Ingo R. Hesse

Gute Planung ist der halbe Erfolg

Irgendwann in der vorigen Woche fiel mir ein, dass ich schon sehr lange nichts Sinnvolles mehr vollbracht hatte, das mich zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft machen würde. Also beschloss ich, das möglichst zeitnah zu ändern. Ich fuhr also den PC runter und erhob mich von meinem Stuhl. OK, das war immerhin schon ein Anfang! Aber meine Intuition meldete einen deutlichen Anspruch auf höhere Ziele an. Doch welche?

 

Bei Fragen hilft mir seit Jahren Google recht erfolgreich. Also machte ich auf den Fersen kehrt und setzte mich wieder an den PC. Aber noch als mein rechter Mittelfinger fast den Start-Button erreicht hatte, fiel es mir siedend heiß ein. Googlen kann jeder Dumme! Und wie sollte ich mir einen Erfolg ans Revers heften, wenn die Idee dazu aus dem Internet, … ?

 

Also analog! So wie früher. So wie ich früher immer die besten Ideen hatte.

 

Etwa 12 Minuten später stand ich im Rewe-Markt meines Vertrauens vor dem Spirituosen-Regal. Etwa eine halbe Stunde später ließ ich langsam den ersten Bourbon über die Eiswürfel rieseln. Und etwa viereinhalb Stunden später hatte ich DIE Idee!

 

Die Idee, deren Geburt ich mir nicht leicht gemacht hatte. Die Idee, die aber die beste von allen war, die mir analog,... also mittels Eiswürfeln, Bourbon und Light-Cola an dem Abend eingefallen waren. Ich gebe zu, zwischendurch hatte ich mehrfach für kurze Momente das Gefühl gehabt, am Ziel zu sein. Doch spätestens als mir dann klar wurde, dass zum Beispiel das knarrende Bett und der fest-verbaute Akku im Handy schon erfunden war, hatte ich weiter eingeschenkt.

 

Doch nun war der Gedanke geboren und ich hoch motiviert. Aber zunächst musste ich etwa zwölf Stunden ruhen.

 

Und schon am nächsten Mittag begann ich zu sammeln. Beziehungsweise nicht zu sammeln. Um das verständlicher zu machen, erkläre ich wohl besser meine Idee. Sie dreht sich im weiteren und engeren Sinn um Umweltschutz.

 

Es ist mir nämlich schon lange ein Dorn im Auge, dass Millonen Barrels fossiler Brennstoffe darauf verwendet werden, meinen Plastikmüll mit LKW zum Meer zu transportieren.

 

Mal ganz abgesehen davon, dass einige ewig Gestrige der Meinung sind, die Meeresbewohner könnten gut auf diese Gaben verzichten. Vor ein paar hundert Jahren habe ich auch noch nicht gedacht, dass ich meine Sahneheringe heute in ovalen Gefäßen aus Hartplastik nachhause tragen würde. Aber ich habe mich daran gewöhnt.

 

Und was mir gelingt, wird sicher im Laufe der weiteren Evolution auch den Heringen recht sein. Außerdem, ..gäbe es keine Heringe, gäbe es auch diese Gefäße nicht. Also ist doch wohl das Verursacher-Prinzip anzuwenden!

 

Doch nun wieder zu meiner Idee: Ich denke also, wenn zu Anfang nur alle, die so wie ich in der Nähe eines Rinnsal-, Bach- oder Flusslaufs leben, der letztendlich ins Meer mündet, ..also wenn all diese Menschen ihren Plastikmüll nicht umständlich sammeln und kostenpflichtig ,… .

 

Um es kurz zu machen, wenn jeder sein Plastik direkt in die Gewässer geben würde, könnten die weiten Transportwege und damit nicht nur fossile Brennstoffe geschont werden. Auch die Qualität der Atemluft im ganzen Land würde deutlichst verbessert.

 

Aber, jede Idee ist nur gut, wenn sie auch funktioniert. Also nahm ich fünf dieser Herings-Gefäße und beschriftete ein jedes mit dem Namen und der Adresse eines Politikers meiner Wahl. Dann ging ich zum nahe gelegenen Ufer der Ruhr und übergab diesen Plastikmüll seiner Bestimmung.

 

Und nun da ich denke, inzwischen sollte meine Test-Fracht schon an Duisburg vorbei und auf dem direkten Weg ins Meer sein, bitte ich alle, denen auf dem Rhein oder in Küstennähe, mit rotem Edding beschriftete, überwiegend weiße Herings-Behälter aus Plastik begegnen,..diese keinesfalls aufzunehmen oder anderweitig am weiter schwimmen zu hindern.

 

Aber, aus Gründen der Statistik wäre ich für eine Nachricht mit genauen Angaben sehr dankbar. Datum Uhrzeit, Flusskilometer, Wasserstand, allgemeine Wetterlage und sonstige Beobachtungen wären eine große Hilfe.

Fischer und Shipper, die diese Behälter in der Nordsee sichten, nehmen sie bitte auf und senden sie unfrei an die darauf vermerkte Adresse!

 

Zum Dank darf sich jeder Helfer, jede Helferin im Lebensmittelmarkt seiner/ihrer Wahl am Spirituosen-Regal eine Flasche seiner/ihrer Wahl aussuchen.

 

Ich werde spätestens wenn ich die Ersparnis an Erdöl in Quadratlitern gegen die Kosten der örtlichen Entsorgung aufgerechnet habe, an die Medien heran treten und über den weiteren Gang der Dinge hier berichten.

 

Bis dahin wünsche ich allen eine schöne Zeit und ebenso gute Ideen!

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