Corinna König

Josie - Mein Leben und ich TEIL 10

Und dann ist der Mittwoch gekommen. Unser Date-Mittwoch. Ich muss sagen, dass ich gemischte Gefühle hab. Ich freue mich natürlich, Ben zu sehen, aber die Geschichte mit Juliane verunsichert mich zunehmend. Wie die beiden sich auf der Hochzeit angesehen haben. Und dann die Situation auf der Herrentoilette. Dann hat er sich sinnlos betrunken und sie am nächsten Tag wiedergetroffen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Man spürt zwar die Abneigung, die Ben gegen sie hat, aber man spürt auch ganz ganz deutlich die Vertrautheit zwischen den beiden. Das macht mir wirklich zu schaffen. Linda kommt ins Bad, um zu sehen, wie weit ich bin. "Du siehst total schön aus, Josie. Ich wünsche euch einen schönen Abend. Genießt die Zweisamkeit." "Danke. Das werden wir. Ich bin glatt ein bisschen aufgeregt." "Das brauchst du nicht. Ben frisst dir aus der Hand. Und dein Ausschnitt erledigt den Rest.", zwinkert sie mir zu. Worauf sie wohl raus will?! Da dämmert es mir. Sex. Natürlich. Es geht ja immer um Sex. Innerhalb einer Sekunde steigt meine Nervosität um ein Vielfaches. Ich bin kurz davor, in eine Papiertüte zu pusten, da klingelt es schon an der Tür. Linda verschwindet grinsend in ihrem Zimmer. Ich reiße mich so gut es geht zusammen und öffne Ben die Tür. Zugegeben: Ich bin etwas verdutzt. Ben steht in Jeans und Kapuzenpulli vor mir. "Josie hey. Oh Mann, du siehst umwerfend aus.", fährt er sich mit dunkler Miene mit der Hand durchs Haar. "Danke." "Ich muss leider absagen." Ich falle aus allen Wolken: "Was??" "Es tut mir so leid. Aber meine Oma ist gestürzt und muss ins Krankenhaus. Ich fahr direkt zu ihnen. Ich wollte dir nur Bescheid geben." "Oh mein Gott. Geht es ihr gut? Soll ich mitkommen?", erkundige ich mich. "Nein, das ist lieb. Aber ich werd ein paar Tage dort bleiben. Mit Dave und Mike ist schon alles abgesprochen." "Okay... dann bestell ihr liebe Grüße und gute Besserung." "Werd ich machen. Also bis dann." Und genauso flott wie er aufgetaucht ist, ist er schon wieder weg. Etwas überrumpelt und enttäuscht will ich grade die Tür schließen, als er plötzlich nochmal angehechtet kommt und meint: "Ich hab noch was vergessen!" Bevor ich in irgendeiner Art und Weise reagieren kann, packt er mich und küsst mich stürmisch. Seine Hand wandert dabei unter anderem über meinen Hintern. Das ist so aufregend. Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht. Mit einem verschmitzten Lächeln geht er wieder.




Ich wanke etwas benommen zur Couch und lasse mich in die Kissen fallen. Im ersten Moment hatte ich etwas Bedenken, dass Juliane bei ihm aufkreuzen könnte, wenn er bei seinen Großeltern ist. Aber diese Gedanken hat er mit seinem Kuss ganz weit weg verbannt. Eine Weile liege ich lächelnd auf der Couch und starre die Decke an, da kommt Linda aus ihrem Zimmer und erschreckt sich fast zu Tode, als ich vor mich hin schmachte. "Aaah!! Josie!! Was machst du denn noch hier?!?! Ich dachte, Ben hätte dich schon lange abgeholt!" "Er musste leider absagen.", antworte ich ihr bewegungslos. "Oh Mann.", bemitleidet sie mich und holt zwei Löffel und einen Becher Eiscreme. Sie lässt sich neben mir nieder und legt ihren Kopf auf meine Schulter: "Was ist denn passiert?" "Wir haben geknutscht! Und wie!!", protze ich rum. Sie setzt sich auf und starrt mich verwirrt an: "Wie geknutscht? Das musst du mir erklären!" Gesagt - getan. Ich erzähle ihr also, was passiert ist und wir freuen uns zusammen über den Kuss, der mich noch immer umhaut.

 


Am Wochenende beschließen wir, dass wir mit Dave zusammen Ben und natürlich seine Großeltern besuchen. Er hält uns mit Anrufen und Nachrichten stets auf dem Laufenden. Seine Oma ist schon wieder zuhause. Aber seinem Opa fällt der Haushalt allein doch sehr schwer, deshalb bleibt Superenkel-Man noch ein, zwei Tage länger. Bevor wir uns auf den Weg zu ihnen machen, halten wir noch in Bens Wohnung und bringen ihm auf Wunsch neue Klamotten mit. Während ich Shirts, Strümpfe und Unterwäsche zusammensammele und Linda die Blumen gießt hört Dave die Nachrichten auf Bens AB ab. "Ah, da sind nur zwei Nachrichten drauf." Irgendwie macht sich ein mulmiges Gefühl in mir breit. Als erstes wurde keine richtige Nachricht hinterlassen. Man hört nur ein Piepsen. Doch die zweite Nachricht lässt mir einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen: >Hallo Ben. Ich bins. Jules. Ich... ich würde gern nochmal mit dir reden. Du weißt ja... es geht um... naja um uns. Melde dich doch bitte. Also dann. Machs gut.< Mir stockt der Atem. Es herrscht Totenstille. Linda sucht Augenkontakt, doch ich starre auf den Boden. Dave drückt wie blöd auf dem Anrufbeantworter rum, um zu verhindern, dass die Nachricht nochmal abgespielt wird. "So. Das wird wohl nicht so wichtig sein. Josie, hast du alle Klamotten? Dann fahren wir!", wedelt er mit seinen Armen rum. "Ja, ich hab alles. Gehen wir." Meine Traurigkeit lässt sich nur schlecht überspielen. Doch ich versuche einfach, mich darauf zu konzentrieren, dass ich Ben gleich wiedersehe. Und dass ich mich auf ihn freue.




