide ordentlich dick auftrugen um ihn zu überzeugen uns zu helfen.

„Danke, vielen Dank gute Frau!“ Stotterte er.

„Ach, nenn mich doch bitte Großmutter, denn ich würde gerne auch eure Großmutter sein. Wir könnten alle zusammen eine richtige Familie sein, die Weihnachtsfamilie! Wie klingt das für dich?“

„Ja,ja....das klingt gut! Sehr gut sogar! Eine Familie, wie wunderbar! Oh! Ich muss ganz schnell wieder zurück zur „Weihnachtszentrale“, wie ihr es so treffend nennt und allen erzählen, was ihr mir gesagt habt. Wie werden sie sich freuen! Endlich wird sich etwas ändern! Aber mit so was werden sie niemals rechnen! Ich kann es selbst kaum fassen! Eine Familie! Und wir bekommen sogar eine echte Großmutter!! So was haben sonst nur die Menschen und nun sollen wir Elfen auch eine Großmutter bekommen. Oh,oh....ich muß schnell los und es allen erzählen!“ Jakob sprang voller Übermut von seinem Stuhl und hüpfte aufgeregt von einem Bein auf´s Nächste.

„Nun, meine Freund! Das freut mich, dass du unseren Vorschlag gutheißt. Lauf nur schnell zu den anderen Elfen und erzähl ihnen alles. Dann vergiss aber nicht, uns Bescheid zu sagen, wann es soweit ist, dass Nikolaus seine besondere Schokolade bekommt, damit ich rechtzeitig da bin und er mir seinen Mantel übertragen kann. Es soll ja alles einen guten Ausgang haben, nicht wahr?“

„Natürlich, natürlich! Ich werde so bald wie möglich Jemanden schicken, der dir sagt, wann die Mantelübergabe statt finden kann. Oh, oh nun muss ich aber wirklich los, die Anderen werden mich schon vermissen! Welch Freude, welch wunderbarer Tag!“

Damit hüpfte er fröhlich auf und davon und verschwand auf Elfenart hinter dem nächsten Baum.

Nun hieß es also wieder einmal abwarten und hoffen, dass alle Elfen so leicht beeinflussbar waren wie Jakob.

Aber wir hatten ein gutes Gefühl!

 

 

 

 

 

 

24.

 

 

Ja, und was soll ich dir sagen, alles hat wunderbar geklappt! Genau so wie meine Oma und ich uns das vorgestellt hatten!

Die Elfen sind aber auch echt kleine, einfältige Dinger!“ Ruprecht klatschte lachend seine Hände aufeinander.

„Alles lief wie am Schnürchen! Kurze Zeit schon nach unserem Gespräch war es so weit.

Die Elfen servierten Nikolaus seinen heißgeliebten Schokoladenschlummertrunk. Ich stand derweil draußen vor der Türe und wartete, dass die Elfen mich einließen. Als Nikolaus ausgetrunken und die Elfen sein Tablett abgeräumt hatten, trat ich ins Zimmer.

Nikolaus sah erstaunt auf. Er fragte mich was ich denn hier mache. Ich trat vor ihn hin, sah ihm in die Augen und sagte „Ich bin hier um deinen Mantel zu übernehmen. Du bist alt und ausgebrannt und kannst deine Aufgaben als Nikolaus nicht mehr erfüllen. Es ist an der Zeit, dass du in Rente gehst!“

„Ach, wirklich?“ Nikolaus schaute mich mit verschleiertem Blick an.

„Ja, wirklich! Gib mir den Mantel!“ herausfordernd streckte ich meine Hand aus.

„Na gut, hier, nimm ihn. Ich bin ja so müde!“ sagte er schlüpfte aus seinem Mantel und reichte ihn mir hinüber.

Ich konnte es kaum fassen! Es war wahr geworden! Nun war ich der rechtmäßige Besitzer des Mantels und der Macht!

„Zieh auch die restlichen Sachen aus.“ Befahl ich im. „Ich brauche alles, ich will genauso gekleidet sein wie es sich für einen Nikolaus gehört!“

Er tat wie ich ihm geheißen hatte und stand dann, nur noch in Unterwäsche, ziemlich erbärmlich vor mir. Dabei hatte er die ganze Zeit ein leicht dümmliches Lächeln auf dem Gesicht.

Ich zog mich um und stand schließlich in voller Nikolauspracht vor ihm. Seltsamerweise passten die Sachen wie angegossen, obwohl ich eine ganze Ecke größer und schwerer als der alte Nikolaus bin

Dann rief ich die Elfen herein und bat sie eine Decke für den alten Nikolaus zu holen.

