Peter Biastoch

Irische Nacht, auf der Rochsburg

Wir schlenderten zur Burg und fanden uns in einer ca. 15 Meter langen Schlange wieder. Man hatte das große Burgtor noch geschlossen und auch noch nicht damit begonnen, Eintrittskarten zu verkaufen. Doch es dauerte nicht mehr lange, da kam Bewegung in die Menge. Fünfzehn Euro pro Person, Taschenkontrolle, bei der wir unsere Wasserflasche abgeben mussten, weil sie mehr als einen halben Liter enthielt und dann wünschte man uns einen schönen Abend bei der „Irischen Nacht“.

Schnell fanden wir einen Platz, wo wir uns auf den aufgestellten Bänken niederlassen konnten. Natürlich gab es auch noch etliche Stuhlreihen, die sich ganz rasant füllten. Ich begann die örtlichen Gegebenheiten zu erkunden und begab mich noch einmal in Richtung Eingang der Burg, wo ich ein Bild machen wollte. Zudem befand sich dort ein Stand, an dem es zu essen und zu trinken gab.

Ich hatte gerade mein Motiv anvisiert, da hörte ich die Rufe einer Gruppe Frauen. Sie bettelten darum, mit aufs Bild zu kommen. Schnell war zu erkennen, dass es sich bei diesen neun Frauen, um einen Junggesellinnenabschied handelte. Aber selbstverständlich machte ich noch ein Foto von ihnen, im Rahmen dieses romantischen Hintergrundes. Anschließend ging ich wieder in Richtung Burghof. Doch nicht, ohne für meine Frau und mich eine Pikkoloflasche Sekt, am Stand zu kaufen.

Inzwischen kamen unsere Tochter und unser Sohn, mit ihren Freunden. Ich schnappte mir meine Kamera und begab mich in Richtung Bühne. Dort ergaben sich ein paar Stillleben mit Instrumenten und anderen Equipment. An der Kasse hatte ich vor dem Zahlen ein Schild gesehen, dass darauf hinwies, dass der Erwerb einer Eintrittskarte gleichzeitig die Einverständniserklärung dafür ist, gefilmt und fotografiert zu werden. Damit war ich rechtlich auf der sicheren Seite und konnte fotografieren, ohne darauf achten zu müssen, wer da noch so alles auf das Bild kommen könnte.

Ich war gerade hinter der Bühne, als sich die Tür zum Garderobenraum der Bands öffnete. Ein Mann kam heraus und ich sprach ihn an. Er gehörte zu der zwei Personen Band (Doc & Taylor), die sich mit den vier Leuten von „The Reel Chicks“ auf der Bühne abwechseln würden. So erfuhr ich nebenbei den geplanten Programmablauf dieser Nacht.

Er war auch sehr aufgeschlossen, als ich ihn bat, für ein paar Fotos zu posieren. Sofort hängte er sich eines seiner Instrumente um und tat so,  als würde er für mich und meine Kamera spielen. Doch, als er sich dann bei mir entschuldigen wollte, weil er, so kurz vor seinem Auftritt, erst noch einmal seine Stimmbänder anfeuchten musste und zu seinem Becher Guinnes griff, musste ich ihm erst einmal erklären, dass ein irisches Bier für mich zu einer Irischen Nacht gehört. Im Gegenteil, es ist sogar so, dass dieses Glas Guinnes eine Einheit mit der irischen Musik bildet. Außerdem fand ich später gerade dieses Bild sehr natürlich – daran war nichts gestellt!

Nachdem ich wieder auf meinem Platz war, begann das Programm. Tim Liebert (Doc Fritz) und Nico Schneider (Taylor) traten auf. „Mit zwei charismatischen Stimmen einer Fülle an Instrumenten (diverse Banjos, Mandoline, Waldzithern, Dudelsack, verschieden Gitarren, Akkordeon, Mundharmonikas, Percussion) und schelmischem Entertainment geht es auf eine virtuose und höchst unterhaltsame Reise. Neben feurigen Tanzmelodien, Auswandererballaden, handfeste Kneipenlieder, rasanten Bluegrass-Instrumentals, Shanties und Schwarzbrenner-Lieder überzeugten die Beiden mit viel musikalischer Raffinesse und überschäumender Spielfreude. Daraus konnten sie eine mitreißende Folk-Collage weben, die in unseren Breiten sicherlich ihres Gleichen sucht.“ (Zitat Ende) So werden diese zwei Künstler auf ihrer Internetseite beschrieben.

Und genau so überzeugten sie auch ihr Publikum an diesem Abend. Natürlich hatte auch ich mich auf diesen Abend vorbereitet, indem ich mir in einer meiner Fotozeitschriften einen Artikel über das Fotografieren auf Popkonzerten durchlas und an diesem Abend versuchte die eine oder andere Anregung davon auszuprobieren. Doch zuerst begann ich ganz normal meine Bilder zu machen. Es war ja noch heller Tag.