Während der Fahrt versuche ich, mir nichts anmerken zu lassen und rede ununterbrochen. Dort angekommen begrüßt uns zuerst Opa Herbert. "Mensch, so viel junger Besuch. Schön, dass ihr alle hier seid." Erna liegt im Wohnzimmer auf dem Sofa und freut sich ebenfalls, uns alle zu sehen. Ben kommt auch gerade zur Tür rein. Linda lässt ihn gleich wissen, dass auf sie Verlass ist: "Deine Blumen leben alle noch. Hab alle ganz gewissenhaft gegossen." Ich halte seine Sporttasche hoch und gehe auf ihn zu. Ich lächle ihn an und er lächelt auch zurück: "Hier. Deine Wechselklamotten." "Danke, das ist lieb von dir." Er wirkt etwas abgelenkt. Für eine ordentliche Begrüßung hat es bisher leider auch noch nicht gereicht. Dave geht einen Schritt auf ihn zu und sagt leise und möglichst undercover: "Da war auch ne Nachricht auf deinem AB. Von Juliane." Doch ehe Ben reagieren kann, betritt plötzlich und von uns dreien vollkommen unerwartet Juliane das Zimmer: "Das hat sich schon erledigt. Wie du siehst." Meine Augenringe muss man aus einem Flugzeug erkennen. Ich starre Ben ungläubig an. Ihm ist die Situation sichtlich unangenehm. Da versucht er, sich zu erklären: "Tja... Jules hilft uns ein bisschen solange Oma flachliegt." "Nur ein paar Einkäufe und hier und da mal kochen.", kichert diese dumme Gans siegessicher. "Ach was. Und... Finn?", fragt Dave leicht gereizt und auch Oma Erna rollt mit den Augen: "Ja das hab ich mir auch schon gedacht." "Bis ich den Kleinen im Kindergarten abholen kann, helfe ich hier gerne." Ich balle meine Faust vor Wut. Über sie. Und über Ben. Wie kann er nur so blöd sein?!. Von den anderen unbemerkt öffnet Linda meine Faust und nimmt meine Hand. Auch Herbert merkt mir meine Enttäuschung an und legt den Arm um mich: "Komm mein Mädchen. Ich zeig dir mal den Hof." "Gerne.", lächle ich ihn an. Hauptsache raus hier.




Draußen fängt Herbert an, zu erklären. "Dieses schreckliche Frauenzimmer. Hoffentlich ist meine Erna bald wieder fit, sodass wir sie los sind." "Du meinst Juliane?!" "Keine Ahnung, warum Ben sich von ihr helfen lässt." "Ich hab da so eine Vermutung..." "Ich denke, er will einfach nicht unhöflich sein. Weißt du, wir haben ihn sehr gut erzogen.", will er mich aufmuntern. "Zumindest haben wir unser Bestes gegeben. Mach dir keinen Kopf." Linda kommt zu uns gelaufen und läuft eine Runde mit uns über den ganzen Hof, bis Herbert uns alleine lässt: "Ich muss noch kurz zu den Nachbarn. Schaut euch ruhig um." Da klärt Linda mich auf: "Ich bin auch nur gegangen, weil Dave mir zu verstehen gegeben hat, dass er sich Ben mal vorknöpfen will." "Ich denke nicht, dass das was bringt. Ben ist nicht einer, der sich reinreden lässt." "Das werden wir ja sehen."




Beim Abendessen - Juliane ist glücklicherweise zwischenzeitlich gegangen - ist die Stimmung am Tisch etwas... durchwachsen. Das Gespräch will einfach nicht so wirklich ins Rollen kommen. Ich merke, wie Ben immer wieder meinen Blicken ausweicht. So kenne ich ihn gar nicht. Eigentlich ist er sehr direkt und immer zu einem Scherz aufgelegt. Aber davon ist heute nichts zu spüren. "Wir werden dann nach dem Essen wieder aufbrechen.", meint Dave. "Es hat mich auf jeden Fall sehr gefreut, dass ihr extra meinetwegen den weiten Weg auf euch genommen habt." "Erna, das machen wir doch gerne." Sie lässt es sich nicht nehmen, eine spitze Bemerkung fallen zu lassen: "Trotzdem. Schön, mal Besuch hier zu haben, den man mag." Ben seufzt: "Oma." "Du brauchst mich nicht maßregeln, Ben. Es ist so und es bleibt so. Ich wollte sie nicht hier haben und ich will sie nicht hier haben." Ganz untypisch wird Ben lauter: "Ja ich hab es mir auch anders vorgestellt. Aber nun ist es nun mal so. Wenn du Jules nicht hier haben willst, dann sag ihr das. Ich misch mich da nicht ein." "Sie ist hier unerwünscht Ben." "Sie will nur helfen." "Sie drängt sich auf!" Bevor die Situation noch vollends eskaliert, springen Linda und ich vom Tisch auf: "Alle fertig? Dann räumen wir mal den Tisch ab." Ben ist mehr als gestresst, das sieht man ihm deutlich an. Doch ich komme nicht an ihn ran. Er vermeidet nach wie vor jeden Blickkontakt und erwartungsgemäß fällt die Verabschiedung genauso dürftig aus, wie die Begrüßung. Mit diesem flauen Gefühl im Bauch, trete ich die Heimreise an.