Sie sahen mich strahlend an und rannten sofort los um meinen Wunsch, den Wunsch ihres neuen Herren, zu erfüllen.

Ich warf dem alten Nikolaus die Decke über die Schultern und führte ihn raus zum Schlitten, der schon abfahrtbereit auf dem Vorplatz stand.

Ich bugsierte ihn auf die mit weichen Fellen ausgepolsterte Sitzbank, setzte mich neben ihn und sagte zu den Elfen, die alle um den Schlitten herumstanden und deren große Zahl ich zum ersten Mal wahr nahm „Ich bringe ihn jetzt zu den Menschen und sorge dafür, dass es ihm gut geht und er einen schönen Lebensabend verbringen kann. Wenn ich wieder zurück bin, beginnt für uns alle eine neue Zeit! In der Zwischenzeit wird euch meine Großmutter schon mal zeigen, was ich am liebsten esse. Seid auch so gut, und zeigt ihr, was für eine geheime Zutat in der Heißen Schokolade ist. Sie wird dann dafür Sorge tragen, dass nie wieder jemand willenlos gemacht werden kann und diese Zutat vernichten. Außerdem ist sie meine Stellvertreterin solange ich nicht vor Ort bin. Seid brave Elfen und hört auf das was sie euch sagt!“

Meine Elfen nickten eifrig und scharten sich um meine Oma.

Ich nickte ihnen noch einmal zum Abschied zu, schnalzte mit der Zunge und der Schlitten schoss empor.

Zum erstem Mal benutze ich nun meine neue Macht als Nikolaus und ließ mein Gefährt binnen Sekunden in einem Wäldchen hinter einem Altenheim in Castrop Rauxel landen.

Denn ich hatte gar nicht vor den alten Sack, der sich einmal Nikolaus nannte, in irgendeinem Luxusdomizil auf Thailand abzusetzen, damit er sich so richtig nach Strich und Faden verwöhnen lassen konnte, bis er ins Gras biss. Nein! Denn jetzt war meine Zeit der Rache gekommen! Er sollte büßen dafür, das er mir meine Kindheit, mein Leben bei meiner Großmutter geklaut und mich zu seinem Knecht gemacht hatte.

Und welche Strafe ist schon schlimmer als die, als alter, armer, verwirrter Mann in einer städtischen Alteneinrichtung vor sich hinvegetieren zu müssen? Hahaha.....genau das, was er nie hatte haben wollen! Verdient hat er sich das, der alte Sack!!

Ich schubste ihn unsanft vom Schlitten, packte ihn am Arm und zog ihn Richtung Altenheim.

„So, mein Lieber, du gehst jetzt brav weiter bis zu dem Haus da, da klopfst du dann an und sagst denen du bist der Nikolaus und bringst die Bescherung!“ Ich musste so lachen, dass ich kaum noch sprechen konnte.

„Die Leutchen werden dich rein bitten und dann machst du da alles was die dir sagen, ohne Widerworte, verstanden?“

Er nickte und machte sich folgsam auf den Weg zu seinem neuen und letzen Zuhause.

Ich rieb mir die Hände, drehte mich zu den Rentieren um, streichelte jedem einmal über den Kopf und sagte „So, das wäre erledigt, den sind wir los! War das ein Spaß! Lasst uns noch ne Runde übers Menschenland drehen und mal sehen, was die da so treiben. Danach nach Hause in die Weihnachtszentrale und was Leckeres futtern .Ich brauche doch ordentlich Kraft für all das was ich noch vor habe.“ Und schon brausten wir los. Ach, es ist einfach herrlich Nikolaus zu sein!“

Jessica gähnte, rieb sich die Augen und sagte „Das kann ich mir vorstellen. Das muss toll sein!“

„Ja und wie!“ erwiderte Ruprecht grinsend.

„Als wir später dann wieder in der Weihnachtszentrale zurück waren, hatten die Elfen und meine Großmutter ein herrliches Essen bereitet. Wir aßen alle zusammen, die kleinen Elfen waren total aufgeregt und zwitscherten und trällerten in ihrer Sprache kunterbunt durcheinander. Zwischendurch warfen sie uns bewundernde Blicke zu. Meine Oma und ich lächelten fröhlich zurück, dass wir uns dabei immer mal wieder verstohlene Blicke zuwarfen, sahen die Elfen nicht!

