Heinz-Walter Hoetter

Todesstrafe - ja oder nein?

Bisweilen scheiden sich die Geister an der sog. Todesstrafe. Es stellt sich auch hier die Frage der Allgemeingültigkeit von Werten und Normen.


Schaut man sich in der Menschheitsgeschichte um, so ist festzustellen, dass ein Großteil der allermeisten Gesellschaften die Todesstrafe als höchstmögliche Sanktionsform gekannt und praktiziert haben. Im Grunde genommen existiert die Todesstrafe auch in Ländern, die sie offiziell für abgeschafft erklärt haben, wenn man sich z. B. auf den Kriegsfall bezieht, wo etwa Deserteure erschossen werden dürfen.

Ich persönlich bin ein strikter Gegner der Todesstrafe. Sie stellt in meinen Augen als Humanist eine Sanktion der jeweiligen Gesellschaft dar, um sich ihrer Konflikte zu entledigen. Die perfide Behauptung, das die Strafe einen pädagogischen Sinn habe, impliziert die Überzeugung bei so manch dummen Homo sapiens, den Verbrecher von seinem Fehltritt zu überzeugen, um ihn schließlich wieder in die Gesellschaft zu integrieren (die sog. Resozialisierung). Nun, zunächst ist die Feststellung zu treffen, dass Strafen jeglicher Art Sanktionen darstellen, die bei der Übertretung von Normen erfolgen. Das sog. "Recht" ist aber nichts weiter als ein zusammengefasstes Bündel von kodifizierten Normen, und die Machthaber des Rechts signalisieren durch Bestrafung damit die Gültigkeit dieser Normen. Somit erreichen sie mit den von ihnen durchgeführten Strafen (Sanktionen) die Stabilisierung von "Normkonformität" zur Festigung ihrer Macht (über eine Gesellschaft von Homo sapiens). Somit dient eigentlich primär Strafe auch als Abschreckung für "die anderen" Homo sapiens, die in der jeweiligen Gesellschaft leben.

Wer die Norm verletzt, der ist schnell unten durch in der Gesellschaft des Homo sapiens. Das geht schon los, auch wenn man kein echtes Gesetz dieser intelligenten Affen gebrochen hat, sondern nur gegen den üblichen Brauch verstößt, z. B. bei Empfängen durch ein unangebrachtes Benehmen. Die betreffende Person wird demnächst nicht mehr eingeladen. Auch hier wird, ähnlich wie die Gefängnisstrafe, derjenige durch "Isolation" bestraft (er wird förmlich ausgeschlossen von der Gesellschaft).

So gesehen steckt eigentlich ein Widersinn in diesem Verhalten der Gesellschaft, vor allen Dingen dann, wenn man an die Forderung anknüpft, dass der Übertreter belehrt werden müsse, dann ist diese Sanktion nicht zu akzeptieren, da sie ganz klar aus "Rache und Abschreckung" getroffen wurde. Für mich beinhaltet das keinen Erklärungswert.

Wie auch immer.

Die Todesstrafe an sich ist das Wesen jeden Fundamentalismus. Wer sie fordert ist in Wirklichkeit ein Verächter der Menschenrechte und stellt sich (geistig) mit einem Mörder gleich.

Denn die aus dem Humanismus erwachsenen Überzeugung der grundsätzlichen Möglichkeit, den Menschen zum Guten zu erziehen, ist eben NICHT das Anliegen der kodifizierten Normen (die jeweiligen Gesetze einer Gesellschaft) und ihrer Sanktionen.

In diesem Licht - und nur in diesem - muss die Todesstrafe gesehen werden. Sie ist auch ein "abscheuliches Instrument" der Mächtigen gegenüber ihren Untertanen, für sie vermeintliche "gemeingefährliche Menschen" (z. B. Systemgegner) aus der Gesellschaft (somit ihrem Machtbereich) endgültig auszuschließen. Sie (die Machthaber und Gesetzgeber) erdreisten sich, darüber bestimmen zu dürfen, wer sein Leben wegen der gesellschaftlichen Stabilität zu opfern hat.


Eine Ungeheuerlichkeit, die mich mit Ekel erfüllt.

(c)Heinz-Walter Hoetter

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Heimgeschichten - Leben im Altenheim von Christa Astl



32 kurze Geschichten, denen praktische Erfahrungen zugrunde liegen, begleiten eine Frau durch ihr erstes Jahr in einem Seniorenheim.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Drama" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die kleine Flamme von Heinz-Walter Hoetter (Weisheiten)
Keine hundert Jahre für Dornröschen! von Jürgen Berndt-Lüders (Drama)
Schnell wird man ein Ewald von Rainer Tiemann (Kindheit)