Heinz-Walter Hoetter

Der skurrile Brief

Frau Klothilde Leckenwalther

Riesenzwergstr. 13

 

27624 Fickmühlen

 

 

Mein lieber Ignatius!

 

Es ist schon lange her, als ich Dir erst gestern einen Brief geschrieben habe. Ich hoffe, es kommt noch öfters vor, was ich aber gerne vermeiden würde, wenn ich mal wieder keinen Bock aufs Schreiben habe.

 

Nun, Du erhälst diesen Brief von mir, damit Du nicht denkst, ich sei schon gestorben. Extra für Dich schreibe ich auch ganz langsam, weil ich von Dir weiß, dass Du schnell und sicher lesen kannst, mein lieber Hanswurst.

Gerade fällt mir was ein.


Ich muss Dir nämlich noch sagen, dass Dein Onkel Langschwanz letzte Woche in einen Sudkessel gefallen und darin ertrunken ist. Einige Männer aus der Brauerei wollten ihn noch retten, doch er leistete heftigen Widerstand. Später haben wir ihn dann draußen bei uns im Garten verbrannt und seine Asche im nah gelegenen Badesee entsorgt. Einen Tag später waren dann alle Fische tot. Nur gut, dass keiner mitbekommen hat, dass wir Onkel Langschwanz da ins Wasser geworfen haben.

 

Aber ich habe auch eine gute Nachricht für Dich.

 

Vater hat jetzt endlich einen neuen Job angenommen. Eigentlich wollte er nicht auf Hartz IV verzichten, aber er musste. Komischerweise geht er auf einmal richtig gerne in die Arbeit, weil er mehr als 1500 Leute unter sich hat. Du musst wissen, auch wenn es Dir oft abhanden kommt, dass Papa auf unserem alten Friedhof den Rasen mäht und auch sonst alles in Schuss zu halten hat. Das Üble an der ganzen Sache ist nur, dass er total nüchtern nach Hause kommt, was ich von ihm früher nicht sagen konnte.

 

Übrigens sind wir umgezogen. Falls Du uns wieder mal besuchen kommst, wirst Du sicherlich unsere neue Wohnung nicht wiedererkennen. Stell' Dir mal vor, wir haben sogar eine Waschmaschine im Badezimmer. Ich tat sogleich alle Hemden hinein und drückte so einen komischen Knopf. Die Hemden sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Seltsame Maschine!? Seitdem wasche ich lieber alles wieder mit der Hand, auch wenn es mir wegen der krummen Beine eigentlich doch recht leicht fällt.

 

Gestern, das muss ich Dir noch schnell sagen, ist mir die steile Treppe im neuen Haus entgegen gekommen. Ich bin dann kopfüber gegen die Bums getürt, was zur Folge hatte, dass ich jetzt mit einem großen Loch im Kopf herum laufe. Wird schon wieder zuwachsen, denn wir sind ja hart im Austeilen.

 

Mann oh Mann, das hätte ich beinahe um mehrere Haare vergessen. Deine Schwester Maria hat schon wieder ein Kind bekommen. Die rammeln aber auch wie die Karnickel. Wir wissen allerdings noch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Schade, ich hätte Dir so gerne mitgeteilt, ob Du jetzt Onkel oder Tante geworden bist.

 

Das Wetter hier bei uns ist nicht so gut. In einer Woche hat es sogar zweimal geregnet, was sehr ungewöhnlich ist. Zudem hat es fürchterlich gedonnert, sodass unser einziges Huhn mehrmals hintereinander dasselbe Ei gelegt hat.

 

Übrigens bin ich am Freitag letzte Woche gegen Erdbeeren geimpft worden. Am nächsten Tag bekam ich dann einen fürchterlichen Durchfall. Ich glaube, ich muss mal wieder die Unterhose wechseln, weil alles schon trocken und hart geworden ist und jetzt dadurch im Schritt scheuert. Der Wolf lässt grüßen (lach).

 

Alles Rute für Dich, mein lieber Hohn. Ich hoffe auch, es geht Dir gut und Du denkst nicht so oft an mich.

 

Viele Grüße!

 

Deine Mutter

 

 

PS: Eigentlich wollte ich Dir noch ein wenig Geld mitschicken, aber als mir das einfiel, da hatte ich den Brief an Dich schon zugeklebt. Vielleicht das nächste Mal, mein Klon.

 

Bitte verzeihe mir auch meine Schreifehler. Du weißt ja, das meine Augen nicht mehr die allerbesten sind.


  (c)Heinz-Walter Hoetter

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