Als es Zeit zum Schlafen gehen war, verabschiedeten wir uns von den Elfen mit den Worten, dass wir am nächsten Morgen einige Aufgaben für sie hätten. Sie sollten sich gut ausschlafen um erholt dafür zu sein. Wir winkten ihnen noch einmal zu und gingen dann in die uns zu Verfügung gestellten Räume im Inneren der Weihnachtszentrale. Diese war, wie ich früher schon vermutet hatte, riesengroß und so verwinkelt wie ein Labyrinth. Auf dem Weg dorthin erzählte mir meine Großmutter, dass die Elfen sich daran gehalten hatten was ich ihnen kurz vor meinem Abflug aufgetragen hatte, und ihr die geheime Zutat übergeben hatten, die einen Menschen gefügig machen konnte. Sie hatte den Elfen dann auch versprochen sich darum zu kümmern, dass diese Zutat vernichtet wird und niemandem mehr etwas schaden kann.

Sie hielt sie nun sicher verwahrt in einer ihrer Schürzentaschen verborgen.

Ich sagte zu ihr „Dann lass uns jetzt schlafen gehen und morgen mit dem Umbau der Weihnachtszentrale beginnen. Der alte Nikolaus ist ein für alle Mal aus dem Weg! Ich hab mich so um ihn gekümmert, wie wir es besprochen hatten. Jetzt ist unsere Zeit und niemand kann uns mehr aufhalten!“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und brachte sie bis zu ihrer Zimmertür. „Schlaf gut und träum was Süßes Großmutter!“ Damit drehte ich mich um und ging in mein Zimmer.

Am nächsten Morgen begannen wir mit der Erneuerung der Weihnachtszentrale.

Als Erstes, um die Elfen bei Laune zu halten, ließ ich sie ihre persönlichen Bereiche bauen, in denen sie schlafen und arbeiten konnten. Die Werkstätten für den ganzen neumodischen Schnickschnack ließ ich abreißen und in eine altmodische Werkstatt für Holzspielzeuge aller Art umbauen. Die Elfen gingen mit Feuereifer ans Werk und sie waren absolute Meister in ihrem Handwerk. Und super schnell noch obendrein. Im Nu hatten sie alles erledigt und scharrten sich glücklich und eifrig um mich und meine Großmutter um die nächsten Aufgaben erteilt zu bekommen.

Nun ließ ich sie angemessene Räumlichkeiten für ihren neuen Nikolaus und ihre neue Großmutter errichten. Was sie mit Freude erledigten.

In der Zwischenzeit machte ich kleine Spritztouren ins Menschenland und besorgte mir dort so dies und das, was mir gefiel. Da ich auftauchen und wieder verschwinden konnte wo ich wollte, gab es keine Schwierigkeiten mit der Beschaffung von solchen Dingen wie einem Wasserbett, einem Whirlpool und ähnlichen kleinen Luxusgütern, die man sich als Weihnachtsmann ja wohl redlich verdient hatte.

Wir ließen es uns also so richtig gut gehen. Schwelgten in nie gekanntem Luxus und die Elfen dienten uns mit Freuden. An den alten Weihnachtsmann dachte niemand mehr, keiner weinte ihm eine Träne nach oder vermisste ihn gar.

Als die Weihnachtszeit wieder einmal näher rückte, hatten die Elfen eine große Menge an Holzspielzeugen hergestellt. Diese ließ ich sie nun verpacken und auf den Schlitten verladen.

Ich sprach zu ihnen „Ich bringe diese Geschenke jetzt zu den Kindern, die noch an den Weihnachtsmann glauben, die nicht gierig und verwöhnt sind. Denn nur diese haben ein Geschenk verdient. Die anderen Blagen, für die ihr und ich uns die letzten Jahre abgerackert haben, bekommen nichts. Sollen sie sich doch an ihre Eltern wenden, die haben ein Großteil Schuld an ihrem Verhalten. Dafür sind wir nicht mehr zuständig!“

Und damit flog ich los und sorgte an diesem Weihnachten für eine Menge Überraschungen, und Einige hatten daran keine Freude. Aber das ging mir ja so am A.....Hintern vorbei, kann ich dir sagen!

Und so verging dieses Weihnachten, ganz anders als von den Menschen erwartet.

Auf meinen späteren Ausflügen ins Menschenland, hörte ich sie viel über mich sprechen und schimpfen. Aber was soll´s? Ich bin Nikolaus, und mir kann Keiner was! Weihnachten wird so begangen wie ich das will, und damit basta! Wem´s nicht passt, kann´s ja lassen!

Nach diesem denkwürdigen Weihnachten begann dann wieder die ruhigere Zeit in der Weihnachtszentrale. Und irgendwann bemerkte ich, dass ich trotz allem möglichen Komfort und Luxus doch nicht ganz zufrieden war.

