Siglinde Bickl

Stattlicher Dackelrüde sucht freundliches Mädchen

 

1.Kapitel

Inserat im Wormser Wäldchen

unter der Rubrik

GESUCHT

 

Stattlicher Dackelmann sucht

Dackelmädchen, zwecks Freundschaft,

Heirat später nicht ausgeschlossen,

bevorzugt mit junger Menschfrau liiert,

da selber in festen Menschmann Händen.

 

 

So habe ich alle Bäume markiert im Umkreis von Fünf Kilometer. Ach so, sie wissen nicht wer ich bin?

Entschuldigung. Mein Name ist Anton von den Nibelungen. Gell, sie dachten von Tirol, nein, mit dem habe ich nichts gemeinsam.

Erstens kann ich wesentlich lauter jaulen als der und außerdem habe ich blaues Blut in meinen Adern.

                                                            ****

Herrchen und ich, wir gehen jeden Abend joggen. Was, sie wissen nicht was das ist? Sind sie denn vom Mond?

Joggen sagen wir jungen Leute und die alten nennen es rennen.

Gut, sie haben es begriffen, ja?

 

2. Kapitel

Wir laufen viele Wege.An jedem Ende machen wir Rast. Bei Heino trinkt er nur etwas, da sind wir in Eile, wegen den Abendnachrichten mit den Fußballergebnissen. Mir ist es recht so, denn es ist ein langweiliger Weg. Nichts zum Lesen.

Bei der Maria, bleiben wir ein wenig länger, da gibt’s auch eine Bockwurst für mich. Der dritte Auslauf, aber nur alle vierzehn Tage, geht ins Wormatia Stadion an der Alzeyer Straße in Worms. Wenn "die Bachputzer" gegen die „Roter Teufel“ vom Betzenberg aus Kaiserslautern spielen, da geht die Post ab.

Wauuuu, da ist die Hölle los. Da kann ich mich so richtig aus bellen, es fällt gar nicht auf, bei dem Radau.

In der Halbzeit werde ich nahe beim Imbissstand angeleint. Mein Herrchen muss dort seinen Eltern helfen, all die hungrigen Gäste mit Currywurst, Bratwurst Pommes Frittes und Fischweck zu versorgen. Unser Muttche, das ist die Mama von Herrchen geht in jedem Spiel durch die Reihen der Zuschauer und
verkauft dort die
                                   Wormatia Siegerfischweck.
Ja wir sind berühmt. Im letzten Urlaub in Oberstdorf rief ein Fan von uns quer durch den Tanzsaal diesen Schlachtruf. Soweit dringt der Ruf der Wormatia.

                                                 ***

„Wuff, wuff, Herrchen ich will mitspielen!“ Er hörte nichts war so vertieft in das Spiel. Ich aber auch.

„Das Runde muss in das Eckige, heee du Flasche, gib ab an Braner, jaaa, na es geht doch. Aber was macht der? Ich fass es nicht, noch so eine Flasche.Warte mein Freund, ich werde es dir mal zeigen? Pass gut auf, so geht das.“ Ich runter auf den Platz, dem Ball nachgejagt, ein elegantes Trippeln und ins Tor damit.

„So macht man das! Schämt euch, so viel Geld kriegt ihr dafür und habt eure Lektion immer noch nicht gelernt.“

Ein Applaus brandete auf. Alle schrieen Tooor, Tooor und im Sprechchor:

„Anton, Anton, Anton!" Jetzt wollten sie mich fangen, aber sie schafften es nicht. Laut bellend sprang ich auf dem Platz herum,

„ääätsch ihr kriegt mich nicht, ihr kriegt mich nicht.“ Das Publikum tobte:

„Anton vor, noch ein Tor, Anton vor, noch ein Tor!"Abgehetzt, schwanzwedelnd lief ich nun zu meinem Herrchen, wuff, wuff,

"gell ich darf noch mal?" Aber ich wurde ausgeschimpft und was viel schlimmer ist, angeleint. Ich versteh die Welt nicht mehr. Übrigens, das Tor wurde nicht gegeben, Gott sei Dank, es wäre ja ein Eigentor gewesen.

3. Kapitel

Danach in der Kneipe... ich war der Held

„Anton, Toni, Tonilein, Tönchen“, ich wusste gar nicht dass ich so viele Namen habe. Hier ein Stück Wurst, da Pizza, Fischsemmel und sogar Bieeer. Herrlich! Jetzt weiß ich, warum mein Herrchen so gerne da hingeht.

Eifrig wurde diskutiert. Man erwägte in Bierlaune, mich als Stürmer einzusetzen. Doch, das Ganze hat nur einen Haken, mir wäre jede Torseite recht. Hauptsache, das Danach, Fressen und Saufen bis zum Abwinken.

Oh, wenn ich an diesen Abend denke, wird mir jetzt noch schlecht. Der Heimweg war eine einzige Tortur. Alle paar Meter kotzten wir um die Wette. Wir haben doppelt solange gebraucht. Dann fand er den Hausschlüssel nicht und wir saßen auf der Treppe, bis morgens der Zeitungsträger kam. Der kannte sich besser aus in seiner Jackentasche. Durchfroren schlichen wir uns in die Wohnung und fielen sofort ins Bett. Ja, mein Herrchen und ich, wir sind ein tolles Team.

