Richard von Lenzano

Zukunft 2020

Zukunft

(Fiktion)

 

 

I

 

In einer norddeutschen Klinik wird ein Junge geboren. Er bekommt einen Klapps auf den Hintern, fängt an zu schreien, und wird den Schwestern übergeben. Danach wird er gesäubert, gewogen und vermessen. Von seinen Eltern wird der Name Kurt-Wilhelm festgelegt.

Ein Mediziner steht mit einem Technokraten zusammen, sie sehen sich die Daten des Neugeborenen an und werten diese aus.

Sie kommen zum Entschluss, dass alles an im Bereich der allgemein gültigen Normen ist und auch die Werte des EKG und EEG positiv sind. Danach erfolgt noch eine äußere Besichtigung des Säuglings und sein Weg in die Zukunft wird freigegeben.

Was seine Mutter nicht weiß, seine gesamten persönlichen Daten, Merkmale und seine DNA stehen fest und die Daten sind in den Klinikcomputer eingespeist worden, der wiederum mit einem Bundesrechner verbunden ist.

Die Mutter bekommt das Kind mit einem amtlichen Zertifikat zusammen ausgehändigt. Mit dem Zertifikat wird ihr eine Chipkarte ausgehändigt, in der all die o.a. Daten abgespeichert sind.

Diese Chipkarte ersetzt alle bisherigen Ausweise, Erlaubnisse und Krankenkarten sowie Bankkarten. Alles, aber auch alles kann mit dieser Karte geregelt werden.

Das Besondere der Karte ist, das chiffriert ein Verfallsdatum enthalten ist, welches nicht verlängert werden kann. Da es sich im vorliegenden Fall um einen Knaben handelt, wird die Karte für 60 Jahre programmiert.

 

 

Fast zur selben Zeit wird in einer Klinik am Bodensee ein Mädchen geboren. Es bekommt den Namen Marie-Luise. Auch hier wird die vorgeschriebene Prozedur durchgeführt. Nach Auswertung der Daten wird festgestellt, dass die Neugeborene untergewichtig ist und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an einem Gendefekt leiden dürfte. 

Sie bekommt deshalb in ihrer Chipkarte ein Verfallsdatum von 70 Jahren programmiert. Der Mutter, die überglücklich über die Geburt ihrer Tochter ist, wurde nichts mitgeteilt. Sie wird nach wenigen Tagen aus der Klinik entlassen.

Aufgrund eines Bundesgesetzes müssen alle Kliniken einheitlich so verfahren. Der Standard wurde von einer Expertenkommission nach Richtlinien der Zentralen Weltgesundheitsbehörde – CWHA – (Central World Health Authority) festgelegt.

Alle Staaten der Erde haben diese Richtlinien gemeinsam festgelegt und beschlossen.

 

II

 

Nach 3 Jahren werden die Kinder von ihren Eltern bei den jeweilig zuständigen KITA-Behörden unter Vorlage der Chipkarten angemeldet.

Bei Kurt-Wilhelm ging die Prozedur sehr schnell und seine Eltern können den Hort bereits nach 15 Minuten verlassen. Bei Marie-Luise ist es etwas anders verlaufen. Nach Prüfung des Datensatzes der Chipkarte wird ein Termin beim Arzt des Gesundheitsdienstes vereinbart.

Dort wird das Mädchen gewogen, begutachtet und es wird ihr Blut abgenommen. Die Auswertung erfolgt bereits am nächsten Tag und die Eltern bekamen einen positiven Bescheid für die Aufnahme ihrer Tochter in die KITA.

Für Kurt-Wilhelm und Marie-Luise beginnt nun eine geplante und ruhige Kindheit. Die Familien werden von Außenmitarbeitern der Fürsorge betreut und auftretende Problem werden besprochen und im Einverständnis gelöst.

Jeweils beide Elternteile der Kinder müssen arbeiten und die Kinder werden nach der Arbeit von der KITA abgeholt. Gebühren der KITA entstehen nicht, da diese bereits mit der Steuer zusammen erhoben werden.

Auch in der Kita ist die Zukunft schon längst eingezogen. Es gibt nur noch Tages-Kitas mit voller Betreuung und Verpflegungen. Alle Kinder werden mindestens dreisprachig (deutsch, englisch, chinesisch) unterrichtet, nicht von deutschen Lehrkräften, sondern von ausgewanderten und integrierten Kräften aus den jeweiligen Ländern.