Wenige Tage später gehe ich abends in die Bar. Ich wollte mich dort mit Linda auf einen Cocktail treffen und dann ab ins Kino. Doch sie ist weit und breit nicht zu sehen. Also nehme ich direkt am Tresen Platz und hake mal bei Dave nach: "Hallöchen. Sag mal, ist Linda noch gar nicht da? Wir wollten uns vor dem Kino eigentlich hier treffen." "Hey Josie. Doch, doch. Die ist noch oben. Lisa kränkelt ein bisschen und lässt sich nur von Linda ins Bett bringen. Sandy ist schon fast ein bisschen eifersüchtig...", muss er lachen. "Ach so." Scheinbar gucke ich etwas bedröppelt. Immerhin meint Dave, etwas Aufheiterung würde mir gut tun. "Was darfs denn sein, Josie? Am besten was mit ordentlich Bums, oder? Du siehst ein bisschen missmutig aus." "Oh, wirklich? Nein, alles gut." Meinem krampfigen Grinsen glaubt er wahrscheinlich genauso wenig wie ich selber. Er mixt mir meinen Mexican Sunset und lehnt sich über die Bar: "Ist es wegen Ben?" "Was soll denn sein? Mit Ben?", stelle ich mich doof. "Naja wegen Juliane." Natürlich streite ich zunächst alles ab. Aber Daves Blick durchbohrt mich förmlich, da sprudelt es nur so aus mir raus: "Ich weiß einfach nicht, was ich davon halten soll. Er hat sie so geliebt. Er wollte sie heiraten. Das macht mir alles Angst." Dave legt seine Hand auf meine Schulter und redet mir gut zu: "Aber warum lässt du dich davon entmutigen?" Fragend starre ich ihn an. "Naja, selbst wenn sie wieder an ihm rumbaggern sollte. Ben ist nicht dumm. Er bringt mit ihr nicht mehr die Beziehung von früher in Verbindung. Er bringt mit ihr nur die unglaubliche Enttäuschung und den Schmerz in Verbindung, den er ihr zu verdanken hatte." Ich rühre skeptisch in meinem Cocktail rum: "Ich weiß nicht." "Außerdem hat er in der Zwischenzeit ein tolles Mädel kennengelernt, das ihn viel mehr interessiert." Er zwinkert mir zu und nimmt die nächste Bestellung von einem Gast auf. Ich hoffe, er hat Recht. Doch bevor ich mir weiter meinen Kopf darüber zerbrechen kann, kommt endlich Linda. "Hey hey. Sorry, hat ein bisschen länger gedauert. Mit meinem Cocktail wirds jetzt glaub ich knapp. Wollen wir gleich los?" "Klar." Bei unserer Verabschiedung umarme ich Dave und lasse Linda wissen: "Dein Freund ist übrigens toll."




Während wir im Kino sitzen, fragt Linda mich, ob ich überhaupt schon ein Geburtstagsgeschenk für Ben hab. Oh Schreck. Das hatte ich ganz vergessen. "Weißt du, zu Dave hat er gesagt, dass er eigentlich nicht feiern möchte. Aber wenn er schon an einem Samstag Geburtstag hat, dann sollte man das ausnutzen. Denkst du nicht?" "Naja, wenn er das nicht will, dann..." Ehe ich meinen Satz beenden kann, klingelt plötzlich mein Handy. Natürlich buht mich der ganze Kinosaal aus. Ich versinke ganz tief in meinem Sitz und drücke den Anruf weg. Ben. Ich schreibe ihm kurz, dass ich im Kino bin und ihn dann zurückrufe. Da schlägt er vor, dass er später einfach auf nen Sprung vorbeikommen kann. Passt mir gut. Bin fürs Kino genau in richtigem Maße aufgehübscht und würd mich freuen, ihn zu sehen. Ich flüstere Linda zu: "Das könnt ihr dann ja noch genauer klären. Ben kommt später noch kurz vorbei." "Warum das denn?" "Vielleicht weil er mich sehen will?!" Glücklicherweise kann im Kino niemand sehen, dass ich schon wieder rot werde. Linda ermutigt mich: "Dann schnapp ihn dir. Du musst jetzt mal in die Vollen gehen. Verführ ihn. Bezirze ihn. Lass es krachen." "Linda, du wirst ja ganz hibbelig." "Das zieht sich jetzt schon so lange mit euch. Also jetzt endlich mal ran an den Speck!" Ihre Worte geben mir so viel Mut. Ich bin voller Tatendrang. Und Sie hat ja eindeutig Recht. Es wird Zeit, dass endlich mal was passiert. Ich werd ab jetzt also in die Offensive gehen und mir meinen Ben endlich angeln.




