Heinz-Walter Hoetter

Gedanken zum monotheistischen Glauben

Die folgenden Zeilen sollen nicht nur Kritik sein, sondern überwiegend als Denkanstoss dienen.

 

***

„Die Forderung der wissenschaftlichen Objektivität führt dazu, dass jeder wissenschaftliche Satz vorläufig ist. Nicht der Besitz von Wissen, von unumstößlichen Wahrheiten, macht den Wissenschaftler, sondern das rücksichtslos kritische, unablässige Suchen nach der Wahrheit.“

K.Popper

 

 

Gleiches muss auch für alle Religionen gelten.

 

Heinz-Walter Hoetter

 

***

 

 

Milliarden von Menschen aus den verschiedensten sozialen, intellektuellen und bildungsmäßigen Umgebungen sind davon überzeugt, dass es einen Schöpfer der Welt gibt, der es wert ist, angebetet zu werden.

 

Warum ist das so?

 

In der Tat scheint eine wirkende Kraft (von Ursache und Wirkung) und ein (möglicher) sinnvoller Zweck hinter dem zu stecken, was wir Menschen All, Kosmos oder Universum nennen (gemeinhin auch als Schöpfung bezeichnet).

 

Hinweise auf jene göttliche Gegenwart erscheinen darin wie abstrakte Mathematik, die die Geheimnisse des Universums mehr oder weniger darzustellen bzw. zu durchdringen vermag (wenngleich noch nicht vollständig, denn auch die Mathematik scheint ihre Erklärungsgrenzen zu haben– Stichwort: *Weltformel = Die Theorie von Allem).

 

*Eine kurze Anmerkung dazu:

 

Auf der Suche nach der sog. "Weltformel", welche die fundamentalen Theorien der modernen Physik in sich vereint, haben sich Wissenschaftler begeben, wie der weltberühmte Physiker Stephen Hawking und Kollegen, um herauszubekommen, was vor dem Urknall war.

 

Zumindest scheint für viele Menschen ein verständiger Geist (oder ähnliches) am Werk zu sein, dem man die Fähigkeit zuschreibt, die Welt erschaffen zu haben (allerdings könnten es genauso gut Natur- und / oder kosmische Gesetze sein, die nachweislich ganz von selbst wirken und auch ohne einen Gott auskommen bzw. funktionieren).

 

Wir beobachten fernen, dass die gesamten Abläufe in der Natur fein darauf abgestimmt sind, Leben und Bewusstsein hervorzubringen. Das allein ist schon an sich für viele Menschen ein Wunder, das wir wohl nie ganz (sozusagen bis ins letzte Detail) verstehen werden, weil unsere fünf (irdisch angepassten) Sinne dafür nicht ausgelegt sind. Uns bleibt nur das Vehikel der Transzendenz, mit der wir versuchen können, jene Grenzen zu überschreiten, die uns in die Traum- und Vorstellungswelten außerhalb unseres real erlebten Bewusstseins führen, aber mit der Wirklichkeit der erfahrbaren Sinnes- und Dingwelt fast nichts oder gar nichts mehr zu tun haben (was letztendlich auch Auslöser für alle möglichen und unmöglichen Spekulationen ist).

 

Selbst Stephen Hawking, den ich oben bereits schon erwähnt habe, sagte einmal: „Solange das Universum einen Anfang hat, können wir annehmen, dass es auch einen Schöpfer gibt.“

Doch die ketzerische Frage sei erlaubt, ob dies alles schon ausreicht (religiöser Glaube / naturwissenschaftliche Theorien, besonders der Physik usw.), um nachdenkliche Menschen zwingend davon zu überzeugen, dass die gesamte Schöpfung das alleinige Produkt eines einzigen personifizierten Metawesens sein soll, welches über derart gewaltige Möglichkeiten und Kräfte verfügt, um ein komplexes Gebilde, wie das Universum, einfach so aus einer allgemeinen, absoluten Leere heraus entstehen zu lassen? Für mich ist das auf geistigem Wege nur sehr schwer nachvollziehbar, wenn gar unmöglich.

In den Schulen und Universitäten wird gelehrt, dass im Laufe vieler Millionen und Abermillionen von Jahren, quasi wie aus dem Nichts, Leben entstanden ist (bzw. Leben entstanden sein soll) und zu immer höheren Lebensformen (durch Selektion) mutierte (siehe Darwin).

 

Das ist zwar (möglicherweise) richtig (vielleicht sogar zwingend logisch), stellt aber wohl nur einen Teil der Wahrheit von der Entstehung des Lebens auf jenem Planeten dar, den die Menschen den Namen ERDE gaben.