Meine Aufgaben füllten den Tag beileibe nicht genug aus und durch das gute Essen der Elfen hatte ich ordentlich an Gewicht zugelegt und war regelrecht behäbig geworden.

Irgend etwas fehlte mir. Etwas, dass mir die Tage versüßen und mich unterhalten könnte.

Etwas das mich fordern und antreiben könnte.

Und als ich eines Tages mal wieder heimlich durch die Menschenwelt streifte, da sah ich es.

Und ich musste es sofort haben!“

„Und was war das so Tolles?“ fragte Jessica und rieb sich müde die Augen.

„Na, kannst du es nicht erraten?“ Ruprecht beugte sich über den Tisch und strich ihr durch die Haare.

„Nnnnn....?“ Jessica stammelte leise vor sich hin.

„Dich! Dich hab ich gefunden! Du lagst in deinem Bett und sahst so süß aus, mit deinen zerwuschelten, blonden Haaren. Da hab ich sofort gefühlt, was mir fehlt. Eine Frau, mit der ich viele kleine Kinderchen haben kann, die mir eine Aufgabe geben. Eine richtige Familie!

Als ich meiner Großmutter von meinem Plan erzählte, war sie einfach begeistert! Sie hatte gar nicht mehr zu hoffen gewagt, dass ich jemals eine Frau und Kinder haben würde.

Und so bin ich, mit ihrem Segen wieder zu dir geflogen und hab dich hier her gebracht.

Ich habe die alte Hütte für dich vorbereitet, weil ich sehen wollte, wie du dich verhältst wenn du in eine unbekannte Situation gerätst. Ob du genug Grips und Mut hast dich unerwarteten Aufgaben zu stellen. Denn die Mutter meiner Kinder sollte all dies haben, schließlich sollen unsere Kinder klug und mutig sein. Immerhin ist ihr Vater der Nikolaus und da sollte schon alles stimmen.

Darum habe ich dich auch mitten auf der Wiese im Schnee abgesetzt. Damit du hierher finden, deinen Mut beweisen und mich und meine Geschichte kennen lernen kannst.

Und jetzt hab ich dir alles erzählt und erklärt. Ich für meinen Fall bin sehr zufrieden mit dir und damit wie alles gelaufen ist!“

Damit stand Ruprecht auf und ging zur Tür.

Er öffnete sie und rief „Großmutter, du kannst rein kommen. Begrüße deine neue Großschwiegertochter und zukünftige Mutter deiner Urgroßkinder!“

Da trat die Großmutter in den Raum, umarmte Ruprecht und lächelte auf Jessica hinab, die sie mit leicht verträumtem Blick ansah.

„Also hat alles geklappt? Wirkt das Kraut so wie wir es erwartet haben?“ sie sah ihren Enkelsohn fragend an und strich dabei unbewusst über ihre Schürzentasche.

„Ich denke schon. Überzeug dich doch selber. Frag sie, ob sie meine Frau werden will!“

Ruprecht nickte zu Jessica hinüber.

„Na gut.....Hallo Jessica, schön dich kennen zu lernen. Willst du meinen Enkel Ruprecht heiraten und ihm Kinder schenken, damit unserer Weihnachtsfamilie perfekt ist?“

Erwartungsvoll sah sie Jessica an.

Jessi antwortete mit weit geöffneten Augen und leiser Stimme „Ja, ich will..........“

Und fuhr verschwitz und mit heftig klopfendem Herzen hoch.

„Hmmmpf! Was ist los? Müssen wir schon aufstehen?“ fragte Chris, der neben ihr im Bett lag und fuhr sich durchs Haar.

„Uhhhh, mein Gott! Was für ein Alptraum!“ Jessi ließ sich mit einem Plumps wieder zurück in die Kissen fallen.

„Ohhh, mein Kopf! Ich glaub ich muss kotzen.“ Stöhnend hielt sie sich die Hand vor den Mund, wälzte sich aus den Federn und torkelte Richtung Toilette.

„Nie wieder golden mile!“ dachte sie noch, bevor sie sich ins Klo erbrach.
(c)Claudia Ramm

Anmerkung der Autorin:
Die "golden mile" ist ein Trinkspiel aus England. Diese Geschichte habe ich vor drei jahren für meine Tochter als Adventskalenderersatz geschrieben.
Meine Tochter studierte in dieser Zeit in England und hatte vor mit ihren Mitbewohnern die "golden mile" zu spielen.
Aus Zeitmangel (oder vielleicht wegen meiner etwas anderen Weihnachtsgeschichte?) ist es dann doch nie dazu gekommen.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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