Zuhause angekommen sehe ich schon sein Auto vor der Türe stehen. Meine Freude kann ich nur schlecht verbergen. Während ich versuche, möglichst sexy die Treppe raufzulaufen, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, als sich unsere Blicke treffen. "Hallo!" Ben grinst zurück: "Hey ihr zwei." Linda verzieht sich ohne Umschweife in ihr Zimmer, sodass wir in Ruhe reden können. "Wie gehts deiner Oma? Wir haben uns ja seitdem nicht mehr... gesehen." Ich setze mich aufs Sofa und er folgt mir. "Ihr gehts gut. Sie ist wieder fit und rennt durchs ganze Haus." "Das freut mich. Aber... warum bist du denn hier?" "Vielleicht wollte ich dich einfach sehen?!" Ich muss kichern. "Naja unser Date ist ja ins Wasser gefallen. Daher wollte ich..." Während er redet, ziehe ich mir ganz laaangsam meine Stiefel aus. Ben ist sichtlich beeindruckt und gerät ins Stocken. "Ähm. Hast du Samstag Zeit?" "Samstag? Da ist doch dein Geburtstag!" "Genau." "Und den willst du..." "...mit dir verbringen." Ich fühle mich geschmeichelt: "Was wollen wir denn machen?" "Ach weißt du." Er beugt sich zu mir rüber und kommt näher und näher. Seine Hand liegt tief in meiner Taille. "Ich denke, uns fällt schon was..." Da kommt Linda aus ihrem Zimmer gestürmt: "Mir ist so schlecht." Sie biegt um die Ecke und man kann sie bis ins Wohnzimmer bröckeln hören. Linda kann das nicht in normaler Lautstärke. Bei ihr hört sich das immer so an, als würde ein Elch überfahren werden. Von einem ICE. Die Stimmung ist natürlich hinüber... "Entschuldige. Ich... ich glaube, ich seh mal lieber nach ihr." Wir verabschieden uns gerade wie schüchterne Teenies, da kommt Linda aus dem Badezimmer. "Also dann bis Samstag?" "Bis Samstag." "Was denn? Du machst doch ne Geburtstagsfeier? Oh Mann, ich hätte das Popcorn nicht mit den Gummibärchen mischen sollen. Wo willst du denn feiern? In der Bar oder bei dir?" Ben ist mit Lindas Fragen etwas überfordert. "Also eigentlich war es nicht so geplant.", versucht er zu erklären. Doch Linda will nicht so recht verstehen, was er meint: "Ja ja, ich weiß schon. Aber gut, dass du dich nochmal umentschieden hast. Dave war schon fast ein bisschen enttäuscht. Er sagt, ihr habt bisher jeden Geburtstag zusammen gefeiert." Ich sehe Ben an, dass er ein schlechtes Gewissen bekommt. "Ja Ben. Wolltest du in der Bar oder bei dir feiern?", zwinkere ich ihm zu und gebe ihm quasi grünes Licht. "Ich denke eher bei mir." "Ja, ist vielleicht besser. Das ist dann intimer.", bringt Linda uns unfreiwillig zum Lachen. Ben fährt sich durchs Haar und stellt fest: "Nicht intim genug. Aber egal. Ich schreib euch noch wegen der Details. Oder wir besprechen das einfach mittags mal in der Bar." "Genau. So machen wir das. Ich muss jetzt ins Bett, ehe mir wieder schlecht wird." "Ja, es ist spät. Ich geh auch ins Bett." Spitzbübisch grinst Ben mich an: "Da wär ich gern dabei gewesen." Ich verabschiede mich mit einem Küsschen auf die Wange von ihm und schaue ihm nach, wie er schmunzelnd mit den Händen in den Hosentaschen geht...


Am nächsten Morgen mache ich Linda selbstverständlich die Hölle heiß. Erst stachelt sie mich an, dass ich mir Ben endlich krallen soll und anschließend macht sie mir einen Strich durch die Rechnung, nur weil sie im Kino Süßigkeiten durcheinander futtert bis ihr übel wird. "Das hast du echt toll hingekriegt, Madamme!" "Ihr wolltet doch nicht... AUF UNSEREM SOFA?!?", verzieht sie angeekelt das Gesicht. "Na hör mal. Wer weiß, was ihr beiden da schon alles getrieben habt?! Außerdem weiß ich ja gar nicht, ob was gelaufen wäre, bzw. wie viel. Denn DU hast uns ja unterbrochen! DU musstest ja kotzen! In voller Lautstärke! Keine angenehme Geräuschkulisse zum Fummeln, weißt du?!" Sie stochert in ihrem Frühstücksei herum und senkt den Kopf: "Tut mir leeeiiid!"

 

 

Wenige Tage später ist es schon soweit: Bens Geburtstagsfeier soll heut Abend steigen. Ich bin gerade bei den letzten Zügen, Bens Geschenk einzupacken. Oma Erna hat auf Claras Hochzeit während unseres Tanzes und vor der ganzen Vollkatastrophe ein wunderschönes Bild von uns beiden gemacht. Ich hab es kurzerhand entwickeln lassen und einen passenden Rahmen gekauft. Zwar nur eine Kleinigkeit aber es kommt von Herzen. Außerdem ist das ein kleiner Fingerdeut dahingehend, dass wir zusammen einfach toll aussehen. Es passt einfach. Hab ja lange genug gebraucht, das zu kapieren. Da kommt Linda in mein Zimmer: "Josie bist du fertig? Wir sollen ein bisschen früher kommen. Ben ist mit den Vorbereitungen noch nicht ganz fertig geworden. Er hat Dave gefragt, ob er ihm noch helfen kann. Wir gehen dann auch direkt mit, oder?" "Ja klar. Wir können bestimmt auch noch behilflich sein. Ich muss mich nur noch kurz umziehen." Eine knallenge Jeans und ein schwarzes Shirt mit transparentem Rücken. Ben wird Augen machen.