Im letzten Kitajahr findet eine konsequente und systematische Vorbereitung auf die Umschulung statt. Wenn die Kinder die Abschlussziele erreichen, werden sie auf weiterführende Schulen geleitet.

Es gibt nur noch gemeinsame Klassen, das bedeutet, Jungen und Mädchen sind zusammen und Religionen pp. bedeuten keine Sonderwünsche mehr.

 

Aus Kurt-Wilhelm sind inzwischen - Kurt und aus Marie-Luise - Maria geworden. Beide sind nun 5 Jahre alt und bereiten sich auf ihre „Umschulung“ vor. Die Prüfungen haben beide ordentlich bestanden und nun kommt noch die letzte, entscheidende Untersuchung durch den Schulpsychologen und Amtsschularzt auf beide zu.

Diese letzte Prüfung ist ungemein wichtig, da die Ergebnisse in die persönlichen Chipkarten abgespeichert werden.

Positive Ergebnisse werden in GRÜN hinterlegt, während negative in ROT gemarkert werden. Bei noch ungeklärten oder ungenauen Verhältnissen wird die Eintragung in ORANGE vorgenommen. Dies wird eines Tages Auswirkungen auf die Endlaufzeit der Chipkarten haben.

 

In der Schule haben Maria und Kurt gleiche Unterrichtsfächer, da dies inzwischen bundesweit geregelt wurde. Somit unterliegt das Bildungsniveau in allen Bundesländern einem gleichmäßig hohen und international vergleichbaren Standard. 

 

Es sind einige neue Lehrfächer hinzugekommen, von denen das Fach der Innovationskultur an vorderer Stelle eingegliedert ist. Auch die früher  vernachlässigte Umweltproblematik wird als nicht abwählbares Fach gelehrt.

 

Beide, Maria und Kurt, machen sich sehr gut in der Schule und brauchen deshalb nicht an der amtlichen und kostenlosen Schülerhilfe teilnehmen, weshalb sie nach Beendigung des Unterrichts nach Hause gehen können.

 

Alle Zensuren werden in die Chipkarten aufgenommen, von denen keiner, außer den entsprechenden Behörden etwas weiß. Selbst die Schulen und akademischen Lehranstalten haben keine Kenntnis, sie müssen alle ihre Daten an den Bundesbeauftragten des gesamten Schulwesens senden, der dann die entsprechende Einpflegung der Daten veranlasst. Durch dieses System ist eine Manipulation so gut wie ausgeschlossen worden.

 

III

 

Nach Beendigung der schulischen Ausbildung melden sich Maria und Kurt bei der entsprechenden Universität an. Aufgrund ihrer bisherigen Leistungen hat bereits eine Vorauswahl auf den Universitäten stattgefunden.

 

Einen Numerus clausus gibt es nicht mehr, aufgrund ihrer sehr guten Zensuren werden bei sofort aufgenommen.

Maria hat sich das Fach Bioingenieurwesen ausgesucht, da sie schon lange ein Technikfreak ist und sehr bewusst mit ihrer Umwelt umgeht.

Kurt, der viel im Computerwesen gelernt hat bei der Medieninformatik matrikuliert.

 

Beide marschieren ohne Probleme durch die diversen Semester an ihrer Hochschule. Sie brauchen sich keinerlei finanzielle Sorgen machen, da der Staat die gesamten Kosten der Hochschulausbildung zunächst übernimmt. Die Kosten werden nach der ersten Festanstellung mit einem 1%-Anteil des Einkommens – bis zur Abgeltung – getilgt. Zinsen oder ähnliche Verwaltungskosten gibt es nicht.

 

Maria macht als erstes dann ihren Bachelor of Engineering (B.Eng.) und nach einiger Zeit beendet sie ihre Hochschulausbildung mit dem Master of Engineering (M.Eng.)

 

Kurt, dem auch fast alles in den Schoß fällt kann sogar ein Semester überspringen und schließt erst mit dem Bachelor of Arts (B.A.) dem dann der Master of Arts(M.A.) folgt.

Schon während der Hochschulzeit gibt es jede Menge Lobbyisten, welche Nachwuchs für sehr potente internationale und deutsche Firmen suchen.

Innerhalb von 3 Monaten kamen beide bei großen Konzernen unter und haben lukrative Arbeitsverträge unterschrieben.

