Herrmann Schreiber

Sommerzeit und Winterzeit

Manche haben sie sehr gern, die Sommerzeit. Denn beim Wechsel auf die Winterzeit kann man eine Stunde länger schlafen, und beim Übergang von der Winterzeit auf die Sommerzeit kann man dann eine Stunde eher früstücken. Sie möchten vielleicht sogar gern, dass die Zeit mehr als zweimal im Jahr gewechselt wird, oder dass es zu einer doppelten Sommerzeit kommt, bei Bedarf (für Langschläfer) auch eine dreifache Winterzeit.

Die Gegner dieser Theorie heben hervor, dass sie beim Wechsel auf die Sommerzeit eine Stunde eher aufstehen müssen, und, wenn die Winterzeit kommt, ihr Frühstück eine Stunde später bekommen. Außerdem finden sie es ermüdend, zweimal im Jahr im ganzen Haus die Uhren umstellen zu müssen.

Eine (etwas verrückte) Idee ist der gleitende Übergang: Jeden Tag eine Minute. Nach zwei Monaten macht das eine Stunde. Also März-April in der einen Richtung, September-Oktober in der anderen. Die dazu nötigen umschaltbaren Uhren müssten erst gebaut werden.

Hier, in Frankreich, ist die Sache besonders unbequem. Ursprünglich stellte man die Uhren hier nach GMT (Greenwich Mean Time). 1940 wurde das anders. Da kamen fremde Truppen, besetzten das Land und führten ihre Zeit ein. Alle Uhren mussten um eine Stunde vorgestellt werden. Das ist gleichbedeutend mit einer ganzjährigen Sommerzeit. Es ist bis heute so geblieben. Warum, habe ich nie erfahren.

Alle haben diese Zeitumstellung nicht mitgemacht. Bis etwa 1950 gingen die Uhren auf manchen Bauernhöfen noch nach der alten Zeit, weil die Kühe sich nicht an die neue gewöhnen konnten. Sie wollten zur gewohnten Zeit gemolken werden und auch ihr Futter bekommen.

Die später für ganz Europa eingeführte Sommerzeit ist also eine doppelte Sommerzeit in Frankreich. Im Juni ist das unangenehm für die Schulkinder, besonders im Westen des Landes, wo die Sonne zuletzt untergeht. Da ist noch hell, wenn sie ins Bett müssen. Dann können sie nicht einschlafen, wollen morgens nicht aufstehen, kommen zu spät in die Schule, sind den ganzen Tag über schlecht gelaunt und werden erst wieder munter, wenn sie ins Bett gehen sollen.

Verständlich. Ich habe auch die ersten Tage der Winterzeit abgewartet, um diese kleine Geschichte gut ausgeschlafen schreiben zu können. Meine Meinung zu dem Problem dürfte nach dem Vorausgegangenen klar sein: immer Winterzeit, ohne Umschaltung. Wem das nicht passt, der kann ja seinen Wecker so einstellen, dass er eine Stunde früher als sonst klingelt.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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