 

 

Wir machen uns also zu dritt auf den Weg. Meine Aufregung steigt von Meter zu Meter. Vor Bens Tür angekommen verhalten sich Dave und Linda plötzlich sehr merkwürdig. Sie stammelt: "Mensch Dave, hat Ben dir nicht geschrieben, er bräuchte noch... Servietten?!" Dave und ich fragen im Chor: "Servietten?!" Als würde ich es nicht genau merken, knallt Linda Dave ihren Ellbogen in die Rippen: "Klaaar! Servietten!" "Aua! Ach... ja stimmt. Servietten. Ohne gehts natürlich nicht." "Josie geh doch schon mal rauf. Wir holen noch kurz im Supermarkt um die Ecke Servietten und kommen nach." Ich gucke die beiden ungläubig an, meine "Ihr seid bescheuert!" und gehe schließlich ins Treppenhaus. Auf dem Weg nach oben überlege ich dauernd, was das für ein komischer Auftritt von den beiden war. Doch die Gedanken sind sofort verflogen, als Ben mir die Türe öffnet. "Josie. Du siehst toll aus. Komm rein." Mit vermutlich knallrotem Kopf umarme ich Ben und gratuliere ihm: "Ich wünsch dir alles Liebe zum Geburtstag, Ben." Seine Hände wandern dabei langsam über meinen Rücken. Ich will ihn gar nicht mehr loslassen. Anschließend drücke ich ihm noch ein Küsschen auf die Wange. "Danke. Danke." Ich will gerade anfangen zu erklären, wo die beiden Dummnasen abgeblieben sind, da falle ich aus allen Wolken. "Linda und Dave kommen nach. Die wollten noch..." "... Die wollten uns Zeit für nen Quickie lassen." Ich krieg keinen Ton raus, so baff bin ich. Mit großen Augen starre ich Ben also an. War das jetzt ne Einladung oder wie?! Da dämmert es auch Ben: "Oh sorry, ich hätte mich vielleicht anders ausdrücken sollen." Ben grinst mich an und klärt auf: "Ich hab grad eben noch kurz gelüftet und da hab ich die beiden unten vorm Haus reden hören. Du warst schon im Treppenhaus." Endlich fällt der Groschen auch bei mir: "Und da haben sie sich unterhalten über..." "Sie haben gemeint, wir sollten noch ein bisschen Zeit zu zweit verbringen bevor die Gäste kommen." "Und dann hat..." "...Linda gemeint, wir könnten ja auch einen Quickie machen." "Und jetzt..." "...stehen die beiden da unten und diskutieren, wie viel Zeit wir wohl für einen Quickie brauchen." "Das ist nicht dein Ernst!", stampfe ich zum Fenster. Während Ben sich amüsiert, mache ich meinem Ärger Luft: "Ihr zwei Dummköpfe! Seht zu, dass ihr eure Hintern hier raufbewegt! Ich glaub, ihr seid bescheuert!" Die beiden erschrecken sich fast zu Tode und Ben muss sich den Bauch halten vor lachen. Der Abend geht ja gut los. Doch ich fange mich wieder und versuche, mir nichts anmerken zu lassen: "Was gibts denn jetzt noch zu helfen?" Ben weiß von nichts: "Äh, ich bin hier fertig. Nix helfen." Da kommen auch die zwei Scherzkekse in die Wohnung: "Sorryyy..." Nachdem ich erst eine Minute am Stück schimpfe, beruhige ich mich schließlich wieder und genieße die Zeit mit meinen Freunden. Und vor allem mit Ben.

 

 

