Wilhelm Westerkamp

Auch eine Beerdigung kostet Geld

Ein Bestattungsunternehmen welches nicht weit von der Kölner Innenstadt entfernt ist, liegt noch in der Dämmerung, als ich dort hingefahren bin, weil es einen Todesfall in der Familie gegeben hat.
So will ich mir dort einen Eichensarg und einen dazu gehörigen Grabstein aussuchen, denn eine Urne, wie sie heute modern ist, ist mir aber gelinde gesagt viel zu schnöde.
Da macht eine Erdbestattung mit einem konservativen Eichensarg - wenn er mit der Leiche zu Boden gelassen wird - doch um einiges mehr her, als so eine lieblose Urne, die dann einsam und still auf dem Grab stehen würde und die Asche des Leichnams ohnehin kaum zu erkennen ist. So dass mir höchstwahrscheinlich nach kurzer Zeit langweilig werden würde, dort hinsehen zu müssen, außer, das ich vielleicht ein paar Tränen unterdrücken muss, als Ausdruck einer plötzlichen Trauerreaktion, wegen eines geliebten Menschen.

Das Innenteil des Sargs sieht aus wie ein Bett

Als ich dann das Bestatterunternehmen betrat, begrüßte mich der Inhaber des Unternehmens persönlich, wohl mit einem ausgesprochenem ernstem Gesichtsausdruck,
doch wie soll er sich denn auch sonst präsentieren, wo überall Urnen, Särge und Grabsteine seinen Betrieb zieren, wo nur noch die Leichen zu fehlen scheinen, so dass ich zu glauben meine nicht in diesem Geschäft, sondern bereits auf dem Friedhof physisch angekommen zu sein. Da ich ein kreativer und phantasievoller Mensch bin, treten solch schräge Eingebungen besonders in einem Bestatterunternehmen komischerweise erst recht zu Tage, als an anderen Orten.
Als der Inhaber des Unternehmens dann meine Aufmerksamkeit auf die von mir bevorzugten Eichensärge lenkt, glänzen meine Augen vor Erstaunen, aber als er den Sargdeckel eines dieser Exemplare aufklappt und ich neugierig hineinschaue erschrecke ich: Denn dort ist eine beige Matratze, eine Decke und ein Kissen zu erkennen, so dass der Innenteil des Sargs wie ein Bett aussieht auf dem der Tote später ruhen darf, was schon makaber ist und habe mir deshalb auch keinen weiteren mehr ansehen bzw. antuen wollen und wähle notgedrungen dieses Exemplar aus, welches stattliche 1500 Euro kostet. Dabei hatte ich etwas Wichtiges vergessen: denn ich benötige noch einen Grabstein für das Grab.
Wir gehen deshalb an die frische Luft und sehen uns dutzende Grabsteine an, auch die mit Inschrift, so konnte ich mich aber für keinen so recht entscheiden. Doch der Chef des Hauses lässt nicht locker und zeigt mir einen weiteren, auf dem in Inschrift steht “ Zeit vergeht, die Liebe nicht “. Diese Zeilen gefühlvoller und trostspendeter Worte gefallen mir außerordentlich, so muss ich aber allein für dem Grabstein 800 Euro hinlegen, was zusammen mit dem Sarg insgesamt 2300 Euro kosten würde. Aber dem nicht genug: So macht mich der Inhaber des Hauses freundlich darauf aufmerksam, das die Beerdigungskosten sich alles in allem auf 12.000 Euro belaufen würden. Ich muss meinen Unmut darüber meinem Gegenüber dem Inhaber gut verstecken, damit dieser nicht zu dem Schluss kommen könnte, das ich diese Summe nicht bezahlen kann. Aus Wut biss ich mir auf die Zähne und gebe dem Besitzer achselzuckend zu verstehen, das ich erst in den nächsten Tagen wieder vorbei kommen würde, weil ich mich noch nicht so recht entschieden hätte und verlasse ironisch gesprochen das “Geschäft mit dem Tod”, mit angestrengter Miene und bin heilfroh noch am Leben bleiben zu dürfen und nicht in einer der Särge dort liegen zu müssen die innen drin wie ein Bett aussehen, was doch eine gruslige Vorstellung wäre. Deshalb liege ich doch lieber wieder Zuhause in meinem eigenen Bett und ziehe mir bei Bedarf die Bettdecke über den Kopf, so dass es wohl ähnlich dunkel wäre wie in so einem Sarg, zumindest bisweilen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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