 

Aufgrund ihrer besonderen Hochschulleistungen fallen beide bei ihren Tutoren auf, welche diese Informationen weiter nach oben leiten.

Sie kommen dann auch eines Tages in Berlin an und – der zuständige Sachbearbeiter vergleicht die Daten mit den Informationen auf der Chipkarte.

Er gibt die neuen Daten ein und der Rechner schlägt, nach Auswertung vor, das Verfallsdatum der Chipkarten zu ändern.

Daraufhin wird der Verfall bei Maria auf 80 Jahre gesetzt und bei Kurt auf 70 Jahre geändert.

 

IV

 

Nachdem beide, nach einigen Jahren, eigenständige Familien gründen, und auch Nachwuchs aus den Verbindungen entsteht, werden auch diese Daten über die Ordnungsbehörden nach Berlin geleitet.

Da es sich um positive Verbindungen handelt, wird bei beiden der Verfall der Chipkarte um jeweils 5 Jahre hinausgeschoben.

 

Nach vor Jahren, neu eingeführten Gesundheitsgesetzen, muss sich jeder Bürger alle 2 Jahre zu einer großen und jedes Jahr zu einer einfachen Gesundheitsprüfung bei einem Amtsarzt einfinden. Die veralteten und nicht ausreichenden Voruntersuchungen wurden gestrichen.

 

Selbstverständlich beeinflussen die Ergebnisse der Untersuchung die Daten auf der Chipkarte positiv oder negativ.

Sehr schwere Krankheiten wirken sich durch Verminderung und - gute Gesundheit durch Heraufsetzung des Verfallsdatums aus.

Das aber wird alles durch spezielle Programme des Gesundheitsministeriums gesteuert.

In die Chipkarten sind auch Fallstricke eingearbeitet, von denen die Besitzer nichts ahnen. Sie ahnen sowieso nicht, was dort alles abgespeichert ist.

Der gesamte Gencode, das heißt alle aufgeschlüsselten Informationen der DNA, ist dort auszulesen.

Weshalb auch vorhandene DNA-Schäden sowie erfolgte DNA-Reparaturen für Fachleute zugänglich sind.

 

V

 

Maria und Kurt sind langsam in die Jahre gekommen und befassen sich allmählich mit dem Eintritt in das Rentenalter oder, wie es neuerdings amtlich heißt, den gesetzlichen Ruhestand. 

Es gibt ab dem 60. Lebensjahr zwar eine Flexibilität, welche aber recht eng begrenzt ist. Man kann maximal noch 3 Jahre weiterarbeiten, aber dann ist das Ende des Arbeitsprozesses erreicht.

Wer früher in den Ruhestand eintreten will kann dies ab dem 58. Lebensjahr. Er bekommt dann sein entsprechend angespartes Altersgeld - ohne Abzüge. Aber, er verpflichtet sich, für das frühere Ausscheiden, zum Dienst an der Allgemeinheit. Für 2 Jahre muss er noch soziale Arbeiten im Bereich der Kommunen ableisten und zwar wöchentlich die Hälfte seiner vorherigen Wochenarbeitsstunden.

Es kann sich um Tätigkeiten bei sozialen Verbänden, Altenheimen oder Kliniken pp. handeln.

 

Ungefähr acht Wochen vor Beginn des gesetzlichen Ruhestandes (60) erhält jede Person die Aufforderung, sich dem nächsten Amtsarzt vorzustellen. Mitzuführen und vorzulegen ist die eigene Chipkarte.

 

Es erfolgt eine äußere Begutachtung und es folgen diverse Untersuchungen deren Ergebnisse notiert und abgespeichert werden.  Bei dieser Untersuchung wird alles was medizinisch möglich ist, festgehalten und ausgewertet.

So wird festgestellt wer Raucher oder Alkoholkranker ist; wer Drogen oder Medikamente missbraucht; wer Sport gemacht oder wer seine Gesundheit ruiniert hat; wer wann welche Straftat begangen hat; wer öffentlich auffällig geworden ist.

All diese Daten können für uns benutzt, aber auch gegen uns verwendet werden.

 

Der große Ruhestands-Checkup steht also für Maria und Kurt an.

Kurt steht vor dem Arzt, der sich vorher auf dem PC schlau gemacht hat. Kurz gesagt, die Untersuchung verläuft positiv, auch, weil Kurt Nichttrinker und Nichtraucher war. Der Arzt macht seinen Vermerk auf dem PC und schlägt dem Behördencomputer eine Verlängerung des Verfalls der Chipkarte um weitere 5 auf 80 Jahre vor, was auf dem PC innerhalb von wenigen Minuten erledigt war.