Der Abend ist wirklich gelungen. Ben wollte nur in kleinerer Runde feiern. Es sind nur wir und ein paar Freunde aus der alten Clique da. Es wird viel geredet, gelacht und getrunken. Zur späteren Stunde fängt sogar der eine oder andere an zu tanzen. Ganz vorne dabei: Natürlich Linda und ich. Die Stimmung ist ausgelassen. Alle haben Spaß. Da nutze ich die Gelegenheit, als Ben sich in die Küche schleichen will und zerre an ihm herum: "Los, tanz doch auch mit, Geburtstagskind." Doch er ziert sich: "Ich wollte nur schnell die leeren Flasc..." Kurzerhand nehm ich ihm ebendiese Flaschen ab und stelle sie auf den Esstisch: "Los jetzt." "Ich bin dafür wirklich noch nicht betrunken genug.", liegt er mir in den Ohren. Doch ich lasse nicht locker und fädele meine Finger links und rechts in seine Gürtelschlaufen. "Wir wollen gerade loslegen, da klingelt es plötzlich. Dass Ben sich freut, nicht tanzen zu müssen, kann man ihm ganz deutlich ansehen. Doch meine gute Laune schlägt augenblicklich um, als plötzlich wieder diese Juliane vor der Tür steht. Ben dreht sich ertappt zu mir um. Ich weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Man kann trotz der lauten Musik Getuschel und Geflüster von den anderen hören. Sachen wie: "Was macht die denn hier?" "Haben die wieder Kontakt?" und sogar: "Sind die etwa wieder zusammen?" Mir platzt der Kragen und ich ziehe mich schließlich zurück ans Fenster. Linda folgt mir und will mir gut zureden: "Josie, Ben hat sie bestimmt nicht eingeladen." "Was macht sie dann hier?" Während Linda nach einer Antwort sucht, frage ich weiter: "Meinst du, da läuft wieder was?" "Ach so ein Quatsch. Das glaubst du doch selbst nicht." Da hängt sich diese dumme Gans total an Bens Hals und gratuliert ihm ebenso innig wie ich es getan hab. Sogar ein Küsschen drückt sie ihm auf. "Siehst du das?", verzweifle ich. "Josie, schau dir doch mal Bens Miene an. Das ist ihm total unangenehm. Er will sicherlich nur höflich sein." Als Ben das Geschenk von ihr öffnet, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: "LINDA! Ich hab vergessen, Ben mein Geschenk zu geben." "Was?!" "Jaaa. Ich hab gar nicht dran gedacht, vor lauter Aufregung." "Josie!! Was denkst du denn, wieso Dave und ich noch Servietten kaufen gehen wollten?" Fragend starre ich sie an: "Na dass du ihm in aller Ruhe das Bild geben kannst. Depp!" "Aaach, und was war das mit dem Quickie?!" Sie fuchtelt wild mit den Armen rum: "Tjaaa, das ist im Gespräch irgendwie so aufgekommen!" Ich muss lachen: "Du bist so doof!" "Spaß bei Seite: Gib ihm dein Geschenk gleich jetzt. Am besten sofort. Und mach dieser Tussi klar, dass sie ihre Chance bereits hatte!" Von Lindas weisen Worten gestärkt packe ich also meine Tasche und gehe zu den beiden. Diese kleinen Blitze zwischen ihren Augen entgehen mir dabei zu meinem Leidwesen nicht. Doch ich würdige sie keines Blickes und wende mich Ben zu: "Hättest du vielleicht kurz Zeit?" Juliane tötet mich förmlich mit ihren Blicken. Doch das lasse ich nicht an mich ran. Ich verziehe mich also mit Ben in eine ruhige Ecke und wühle wild in meiner Tasche rum: "Ich hab da noch was. Also... dein... Geschenk. Wo ist es denn jetzt? Ich habs vorhin... vergessen! Also wo ist es nur?!" Ben amüsiert sich köstlich über meinen Auftritt und muss schmunzeln: "Sag mal, du wirkst irgendwie nervös! Alles klar bei dir?" "Jaja, natürlich. Nervös?! Wieso denn?! Pff...", stammle ich - mehr als nervös. Doch endlich bekomme ich das Geschenk zu greifen. Verlegen grinsend halte ich es ihm unter die Nase: "Ist aber nur ne Kleinigkeit." Er öffnet es und ich kann ihm die Freude richtig ansehen. "Wow. Josie, das ist wirklich ein tolles Geschenk. Ich kenne das Foto gar nicht." "Deine Oma hat es gemacht und Clara hat es mir geschickt. Da hab ichs entwickeln lassen und... ja! Jetzt hast du es in der Hand." Seine Reaktion lässt aber schon ein wenig zu wünschen übrig. Ich hätte eine herzliche Umarmung und vielleicht sogar ein Küsschen erwartet. Aber das Küsschen bleibt ganz aus und auch die Umarmung fällt etwas kleiner aus. Dafür schielt er immer wieder zu Juliane rüber. Mein Eindruck ist schon, dass er sich sehr über das Foto gefreut hat. Aber irgendwie fühlt er sich unwohl in meiner Nähe wenn sie auch anwesend ist. Ich grüble, ob ich nachhaken soll, aber das hat sich jetzt eh erledigt. Die anderen zerren uns auf die "Tanzfläche". Seit Juliane da ist fällt mir bereits auf, dass die meisten sie meiden. Grade mal ein "Hallo" schenken sie ihr. Ein paar vereinzelte Leute unterhalten sich kurz mit ihr, doch man spürt deutlich die Distanz. Scheinbar zu viel für sie. Nach nicht mal zwei Stunden verabschiedet sie sich von Ben. Ich drehe mich grade zu Linda um und meine: "Gott sei Dank. Ich versteh gar nicht, wieso Ben sich noch mit der abgibt." Aus heiterem Himmel steht sie hinter mir und greift nach ihrer Jacke, die auf dem Stuhl hängt, an dem ich mich gerade festhalte. Ihrer Reaktion nach hat sie auch jedes Wort gehört. Die wirft mir einen schon fast mörderischen Blick zu und kommt mir sehr nahe. "Ich werde wieder mit Ben zusammen kommen. Ob es dir passt oder nicht. Du solltest eure kleine Romanze lieber vergessen.", flüstert sie mir drohend zu. Mir gefriert das Blut in den Adern. Auch Ben bekommt mit, dass die Situation gerade kippt. Doch ohne, dass ich in irgendeiner Weise reagieren kann, verschwindet sie schnurstracks.

