Olaf Lüken

Oli Kahn auf den Zahn gefühlt - eine Fiktion

An jedem Zahn
hängt ein Mensch

Ich bin sportlich durchaus ein versierter und interessierter Überlandreporter. Immer auf Tour, immer auf der Jagd nach einer schneidend gelungenen Story für die Titelseite meines Onlineblogs. Mit meinen Zeitgeist-Reportagen verdiene ich wenig genug. Ich ackere, werbe, schaffe an. Glauben Sie mir, ich gehe mittlerweile mit meiner Zahnseide auf dem Zahnfleisch. Jetzt habe ich mit Oli Kahn, Fußballidol einer ganzen Generation - ein Interview vereinbart. Ich will ihn auf den Zahn fühlen, also sprachliche Chirurgie vom Feinsten leisten. Denn der Mann, das weiß ich, weiß was er sagt. Mein Gesprächsziel ? Oli Kahn - zeig her deine Zähne !

Schon lange wollte ich mit Oli auch den Zahn der Zeit treffen und ihn mit saloppen Fragen auf den tieferen 'Grund seiner Erfahrungen gehen und, falls erforderlich, ihm auch mal die Zähne zeigen oder sie ihm ziehen. Manchmal ist es aber klüger, einfach auf die Zähne zu beißen. Wo kann man das erfolgreicher als auf dem kunstvollen Edelrasen im Münchner Stadion. Um dem stets eloquenten Ex-Welttorwart mit gezielten Fragen auf den Zahn zu fühlen, verabredeten wir uns vor einem der beiden Fußballtore in der Allianz-Arena. Zeitlich kam ich etwas ins Hintertreffen und musste meinem Zahnrad die Sporen geben und noch einen Affenzahn zulegen. Dann war war es soweit. Ich erreichte den Rasenplatz. Freudestrahlend kam mir Oliver Kahn, unser aller Oli, mit einem steilen Zahn entgegen. Sie lächelte. Er, einst Torhüter vom FC Bayern, war immer schon mehr, als die Galionsfigur des Vereins. Unter seiner zottelig gelben Mähne blitzten bleckend seine schneeweißen Zähne. Oli, ja, das ist ein ganzer Kerl. Der konnte schon früher auf dem Platz zu einem Vampir mutieren.  Wehe dem Angreifer, der Oli's Beißer zu sehen und zu spüren bekam. Wenn Titan Oli sich wie ein Säbelzahntiger nach dem Ball streckte, kaute er seinem Gegner auch schon mal ein Ohr ab oder versuchte mit einem gewaltigen Sprung seinen Nacken zu packen. "Gut gebrüllt, Tiger", schrie das Publikum. Ja, das war Oli. Und wir Fans wollten Blut sehen, dass es nur so spritzte. Bevor ich mein Zahnrad abstellte, machte ich mir aus den Speichen des Rades eine Zahnspange, schob alles ordentlich  ein und richtete meine Weisheitszähne. Glauben Sie mir, Weisheitszäne, sind oft genug das einzig intelligente am Menschen. Ich sah Oli ganz entspannt auf mich zukommen. Grinsend, frech, die Zähne gefletscht. "Hey Oli, du hast schöne Zähne, gibt's die auch in Weiß?" Oli schwieg und biss seine Beißer fester zusammen. Dann zischte er: "Ich sag dir, 'Alter, noch so ein Spruch und deine Zahnbürste greift morgen früh ins Leere." Ich erschrak:"Aber Oli, ich wollte dich gar nicht provozieren, nicht einmal dein Mundwerk prüfen." Oli sah mich an und schwieg. Für eine Weile standen wir uns Auge um Auge, Zahn um Zahn gegenüber. Oli's überkrontes Gebiss blitzte grell im Sonnenlicht. Vor mir stand die geballte Kraft eines wütend gewordenen Racheengels. Ich verlor für einen Augenblick die Kontenance. Sekunden später bekam ich meine Fassung zurück und stellte dem Ex-Welttorwart die alles entscheidende Frage:

"Oli, was ist rot und schlecht für die Zähne?" Oli lächelte und überlegte. "Mensch Oli! Was ist rot und schlecht für die Zähne ? Ich sag' es dir - ein Backstein!"

Stunden später wachte ich auf. Über mir beugte sich dmein Zahnarzt mit einem kreisend-kreischenden Bohrer in der Hand. Ich musste wohl vorher auf den Mund gefallen sein.

(c) Olaf Lüken (2018)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Mit dem Schreiben und Dichten, ist das so eine Sache.So war ich oft der Meinung, nur lyrisch Schreiben zu können, falls ich mich in einem annähernd, seelischen Gleichgewicht befände, erkannte aber bald die Unrichtigkeit dieser Hypothese.Wichtig allein, war der Mut des Eintauchens.Das Eins werden mit dem kollektiven Fluss des Ganzen. Meine Gedanken, zärtlich zu Papier gebrachten Gefühle,schöpfte ich stets aus diesem Fluss.

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