4. Kapitel

Unsere letzte Rast war beim Spielplatz Da durfte ich schnüffeln und Spuren lesen, solange wie ich wollte. Er hatte seine Zeitung und wir ließen es uns gut gehen. Manchmal entfernte ich mich auch ein bisschen weiter, dem Spielplatz zu. Die lärmenden Kinder hatten es mir angetan. Ich kroch dann dicht am Boden lang und machte mich ganz klein. Ich wollte damit sagen, seht her, ich tu euch nichts.

Komischerweise verstanden sie mich, wobei ich bei den Erwachsenen oft meine liebe Not hatte. Da roch ich etwas ganz besonderes. Ein Baby saß in einem Buggy.

„Das wissen sie auch wieder nicht, was sind sie doch so dumm.“ Das ist ein kleiner offener Kinderwagen, ganz bequem für mich. Da komme ich gut rein.

Ich schlich mich vorsichtig an, denn meine Erfahrung sagte mir, dass man die Babys nicht erschrecken durfte. Dann schrieen sie wie am Spieß und meine Chancen waren gleich Null.

5. Kapitel

Ein unwiderstehlicher Duft wehte zu mir Du riechst aber gut, fing ich mal vorsichtig an. Das Kind fuhr mit seiner kleinen Hand zart über meinen Kopf. Oh Wonne, war das schön.

"Anton komm“, rief Herrchen und widerwillig ging ich, aber zuerst noch mal schnell über das kleine Händchen geschleckt.

Ach, ich hatte ganz vergessen meine Mitteilungen zu vervollständigen. Diesen Ort gab ich nun als Treffpunkt an.

Es dauerte eine Weile, bis wir diesen Weg wieder gingen. Ungeduldig rannte ich los. Ich hatte so eine Ahnung.

 

6. Kapitel

Und richtig. Da saßen drei Frauen mit ihren Tieren und redeten mit einander. Ich tat als sähe ich sie nicht, schnüffelte hier ein bisschen, hob da mein Bein, keine Resonanz!

"Was seid ihr bloß für ein eingebildetes Pack.Wie seht ihr nur aus, neue Frisur, wart ihr beim Walz, soll das die neue Mode sein? Hut auf em Kopp, klar, ihr dürft ja keinen Sonnenstich bekommen, zwei wären davon zu viel.“Sie drehen mir den Rücken zu und schnappten sofort nach mir, als ich nur riechen wollte.

Ich bin ein gutmütiger Langhaardackel, ein Mann von Welt. Ich habe schon wirklich viel gesehen, war bei jedem Auswärtsspiel unserer Mannschaft dabei.

                                     Ich bin das Maskottchen der Wormatia Worms.

Muss ich mir das gefallen lassen,--- hab ich das nötig? ---Sonst nichts auf meine Anzeige, ----dürftig, sehr dürftig.

7. Kapitel

Und was machte mein Herrchen Er saß bei den Damen und lachte.

„So nicht mein Herr!---Hier bestimme ich wer bei uns einzieht.--- Das geht zu weit“, bellte ich, so laut ich konnte.

„Ich habe die Anzeige aufgegeben und ich suche eine aus, die zu uns passt. Was willst du mit denen? Sieh dir mal ihre Krallen an, die blute ja, die versauen uns zuhause den ganzen Teppich. Und stinken tun die, da muss ich ständig niesen.“ Ich fletschte die Zähne und kehrte den Bluthund raus. Hurtig nahmen sie ihre Hündchen auf den Schoß.

„Aber Anton was ist los,“ schimpfte er mich,

„was hast du nur?"

„Bitte Herrchen, lass uns gehen“, zerrte ich an seiner Hose.

Meine Raserei machte ihn ganz fertig. Er entschuldigte sich bei den Damen, und wir gingen.

„Was fällt dir ein Anton? Pfui, ich schäme mich, wie du dich benommen hast." War mir egal, Hauptsache weg von hier. Gehorsam trottete ich neben ihm her.

8. Kapitel

Für eine Weile gingen wir nicht mehr diesen Weg Ich war froh darüber. Aber das Kind im Wagen, hatte ich nicht vergessen. Ein paar Tage später. Vorm Aldi Markt höre ich ein Jauchzen. Zuerst dachte ich, 'Toni du spinnst.' Aber dann sprach eine Frau mit dem Kind. Ich riss mich los und rannte quer durch die Autos. Welch ein Glück, es war mein Gesuchtes. Ich schleckte es ab und winselte leise vor Freude.

„Anton, hörst du sofort auf“, kommt Herrchen angerannt, „bitte entschuldigen sie."

„Aber das macht doch nichts, ein so lieber Hund."

Gebannt schaut er sie an, ihr geht es genau so. Diesen Blick kenne ich.

Ich denke, morgen werde ich alle meine Anzeigen aus pinkeln
Hat sich erledigt.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.10.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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