 

 

So sehr ich mich im weiteren Verlauf des Abends auch anstrenge, ihre Kampfansage lässt mich nicht kalt. Scheinbar kann Ben das Elend irgendwann nicht mehr mit ansehen und spricht mich an: "Sag mal, was hast du denn? Amüsierst du dich nicht?" Nicht mal ein richtiges Lächeln will mir gelingen: "Doch. Klar." "Was war denn da vorhin los?" "Ich weiß nicht, was du meinst!" "Worüber hast du dich denn mit Jules so angeregt unterhalten?" Jules! Wenn ich das schon höre! Jules! Sein ganz persönlicher Spitzname für sie! Jules! Ich könnte kotzen! "Ich hab mich nicht mit deiner Jules unterhalten! Sie hat mich dumm angemacht! Mehr nicht!" "Was hat sie denn gesagt?" "Ben, bitte!" Er kommt näher und greift meinen Arm: "Sags mir." Doch ich merke, wie mir die Galle hochkocht und will die Flucht ergreifen. Aber Pustekuchen: Ben versperrt mir den Weg. "Josie jetzt erzähl schon." Ich sträube mich dagegen und höre mich plötzlich sagen: "Was ist das zwischen euch beiden?" Bens Antwort jagt mir einen Schauer über den Rücken: "Es ist kompliziert." Er sagt das mit so einem komischen Unterton, dass ich meine herauszuhören, dass er gerne wieder mit ihr zusammen wäre, aber nicht weiß, ob er ihr verzeihen kann. Das ist eindeutig zu viel für mich. Da dränge ich mich an ihm vorbei und rette mich ins Badezimmer. Ich lehne mich übers Waschbecken und kämpfe mit den Tränen. Ich verstehe gar nicht, was mit mir los ist. Irgendwie war es für mich immer so, dass Ben sich um mich bemüht hat. Ob es während meiner Beziehung mit Dennis war oder danach: Ich hab es immer irgendwie genossen. Doch an Bens Vergangenheit wollte ich keinen Gedanken verschwenden. Zu erfahren, dass er einer anderen einen Heiratsantrag gemacht hat und beinahe Vater geworden wäre, lässt ihn für mich in einem ganz anderen Licht dastehen, seit ich es erfahren hab. Doch dass seine Vergangenheit nun permanent Kontakt zu ihm sucht und klopfend vor der Tür steht, damit kann ich nicht umgehen. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich hätte schon viel eher kapieren sollen, dass ich in Ben verliebt bin. Vielleicht hätte diese Juliane dann nicht mehr dazwischen funken können. Aber jetzt? Ich bin überfragt. Völlig in meine Gedanken versunken, merke ich erst, dass Ben an die Tür klopft, als er schon fast dagegen hämmert. Ich schließe auf und setze mich auf den Badewannenrand. Ben kommt zögerlich rein, schließt die Türe hinter sich und kniet sich vor mich. Er verschränkt seine Arme auf meinen Oberschenkeln und sieht mich einfühlsam an: "Was hast du denn?" "Tut mir leid, dass ich dich da draußen so angeblafft hab. Ich hab wohl zu viel getrunken. Das wollte ich nicht." "Das hab ich mir schon gedacht, aber was ist denn los?" Ich kann einfach nicht mit der Sprache rausrücken. Immer wieder versuche ich, die richtigen Worte zu finden und setze an, aber ich bekomme kein Wort raus. "Es ist wegen Jules. Hab ich Recht?" Ich nicke leicht. "Weißt du, Josie... Jules und ich waren lange Zeit zusammen." "Ich weiß." "Dann kam die Trennung und ich hab sie lange Zeit gehasst!" "Das hätte doch jeder an deiner Stelle." "Was meinst du damit?" Oh mann, Ben wusste nicht, dass ich das alles weiß. Ich bin so eine dumme Kuh. Doch lügen bringt ja auch nichts. Also verrate ich, dass Bens Großeltern mir alles erzählt haben. "Warum haben sie das getan?" "Als Erklärung für dein Verhalten auf Claras Hochzeit. Dass du so übellaunig warst und so viel getrunken hast." "Aber dann verstehst du ja sicher, warum die Geschichte so kompliziert ist, oder?" "Um ehrlich zu sein nicht. Sie hat dich so verletzt. Warum sprichst du überhaupt noch mit ihr?" "Sie ist mir wichtig. War. Sie WAR mir wichtig." Erschüttert starre ich ihm in die Augen, da legt er noch nach: "Es ist einfach kompliziert. Wenn sie da ist dann... Ach ich weiß auch nicht." "Und wenn sie nicht da ist?" "Dann ist alles anders." Wir sitzen noch eine kurze Weile so im Badezimmer. Kein Wort. Wir blicken uns nur an. Bis Linda ihren Kopf zur Tür reinstreckt und fragt, ob alles in Ordnung ist. "Ja, es ist alles in Ordnung.", antworte ich ihr und stehe auf. Ben hält meine Hand und fragt: "Ist es?" Ich lächle und nicke ihm zu. "Ich glaub, ich werd jetzt gehen." Linda fällt aus allen Wolken: "Was denn? Jetzt schon?" Auch Ben will mich zum Bleiben überreden. "Komm schon, du kannst jetzt noch nicht gehen." Ich lasse mich schließlich umstimmen und bleibe. Doch den restlichen Abend verbringe ich mit einer Flasche Wasser am Tisch. Nach Tanzen ist mir nicht mehr. Nach und nach leert sich die Wohnung. Alle bedanken sich bei Ben für die Einladung und den schönen Abend. In meiner Komfortzone hab ich gar nicht mitbekommen, dass Dave scheinbar etwas viel Alkohol erwischt hat. "Oh mann, den könnt ihr ja nie nach Hause schleifen.", stellt Ben fest. "Aber was sollen wir denn machen?" "Dann bleibt doch einfach hier. Ihr beide könnt oben in meinem Bett schlafen und ich werds mir mit Josie auf dem Sofa bequem machen. Was haltet ihr davon?" Was denkt der sich denn eigentlich? Er sagt mir quasi, dass er noch an seiner Ex hängt und will mit mir auf dem Sofa kuscheln?! Nicht mit mir! "Also ich weiß nicht. Ich würde schon lieber zuhause..." "Ich kann auch den Schlafsack holen und auf dem Boden schlafen!", unterbricht Ben mich. "Nein, das musst du nicht. Aber ich geh trotzdem lieber nach Hause." Linda mischt sich auch ein: "Aber Josie. Du kannst jetzt nicht alleine nach Hause laufen." "Soll ich dich bringen?", bietet Ben mir an. "Nein so ein Quatsch! Das war doch deine Geburtstagsfeier. Du bleibst hier. Ich werd das schon schaffen." Der Gedanke, mit Ben alleine unterwegs zu sein, bereitet mir Gänsehaut. Außerdem will ich nicht unhöflich sein. "Josie entweder du lässt dich von mir heimbringen oder du schläfst hier! Es ist drei Uhr nachts. Da läufst du garantiert nirgendwo alleine rum.", meint Ben mit bestimmtem Ton, sodass ich resigniere: "Gut, dann bleib ich halt hier." Zusammen räumen wir die Überreste der Feier weg und machen uns schließlich "bettfertig".

