Siglinde Bickl

Unser Chef ist der Beste

Jeden Morgen wenn er durch den Betrieb geht, hat er für jeden ein gutes Wort.
„Na Heini,“ damit meint er den Betriebsleiter,
„spuren sie“, er meint damit die Lehrlinge? Er kennt seine Leute alle mit Namen. Die Meisten von ihnen hat er selber ausgebildet. Sein Motto ist, was du mit den Augen stehlen kannst, darfst du mit Nachhause nehmen.

Er ist wird heuer 70 Jahre ist aber immer noch sehr rüstig. Kinder hat er keine, es sollte nicht sein.

Was ist“, redet er mit seinem Techniker,
„kommst du nicht voran? Woran hängt es? Komm nachher ins Büro, ich sehe mal drüber.“

Dann ist er beim Werksmeister.
„Rudi, komm in einer Stunde in mein Büro“

 

Eugen beobachtete schon eine ganze Weile seinen Meister.
„Was ist Rudi, hast Du kein Vertrauen mehr zu mir, komm spucks aus.“ Dabei drehte er sich in seinem Sessel um und holte aus dem Regal einen Chantre.
„Ach Chef, sie wissen ja, meine Eli wurde überfallen.“

Wie, das war deine Tochter, ich habe davon in der Zeitung gelesen.“

Ja und nun will sie nicht mehr aus dem Haus, meine Frau geht darum nicht mehr zur Arbeit und nun fehlt ihr Lohn. Der Doktor der sie betreut kostet einen Haufen Geld und wir wissen nicht ein und aus.“

Darum holst du immer Vorschuss.“ Rudi wurde über und über rot.

Verdienst du deiner Meinung nach zu wenig?“

Nein nein, geht schon in Ordnung.“

Wann hast du deine letzte Gehaltserhöhung bekommen?“

Vor drei Jahren.“

Was, schon so lange her? Gut dass du mir alles erzählt hast, ich kümmere mich drum, ach noch was, wie heißt denn der Psychiater?“

Doktor Brinkmann.“

Den kenne ich, der macht seine Arbeit richtig gut, da wird es dem Mädchen bald besser gehen Er machte sich eine Notiz seinen Kegelpartner Dr. Brinkmann anzurufen.

Später traf er den Micha, ein Lehrling im dritten Lehrjahr.

Wie sieht es aus in der Berufsschule“ fragte er?
„Bring mir morgen dein Berichtsheft.“

Ja Chef.“

 

So geht das jeden Morgen. Es sind knapp 300 Arbeiter ohne die Bürokräfte. Sie sind ein metallverarbeitender Betrieb und die Zahlen stimmen. Eugen hat die Firma von seinem Vater übernommen. Der meinte,
„machs wie ich, damit fährst du gut. Wenn die Leute zufrieden sind, gibt es weniger Kranke und die Arbeit wird schneller und besser erledigt. Denke immer daran. Sei nicht nur Firmeninhaber, sei Arbeitgeber mit Herz und Verstand. Behandle deine Leute, wie du selber behandelt werden möchtest.“ Und das beherzigte er und fuhr dabei nicht schlecht.

 

Sein Geburtstag rückte immer näher. Er überlegte wie er es handhaben soll. Für 300 Leute ein Fest auszurichten war nicht das Problem. Aber er war ein vernünftig denkender Mann, wenn ich jedem ein volles Gehalt auszahle, haben sie doch mehr davon, oder?

 

Er besprach sich mit seinem Prokurist.
„Aber die Leute verehren dich“, sagte Lukas, der älteste im Betrieb. "Glaubst du, dass sie damit froher wären?“

Aber wir haben ja noch das Sommerfest.“

Dann lass doch dieses ausfallen.“

Ja ich glaube du hast Recht. Also für jeden ein 13. Monatsgehalt. "Aber dann haben sie wieder so viele Abzüge. Machs doch anders, zahle es aus deiner eigenen Tasche, du hast es doch und kein Erbe.“.

 

Darüber wollte ich ach mal mit die reden. Es soll einer aus dem Betrieb sein, einer der das Geschäft versteht und es so macht wie ich. Kein Leuteschinder. Weißt du jemand, den wir dafür besonders schulen könnten?“

 

Ich habe mir schon lange darüber Gedanken gemacht.“

Ja“?

Doch, es sind alles sehr gute Arbeiter, wenn du eine Gesellschaft gründest und jeder hat die gleichen Anteile, was glaubst du wie sie noch mehr arbeiten, weil sie es für sich tun.“

Also du bist dafür, dann will ich mal unseren Steuerberater fragen. wie wir das Ding deichseln können.“

 

 

 

Wenn wer auch so einen guten Chef kennt bitte an die Bildzeitung melden unter dem Motto:

 

<b>unser Chef des Jahres.</b>

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Siglinde Bickl).
Der Beitrag wurde von Siglinde Bickl auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Der Menschenkäfig von Swen Oliver



Die Nacht der Nackten
Näher am Geschehen dran
Für jeden Medienkick ist etwas hier
Schauen sie doch durchs Schlüsselloch
Es ist alles kein Problem
Tauchen SIE ein ...

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Wahre Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Siglinde Bickl

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Eine große Liebe von Siglinde Bickl (Trauriges / Verzweiflung)
Der falsche und der echte Nikolaus von Ingrid Drewing (Wahre Geschichten)
Frauenzeitschriften und ihre Titel von Norbert Wittke (Glossen)