Heinz-Walter Hoetter

Die Ballade von Mary Ann und Tommy White

Am Horizont der Donner grollt, die Blitze zucken wild.

Tommy White auf hohem Turme steht im Düsterlicht.

In rechter Hand das Schwert, in linker Hand das Schild.

Sein Herz ist voller Liebesschmerz. Ob es zerbricht? Er weiß es nicht.

 

Vom Turme aus er sieht das Dorf in fahler Mondesnacht.

Übers Land der Feind rückt an mit großer Macht.

Im Hof der festen Burg nur eine Handvoll tapfere Soldaten stehen.

Sie ahnen schon, die Übermacht ist groß, sie werden alle

sterben und vergehen.

 

Ach, hätt’ er Mary doch noch gesehen, die schöne Maid.

Sie wohnt unten im schutzlosen Dorf, nur entfernt zwei Meilen weit.

Des Feindes schrecklich Heer rückt unerbittlich näher.

Tommy White erschaudert, sieht beklommen alles, er ist der Späher.

 

Seine Augen glühen heiß, aschfahl ist sein Gesicht.

Oh Gott! Mary, Mary ich sah dich vorher nicht!

Ich bin dein Bräutigam und du die Braut.

Der Priester wollte uns doch trauen, er hat ja schon

nach uns geschaut.

 

Das Feindesheer erreicht die ersten Häuser jetzt am Dorfesrand.

Es gellen fürchterliche Todesschreie. Alles rennt.

Tommy White wird angst und bang.

„Sieh! Das Dorf, es brennt. Die helle Feuersglut, sie lässt die Nacht erröten.

So flieh’ doch liebste mein, Mary! Du bist in großen Nöten!“ schreit der junge Mann. „Die Schergen werden dich sonst töten.“

 

Die tapferen Verteidiger stürmen verzweifelt zur Burg hinaus, hinunter zum

brennenden Dorf, kämpfen wie besessen um jedes einzelne Haus. Das Gemetzel ist schrecklich, der Feind übermächtig. Der Tod hält reiche Ernte. Oh welch’ ein Graus! Mit der handvoll Männer ist es bald schon aus.

 

Auch Tommy White ist in vorderster Linie mit eingereiht, wild entschlossen und zu allem bereit. Er kämpft wie ein Held, der sich immer wieder die gleiche Frage stellt: „Wo ist sie, meine geliebte Braut Mary?“

Und siehe da, mitten im Dorf am plätschernden Brunnenloch, findet er sie.

Das Feuer wird heißer und heller. Es sieht aus wie der Hölle Abendrot.

Doch ihr Mörder war schneller, denn seine Braut Mary Ann, sie ist schon tot.

 

Und als Tommy White sie weinend vor Schmerz in seinen starken Armen hält, er im gleichen Moment tödlich getroffen von einem Feindespfeil kopfüber in den tiefen Brunnen fällt. Die flammende Feuersglut sich spiegelt auf dem glitschigen Wasser, das sich vermischt mit der beiden Verliebten Blut.

Die wogenden Wellen, sie decken die beiden toten Körper zu.

Mary Ann und Tommy White versinken zur ewigen Ruh’.

 

***

 

Tommy White liegt schlafend am rauschenden Meeresstrand. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und gelb ist der Sand. Mary Ann, die Schöne, sitzt daneben. Sie hält ihm verliebt die Hand. So ist das Leben.

Und als er benommen wach wird ein wenig später, gesteht er offen ihr: „Du Mary, ich träumte eine Ballade von dir und mir. Ich erzähl’ sie gleich hier...“

 

ENDE

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