 

 

Ich schminke mich also im Bad ab und ziehe - wieder mal - ein Shirt von Ben an. Als ich wieder ins Wohnzimmer komme breitet Ben doch tatsächlich einen Schlafsack auf dem Boden aus. "Was tust du denn da?" "Na ich mache mir mein Bett!" "Ben, du kannst doch nicht uns dein Bett überlassen und selbst auf dem Boden schlafen.", schimpft Linda von oben. "Ja Ben. Du kannst ruhig auf dem Sofa schlafen. Da drüben halt. Und ich hier." "Bist du sicher, Josie?!" Er wirft mir dabei einen ganz merkwürdigen Blick zu. Als hätte er schon geahnt, dass ich einknicke. "Klar. Los, pack den Schlafsack weg." Gesagt - getan. Ben verstaut den Schlafsack also wieder im Wandschrank und legt sich - mit gebührendem Abstand - aufs Sofa. Er löscht das Licht und wünscht uns eine gute Nacht. "Gute Nacht. Und danke, dass wir hier schlafen können." "Keine Ursache!" Minuten und Stunden vergehen und ich kann nicht einschlafen. Da Ben sich dauernd von A nach B wälzt, gehe ich davon aus, dass es ihm auch so geht wie mir. Plötzlich durchbricht seine Stimme die Stille: "Ich will dir nicht wehtun." Seine Worte bringen die schon den ganzen Abend wackelnden Dämme zum Brechen. Ohne ein Wort zu sagen, verkrümele ich mich tiefer und tiefer in die Kissen und kann nicht verhindern, dass mir die Tränen nur so übers Gesicht huschen.

 

 

Auf dem Heimweg am nächsten Morgen diskutieren Dave, Linda und ich über die ganze Geschichte. Da klärt Dave, der übrigens noch einen etwas flauen Magen hat, uns auf. Er kennt Ben am besten und weiß genau, wieso er dies oder jenes macht: "Das war so eine Art Schutzmechanismus von Ben." "Was meinst du?" "Ben hätte sein Leben mit Juliane verbracht. Nur weil sie ihn so sehr verletzt hat, sind die Gefühle ja nicht von jetzt auf gleich verschwunden. Es war ja eine plötzliche Trennung. Nichts, was sich nach und nach aufgebaut hätte. Er hat sich von ihr getrennt und sie dennoch weiterhin geliebt." Daves Worte reißen mir mein Herz entzwei. "Er hat sie all die Jahre gemieden und die ganze Beziehung verdrängt, weil er Angst hatte, dass er sie immer noch lieben könnte." Linda hakt nach: "Und meinst du, das tut er noch?" "Also vor einem halben Jahr hätte ich noch ja gesagt. Auf jeden Fall. Er hat keine an sich rangelassen." "Aber?" "Aber jetzt, wo er dich kennengelernt hat, Josie. Da bin ich mir sicher, dass er sie hinter sich lassen kann." Es ist lieb von ihm, dass er mir Mut machen will. Doch er will gleichzeitig, dass ich vorsichtig bin: "Der Zeitpunkt des Wiedersehens war nur etwas ungünstig." "Das hab ich mir auch schon gedacht...", winke ich ab. "Immerhin hast du ihm zu verstehen gegeben, dass du keine Beziehung mit ihm haben willst.", merkt auch Klugscheißerin Linda an. "Und dann taucht seine Ex wieder auf und... Ich weiß. Das hab ich mir irgendwie selber eingebrockt." "Gib ihm einfach ein bisschen Zeit, Josie. Ben ist ja nicht bescheuert. Er weiß, dass Juliane nicht aufrichtig ist. Vertrau mir." Ich hoffe, das Dave Recht behält...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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