Heinz-Walter Hoetter

Das Leben ist kein Kinderspiel

Das menschliche Dasein ist oft kein Kinderspiel. Wir wissen das alle und haben wohl schon dahingehend die eine oder andere Erfahrung gemacht.

Nun, als wir noch Kinder waren, spielten wir ausgerechnet immer jene Spiele, die meist Ausdruck der Lebenswirklichkeit der Erwachsenen waren.

Wer kennt es nicht, das sog. "Schwarze-Peter-Spiel"? Es ist ein beliebtes Kartenspiel für Kinder, jedenfalls war es das früher einmal.

Und in der Tat, die meisten klassischen Kinderspiele spiegeln das Alltagsleben der Menschen in einer Gesellschaft wider.

Vielleicht ist noch einigen die Redewendung geläufig, die da heißt "jemanden den Schwarzen Peter zuschieben", was eigentlich bedeutet, dass man jemand anderen etwas Unangenehmes tun lässt, sodass dieser auch die Verantwortung dafür zu tragen hat oder tragen muss.

Besonders in unserer heutigen Gesellschaft ist das Schwarze-Peter-Spiel sehr verbreitet, indem einer dem anderen die Verantwortung zuschiebt, um selbst fein raus zu sein.

Hauptsache ist dabei, man bleibt selbst im Geschäft, kann weiter machen und kommt voran. Wenn andere das Nachsehen haben, raus fliegen und / oder auf der Strecke bleiben, ist einem das egal bzw. gleichgültig.

Dieses unmenschliche Denken und Handeln ist meist systembedingt und in fast allen Gesellschaften der Welt zuhause, besonders in denen, die vom Kapital (Geld) beherrscht werden.

So erinnert mich z. B. unsere Gesellschaft häufig an das Spiel "Mensch-ärgere-die-nicht"!

Mit welcher Begeisterung und Lust versucht man doch, andere aus dem Spiel zu werfen, damit man seine eigenen Figuren gefahrlos voran bringen kann? Jeder möchte seine "Puppen" nach Hause und in "Sicherheit" bringen.

Aber das Leben ist kein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel.

In der Lebenswirklichkeit geht es oft um Sein oder Nichtsein, um Erfolg oder Misserfolg und viele Menschen verzweifeln daran, nicht selten begehen sie sogar Selbstmord (siehe Mobbing usw.), weil sie sich am Ende fühlen.

Mir fällt noch ein anderes Spiel ein, das man zu den "königlichen Spielen" zählt. Es ist das Schachspiel, das für mich ebenfalls ein Abbild des Menschen und seiner menschenfeindlichen Gewaltsysteme darstellt.

Das Schachspiel bietet nämlich tausendfache Möglichkeiten, den Gegner matt zu setzen. Jedes neue Spiel hat immer dasselbe Ziel, den Gegner zu "besiegen", ihn in die Enge zu treiben, bis es schließlich für ihn "Schachmatt" heißt.

Wie im wahren Leben, sind König und Dame die wichtigen, die dummen Bauern die unwichtigen Figuren auf dem Feld des Lebens bzw. in einer Gesellschaft, die von der Pyramide der Macht beherrscht wird.

Es gibt immer Gewinner und Verlierer, die eigentlich jedes Macht- und Herrschaftssystem schon fast automatisch hervor bringt, ja hervor bringen muss, um existieren zu können.

Das ist auch in den sog. Demokratien nicht anders (siehe Hartz 4 Empfänger in der BRD, wobei es sich hierbei meist um alimentierte Verlierer handelt – vom Machtsystem aus betrachtet).

Die Bauern werden (in der Regel) geopfert, die Läufer müssen rennen, die Springer springen und der Turm muss in der Schlacht bestehen, sonst geht er unter. Aber im Grunde genommen dreht sich alles um den König.

Das ganze Spiel dreht sich nur um ihn, obwohl die Dame eigentlich viel wirkungsvoller ist, denn ohne Dame sieht es schlecht aus. Man muss schon ein sehr guter Schachspieler sein, um ohne Dame gewinnen zu können.

Wie das Schachspiel, so ist auch das Leben, das oft keine Rücksicht und keine Gnade kennt.

Und noch ein beliebtes Kinderspiel fällt mir ein, das wir früher auf dem Bürgersteig gespielt haben. Es heißt "Himmel und Hölle".

Auch dieses Spiel, ein Hüpfspiel übrigens, erinnert mich immer wieder an den Ernst des Lebens. Wie oft hat man den Traum vom Himmel, und ganz plötzlich findet man sich unten in der Hölle wieder, weil das Leben oft grausam und verletzend sein kann.

Und dann ist da noch die Lust am Verkleiden und Maskieren. Wer sich verkleidet und sein Gesicht maskiert, möchte eigentlich nur seine wahre Identität verbergen bzw. verstecken. Wir kennen das alle aus dem Karneval. Da schlüpft man für eine gewisse Zeit in eine andere Rolle und möchte am liebsten sein eigenes Ich vergessen.

Bei den Kindern ist das eher ein harmloses Spiel. Doch seien wir ehrlich. Wie viele Erwachsene verbergen ihr wahres Gesicht und täuschen sich und andere mit dieser Verhaltensweise? Tragen wir nicht alle irgendwelche Masken?

Und da sind noch die Kampfspiele, welche man den Kindern bis heute ohne großen Erfolg verbietet.

Andere besiegen, unterkriegen und fertigmachen, selbst aber oben bleiben und als Sieger hervor gehen, das sind und bleiben starke Wünsche jeder menschlichen Natur. Sie sind Ausdruck tiefer Menschenart.

So waren die Primaten schon immer, so sind sie heute noch und werden auch in Zukunft noch so sein. Diese Verhaltensweisen sind genetisch vorbestimmt bzw. festgelegt und damit schlichtweg unveränderlich (Determiniertheit = Bestimmtheit, Abhängigkeit, Festgelegtsein).

Es ist leider so. Die Welt, in der wir leben und sterben müssen, ist in der Tat (auf Dauer) kein schöner Spielplatz und auch kein lustiger Schauplatz, sondern Tag für Tag erleben wir in ihr den Ernstfall, der nicht selten bitter endet.

Nichtsdestotrotz ist das menschliche Leben (alles Lebendige schlechthin) einmalig, kostbar, wertvoll und hoch angesetzt.

Darum sollten wir es nicht "verspielen", sondern ehrlich und erfüllt leben, damit es am Schluss einen tiefen und vollendeten Sinn bekommt.


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Kein Leben hinter mir: Trauma oder Irrsinn von Klaus-D. Heid



Langsam gehe ich auf das sechzigste Lebensjahr zu. Da hinter mir nahezu jede emotionale Erinnerung »verschwindet«, besitze ich keinerlei sichtbare Erinnerung! Vieles von dem, was ich Ihnen aus meinem Leben berichte, beruht auf alten Notizen, Erinnerungen meiner Frau und meiner Mutter oder vielleicht auch auf sogenannten »falschen Erinnerungen«. Ich selbst erinnere mich nicht an meine Kindheit, Jugend, nicht an meine Heirat und auch nicht an andere hochemotionale Ereignisse, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Einfach so zum Lesen und Nachdenken" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Geschichte von Dhaijawail Cruhl von Heinz-Walter Hoetter (Mystery)
Mit seinem Namen leben von Norbert Wittke (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Aufsatz über die Gans von Karli von Margit Kvarda (Humor)