Bei Maria sieht es etwas anders aus. Sie stellt sich der Ärztin vor, die sie genauestens untersucht. Auf die Frage, obwohl sie es bereits wusste – woher die drei Narben auf dem Bauch von Maria stammen, teilt diese mit, dass eine Narbe von der letzten Entbindung stammen würde. Bei den anderen Narben handelt es ich um eine Blinddarmoperation bzw. Darmkrebsoperation. Marias Zahnstatus ist in Ordnung und sie kann, nach einem Gespräch, die Praxis verlassen. Die Ärztin notiert ihre neuen Erkenntnisse und kommt in ihrer Zusammenfassung zum Entschluss, dass der Chipkartenverfall um 10 auf 70 Jahre verkürzt werden solle.  Auch hier erfolgt umgehend eine Korrektur der alten Dateien.

Es hat sich inzwischen eingebürgert, dass Familien im Schnitt nur noch einmal die Woche zum Einkaufen müssen. Es handelt sich hauptsächlich um Lebensmittel. Die anderen Dinge werden über das Internet geordert und geliefert.

So ungefähr lief das Leben von Maria und Kurz real ab.  Sie hatten Tiefen und Höhen, aber sie haben alle Probleme selbstbewusst innerhalb ihrer Familien gelöst. Die Kinder wuchsen heran, aber, auch sie unterlagen denselben Kriterien wie Maria und Kurt – ihre Chipkarten waren auf Zeit programmiert.

 

VI

 

Maria und Kurt genießen nach dem Ruhestands-Checkup in ihren Familien ihre Freizeit und können nun Dinge machen, zu denen sie vorher kaum Zeit hatten.

Auf jeden Fall schlägt es positiv zu Buche, dass beide nun wieder voll familiär eingebunden sind.

Man plant, reist und genießt zusammen, was vorher nicht immer möglich war.

 

Ungefähr ein halbes Jahr vor ihrem 70. Geburtstag bekommt Maria ein Einschrieben vom zuständigen Amtsarzt, dass sie sich zu einer  Untersuchung einfinden möge.

 

Im Gegensatz zum Leser weiß sie nicht warum und weshalb und macht sich schon einige Gedanken, was auf sie zukommen könnte.

Am bewussten Tag geht sie zur Untersuchung und meldet sich bei der Sekretärin an. Ihr wird eine Kabine zugewiesen und bis auf die Unterwäsche muss sie sich ausziehen.

Nach kurzer Zeit wird die Innentür der Kabine geöffnet, eine Ärztin steht vor ihr und begrüßt sie herzlich.

Sie wird gebeten sich im Ordinationszimmer zu setzen während  die Ärztin die geladenen Daten auf ihrem Monitor sichtet.

Es kommt zu einem Gespräch in dessen Verlauf die Ärztin über die vergangenen und aktuellen Krankheiten von Maria spricht. Hier geht die Ärztin dann ins Detail und will genau wissen, unter welchen Symptomen Maria leidet, ob sie hinderlich sind oder große Schmerzen bereiten würden. All dies wird von Maria verneint und sie gibt an, dass sie sich pudelwohl fühlen würde.

Dann erfolgten noch weitere Untersuchungen wie Ultraschall, EKG und EEG, Scanns von Kopf und Körper. Nach deren Auswertung wird Maria zu einem Roundtable-Gespräch mit mehreren Fachärzten geladen und ihre Ergebnisse werden dargelegt und besprochen.

Sie erfährt, dass sich ihr Gesamtzustand nicht verschlechtert hat und sie somit eine gute Zukunftsprognose haben würde. Danach ist sie entlassen und sie geht nach Hause, um ihrer Familie die freudige Nachricht zu überbringen.

 

Was sie nicht weiß und sie nie erfahren wird ist folgendes:

Nachdem Maria den Raum verlassen hat, ruft der Chefarzt ihre Persönlichkeitsakte auf dem PC auf und sucht nach Details. Er teilt einen Kollegen mit, dass die bisherige Verfallszeit der Chipkarte auf 70 Jahre programmiert sei.

Nach kurzer Diskussion kam die Runde zu dem Ergebnis, die Verfallszeit um 5 Jahre, nun auf 75 Jahre zu verlängern.  Sollten sich trotzdem wesentliche Verschlechterungen einfinden, würde sich das ja dann anhand er 1 bzw. 2-jährigen Routineuntersuchungen feststellen lassen.