Dass ich für die darauf folgenden Aufnahmen meinen Platz auf der harten Bank  (und meine Frau) verlassen musste, um eine Position nahe der Bühne einzunehmen, kannst Du Dir sicher denken. Doch ich glaube, dass es diese Fotos wert sind. Am Rande bemerkt ist Nico Schneider nicht nur Musiker, sondern er baut auch seine Banjos selbst. Außerdem nimmt er dafür auch Aufträge an. Wenn Du also mal ein besonderes Banjo brauchst, kannst Du Dich vertrauensvoll an ihn wenden. Er baut es Dir!

Zwischendurch war ich natürlich immer wieder zurück zu meiner Frau und zu meinem Platz auf der Bank gegangen. Es fehlte ja die ganze Zeit an Sitzplätzen, so dass sich viele auf der Treppe zur oberen Burg niedergelassen hatten und einen Sims beiderseitig dieser Stufen erklommen, um sich dort nieder zu lassen. Auf meinem Bild, das ich von hinter der Bühne in Richtung Zuschauer gemacht hatte, ist das gut zu erkennen. Schnell war eine Stunde vorüber.

Nach einer kurzen Pause bevölkerten die vier Musiker der zweiten Band die Bühne. Und ich ging diesmal, den Mittelgang, frontal auf die Bühne zu, um meine Fotos zu machen. Vor der Bühne angekommen, wand ich mich nach rechts und nahm die eine der beiden Frontfrauen ins Visier.

Nachdem ich Blickkontakt mit Katie O’Reel aufgenommen hatte, schenkte sie meiner Kamera ein wunderschönes Show-Lächeln. Anschließend begab ich mich wieder auf die linke Seite der Plattform, um den unschönen Hintergrund nicht mehr im Bild zu haben. Die Burggemäuer dieser Seite werden gerade renoviert und sind mit Plastikplanen verhängt. Dort bekam ich auch ein besseres Blickfeld auf die beiden Hintergrundmusiker, die beide ebenfalls einen super Job machten und ohne die die Melodien der Frontfrauen stark an Volumen eingebüßt hätten.

Das Publikum war begeistert. Es wurde geklatscht, mitgesungen und natürlich fotografiert und gefilmt, was das Zeug hält. Während die O’Reels ihr Programm abspulten, sank die Sonne unter den Horizont und es dunkelte rasch. Zeit für mich, meine Kamera, auf die veränderte Situation und die Tipps aus der erwähnten Zeitschrift, einzustellen. Ich schaltete von P(rogrammautomatik) auf M(anuell). Ich hob den ISO-Wert von 100 auf 400, stellte die Blende auf 5,6 und schaute, was dabei noch an Belichtungszeit übrig blieb. Ja, das genügte! Auf nahe Distanz konnte ich noch mit 1/10 sek. bis 1/25 sek. rechnen. Das würde noch, in Zusammenarbeit mit der zugeschalteten optischen Bildstabilisierung meiner Linsen, zu scharfen Konturen führen.

Inzwischen waren wieder Doc und Taylor auf der Bühne und brachten den Burghof zum kochen. Nach ihrem Auftritt und einer weiteren, kurzen Pause, setzten die O’Reel ihr Programm fort. Ich verabschiedete mich noch einmal von meiner Frau und bezog Stellung vor und neben der Bühne. Dabei fiel mir auf, mit welcher Begeisterung und Freude sich Bassist und Trummer gegenseitig die Einsätze zuspielten!

Vielleicht fragst Du Dich nun langsam, was denn diese Vier zu Gehör brachten? Das ist für jemanden, wie mich nicht leicht erzählt. Erstens kenne ich mich mit den verschiedensten Musikrichtungen nicht sonderlich aus und zweitens, muss ich sagen, dass man Musik insgesamt schwer beschreiben kann. Aber, lass mich dazu die Internetseite dieser Formation zitieren: „Irish Folk and Celtic Pop - The Reel Chicks begeistern mit traditionellem Irish Folk und bekannten und beliebten Evergreens aus allen Genres. Charakteristisch sind ihre Arrangements, die bekannte Pop-Songs mit traditionellen irischen Melodien verbinden. Sowohl die Melancholie als auch die rauhe Seele der irischen Pub-Kultur bringen The Reel Chicks in ihrer Musik zum Ausdruck.“ (Zitat Ende)

Trotz meiner Fotografiererei empfand ich die Musik dieses Abends als absolut schön und mitreißend! Und nun habe ich das große Problem ein einzelnes Foto auszuwählen, das ich hier zeigen kann.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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