Siglinde Bickl

Mit dem Trucker auf der großen weiten Autobahn

 

 

Stunde um Stunde tagein, tagaus, ohne Murren nur mit seinem Lenkrad und den Gedanken. Gedanke die er gerne vergessen möchte. Aber sonst hat er nix. In den vielen einsamen Nächten überfallen sie ihn mit elementarer Gewalt. Dann muss er einen Parkplatz anfahren und lässt seinen Tränen freien Lauf.

Wie fing alles an? Sie waren beide jung, hatten viele Pläne, wollten ein eigenes Haus, eine Kinderschar. Das Haus stand, es fehlte die Einrichtung. „Ich fahre eine Doppelschicht, so wird es gehen.“ Dann kam Cilli, er wollte kürzer treten, sein Kind aufwachsen sehen. Nun meldete sich der Junge an. ‚Mann was waren wir glücklich.’ Als er dann geboren wurde, reichte das Geld nicht.

„Ich fahre eine Doppelschicht.“ So allmählich merkten beide, dass sie sich veränderten. Gewiss jetzt war genug Geld da, und sie konnten sich einiges leisten. Er fuhr weiter Doppelschicht. Er kam seltener heim, war oft übermüdet. Das Geschrei der Kinder nervte ihn, ich muss schlafen.

So blieb er einfach in seinem Truck. Er hatte Bettzeug, in zwei Taschen etwas Wäsche. An den Autohöfen konnte er duschen und eine warme Mahlzeit war auch bereit. Er telefonierte jeden Abend nach Hause und sie sagte ihm, welche Schwierigkeiten bei ihr antraten. „Ich kann jetzt nicht kommen, erst in zwei Tagen habe ich dort eine Tour.“ So rief sie ihren gemeinsamen Freund.
Als er dann doch einmal plötzlich Halt machte weil die Sehnsucht in schier überwältigte, bis er sie in den Armen des Anderen fand. Seitdem fährt er kreuz und quer durch die Welt. Er kennt alle Autobahnen in Europa, fährt durch Belgien, Holland, Dänemark und Frankreich.

Bezwingt hohe Pässe, spiegelglatte Straßen, enge Dörfer. Lädt in der Schweiz in Italien und Spanien seine Fracht. Pünktlichkeit hat oberste Priorität. Oft muss seine Pause daran glauben. ‚Schlafen kann ich wenn der Auftrag erfüllt ist’ .In Frankreich schnappte ihn die Polizei. Seine Scheibe zeigte dass er 20 Stunden auf dem „Bock“ gesessen hatte. Er durfte nicht mehr weiter und sie sperrten ihn in eine Zelle.“Inapte au travail“. (arbeitsunfähig.) Fünf Punkte in Flensburg und eine Geldstrafe, die allerdings der Spediteur zahlte.

Am nächsten Tag konnte er seine Tour fortsetzen. Er kennt alle Autohöfe, die Frauen, die dort arbeiten, wird von jeder mit seinem Namen angesprochen. Fraya. Jette, Femke Camille und Livia allen hatte er schon sein Herz ausgeschüttet. Jede kannte seine Geschichte. Sie waren gute Zuhörerinnen. Denn alle Trucker schleppten ihr Bündel mit sich rum.
So fährt er Stunde um Stunde, manchmal mit dem Mikrofon in der Hand. Um sich abzulenken sprechen die Fahrer untereinander, machen sich Mut. Sie helfen sich gegenseitig, sie sind eine einsame große Familie auf dem endlos langen Asphalt.

 

 

 

 


 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Siglinde Bickl).
Der Beitrag wurde von Siglinde Bickl auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Nicht ohne Leoni von Heiger Ostertag



Ein Tag im Februar des Jahres 2006. Der EDV- Fachmann Klaus Gruschki kann kaum ausdrücken, was er empfindet, als er seine neugeborene Tochter Leoni im Arm hält. Seine Frau Michaela und er sind die glücklichsten Menschen der kleinen, süddeutschen Provinzstadt und voller Vertrauen in die gemeinsame Zukunft. Doch die Beziehung und das Glück zerbrechen. Auf einmal ist Klaus allein und Michaela mit Leoni verschwunden. Erst nach langer Suche und mit großen Mühen gelingt es dem Vater, Mutter und Kind wieder zu finden und den Kontakt zu Leoni neu herzustellen. Dann entzieht ein bürokratischer Akt dem Vater die gemeinsame Sorge fürs Kind. Gruschki weiß sich nicht anders zu helfen, als seinerseits mit der Tochter heimlich unterzutauchen. Nach einer dramatischen Flucht wird er in Österreich verhaftet und Leoni ihm gewaltsam entrissen. Er kommt in Haft und wird als Kindesentführer stigmatisiert. Doch Klaus Gruschki gibt den Kampf um sein Kind und um Michaela nicht auf …

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Wahre Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Siglinde Bickl

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Das alte Zirkuspferd von Siglinde Bickl (Tiergeschichten)
Der verbotene Luftballon von Ingrid Drewing (Wahre Geschichten)
Das Verhör von Klaus-D. Heid (Krimi)