Horst Reiner Menzel

Betrachtungen - über Freunde und Freundschaften

Freunde, gewinnt man wohl nur in den sogenannten Jugendjahren, später, so kann ich aus meiner Erfahrung berichten, wird es immer schwerer, man kann sie im eigentlichem Sinne nur noch als Bekannte bezeichnen. Manche, die dir vielleicht freund sein möchten und sich aufdrängen, werden lästig, weil einfach eine geistige Basis, oder gemeinschaftliche Interessen fehlen. Man muss sie freundlich doch sehr sanft wegstimmen.

 

Andere, denen man gern Freund sein möchte, werden mit der Zeit unerträglich, weil sie eventuell zu Reichtum und Größe gelangt sind und langsam abheben, ohne es zu merken; man zieht sich zurück. Plötzlich wird es bemerkt und sie melden wieder Ansprüche auf die einstige Freundschaft an, man denkt, na probier es noch einmal, aber man wird erneut enttäuscht, es ist wie mit der Katze, du musst sie jeden Tag streicheln, sonst holt sie sich ihre Streicheleinheiten anderswo.


Pseudo-Freundschaften hast du meistens, wenn es dir gut geht oder du bist in einer starken Position, man erwartet von dir einige Vorteile, die man sich nicht entgehen lassen möchte. Ist diese Phase vorbei, kümmert sich kein Schwein mehr um dich.


Wieder andere möchten dich mit Ihren Ansichten, oder ihrem Glauben als Freund vereinnahmen, solange du das Spielchen mittust geht das gut, gibst du aber zu erkennen, dass du anderen Erkenntnissen folgst, lassen sie dich fallen wie eine heiße Kartoffel.
 

Am schlimmsten sind die Freunde, die vorgeben es zu sein, dich aber nur ausnutzen, solange du es mit dir machen lässt. Das hat nichts damit zu tun, dass man einem Freund, auch auf Dauer immer mal etwas in der Kneipe bezahlt, oder anderweitig hilft, weil man weiß, er hat es nicht so dicke, dann sollte man aber nicht darüber reden. Ich meine eher diejenigen, die über dir stehen und dich für ihre Zwecke einspannen wollen.

 

Bier- und Skatfreunde, findest du in jeder Eckkneipe, da bist du ein gern gesehener Gast, wenn du immer einen Witz auf Lager hast, oder einen ausgibst. Du wirst wegen deiner Lebenserfolge bewundert und beneidet und anderen als „mein Freund“ vorgestellt. Du schaust pikiert, wusstest gar nicht, dass der ein Freund von dir ist. Blitzartige Erkenntnis, du hast hier keine Freunde, das sind nur Trittbrettfahrer die sich in deinem „noch anhaltenden Erfolg“ sonnen. Bei der kleinsten atmosphärischen Störung, werden sie sich über dich das Maul zerreißen, sich von dir abwenden, dich überhaupt und eigentlich sowieso nicht gekannt haben wollen.

 

Manche, mit denen du seit Kindesbeinen "befreundet" bist, machen diese Freundschaft zur Einbahnstraße, solange du immer brav zu ihnen kommst, bist du gern gesehen, im Gegenzug aber sind sie selten bereit, Mühen und Kosten auf sich zu nehmen, um den freundschaftlichen Verpflichtungen nach zu kommen. Du wirst zu jedem Geburtstag eingeladen und gehst auch hin, lädst du selber ein, haben sie nie Zeit. Erkenntnis, man benötigt natürlich zu jeder Feier Dekoration, will zeigen mit wem man verkehrt und wer man ist.


Dann sind da die sog. Gebrauchsfreunde, „Helf mir mal Freunde“, sie brauchen dich nur für bestimmte Gelegenheiten, z. B. wollen sie nicht alleine Tanzen gehen, brauchen jemand, der bei ihrer Familienfeier Musik macht, oder können ohne ein zweites paar „Deckshände“ nicht segeln gehen, dann wissen sie plötzlich wo du wohnst und wie du heißt. Sie suchen sich immer und für alle Vorhaben den gerade passenden Freund aus. Ganz besonders gefragt sind immer Vollbluthandwerker, oder Spezialisten für Fachgebiete, als solcher bist du auf Lebenszeit Freund-Jedermann.
 

Dann die Gleichgesinnt-Freundschaften, Vereine, etc., die nur der Oberfläche zugewandten Freundeskreise. Dies sind meistens die ehrlichen zweckgebundenen Freunde, man verabredet sich, macht etwas zusammen und trennt sich wieder, man geht keine Verpflichtungen ein, außer dem Verein gegenüber.

 

Freunde werden zweckgebunden,

später als sehr störend nachempfunden.

 

Rei©Men

 

Die Versprech-Freundschaften, z. B. im Urlaub, oder Kur ist man voneinander begeistert, man will den Kontakt halten, sich besuchen, aber dann holt einem doch der Alltag ein, man erkennt, es war sehr nett, vielleicht auch schön, aber, eben nur in dieser Umgebung, wo man das Leben und auch alles andere schön fand.