 

Doch wo ist die eindeutig lokalisierbare Schnittstelle zwischen der Materie und dem Leben an sich (in seiner primitivsten Form) oder der belebten und der unbelebten Materie? Wann fängt „Leben“ an, wie begann es wirklich und wer oder was gab dazu die Initialzündung? Gibt es auf diese (immerhin wichtigen) Fragen überhaupt eine alles umfassende Antwort? Ich denke mal, dass diese Fragen nie profund beantwortet werden können (leider). Der menschliche Geist wird in dieser Hinsicht immer allein sein und ewig weitersuchen müssen.

 

In früheren Zeiten waren die Menschen anscheinend sicherer in der Behauptung, dass es einen Gott (oder Götter) gibt, auf jeden Fall viel sicherer als heute. Das mag wohl daran gelegen haben, dass sie einfach noch nicht über das entsprechende geistige Wissen (mithin über die modernen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Disziplinen) verfügten, um sich z. B. die physikalischen Erscheinungen in dieser Welt vom Verstand her richtig und logisch erklären zu können.

Selbst die primitivsten Urwaldstämme, die keine Zivilisation kennen gelernt haben, sind (und waren sich) sicher über die Existenz eines allmächtigen (übernatürlichen) Schöpferwesens (z. B. Manitu bei den Indianern Amerikas). Irgendwie scheint die Gottesvorstellung im Menschen angelegt und damit universell zu sein. Doch wozu?

 

Und wenn sie nicht an einen Monogott glaubten, so frönten sie trotzdem voller Inbrunst den Glauben an eine Vielzahl von Göttern, die, wie wir heute wissen, allerdings reine Fantasie- und Mythengebilde waren (z. B. der germanische Gott Donar oder Thor). Diese Gottheiten verkörperten in jenen (weit zurückliegenden) Zeiten nichtsdestotrotz wirkungsvolle Glaubensmuster, die das gesamte Leben der Menschen von damals enorm stark beeinflussten und bestimmten.

 

Vermutlich fragen sich wohl die allerwenigsten unter uns, warum sie eigentlich glauben. Eine große Zahl Wissenschaftler hingegen, allen voran die Neurowissenschaftler, wenden sich dieser Frage in neurer Zeit immer mehr zu.

 

Sie behaupten unter anderem, dass das menschliche Gehirn nichts weiter als ein „großer Geschichtenerzähler“ ist. Eine interessante Feststellung, die mich gewissermaßen zurück auf meine Kurzgeschichten (und Gedichte) bringt. Ich erzähle ja auch nur „Geschichten“ die ich mir selbst ausgedacht habe und die in der Realität niemals stattgefunden haben. Mir fällt dazu die Frage ein, ob die sog. „Heiligen Bücher“ gewissermaßen auch nur Produkte menschlicher Vorstellungskräfte (Fantasie) sind und ob sie nur reines Wunschdenken darstellen bzw. verkörpern?

 

Wie auch immer.

 

Schon seit Urzeiten suchen die Menschen nach dem Woher, Wozu, Wohin, also nach dem Ursprung, dem Sinn und das Ziel des Lebens ganz allgemein. Seit seiner Existenz ist der aufrecht gehende Zweibeiner auf der Suche nach einem „höheren Wesen“. Denn der Glaube an sich ist viel älter als die sog. „monotheistischen Religionen“. Vielmehr ist er so alt wie die Menschheitsgeschichte selber.

 

Trotzdem muss man sich die Frage stellen, warum der Mensch heute immer noch den obskuren Glaubensvorstellungen der monotheistischen Religionen verfallen ist, obwohl sie als Welterklärungsmodelle schon längst ausgedient haben?

 

Hängt es vielleicht damit zusammen, dass sich der Mensch der Neuzeit moralisch neu bestimmen möchte? War er wohl möglich zu vielen Beliebigkeiten einer (falsch verstandenen) Freiheit ausgesetzt, der er jetzt wieder entkommen möchte?

Oder ist der Glaube nur als Sicherheits-Motiv in einer unruhig gewordenen Zeit zu verstehen?

Die Schaffung einer sog. „neuen Glaubensumgebung“ durch krampfhafte Belebung anachronistisch anmutender Religionen (siehe Islam und andere), die (scheinheilig) eine vermeintliche Sicherheit vortäuschen (durch Regelabläufe) bzw. diese ganz bewusst fördern und Zweifel erst gar nicht aufkommen lassen wollen, um die eigene Macht über Menschen zu festigen, indem sie vorgeben, Angst und Unsicherheit vom einzelnen fernhalten zu können (etwas, was sie gar nicht können), scheint in unserer Zeit immer mehr in Mode zu kommen (und das trotz aller Bildung und Aufklärung). Atavismus in religiösem Gewand?

