Stefanie Kleinpaß

Gekaufte Nähe - eine Geschichte von Sehnsucht

Ich sehe Dir in die braunen Augen und kann meinen Blick nicht von Deinen langen, dichten 
Wimpern lösen. Du schaust nicht weg. Ich irritiere Dich gar nicht. Angst vor meiner eigenen 
Courage – bisher hatte ich wenig Mut, Initiative zu ergreifen. Wie kam ich bloß auf diese 
abgefahrene Idee, im Internet so ein Treffen zu arrangieren? Zwei Klicks und die Abrechnung 
erfolgt über PayPal. 100 km bin ich zu Dir gefahren – gut, dass mich hier keiner kennt. 

Du lächelst – ja, Du lächelst und wirst offenbar etwas ungeduldig. Dein Blick ist offen, fast 
auffordernd, und Du kommst langsam auf mich zu - groß und muskulös – so schön. Kurz 
schrecke ich zurück, zögere und mein Herz scheint sich zu überschlagen. Hier ist es kühl und 
trotzdem klebt mein Shirt schweißnass unter meinen Achseln. Jetzt ist das egal. Ich will es 
versuchen. Spüren, wie es ist, sich fallen zu lassen, ohne das ganze Herantasten, Abwägen 
und Verstellen. Keine Verpflichtungen – quasi ein Geschäft ohne Worte. 

Du gibst keinen Laut von Dir und kommst immer näher. Meine Hemmungen verfliegen – ich 
berühre Deine Stirn, streiche zärtlich entlang Deiner Augen. Du drückst Dich an mich und ich 
spüre Deinen kräftigen Herzschlag. Jetzt schlinge ich meine Arme um Deinen Hals und 
vergrabe meinen Kopf an Deiner warmen Schulter. Selbstbewusst erwiderst Du meine Nähe. 
Ich atme tief und warte, was geschieht. 

„Ja mei, die Linda moag di. I lass uib ma zam.“

Ich zucke zusammen und sehe den Bauern aus den Augenwinkeln davon gehen. Er lacht, 
schüttelt den Kopf und nuschelt: 
„Ja mei, die Städter. Komms zum schmauggeln mit d Küahl auf di Alm. Aa guad so.“

Ich streiche Dir über das glänzende Fell und schäme mich ein wenig - aber nur ein wenig. 
„Gell Linda, heute ist ein guter Tag zum Kuhkuscheln!“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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