Sabine Brauer

Eingepackt und zugeschnürrt

Eingepackt und zugeschnürt

 

Ein Traum hielt Michaela gefangen, nahm ihr den Atem, schnürte ihr die Kehle zu. Ihr Sohn Sven, 5 Jahre alt, kommt ihr entgegen. Sie weiß, dass er sie bestohlen hat. Wut und Enttäuschung trüben ihren Blick. Sie holt eine große Blechkiste, setze sie in den Kofferraum ihres Wagens und legt das Kind hinein. Anschließend verschließt und verschnürt es die Frau mit dicken Seilen und wirft noch Kleider und Decken obendrauf. Niemand soll den Jungen finden. Sie will nicht mehr, dass er frei herum läuft.

 

Am nächsten Tag will ihr Mann etwas aus dem Auto holen. Michaela möchte ihn daran hindern, doch wagt es nicht. Gerhard kramt die Sachen heraus, die er braucht, entdeckt dabei die Kiste und öffnet sie. Entsetzt schaut er seine Frau an. Dann nimmt er behutsam seinen kleinen Sohn in die Arme und möchte ihn gar nicht mehr loslassen. Auf seine Frage, weshalb sie das getan habe, antworte ich unter Tränen: “Ich wollte doch nur nicht, dass er wieder stiehlt!”

 

Ein Stück Wirklichkeit hatte sie da in dem Traum eingeholt. Sven wurde seit frühester Kindheit von schweren Minderwertigkeitsgefühlen gequält. Er wollte sich Liebe und Freundschaft erkaufen. Dafür stahl er bei den Geschwistern, den Eltern und der Oma Geld, um sich mit Geschenken bei den Nachbarskindern einzuschleimen. Mit 18 Jahren war Sven arbeitslos und vollkommen desinteressiert, was die Arbeitssuche anging. Er wollte sich aber etwas leisten können, um mit seinen Freunden mithalten zu können. Er beschaffte sich die Mittel auf Wegen, die Mutter und Vater nicht gutheißen konnten. Wie oft wünschten sie insgeheim, man möge ihn einsperren, damit größeres Unheil vermieden wird. Nach diesem Traum fragte sich Michaela entsetzt, ob sie ihn lieber tot sehe, als dass er wieder stiehlt. Svens Vater Gerhard hatte ihn eine Woche zuvor rausgeschmissen. Ohne Abschied, Kleidung und Geld verschwand der junge Mann trotzig, traurig und wutentbrannt an einem kalten Novemberabend nur auf Jeans und Pullover.

 

Michaela wollte ihm nachgehen und zurückholen, doch ihr Mann hinderte sie daran. „Lass ihn, er muss jetzt lernen, sich im Leben zu behaupten, oder er ist für immer verloren“. Weinend lag sich das Ehepaar in den Armen und bangte um den verlorenen Sohn.Was würde aus ihm werden? Würde er sich um Arbeit bemühen, oder war ihm jetzt alles egal? Halfen die Eltern ihm damit, dass er kein Zuhause mehr hatte, oder machten sie sich schuldig? Wenn er vollends auf die schiefe Bahn käme, würde es sie ihr Leben lang belasten. Im Gebet brachten sie Gott ihre ganze Not um den geliebten Sohn und befahlen ihn seiner Führung an.

 

Einige Jahre später...

 

Sven hatte das Glück, echte Freunde zu haben. Sie gaben ihm für die erste Zeit einen Schlafplatz und auch zu Essen. Er erkannte seine Fehler und fand im Glauben Halt und Stärke. So konnte er sich auch mit seinen Eltern aussöhnen. Wie dankbar waren alle, dass Gott auch aus den krummsten Wegen gerade Straßen machen kann.

 

© Sabine Brauer

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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