Die Lust, andere zu beherrschen und dem eigenen Glauben zu unterwerfen ist meiner Ansicht nach ein Überbleibsel der Ur- und Frühgeschichte des Menschen. Diese perverse Lust setzte sich in den sog. monotheistischen Religionen fort, deren Gott/Allah blutrünstig und mordlustig ist (siehe Koran, altes Testament oder Thora). In der Ausübung von Macht bis hin zur Legitimation von Aggression, Sadismus sowie Massen- und Völkermord verstoßen (und verstießen) sie gegen alle Regeln der Menschlichkeit.

Wer weiß denn schon, dass der erste Selbstmordattentäter der (jüdisch-religiösen) Geschichte ein gewisser Samson war, der die Säulenhalle der Philister einstürzen ließ und viele Menschen (etwa dreitausend) mit in den Tod nahm? Seltsame Parallelen zum islamischen Selbstmordattentat auf das WTC in New York, wobei ebenfalls an die dreitausend Menschen ihr Leben verloren. Der Wahnsinn der Monotheisten scheint Epochen überdauern zu können. Schrecklich genug.

Dagegen sind *Hinduismus und *Buddhismus sehr viel weiter als die großen monotheistischen Glaubensvorstellungen aus dem Hause Ibrahim.

Ich würde mal sagen, das hier die asiatische Geisteskultur - neben der Großtat, eine positive Grundeinstellung zur Alltagsarbeit zu finden - die hervorragende metaphysische Idee darstellt, dass jeder Mensch seinen ganz persönlichen Erlösungsweg suchen darf, suchen kann und auch suchen muss, und dadurch wohl eine ungewöhnlich große Faszination auf die Menschen ausübt. Auch scheinen mir diese fernöstlichen Religionen politisch, rechtlich, kulturell und vor allem das praktisch so unendlich wichtige Toleranzgebot, in diesen Glaubensvorstellungen viel besser philosophisch fundiert, als in den semitischen, die vor Gewalt nur so triefen (siehe besonders Islam und Christentum).

Darüber nachzudenken lohnt immer.

Ich persönlich favorisiere den Buddhismus, der meinem gewaltfreien Denken sehr nahe kommt.

*Hinduismus

Der Hinduismus hat eine mystische Toleranztradition mit Absolutheitsanspruch, d.h. hinter aller Vielfalt der Götter verbirgt sich doch letztlich eine Einheit.

*Buddhismus

Der Buddhismus basiert auf dem Gebot des Nichtverletzens, nicht einmal mit Worten. Die Feindesliebe ist dabei Prinzip. Eine rechte Lehre in dem Sinne gibt es nicht, jeder muss selbst erkennen, was ihm nützlich ist.

 

(c) Heinz-Walter Hoetter

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Dem Leben entgegen von Monika Wilhelm



Zwei sensible Frauen, die sensible Gedichte schreiben. Beide schürfen tief. Da bleibt nichts an der Oberfläche. Beide schöpfen aus ihrem emotionalen Reichtum und ihrem souveränen Umgang mit Sprache. Dabei entfalten sie eine immer wieder überraschende Bandbreite: Manches spiegelt die Ästhetik traditioneller formaler Regeln, manches erscheint fast pointilistisch und lässt viel Raum für die eigenen Gedanken und Empfindungen des Lesers. Ein ausgefeiltes Sonett findet sich neben hingetupften sprachlichen Steinchen, die, wenn sie erst in Bewegung geraten, eine ganze Lawine von Assoziationen und Gefühlen auslösen könenn. Bildschön die Kettengedichte nach japanischem Vorbild! Wer hier zunächst über Begriffe wie Oberstollen und Unterstollen stolpert, der hat anhand dieser feinsinnigen Texte mit einem Mal die Chance, eine Tür zu öffnen und - vielleicht auch mit Hilfe von Google oder Wikipedia - die filigrane Welt der Tankas und Rengas zu entdecken. Dass Stefanie Junker und Monika Wilhelm sich auch in Bildern ausdrücken können, erschließt an vielen Stellen eine zusätzliche Dimension [...]

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Sonstige" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die kurze Geschichte vom Ende der Zeit von Heinz-Walter Hoetter (Sonstige)
Mama ...Lupus...autobiographisch... von Rüdiger Nazar (Sonstige)
Der Dichterengel von Norbert Wittke (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)