Sabine Brauer

Nachtbilanz

Karin liegt wach und grübelt wie so oft in letzter Zeit. Schmerzen lassen sie nicht zur Ruhe kommen und vieles geht ihr im Kopf herum:

 

Nun ist die Mama schon ein Jahr lang tot. Für sie ist es ein Glücksfall, denn Sorgen, Leid und Not sind nun vorbei. Wie schnell das Leben ohne sie weiterging. Müssen wir Kinder uns dessen schämen oder ist es der Lauf der Welt?

 

In jedem Haus ist Unzufriedenheit, unter jedem Dach, ein Ach, wie Oma immer zu sagen pflegte. Wo sind die Christen mit den fröhlichen Gesichtern und dem Lachen, das ansteckend wirkt? Die ein „Ja“ zu jeder Situation finden. Gibt es sie überhaupt noch? Jeder ist ein Schauspieler, jeder trägt eine Maske. Wie es drinnen aussieht, geht keinem was an.

 

Du HERR bist gegenwärtig, doch wir Menschen nehmen dich nicht wahr. Sehen nicht die Engel, die uns durch das Leben begleiten. Wollen uns auch oft genug nicht von ihnen helfen lassen und stöhnen lieber unter der Sorgenlast. Wie lange siehst du das noch mit an, HERR? Diese oberflächliche Frömmigkeit, die Gleichgültigkeit dir gegenüber? Wir rufen: „HERR, HERR!“ und meinen: ICH, ICH!“

 

Viele lehnen dich ab und kümmern sich gar nicht um dich. Wollen vom christlichen Glauben nichts wissen. Ist das der Grund, weshalb wir so griesgrämig durch die Welt stapfen und nur uns im Blick haben?

 

HERR, wie oft versündige ich mich an dir, weil ich nicht erzähle, wie wunderbar du an mir wirkst. Wie oft versündige ich mich, weil ich deine Taten so schnell vergesse. HERR, vergib mir! Die Schmerzen und die Unruhe in mir führen mich in Versuchung dir nichts zuzutrauen, mich verlassen zu fühlen. Schaffe in mir ein reines Herz und gönne mir doch Ruhe. Ich bin so müde, doch kann ich nicht schlafen, weil die Gelenke schmerzen. Ich will dir danken, Vater, dass ich hier liegen darf und dir nichts verschweigen muss, was mich bedrückt. Du bist ja bei mir, ich bin nicht allein.

 

Imanuel Kant schreibt: Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten drei Dinge gegeben. Die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen!

 

Ja mein Heiland, weil ich nicht schlafen kann, schwinde(l)t die Hoffnung und das Lachen ist gekünstelt. Weil das Leben so aus dem Gleichgewicht gerät, kann ich nicht geradeaus gehen. Weil im Kopf alles schwankt, habe ich keinen festen Boden unter den Füßen, werde so orientierungslos. HERR, sei wieder der Mittelpunkt meines Lebens, an dem sich die Gegengewichte auspendeln können. HERR, bleibe bei mir, lasse mich das Schöne sehen und geborgen sein in dir.

 

© Sabine Brauer Sommer 2005

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