 

Mit einem Titel: z. B. von Sowieso, als Firmenchef, Abgeordneter, oder Dr. bist Du von ungebetenen Freunden förmlich umlagert. Diese Reihe könnte man endlos fortführen.


Langsam wirst du alt, und als Freund unbrauchbar, man kann mit dir keinen Staat mehr machen, es sei denn du bist zu einer großen Nummer aufgestiegen und man kann mit dir richtig angeben.

 

Mach dir nicht zu viele Gedanken über

Freunde aus deiner Vergangenheit.

Es gibt gute Gründe, wenn sie

es nicht in deine Gegenwart geschafft haben

und es nie in deine Zukunft schaffen werden.

 

Rei©Men 2016

 

Ohne Dich

 

Die Jahre vergehen,

So schnell ist's geschehen,

Doch es kommt eine Zeit,

Von der dir nichts bleibt,

Wirst kaum wahrgenommen,

Von all jenen Jungen.

Du hast sie gezeugt, geboren,

Hast sie an den Ohren gezogen,

Doch nun bleibst du zurück,

Sie lieben ihr Lebensglück,

Nun allein - ohne Dich.

Fallout, du kannst gehen,

Man will dich nicht sehen,

Du bist nur noch peinlich,

Ach, sei nicht so kleinlich,

In diesem Leben, alter Tor,

Kommst du nicht mehr vor.

 

Rei©Men

 

Schon damals, als wir in der Schule Schillers Gedicht:

>Die Bürgschaft< "Zu Dionys dem Tyrannen schlich Damon den Dolch im Gewande, ihn schlugen die Häscher in Bande"

lernen mussten, wunderte ich mich über den so überaus friedlichen Schluss-Vers:

 

Und blicket sie lange verwundert an. (Der Tyrann)
Drauf spricht er: "Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte!" (Freund)

 

Waren doch ein beabsichtigter Mord und die vorgesehene Strafe des Hängens für den verhinderten Täter vorangegangen. Was beabsichtige nun Schiller mit diesem so glücklichen Ausgang der Geschichte. Zwischen dem psychopatisch gestörten Tyrannen und den beiden Freunden sollte plötzlich Freundschaft herrschen? Unglaublich, hatten die treuen Freunde - der eine bürgte mit seinem Leben für den anderen, den Tyrannen doch so gerührt, dass er für sich selber eine solche Freundschaft wünschte, eine Freundschaft die er nie erleben durfte, war der vereinsamte Tyrann von ebensolchen "Freunden" umlagert? So oder ähnlich müssen wohl Schillers Gedankengänge gewesen sein. Eine schöne, aber leider unrealistische Geschichte im Reiche der Lyrik - von Schiller wunderschön erzählt.

 

Rücksinnend kann ich für mich erkennen, ich hatte im Leben wohl nie einen wirklichen Freund, mit allen musste immer "ich" die Kontakte pflegen, sonst wären sie eingeschlafen, immer musste ich zu viele Kompromisse machen, zurück kam selten etwas, oder wie man das heute neudeutsch als Feedback bezeichnet.

 

In meinem Alter denkt man doch öfters mal an das Ende unseres bewussten irdischen Daseins nach, aber ich werde mich nicht im Groll daraus lösen. Jesus soll gesagt haben "Es ist vollbracht", womit er wohl sein Lebenswerk, wegen der Liebe zum Mitmenschen als Märtyrer zu sterben meinte, dass wirkt bis in unsere Zeit hinein. Mein Großvater sagte am Sterbebett zu meinem Vater " 'is alle Paul, ich hab‘ mein Leben gelebt". Ein guter Freund sagte kurz vor seinem Tode zu mir: Reiner: "Wenn es soweit ist, kommt kein Arzt mehr an mich heran, dann soll es so sein". Es starb kurze Zeit danach an Krebs und verfügte, dass Freunde nicht zu seiner Beerdigung kommen sollten. Er sagte: Wirkliche Freunde werden danach mein Grab in Leipzig besuchen.

 

Wenn man die Toten beweint,

sollte man sich daran erinnern,

wie oft man mit ihnen gelacht hat.

 

Rei©Men

 

So nimm den Abschied von den Freunden, und den Freundschaften, alles im Leben hat seine Zeit, auch eine solche, in der es keine mehr gibt.
 

Es lebe die Freundschaft!

 

Hast du einen Freund gefunden,

schau genau in sein Gesicht.

Freundschaft zählt nicht nur in schönen Stunden,

sie muss wachsen, oder sie zerbricht.

 

Oft ist es schwierig dem Freunde die Wahrheit zu sagen,

manchmal ist`s besser, es mit sich selbst auszutragen.

Wenn es dir auch nicht am Mute gebricht,

in manchen Dingen wird Schweigen zur Pflicht.

 

Wenn sie kommen, und dich mit ihren Sorgen plagen,

wir genießen immer die Zeiten, die wir mit ihnen haben.

Mögen auch sie von meiner Seele kosten,

so hab‘ ich das Beste an ihnen genossen.

 

Rei©Men

 

Autor: Horst Reiner Menzel

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