 

 

VII

 

Kurt hat das Pech, dass er während einer Einkaufstour mit seinem Pkw in einen Verkehrsunfall verwickelt wird. Er befindet sich mit seinem Pkw auf der Autobahn in die City, als er verkehrsbedingt plötzlich eine Vollbremsung durchführen muss. Er ist zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt.

Knapp hinter dem vor ihm fahrenden Pkw kam er zum Halten, wurde aber, durch einen hinter ihm fahrenden LKW, auf diesen geschoben. Der Anprall war so stark, dass Kurts halbes Fahrzeug unter dem Motorblock des Lkw kam.

Kurt ist eingeklemmt und durch einen Schock bedingt, bewusstlos.

Bergungskräften gelingt es nach einiger Zeit, den Verunfallten zu bergen um ihn mit einem Rettungshubschrauber in die  nächste Unfallklinik zu bringen.

 

Er befindet sich im Notfall-OP und ein ganzes Ärzteteam kümmert sich um ihn. Zunächst werden seine Vitalfunktionen gesichert und er wird mangels Lungenschwierigkeiten intubiert.

Dann wird er für das MRT/CT angemeldet und zu den Untersuchungen gefahren. Fachärzte werten die Ergebnisse sofort aus und stellen fest, dass sich Kurt bei dem Unfall eine Fraktur der Halswirbelsäule zugezogen hat.

Bedingt dadurch komme es zu Ausfallerscheinungen und Lähmungen. Nachdem das Ärzteteam die Vitalfunktionen gesichert und alle Wunden versorgt hat, kommt Kurt auf die Intensivstation.

Keiner, auch die Ärzte wissen nicht, wie sich die Unfallfolgen in Zukunft auswirken werden.

Der Leitende Arzt hat sich die Daten von Kurt auf den PC geladen und sieht, dass die Verfallzeit des Chips auf 80 Jahre programmiert ist.

Vorsorglich reduziert er sie und setzt aus seiner Erfahrung den Restwert erst einmal auf 0.

Innerhalb kurzer Zeit wird dies vom Zentralrechner der Regierung in Berlin bestätigt. Alle Nachfragen, egal welcher Art auch immer, die Kurt betreffen, werden von dieser Änderung betroffen.

 

Die Familie wird von den Ärzten informiert, man teilte mit, dass die Vitalfunktionen in Ordnung seien, aber es wird wohl mit einer Lähmung der Extremitäten gerechnet werden müssen.

 

Was keine wusste, weil es keiner bemerkt hatte ist, dass Kurt während der länger andauernden Bergung, 7-8 Minuten ohne Atmung war. Somit kam es zu einer mangelnden Sauerstoffdurchblutung des Gehirns, welches Folgeschäden nach sich zog.

 

Deshalb wundern sich die Ärzte auf der Intensivstation nun, dass Kurt nicht ansprechbar ist. Atmung, Puls etc. zeigten Normalwerte aber er befindet sich immer noch im Koma.

Der Tubus war entfernt, diverse Schläuche führen von Infusionsständern in die Venen von Kurt.

Da momentan keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind wird Kurt auf die Wachstation verlegt.

 

VII

 

Es sind acht Wochen vergangen und Kurt, der auf einem normalen Stationszimmer liegt, bekommt Besuch von seiner Frau. Sie tritt neben das Bett und nickt ihm zu. Er nickte zurück und verzog den Mund zu einem Lächeln.

Er kann gerade alleine atmen, aber ansonsten ist er von oben bis unten gelähmt. Sein Gehirn hat sich erholt aber seine Augen starren fast wesenslos ins Leere. Auf die Frage, wie geht es dir erfolgt ein stupides angedeutetes Kopfschütteln.  Fragen kann er nur mit Augen zu kneifen –NEIN- oder einmal blinzeln -JA- beantworten.

 

Es ergab sich dann, dass Kurt in eine Palliativklinik verlegt wird. Dort kann man mit den Gesten der Patienten umgehen, man kann sie deuten und en Patienten dadurch helfen.

Kurt kann so erreichen, dass er seiner Familie zukommen lässt, dass er doch eine Sterbeverfügung habe und diese solle in Vollzug gesetzt werden.

 

Der Stationsarzt und ein Seelsorger suchen Kurt auf, um mit ihm zu kommunizieren.

