Can Badan

Aus dem Herzen eines Milleniums

Das wichtigste an Kunst ist das große F. F wie Freiheit. Die Freiheit, zu sein wer man wirklich ist. Sich auszudrücken wie man möchte. Sich zu erfinden wie es einem beliebt, doch ist so viel Freiheit wirklich das richtige? 

Ich bin verloren, verloren in den weiten meiner Freiheit. Wer bin ich den wirklich? Wer möchte ich sein? Wer werde ich sein werden, oder besser, wer sollte ich sein werden? Wer sollte ich wollen zu sein… 

Ich bin verwirrt, so wie viele andere meiner Generation. Die Generation vor uns versteht uns nicht, wie sollten sie auch. Ihnen wurde nie so viel Freiraum gegeben. Ich kann sein wer ich möchte, doch bin ich überhaupt im Stande diese Entscheidung zu treffen? Wann muss diese Entscheidung getroffen worden sein? Gestern - und ich war mal wieder nicht bereit.

 

Ich entschied mich dazu, dass weite zu suchen. Ausgezogen mit kaum Geld in der Tasche und Hals über Kopf in die Arbeit gestürzt. Ich blende meinen Bezug zur Realität aus. Uni ? Ausbildung ? Oder doch Vollzeit Content Creator auf TwitchTV ? Da ich morgen wieder um 7 Uhr wach sein muss, kann ich mich mit solchen Fragen jetzt nicht auseinander setzten, also zwinge ich, bevor ich schlafen gehe, noch ein Kapitel gute Lektüre in mich rein, denn Belesenheit ist unvermeidbar. Um 7 Uhr stehe ich auf und ärger mich über meine nicht Papier weißen Zähne und die 2 1/2 Pickel in meinem Gesicht, denn auf Insta hat diese Probleme niemand. Oh gott und laut der Waage bin ich schwerer als gestern! Kann nicht sein, mein Herz rutscht mir in die Hose, denn ich kann nicht schon wieder am Wochenende in den Club gehen und keine aufreißen, was denken denn dann meine Jungs von mir? 7:45 trinke ich also meinen Haferflocken - Chiasamen - Avocado power Smoothie, denn essen ist überbewertet. Pünktlich um 9 bin ich im Gym, denn um 12:00 muss ich bei meinem ersten Job sein. 15:10 ich komm raus aus dem Restaurant und renne zur Bahn, das bedeutet ich kann mir Cardio fast sparen. 16:00 Uhr nächster Job: Ein Crepe Stand auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt, nur bis 21:00 Uhr, denn dann muss ich bis 01:00 an die Bar. 

Es ist 01:30 und ich bin auf dem Heimweg. Es nieselt so ist das im Winter. Ich bin erschöpft, aber weis, ich hab heute meine Chefs glücklich mit meiner Leistung gemacht. Darauf bin ich stolz. Doch kann ich damit weiter Leben? Die Frage überfordert mich - Kannst du auf diese Art und Weise eine Existenz gründen ? Ich erinnere mich an die Worte meines Vaters: Da geht noch mehr, Junge. Strenger Ton, so klingen seine Komplimente. In der Übersetzung heisst das, ich hab etwas gutes getan. Ich weis, dass es das heißt. Mein Herz sticht.

Wenn ich noch ein Jahr verschwende dann bin ich zu alt für einen echten Job. “Echter” Job. Ich kriege angst. 

Wieso sind meine Eltern so zu mir gewesen? Wieso hat mein Vater mich nie in den Himmel gehoben? Wieso hab ich mich nicht gelobt gefühlt? Ich werde traurig, mir steigen die Tränen in die Augen. Meine Mutter sagte einmal: Heul nicht wie eine billige Hure. Ich denke an diesen Satz und der Frust kommt auf. Wut mischt mit dazu, meine Gefühle entzünden ein Feuer. Fegefeuer. Heiß in meinem Herzen. Ich weine, laufe schneller Richtung Wohnung, drehe die Musik lauter, ich geh gleich joggen. Ich bin mir sicher. Ich will joggen. Gefühle abbauen. Ich mach mein Ding. Ich mach mein Ding, Hauptsache nicht das, was meine Eltern von mir wollen. Ich mach mein Ding! Doch, ich komme durch die Haustür, was ist mein Ding? Ich erschöpfe, bevor ich der Frage weiter auf den Grund gehen kann. Ich wollte joggen gehen. Ich wollte darüber nachdenken, was mein Ding ist. Morgen muss ich früh aufstehen. Um 7 klingelt mein Wecker. Ich habe viel zu tun.

 

Gute Nacht.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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