Georges Ettlin

Wie werde ich zur Kuckucksuhr ?


Zwischen den Lebenswelten der Kreaturen werden die Seelchen von Vögelchen,
Mikroben oder Elefanten gefragt, ob und als welches Lebewesen sie erneut
in die Realität eines ganz neuen Schicksals entlassen werden wollen.
Ich wählte eine Sommerlinde, weil diese im Sommer so herrlich duftet und weil ich zum Beispiel
als neuer Mensch als Folge meiner freien Wahl in Gefahr lief, zufällig ins Präkariat hineingeboren
zu werden, womöglich noch in eine Welt ohne die schützende SPD.
Also wurde ich zu Lindenholz und wuchs durchs helle Kernholz hoch hinaus bis zu den Blüten und Blättern!

Oben angelangt, genosse ich den Anblick von Raben, Lerchen und Finken, sah wippende Schwänzchen,
wärend sie auf meinen Zweigen sassen. Lieber hätte ich sie von der Seite oder von Oben gesehen,
denn unten wurde ich beschmutzt und musste diesen Vorgang als lebender, hölzerner Sitzplatz wie mit
der Lupe betrachten, wissend, ... jetzt kommt`s!

Ganz klar; Mein Leben als Linde hatte auch eine poetische Seite: Das Wiegen der Zweige, das
Flüstern der Blätter, die heimlich-strotzende Erotik der Blüten, die dann doch
voller Unschuld gelb-durchscheinend und duftend im Sonnenlicht  leuchteten, machten
mir viel Freude!
Nach vielen Jahren und vielen Narben in meiner Rinde durch hineingeschnitzte Herzen,
wurde ich umgehauen und durch Schreiner und Künstler im Schwarzwald verarbeitet.
Ein Teil von mir wurde eine Kuckucksuhr, die mit einem Amerikaner nach Orlando reiste
und dort hundert Jahre lang "Kuckuck ! " rief. Das gab mir allerdings mit der Zeit auf die Nerven,
doch schlimmer war das ewige "Tick-Tack!"..also stand ich eines Tages einfachs still und stellte mich tot.
Seither habe ich Ruhe, allerdings werde ich wohl wieder gefragt, ob ich als Zölibat oder Bonobo-Aeffchen
neu geboren werden will? Aus Folge meiner  Beobachtungen im Zoo als Mensch,
der ich tatsächlich  auch einmal war, wählte ich das Bonobo-Aeffchen.


***
c/G.E.

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