Es ist klar ersichtlich, dass Kurt nicht mehr am Leben festhalten will.

Er möchte gerne in Selbstbestimmung und Frieden einschlafen.

Seitens der Palliativmedizin wird ihm das zugesagt und es wird ein letztes Gespräch mit der Familie, dem Arzt und Seelsorger und Kurt vereinbart.

Technisch bedingt befindet sich die Klinik in einem modernen und fortschrittlichen Zustand. Es gibt eine großen Raum, in dem ein Patientenbett steht und davor eine riesige Leinwand.

Neben dem Bett steh eine Konsole, auf der diverse Getränke angeboten werden.

Kurt entscheidet, dass er den Film: „Die Serengeti soll nicht sterben“ zum Abschluss noch einmal sehn möchte.

Die Familie nimmt Abschied von Kurt, da er alleine sein möchte und der Film beginnt.

Auf der riesigen Leinwand sind die schönsten Naturaufnahmen von Afrika zu sehen und Kurt findet hierbei seine innere Ruhe.

Er weiß, dass irgendwann, während des Filmes, Narkotika in seinen Arm gegeben werden und er dann seinen irdenen Frieden finden wird.

 

Kurz bevor der Film zu Ende ist wird die Beleuchtung im Raum heruntergefahren und der Ton wir immer leiser.

Als der Abspann des Filmes auf der Leinwand erscheint ist Kurt ruhig und friedlich für immer eingeschlafen  - wie er es sich gewünscht hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlusskapitel

 

Wenn du jetzt denkst, das wäre alles, was dich in der Zukunft erwartet, muss ich dich leider bitter enttäuschen.

Die nächste technisch-wissenschaftliche Revolution ist der Minichip. Dieser wird allen Personen in das Handgelenk implantiert. Er wird justiert und mit allen Daten der Chipklarte versehen – diese wird dann entfallen.

Der implantierte Minichip hat jede Menge Vorteile. Geht man zum Bankomat, hält man das rechte Handgelenk an den dortigen Sensor und das Gerät ist betriebsbereit.

Sollte nun jemand auf den Gedanken kommen dass man auf kriminelle Art in den Besitz des Chips kommen könnte, der wird sich irren. Das ist technisch absolut ausgeschlossen. Der Chip ist so eingestellt, dass es nur im mentalen, stressfreien Verhalten des Besitzers aktiviert werden kann.

 

Beim Arztbesuch findet ein Kurzkontakt Handgelenk mit dem Scanner statt – all deine medizinischen Unterlagen sind auf dem Monitor sichtbar.

Ab sofort benötigst du keinerlei Barmittel mehr, alles wird über deinen Minichip erfasst und von deinem Konto abgerufen. Das heißt aber auch, dass du lediglich im Rahmen deiner Bonität walten kannst.

 

Das System hat für deine persönlichen Notfälle ein „Reservekonto“ angelegt, das dir außergewöhnliche, kurzfristige Entnahmen ermöglichen soll. Selbstverständlich wird auch dieses von deinem Einkommenskonto gespeist.

 

Unsere Zukunft wird zu einem erheblichen Teil von der rasant fortschreitenden Technik, insbesondere der IT-Technik bestimmt. Es wird in absehbarer Zeit den total gläsernen Menschen geben, alles was man über sich selbst weiß bzw. glaubt zu wissen, können auch die Behörden schnell und sicher eruieren.

 

Die technische Evolution schreitet jeden Tag weiter fort – in Richtung Zukunft. Unsere Hirne sind bereit, schneller zu lernen denn je und neue Gedanken sofort umzusetzen.

Dies gilt für Mensch und Technologie.

Der absolute Stopp wäre, wenn wir Computer erfinden, die zunächst sich selbst erfinden und dann den Menschen neu erschaffen.

Dies wäre das Ende jeglicher Menschlichkeit und würde bedeuten:

 

Der homo sapiens hat die Erde verlassen…

 

Für die Flora und Fauna wäre es kein allzu großer Verlust.

 

 

RICHARD  von  LENZANO

© 2018 - 10


PS:
Da ich im Moment ein paar gesundheitliche
Schwierigkeiten habe,
bitte ich meine Leser, mir Fehler, bzw. Korrekturen
zukommen zu lassen - an meine Mail:
richard.von.lenzano@gmail.com

Ich danke Euch ganz lieb

RvL

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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